Bittersüß

Ich brauchte nicht lange zu warten, ehe Olivia die Tür öffnete. Ihre Lippen zierten ein breites, freundliches Grinsen und ihre braunen Augen strahlten Wärme aus.
„Hallo“, begrüßte ich sie.
„Da bist du ja, James. Holly meinte schon, dass du später kommst.“ Sie trat zur Seite und ließ mich herein.
„Aha“, meinte ich schlicht. Ich beachtete sie kaum, denn ich dachte nur noch daran zu Holly zu gehen und mit ihr zu reden. Mehrere Stufen auf einmal nehmend lief ich die Treppe hinauf und wollte bereits zu ihrem Zimmer, als Olivias laute Stimme mich stoppen ließ.
„Holly ist nicht zu Hause“, brüllte sie hinauf.
Als ich das hörte, wirbelte ich blitzschnell herum und rannte zurück zum Treppenabsatz. Meine Augen waren vor Überraschung weit aufgerissen.
„Wo ist sie denn?“, fragte ich hektisch.    
„Sie ist mit Linda nach Hause gefahren. Vor zehn Minuten hat sie hier angerufen und mir Bescheid gesagt.“ In ihrem Gesicht konnte ich große Verwunderung erkennen.
„Hat sie denn gesagt, wann sie wiederkommt?“ Meine Stimme überschlug sich beinahe. Wieso war sie nicht hier? Ich musste doch unbedingt mir ihr sprechen. Das…
„Nein, dass hat sie nicht gesagt. Ich weiß nur, dass Linda Holly wieder hierher bringt.“
Na klasse, dachte ich und senkte tief enttäuscht den Kopf. Das durfte einfach nicht wahr sein.
„Stimmt irgendetwas nicht?“ Olivias besorgter Ton drang an meine Ohren. Ich sah zu ihr herunter. Bevor ich ihr antwortete, räusperte ich mich und versuchte mich zu beruhigen.
„Es ist alles in Ordnung. Ich muss nur dringend mit Holly reden“, erklärte ich ihr.
„Ach so“, entgegnete sie. Dann schenkte sie mir ein aufmunterndes Lächeln. „Sie wird bestimmt nicht lange weg sein.“
„Das kann ich nur hoffen“, nuschelte ich leise, ehe ich mich umdrehte und in Hollys Zimmer ging.

Seit geschlagenen drei Stunden lag ich allein auf Hollys Bett und starrte an die Decke. Von Minute zu Minute wurde ich ungeduldiger. Olivias Vermutung, dass Holly bald wiederkommen würde, war falsch. Unentwegt fragte ich mich, was Holly so lange bei Linda machte.
Vielleicht blieb sie bei ihrer Freundin, weil sie mich einfach nicht sehen wollte. Dieser Gedanke zog meine miese Stimmung noch weiter in den Abgrund und ich wünschte mir nichts sehnlicher, als unrecht zu haben.
Seitdem ich mich hingelegt hatte, dachte ich angestrengt darüber nach, was ich Holly sagen sollte, wenn sie auftauchte. Natürlich würde ich mich zuerst für mein Verhalten entschuldigen, aber wie ich es erklären sollte, wusste ich nicht.
Das Klügste wäre es, ihr doch die Wahrheit zu sagen, aber dass konnte ich nicht, weil ich sonst meine Versprechen brechen würde. Und zwar zum Einen das Versprechen, dass ich mich bemühen würde mich mit ihren Freunden zu verstehen und zum Anderen das Versprechen, das ich ihrem Onkel Jamie gegeben hatte.
Ein langgezogener Seufzer kam über meine Lippen. Ich saß in einer Zwickmühle und hatte keine Ahnung, wie ich da herauskommen sollte. Immer wieder schwankte ich zwischen der Wahrheit oder weiteren Lügen hin und her. Für was sollte ich mich bloß entscheiden?
Ich war dermaßen in Gedanken versunken, dass ich nur am Rande mitbekam, dass die Tür geöffnet wurde und jemand hereinkam.
Erst, als ich meinen Namen hörte, ließ ich mich dazu verleiten zur Tür zu sehen. Dort stand niemand geringeres, als Holly.
„Du warst lange weg“, stellte ich emotionslos fest und setzte mich langsam auf.
„Stimmt“, entgegnete sie knapp und kam zu mir herüber. Dann ließ sie sich auf ihr Bett fallen und stellte die Krücken zur Seite.
Anschließend herrschte eisiges Schweigen zwischen uns. Holly drehte eine ihrer Haarsträhnen um den Zeigefinger und starrte auf den Fußboden.
Sie schien nicht zu wissen, ob sie irgendetwas sagen sollte. Ich dagegen wusste, was ich sagen wollte, doch ich bekam keinen einzigen Ton über meine Lippen. Wie sollte ich nur anfangen?
Es war so still im Raum, dass ich Holly atmen hören konnte.
Aus den Augenwinkeln beobachtete ich, wie sie sich auf ihre Unterlippe biss und ihre Stirn in Falten legte.
