Blut und Wasser...

Selina stand lächelnd vor der Zimmertür. Sie hatte erreicht, was sie vorgehabt hatte! Sie kannte ihren Liebsten gut, und sie hatte gewusst, dass er nicht gefühllos hart bleiben konnte. Die Umarmung, die er seiner Mutter nun nach so vielen Jahren geschenkt hatte, würde auch ihn befreien. Befreien von dem Gefühl etwas Unrechtes zu tun. Er wollte seine Mutter nie hassen! Es bereitete ihm sogar ein schlechtes Gewissen, doch sie hatte ihm nie einen Grund gegeben, sie zu lieben. Als sie nun reuig vor ihm gesessen hatte, unfähig etwas zu sagen und doch glücklich bei ihrem einst ungeliebten Sohn zu sein, hatte sie ihn berührt! Das erste Mal seit seiner Kindheit bei Oma hatte Mutter ihm gezeigt, dass sie ihn doch liebte, wenn auch auf eine ganz eigene, verborgene Art. Es war als hätte sich ihm etwas offenbart. Etwas von dem nur Selina geglaubt hatte, dass es da sein musste. Sie hatte Recht behalten. Die Tür ging auf, er zog sie hinein...

Es war sonderbar. Ich war todsicher, dass ich diese Frau nie mehr sehen wollte. Dass es mir mehr oder minder egal wäre, was ihr widerfahren sollte, so wie es ihr egal gewesen war, was aus mir werden würde. Doch als sie nun vor mir im Bett gesessen hatte, ein Häufchen Elend, dass tränenüberströmt meine Nähe suchte, ihren Sohn, nicht fähig auch nur ein Wort zu sagen, da musste ich sie in den Arm nehmen, ihr zeigen, dass sie angekommen war. Von tiefer Reue beseelt weinte sie hemmungslos. Immer wieder versuchte sie eine Entschuldigung zu formulieren, was ihr nicht gelang. Sie lag minutenlang schluchzend in meinen Armen und beruhigte sich nur langsam! "Michael, ich weiß, dass ich alles falsch gemacht habe, aber ich bereue es zutiefst!" brachte sie schließlich unter Tränen hervor! "Das Schlimmste ist, dass ich dich gar nicht haben wollte! Es tut mir leid, dass ich dir nie eine liebende Mutter war, aber ich liebe dich schon, Michael. Ich war dumm und unreif und ich wusste es selbst nicht aber ich liebe mein Kind, bitte glaube mir!" Zutiefst berührt, liefen auch mir nun Tränen übers Gesicht. Es fühlte sich fremd an, Mutter zu umarmen! Ich konnte mich nicht daran erinnern, jemals von ihr umarmt worden zu sein... Umso intensiver brannte dieser Moment in meiner Seele, die Tatsache, dass es mir so lange nicht vergönnt gewesen war, die Liebe meiner leiblichen Mutter zu spüren. Nach ein paar Minuten, sagte ich ihr, dass wir wohl nie mehr dieses enge Mutter-Sohnverhältnis erreichen würden, wie andere Leute, dass es aber gut wäre, dass sie endlich "angekommen" sei. "Ich hole jetzt meine Frau herein, Mutter! Sie hat genau gespürt, dass du mich jetzt brauchst! Sie ist ein sehr gefühlvoller Mensch und ich liebe sie sehr." Ich ging zur Tür und öffnete sie nur einen Spalt um Selina herein zu ziehen. Sie lächelte, als sie in mein tränenüberströmtes Gesicht blickte. Sie küsste mir eine Träne weg. "Siehst du Michael, Blut ist eben doch dicker als Wasser! Jetzt wird es euch beiden besser gehn." Sie küsste mich erneut und ging dann mit mir zu Mutter. "Selina." sagte sie und streckte ihr die Hand hin. "Ich danke ihnen...  Ich danke dir, Selina! Und ich freue mich dass du meine Schwiegertochter bist!" - "Gut, Renate! Dr. Glimpf wertet bereits deine Befunde aus. Morgen beginnen die hausinternen Untersuchungen. Wenn die abgeschlossen sind, sehen wir weiter! Ich hoffe es ist dir recht, wenn ich meinen Schatz jetzt wieder mitnehme, Ich brauch ihn nämlich noch!" Sie lachte mich an und gab mir ein Taschentuch. "Wie du wieder aussiehst, Liebling! Putz dir die Nase!" Mit einem frechen Lächeln im Gesicht, zog sie mich aus dem Zimmer...

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