Jetzt reichte es. Mich machte es wahnsinnig, dass wir beide nebeneinander saßen und nicht miteinander redeten. Ich musste hart schlucken, bevor ich meine Stimme erhob.
„Es tut mir leid, wie ich mich aufgeführt habe. Ich hätte mit dir reden sollen. Du wolltest doch nur wissen, was mit mir los ist und ich habe mich wie ein kleines Kind benommen. Tschuldigung“, sagte ich reumütig und sah sie von der Seite her an.
Zuerst zeigte sie keine Reaktion, doch dann wanderten ihre Augen zu mir und ihre Mundwinkel hoben sich nach oben.
„Es war auch nicht richtig von mir dich zu ignorieren und so lange bei Linda zu bleiben.“ Sie legte ihre rechte Hand auf meine Linke.
„Wieso bist du eigentlich ohne ein Wort abgehauen? Ich hab mir Sorgen gemacht“, setzte sie nach.
Augenblicklich zog ich eine Augenbraue in die Höhe. Sie hatte sich doch Sorgen gemacht?
„Ich bin gegangen, weil ich das Gefühl hatte, dass du mich nicht in deiner Nähe haben willst. Ich fand es schrecklich, dass du mich ignoriert hast“, gab ich ohne Umschweife zu.
„Das kann ich mir vorstellen“, meinte sie leise und schaute mich entschuldigend an.
„Willst du mir vielleicht jetzt sagen, was dich beschäftigt?“, fragte sie mich vorsichtig. Dabei starrte sie mich mit einem durchdringenden Blick an, als versuche sie meine Gedanken zu lesen.
Ihre Frage brachte mich völlig aus dem Konzept. Ich hätte nicht erwartet, dass sie mich noch ein weiteres Mal fragen würde, was mit mir los war. Jetzt musste ich mir schnell überlegen, was ich ihr sagen sollte.
Ich brauchte ein paar Minuten, bis ich Holly antwortete.
„In der Schule wollte ich nicht mit dir reden, weil ich keine Ahnung hatte, wie ich dir sagen soll, dass ich ab heute wieder draußen schlafen möchte.“ Kaum hatte ich zu Ende gesprochen, da entgleisten Hollys Gesichtszüge und in ihren Augen erkannte ich Verständnislosigkeit.
„Bist du verrückt? Du weißt doch, wie kalt es momentan ist“, kreischte sie aufgebracht und zog ihre Hand weg.
„Ich weiß, aber ich sollte sowieso nur wenige Tage hier bleiben. Es ist besser so“, erklärte ich.
„Für wen denn?“ Ihre Stimme zitterte vor Erregung. „Denkst du, dass mich deine Entscheidung glücklich macht?“
„Nein, aber…“
„Ich will nicht, dass du gehst“, unterbrach sie mich. Durch die Aufregung hob und senkte sich ihr Brustkorb unnatürlich schnell.
„Jetzt beruhige dich erstmal, Holly“, sagte ich und packte sie an den Schultern, aber sie riss sich los und rückte ein Stück nach hinten.
„Warum regst du dich so auf? Du wusstest doch, dass ich nicht ewig hier wohnen kann.“ Ich konnte ihre heftige Reaktion einfach nicht nachvollziehen.
Holly klemmte sich die Haare hinter die Ohren. Ihre Wangen zeigten rote Flecken.
„Natürlich war mir das klar, James, aber ich habe mich daran gewöhnt, dass du in meinem Zimmer schläfst und fast 24 Stunden bei mir bist“, brachte sie mit etwas sanfterer Stimme hervor.
„Ich verstehe bloß nicht, warum deine Entscheidung so plötzlich kommt und du schon heute nicht mehr hier schlafen willst.“ Prüfend musterte sie mich.
Ich musste mir auf die Zunge beißen, damit mir nicht herausrutschte, dass ich mich nicht selbst dafür entschieden, sondern dass ihr Onkel mich rausgeschmissen hatte.
„Ich habe die letzten Tage bereits darüber nachgedacht. Ich will mich deinem Onkel und Olivia nicht weiter aufdrängen.“ Meine Eingeweide krampften sich zusammen, als ich Holly belog, obwohl es gezwungenermaßen war.
Nach meinen Worten wirkte sie nachdenklich. Sie war nicht mehr aufgebracht, stattdessen war sie verhalten und ruhig.
Sekunden später seufzte sie und ließ ihren Kopf in den Nacken fallen. Mit glasigen Augen sah sie zur Decke.
„Ich glaube ich habe gar keine andere Wahl, als deine Entscheidung zu akzeptieren“, beklagte sie sich traurig.
Ich rückte nahe an Holly heran. Es dauerte etwas, bis sie ihren Kopf wieder senkte und mich ansah. Als ich ihre kleinen Sommersprossen und diese traumhaft schönen blauen Augen sah, fing ich verträumt an zu schmunzeln.
„Danke“, flüsterte ich und küsste sie auf die Stirn.

Ich hockte auf einer Holzbank, die sich in der Nähe von Hollys Haus befand. Es war unbeschreiblich kalt. Mein ganzer Körper fühlte sich eingefroren an. Jede kleinste Bewegung schmerzte, denn meine Muskeln waren steinhart.
Ich saß erst seit einer Stunde hier, aber ich hatte bereits das Gefühl, dass meine Finger und Zehen abgestorben waren. Meine neuen Klamotten wärmten mich nicht halb so gut, wie ich gehofft hatte. Ich fing an, Jamie innerlich für meinen Rausschmiss zu verfluchen. Ich konnte nicht glauben, wie er sich aufführte, dabei war er erwachsen. Je länger ich über Jamie nachdachte, desto mehr Wut staute sich in mir auf. Ich ballte meine Hände zu Fäusten, was ich im selben Augenblick bereute, denn der aufkommende, dumpfe Schmerz brachte mich beinahe um den Verstand.
Durch die Dunkelheit konnte ich nicht viel erkennen. Nur eine Straßenlaterne, die in einigen Metern Entfernung stand, spendete ein wenig Licht. Die Einsamkeit und das schlechte Wetter machten mir schwer zu schaffen. Ich vermisste Holly, ein warmes Bett und die Sonne. Um mich abzulenken, hob ich den Blick und schaute in den Himmel. Über mir funkelten unzählige Sterne…

Meine erste Nacht, die ich nach ein paar Tagen Wärme wieder draußen verbracht hatte, war die reinste Hölle gewesen. Ich hatte kaum ein Auge zugemacht, weil mir so fürchterlich kalt gewesen war.
Vor zehn Minuten hatte ich mich von der Bank erhoben, was unglaublich schwer gewesen war, denn ich hatte mich gar nicht richtig bewegen können. Selbst jetzt tat mir noch alles weh, was wehtun konnte. Mir ging es miserabel. Ich hatte Angst, dass ich bald krank wurde und eine Erkältung war das Letzte, was ich jetzt gebrauchen konnte.
Um meinen Kreislauf und Körper wieder in Schwung zu bringen, spazierte ich seit wenigen Minuten umher. Meine Hände steckten in den Tiefen meiner Jackentaschen. Mein Atem stieg als Nebelwolke vor mir auf und machte sichtbar, wie kalt es wirklich war.
Bevor ich zu Holly ging, wollte ich halbwegs aufgewärmt sein, doch in mir stieg langsam der Verdacht auf, dass ich machen konnte, was ich wollte, aber mir nicht warm werden würde. Mir würde nur eine Heizung oder eine Decke helfen. Daher entschied ich mich nach einer Dreiviertelstunde Spaziergang zu ihr zu gehen, obwohl es erst acht Uhr morgens war. Ich konnte bloß hoffen, dass Holly am Wochenende auch früh aufstand.
Verfroren und müde stand ich vor der Tür und klingelte. Da mir keiner öffnete, dachte ich zuerst, dass wirklich noch alle schliefen, doch dann hörte ich leise Schritte hinter der Tür. Bitte lass es nicht Jamie sein. Bitte lass es nicht Jamie sein, dachte ich. Nach dieser anstrengenden Nacht hatte ich keine Nerven mich mit ihm herumzuschlagen.
Sekunden später wurde die Tür weit aufgerissen und Holly stand vor mir, zum Glück. Das Lächeln, das sie sogleich gezeigt hatte, fror ein, als sie mich genauer betrachtete und ihr mein schlechter Zustand auffiel.
„Wie siehst du denn aus?“, meinte sie besorgt. Statt ihr zu antworten, ging ich an ihr vorbei in den Flur. Die herrschende Wärme umhüllte mich und meine Haut fing an zu kribbeln. Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Holly schloss derweil die Tür und verhinderte, dass die Kälte eindrang.
„Wie geht es dir, James?“, fragte sie mich, nachdem sie sich zu mir gewandt hatte. Mit sorgenvoller Miene musterte sie mich.
„Es ging mir schon besser.“
„Das glaube ich dir sofort“, sagte sie und kam zu mir herüber. Zaghaft legte sie ihre Hand in meine.
„Du bist eiskalt“, hauchte Holly und sah mich mit großen Augen an. Anschließend stützte sie sich auf ihre Krücken, stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste mich auf den Hals. Diese kleine Geste entlockte mir ein glückliches Lächeln und ich fühlte mich schon um einiges besser.
„Am Besten gehen wir in die Küche. Dann mache ich dir einen Kaffee.“ Ich nickte und folgte ihr. Sofort steuerte Holly die Kaffeemaschine an, während ich mich an den Esstisch setzte. Minuten vergingen, bis der Kaffe fertig war und Holly eine Tasse füllte. Ohne Aufforderung stand ich auf und nahm die Tasse.
Eng legte ich meine Hände um die Tasse, um wieder Gefühl in sie hinein zu bekommen. Vorsichtig nahm ich einen Schluck. Der heiße Kaffee verbrannte mir die Zunge und ich konnte spüren, wie er meine Speiseröhre hinunterlief.
„Trink nicht so schnell“, ermahnte sie mich.
„Ja, ja“, krächzte ich. Danach musste ich erstmal stark husten. Holly schüttelte bloß den Kopf.
„War es schlimm draußen zu schlafen?“, fragte sie plötzlich und sah mich ehrfürchtig an.
„Ja“, meinte ich ehrlich. Es nützte nichts Holly etwas vorzumachen. „Es war die grauenvollste Nacht meines Lebens. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie kalt es in den vergangenen Stunden war. Ich habe kaum geschlafen“, berichtete ich betrübt.
„Meinst du nicht, dass du dann doch lieber wieder hier schlafen solltest?“ Ich stöhnte. Es wäre schön bei Holly zu sein und dazu noch in einem beheizten Haus, aber dennoch musste ich ihren Vorschlag ablehnen. Egal, wie schwer mir dies auch fiel.
„Ich würde gerne bei dir bleiben, aber das geht nicht. Wie würdest du Olivia und Jamie erklären, dass ich Wochen, vielleicht sogar Monate hier wohnen würde?“ fragte ich sie mit lauter Stimme.
„Keine Ahnung“, sagte sie mürrisch und zuckte mit den Achseln. Sie war sauer, weil sie genau wusste, dass ich nicht hier bleiben konnte. Jedoch hätte sie dies im Leben nicht zugegeben.
„Lassen wir einfach dieses Thema. Es gibt jedes Mal nur Streit zwischen uns“, meinte ich beschwichtigend und küsste sie sanft auf die Stirn. An ihrem herausfordernden Blick war erkennbar, dass sie am Liebsten noch weiter mit mir diskutiert hätte. Dennoch nickte sie und nippte an ihrer Tasse. Auch ich traute mich nach einigen Minuten Abkühlungszeit mir wieder einen Schluck Kaffee zu gönnen.
„Ach, ich muss dir noch etwas sagen, James“, sagte sie verunsichert und senkte den Blick. Ihr Gesicht färbte sich zartrosa. Plötzlich bekam ich ein komisches Gefühl in der Magengegend. Irgendetwas sagte mir, dass mir das, was sie mir sagen wollte, nicht gefallen würde.
Meine Befürchtung bestätigte sich bereits bei Hollys nächstem Satz.
„Wir treffen uns heute Abend mit meinen Freunden“, nuschelte sie.
„Was machen wir heute?“, fragte ich im scharfen Ton nach.
„Flipp nicht aus, sondern denk daran, was du mir versprochen hast“, entgegnete sie ernst. „Du warst damit einverstanden, dass wir gemeinsam etwas unternehmen.“ Entrüstet stemmte sie die rechte Hand in ihre Hüfte.
„Ich weiß, was ich versprochen habe, aber…“
„Aber du hättest nicht erwartet, dass ich es tatsächlich ernst meine und ein Treffen vereinbare“, fiel Holly mir ins Wort.
Schlecht gelaunt verzog ich das Gesicht. Ich hätte wirklich nicht damit gerechnet. Jetzt bereute ich es, dass ich ihr dieses Versprechen so leichtsinnig gegeben hatte. Damals hätte ich länger darüber nachdenken sollen, doch nun war es zu spät. Ich gab mich geschlagen. Entnervt kam ein lang gezogener Seufzer über meine Lippen.
„Und wen hast du genau zu diesem netten Treffen eingeladen?“ Meine Stimme triefte vor Sarkasmus. Holly verdrehte die Augen.
„Es kommen Linda, Vanessa, Zack, Daphne und…“ Sie zögerte.
„Und Cassidy“, knurrte ich wütend. Warum ausgerechnet er? Linda war schon schlimm genug.
„Wieso kommt er mit? Hat er dir etwa versprochen dich nicht mehr verliebt anzusehen?“, fragte ich spöttisch.
„Übertreib nicht, James. Ich hab ihn eingeladen, weil ich ihn gut leiden kann“, erklärte sie mir.
„Er kann dich auch gut leiden, weil er in dich verknallt ist. Und mich hasst er, weil ich mit dir zusammen bin“, stellte ich fest und lehnte mich an die Küchenzeile.
„Ich weiß, dass du nicht gerade begeistert bist und das kann ich durchaus verstehen, aber…“
„Kein aber“, unterbrach ich sie barsch. „Versuch ja nicht mich zu irgendetwas zu überreden. Ich werde mich nicht bemühen, mich mit Cassidy zu verstehen oder versuchen ihn zu ignorieren, denn das kann ich nicht, weil er dich unentwegt anstarrt. Jedes Mal, wenn ich ihn sehe, werde ich wahnsinnig und könnte durchdrehen.“
Zornig schnaubte ich und ballte die Hände zu Fäusten.
Nur der Gedanke an ihn reichte bereits aus, um mich zur Weißglut zu bringen. Wie sollte ich es da schaffen einen ganzen Abend mit ihm zu verbringen?
„Es ist unmöglich für mich, mich zusammenzureißen, wenn er in meiner, geschweige denn in deiner Nähe ist“, setzte ich mit erheblich ruhigerer Stimme nach. Holly musste mich doch einfach verstehen. Sie war selbst wütend gewesen, als sie Daphne und mich zusammen gesehen hatte. Also, wieso verlangte sie von mir, dass ich Cassidys Werben hinnahm?
Ich legte meinen Kopf schräg und sah ihr tief in die Augen. Holly hatte ihre Lippen fest aufeinander gepresst. Ich konnte es förmlich hinter ihrer Stirn rattern hören.
„Ich kann dich ja verstehen“, flüsterte sie leise vor sich hin. Abwesend fuhr sie sich durch die Haare und erwiderte meinen Blick. In ihren Augen lag etwas Undefinierbares. Ich wusste nicht was oder ob ich überhaupt darauf antworten sollte.
„Hör mal“, meinte ich nach ein paar Minuten Schweigen. „Wenn es dir so wichtig ist, dass Cassidy mitkommt, dann ist es in Ordnung für mich“, sagte ich gefasst, obwohl sich alles in meinem Innern gegen diese Entscheidung sträubte. Überrascht klappte Holly die Kinnlade herunter.
„Ist das dein ernst?“, fragte sie misstrauisch und verengte die Augen zu Schlitzen.
Wie mechanisch nickte ich, was ich am Liebsten unterlassen hätte, denn ich kam mir dämlich vor. Was machte ich denn da? Ich gab Holly die Erlaubnis Cassidy heute Abend mitzubringen, dabei hasste ich ihn und seine Schwärmerei für meine Freundin. Aber tief im Inneren wusste ich ganz genau, warum ich das tat. Ich tat es für Holly. Ich würde alles für Holly tun.
„Warum hast du deine Meinung so plötzlich geändert?“, meinte sie verwirrt und runzelte die Stirn.
„Weil es dir wichtig ist, dass ich mich mit Cassidy und deinen anderen Freunden verstehe“, antwortete ich.
Darauf wurden Hollys Züge weich und sie zeigte mir ein warmes Lächeln.
„Vielleicht weißt du es noch nicht, aber du bist einfach der Beste“, meinte sie begeistert und strahlte über das ganze Gesicht.

Einige Stunden später saß ich auf dem Boden und lehnte mit dem Rücken gegen Hollys Bett. Amüsiert sah ich meiner Freundin dabei zu, wie sie vor dem Kleiderschrank stand und hin und wieder ein Kleidungsstück hinter sich warf. Nach und nach war ein ordentlicher Haufen entstanden.
Seitdem wir hinauf in ihr Zimmer gegangen waren, hatte Holly nichts anderes gemacht, als mich verzweifelt zu fragen, was sie denn heute Abend anziehen sollte. Ich hatte ihr immer dieselbe Antwort gegeben, nämlich das sie sich keine Gedanken machen sollte, weil wir doch bloß mit ihren Freunden weggingen. Wenn es jemanden gab, der sich Sorgen machen sollte, dann war ich das, schließlich hassten sie mich und nicht Holly.
„Kannst du dich jetzt endlich entscheiden, Holly? Viel Zeit bleibt dir nicht mehr“, merkte ich an, nachdem sie drei weitere Oberteile und eine Jeans auf den Haufen geworfen hatte.
Genervt drehte sie sich um, womit sie ein wenig Probleme hatte, da sie sich momentan bloß auf eine Krücke stützte.
„Hetz mich nicht, James“, beschwerte sie sich und warf mir einen finsteren Blick zu. Dennoch schaute sie kurz auf die Uhr. Entsetzt riss sie die Augen auf und wandte sich wieder ihrem Kleiderschrank zu. Hektisch bewegte sie ihre Hand und kramte weiter im Schrank herum.
Nach einer gefühlten Ewigkeit entschied sich Holly für eine dunkle Jeans und einen grauen, eng anliegenden Pullover.
„Ich geh raus, solange du dich umziehst“, äußerte ich, während ich mich erhob.
„Soll ich Olivia holen?“
„Nein“, meinte sie atemlos. Wie angewurzelt blieb ich an Ort und Stelle stehen.
„Du willst dich also ohne ihre Hilfe anziehen“, mutmaßte ich.
„Nein“, sagte sie erneut. Ich legte meine Stirn in Falten.
„Was möchtest du denn dann?“, fragte ich leicht überfordert.
„Ich will, dass du mir hilfst, James“, flüsterte sie so leise, dass ich sie beinahe nicht verstanden hätte.
Ihre Antwort und ihre Verlegenheit ließen mich breit grinsen. Ich wusste zwar nicht, woher Hollys plötzliche Offenheit kam, aber mir gefiel es.
„Kein Problem, dass mache ich doch gerne.“
„Das kann ich mir denken“, sagte sie unverdrossen, bevor sie mir die Jeans und den Pullover zuwarf. Galant fing ich beides auf und legte sie aufs Bett. Derweil nahm Holly ihre zweite Krücke zur Hand und kam zu mir herüber. Sie wirkte verunsichert und ein wenig ängstlich. Vielleicht war es doch keine gute Idee, wenn ich hier blieb und ihr half.
„Bist du dir sicher, dass Olivia dir nicht helfen soll?“ Ich sah ihr in die Augen und versuchte herauszufinden, was sie im Moment dachte, aber leider gelang mir dies nicht mehr so gut und problemlos, wie früher.
„Ja“, entgegnete sie mit ungewöhnlich lauter Stimme. Sie kam noch einen weiteren Schritt auf mich zu. Ihr Gesicht zeigte Entschlossenheit.
„Du meinst es also ernst“, stellte ich fest. Holly nickte.
Dann ging sie zum Bett und setzte sich hin. Wortlos stellte ich mich vor sie und ging leicht in die Hocke. Dies war das Zeichen für Holly ihre Arme zu heben. Mit meinen Händen griff ich den Saum ihres T-Shirts und zog es ihr über den Kopf. Danach standen ihre schwarzen Haare in alle Richtungen ab und ihre Wangen waren rosa.
Provisorisch fuhr sie sich mit den Händen über die Haare und versuchte sie zu glätten. Sekunden später drückte sie sich nach oben und stand ohne Krücken sehr wackelig vor mir. Schnell legte ich einen Arm um ihre Taille und stützte sie. Sie selbst stemmte ihre Hände gegen meinen Oberkörper und suchte Halt.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte ich besorgt.
„Ja, ja“, sagte sie lachend, ehe sie ihre rechte Hand vorsichtig von mir löste und die lange Schlafanzughose ein Stück herunterzog. Dann ließ sie sich langsam wieder zurück aufs Bett fallen.
Sogleich setzte ich mich auf den Boden, schnappte mir die Hosenbeine und zog ihr die Hose aus. Nun saß Holly nur noch in Unterwäsche vor mir. Ihr Anblick erinnerte mich daran, wie sie damals peinlich berührt vor mir gestanden hatte, als ich Steine ans Fenster geworfen und sie aus dem Schlaf gerissen hatte.
Aber jetzt war ihre Verlegenheit verflogen, denn ihre Augen hatten in diesem Augenblick eine unglaubliche Ausdrucksstärke, die ich unmöglich beschreiben konnte. Holly und ich saßen einfach nur da und starrten uns an.
Als ich sie vor mir sah, so wunderschön, zart und rein, da wurde mir erneut bewusst, dass ich sie über alle Maße liebte und wie viel Glück ich doch gehabt hatte, ihr begegnen zu dürfen.      
„Sollen wir uns noch weiter anstarren oder hilfst du mir beim Anziehen?“, fragte sie mich und fing an zu kichern. Ihr bezauberndes Lachen ließ mein Herz höher schlagen.
„Beides ist okay“, antwortete ich keck und zwinkerte ihr zu.
„Egal, wie sehr ich es auch liebe dich anzusehen, es wäre wohl besser, wenn ich mich anziehe. Wir haben sowieso nicht mehr viel Zeit.“
„Woran das wohl liegt?“, entgegnete ich ironisch.
Holly verdrehte die Augen, bevor sie den grauen Pullover anzog, der noch immer auf dem Bett lag. Danach schnappte ich mir die Hose und krempelte ihr die Hosenbeine hoch. Mit ihrem linken Bein hatte sie keine Probleme in die Hose zu kommen, doch mit dem rechten, eingegipsten Bein funktionierte es nicht so gut.
Im ersten Moment glaubte ich, dass ich es überhaupt nicht mehr hinkriegen würde ihr die Hose anzuziehen, aber mit ein bisschen Kraftaufwand schaffte ich es dann doch.
„Na endlich“, äußerte ich atemlos.
„Das kannst du laut sagen“, stimmte Holly mir zu.
Anschließend zog sie sich die Hose ganz hoch und schloss sie mit dem Reißverschluss und einem Knopf.
„Bevor ich mir den Knöchel gebrochen habe, hätte ich nie gedacht, dass es so anstrengend sein kann sich anzuziehen“, stöhnte sie und ließ sich erschöpft nach hinten auf ihr Bett fallen.
Ich schmunzelte und setzte mich neben sie. Augenblicklich legte sie ihre linke Hand auf meine Rechte.
„Eigentlich wollte ich noch wissen, was mir heute Abend machen?“ Meine Frage kam ziemlich spät, dafür, dass es schon 18 Uhr war.
„Wir gehen in einer Stunde zu Daphne und Cassidy rüber und fahren zusammen in die Stadt. Es hat etwas gedauert, bis wir uns darauf geeinigt haben ins Kino zu gehen“, murmelte sie.
„Das ist sowieso das Einzige, was ich mit meinem kaputten Knöchel machen kann.“ Ihre Stimme war erfüllt mit Unzufriedenheit. Während sie sich über ihre eingeschränkte Bewegungsfähigkeit beschwerte, musste ich mich zwingen nicht durchzudrehen, weil ich bald mit Cassidy in einem Wagen sitzen würde.
Zum schier tausendsten Mal fragte ich mich, ob ich es wirklich schaffte, einen ganzen Abend mit Hollys Freunden zu verbringen, ohne, dass bei mir eine Sicherung durchbrannte. Ich war mir zu ca. 90 Prozent sicher, dass irgendetwas heute schief gehen und es riesigen Streit geben würde. Aber ich wagte es nicht, Holly von meiner Befürchtung zu erzählen, schließlich hatte ich ja selbst dem Ganzen zugestimmt.
Also hielt ich lieber den Mund und strich mit meinem Daumen über Hollys Handrücken.
Derweil summte sie leise eine mir unbekannte Melodie vor sich hin. Es hörte sich an wie ein Schlaflied. Der Klang ihrer sanften Stimme war unbeschreiblich schön und mit der Zeit wurde ich müde.
Meine Lider wurden von Sekunde zu Sekunde schwerer und ich musste herzhaft gähnen.
„Du schläfst doch nicht ein, oder?“ Abrupt hatte Holly mit dem Summen aufgehört. Ihre plötzliche Frage holte mich aus dem Dämmerschlaf.
„Nein, natürlich nicht“, meinte ich und rieb mir die Augen. Sie setzte sich langsam auf und lächelte mich an.
„Das sieht für mich aber irgendwie anders aus“, sagte sie ehrlich und zeigte mir eine Reihe strahlend weißer Zähne. Liebevoll streichelte sie mir über die Wange, dann beugte sie sich leicht vor und küsste mich.
„Jetzt bin ich aber wieder hellwach, Holly.“ Ich entgegnete ihr Lächeln und fuhr ihr mit einer Hand durch die seidigen schwarzen Haare.
„Wirklich?“, fragte sie skeptisch. Eifrig nickte ich.
„Sicher.“

Keine halbe Stunde später standen wir im Flur. Jamie half seiner Nichte in die dicke, braune Winterjacke, während ich an der Treppe stand und die Beiden beobachtete. Olivia stand neben mir. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass ihr linkes Bein nervös zuckte. Sie wirkte angespannt und besorgt.
Ich hatte gerade den Mund geöffnet, um sie zu fragen, ob etwas nicht stimmte, als sie sich zu mir wandte.
„Mir gefällt es nicht, dass Holly ausgeht, obwohl sie verletzt ist“, flüsterte sie mir schlecht gelaunt zu.
Es überraschte mich sehr, dass Olivia was dagegen hatte, dass Holly sich mit ihren Freunden traf. Ich hatte immer das Gefühl, dass sie viel offener und nachgiebiger in solchen Dingen war, als ihr Mann. Offensichtlich hatte ich mich aber getäuscht.
„Wieso?“, fragte ich nach und war gespannt auf ihre Antwort.
„Weil sie sich lieber ausruhen sollte, anstatt draußen herumzulaufen.“ Ernst sah sie mich mit ihren braunen Augen an. Verwirrt hob ich eine Augenbraue in die Höhe.
„Aber sie geht doch jeden Tag zur Schule. Ist das nicht dasselbe?“ Ich versuchte meine Stimme nicht allzu skeptisch klingen zu lassen.
„Nein“, sagte sie wie aus der Pistole geschossen. „Wenn Holly mit ihren Freunden unterwegs ist, dann passt sie weniger auf sich auf, als in der Schule, weil sie abgelenkt ist.“ Ich war kurz davor loszulachen, aber ich konnte mich gerade noch zusammenreißen. Das war auch gut so, denn erstens wollte ich es mir nicht auch noch mit Olivia verscherzen und zweitens hätte ich mich nicht getraut sie auszulachen, solange sie mich mit einem so finsteren Blick anschaute.
„Keine Sorge, ich werde schon auf sie aufpassen“, versuchte ich sie zu beruhigen. Ich fand Olivias Verhalten ziemlich übertrieben. Holly hatte doch nur einen Gips und keine tödliche Krankheit.
„Ich hätte auch nichts anderes von dir erwartet, James“, erwiderte sie mit funkelnden Augen und strahlender Miene. „Du bist ein wahrer Gentleman.“
„Danke“, meinte ich bescheiden und grinste. Egal, was ich auch sagte oder tat, Olivia mochte mich einfach und dass tat mir gut.
Nach unserer kurzen Unterhaltung konzentrierte ich mich wieder auf Holly und Jamie. Holly war fertig angezogen und redete leise mit ihrem Onkel. Ich konnte sie zwar nicht verstehen, aber da Jamie wenig begeistert aussah, vermutete ich stark, dass es um mich ging.
Hitzig diskutierten die Beiden miteinander, bis sich Holly von Jamie abwandte und zu mir herüberschaute. In ihren Augen erkannte ich unbändigen Zorn.
„Können wir gehen, James?“, fragte sie energisch. Mit aller Kraft umklammerte sie ihre Krücken.
„Ja, wir können los.“    
Zum Abschied nickte ich Olivia zu. Dann ging ich ohne ein Wort an Jamie vorbei und öffnete Holly die Tür. Sie ging hinaus auf die Veranda und wartete dort auf mich.
Nachdem ich die Tür hinter mir geschlossen hatte, schnaubte sie laut und stampfte mit ihrem linken Fuß auf.
„Mein Onkel macht mich noch wahnsinnig“, jammerte Holly.
„Was war denn los?“ Ich stellte mich neben sie und sah auf sie hinab.
„Er hat sich mal wieder darüber aufgeregt, dass ich so viel Zeit mit dir verbringe. Er ist immer noch der Meinung, dass irgendetwas nicht mit dir stimmt“, erklärte sie und ging vorsichtig die wenigen Stufen der Veranda herunter. Ich ging ihr hinterher und blieb unablässig an ihrer Seite, immer darauf bedacht sie festzuhalten, falls sie ins Stolpern geriet oder hinfiel.
„Ich verstehe nicht, warum er dir misstraut. Du hast ihm doch gar keinen Anlass dazu gegeben“, brachte sie hervor.
„Keine Ahnung, warum er mich nicht leiden kann.“ Ahnungslos zuckte ich mit den Achseln. Sie seufzte.
„Ist ja auch egal. Ich will mir heute Abend nicht den Kopf über meinen Onkel zerbrechen und mir den Spaß verderben lassen“, verkündete sie entschlossen und ging voraus.
Ich trottete ihr hinterher. Es wäre wohl besser, sie erstmal ein paar Minuten in Ruhe zu lassen, damit sie sich beruhigen konnte.
Auf der einen Seite konnte ich verstehen, warum Holly so aufgebracht war, aber auf der anderen Seite fand ich ihr Verhalten übertrieben, weil sie doch eigentlich daran gewöhnt sein müsste, dass Jamie gegen mich hetzte. Dass war sie vermutlich auch, doch sie verteidigte mich jedes Mal und stand für mich ein. Das gleiche tat sie bei ihren Freunden.
In letzter Zeit stritt sie sich nur noch mit ihnen und ihrem Onkel und das bloß wegen mir, der die eigentliche Schuld an dem Tod ihrer Eltern trug.
Diese Gedanken brachten mich dazu den Abstand zu Holly mit großen Schritten wett zu machen. Sanft, aber bestimmend, umfasste ich ihren linken Oberarm. Abrupt blieb sie stehen.
„Was ist los?“, fragte sie mit panischer Stimme und sah sich hektisch um.
„Keine Angst, es ist keiner von den Killern hier“, flüsterte ich und schaute ihr tief in die Augen.
„Gut.“ Erleichtert atmete sie aus. „Was ist dann?“
„Ich wollte dir nur sagen, wie sehr ich dich liebe und wie viel Respekt ich vor dir habe. Du bist eine wunderschöne und unglaubliche Frau, Holly Dugan“, sagte ich und legte so viel Emotion in meine Worte, wie ich nur konnte. Trotzdem hatte ich das Gefühl ihr nicht mal annähernd gerecht zu werden.
„Wa…warum sagst du mir das?“, stammelte sie perplex.
„Weil du die Liebe meines Lebens bist und ich dir normalerweise jeden einzelnen Tag diese Worte hätte sagen müssen. Jetzt fange ich damit an.“ Ich lächelte fröhlich.
„Besser spät, als nie.“
„Du bist bescheuert, James“, entgegnete sie und kicherte.
Trotz der aufkommenden Dunkelheit konnte ich sehen, wie sich ihr Gesicht rot färbte. Wortlos ging sie weiter, wobei sie leicht den Kopf schüttelte.
„Hälst du mich wirklich für bescheuert?“, fragte ich nach ihrer unerwarteten Reaktion auf meine Worte.
„Ein bisschen“, gab sie ehrlich zu. Gerade betrat sie den Vorgarten der Nachbarn. Jetzt würde es nur noch wenige Minuten dauern, bis wir an der Haustür waren.
„Ich verstehe einfach nicht, warum du mir das gesagt hast.“ Ihre Schritte wurden immer schneller und ich musste einen Zahn zulegen, damit ich an ihrer Seite blieb.
„Es kommt mir eben komisch vor“, setzte sie kleinlaut nach.
Holly hatte schon beinahe die Tür erreicht, als ich sie ein weiteres Mal stoppte.
Sie wandte sich mir zu. Ihre sonst traumhaft blauen Augen waren pechschwarz.
„Ich will aber nicht, dass dir diese Worte komisch vorkommen. Das, was ich gesagt habe, war mein völliger Ernst. Also denk nicht weiter darüber nach“, bat ich mit steinerner und angespannter Miene.

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