Blutiges Lächeln

Als ich wieder aus dem Bad in mein Zimmer trat, war er zum Glück nicht mehr da. Was auch wahrscheinlich nicht gut ausgegangen wäre, denn außer einem Handtuch bedeckte nichts meinen Körper.
Noch immer verfluchte ich mich selbst dafür, dass ich mir seinen Kuss hatte gefallen lassen. Trotz der Tatsache, dass ein Teil meines Verstandes mir sagte, ich sollte die Finger von ihm lassen und mich auf meine Mission fokussieren, konnte eine anderer Teil meines Verstandes nur noch an seine Lippen auf meinen, seine Hand auf meinem Rücken, sein Verlangen, denken. Und diesen Teil musste ich schnellstmöglich zum schweigen bringen. Die Dusche hatte da schon ein wenig Arbeitet geleistet und einen Teil der Gedanken ertränkt, aber sie würden zu schnell wiederkehren. Eigentlich war es nicht einmal Zeit zum duschen, aber ich musste seine Berührungen von meinem Körper loswerden. Ich musste die Gedanken an ihn verdrängen.
Weshalb ich beschloss, in den Trainingsraum zu gehen und ein paar Strohpuppen zu töten.
Mit frischen Sachen bekleidet machte ich mich wenig später auf den Weg. Meine beiden Schwerter hatte ich in meiner Höhle gelassen. Nur den Dolch und die Wurfmesser hatte ich angelegt.
Hoch erhobenen Hauptes marschierte ich in den Trainingssaal.
Wie erwartet traf ich hier auf viele der Männer, die meinem König -  Kijan Lycon - angehörten. Sein Name brannte sich in meinen Kopf.
Die meisten der Trainierenden beachteten mich nicht weiter - gut für sie. Doch einige stellten sich mir in den Weg - schlechte Idee. Denn ich war wütend. Auf mich, auf den König, auf diese ganze verdammte Scheiß-Welt.
"Du bist also die neue Hure unseres Königs", höhnte einer der Männer grinsend.
"Du schreist ja förmlich danach, dass ich dir dein ekelhaftes Grinsen aus dem Gesicht schneide", gab ich wenig beeindruckt zurück und setzte meinen Weg zu einer der freien Strohpuppen fort.
"Versuch's doch, du dreckige kleine Hure", brachte ein anderer hervor.
Er wusste scheinbar nicht, dass er gerade mit dem Feuer spielte.
Langsam drehte ich mich zu ihm um, legte meinen Kopf schief und lächelte ihn an.
"Ihr habt keinen blassen Schimmer, mit wem ihr euch hier anlegt, oder?" sagte ich und trat einen Schritt näher an ihn heran. Seine Kumpanen schienen nicht besser, denn auch sie lechzten gerade so danach, zu kämpfen. Konnten sie gern haben.
"Soll das etwa eine Drohung sein?" Einer der Männer lachte. Über mich. Niemand lachte über mich. Denn sich mit mir anzulegen, bedeutete Schmerzen, wenn nicht sogar Tod. Einige meiner Klienten wussten das. Sie wollten mich verraten. Bis ich sie eines Besseren belehrte.
Die vier hier vor mir waren nichts weiter als ein paar kleine Fußsoldaten, dennoch spielten sie sich auf, als würde ihnen das gesamte Kaisserreich gehören.
Hier musste wohl jemand Gehorsam lernen.
"Ohja, dass soll es. Ihr habt jetzt ganz genau zwei Optionen. Entweder, ihr lasst mich jetzt in Ruhe meinen Frust an ein paar Strohpuppen auslassen. Oder aber, ich lasse meinen Frust an euch aus. Letzteres könnte schlecht für euch enden."
Aufgeben schien für sie keine Option, denn sie versuchten mich zu umkreisen. Ich jedoch konnte nur in der Mitte stehen und mit den Augen rollen.
Die Faust des Ersten kam seitlich auf mich zu, doch ich duckte mich und kickte ihm die Beine weg. Er landete mit einem dumpfen Geräusch, als schon der Nächste angriff. Er versuchte schlauer zu sein und wollte von hinten angreifen, jedoch bewegte er sich so laut, dass ich ihn selbst im Schlaf gehört hätte. Seine Faust traf die Luft und ich schlug ihm mit der flachen Hand vor die ungeschützte Brust.
Eine halbe Drehung und einen Schlag auf den Solarplexus später taumelten nun schon zwei der vier Angreifer. Und nur ein einziger hatte noch nicht versucht, mich zu schlagen. Es war derjenige, der angefangen hatte mich anzupöbeln. Das Glänzen in seiner Hand verriet mir, dass er kein fairer Gegner war. Ab jetzt war alles erlaubt. Dennoch ließ ich mich nicht auf sein Niveau herunter und zückte keine meiner Waffen. Die brauchte ich nicht, um ihn fertig zu machen. Einer der anderen rappelte sich wieder auf und ging erneut zum Angriff über. Sein Schlag zielte auf mein Kinn und ich ließ ihn gewähren. Seine Vorderseite war dadurch komplett ungeschützt, was ich für einen gezielten Schlag gegen seinen Adamsapfel nutzte, noch bevor seine Faust meine Kinn wirklich traf.
Eins musste man ihm lassen: wenn er traf, traf er mit Wucht. Das würde defintiv ein Veilchen geben. Den Schmerz spürte ich nur am Rande, während ich zusah, wie er röchelnd zu Boden ging. Eine Sekunde später griff mich schon derjenige mit dem Messer an. Er versuchte meine Mitte zu attackieren und ich lenkte ihn so, dass er keine wichtigen Organe traf. Mit Kraft stieß er zu und ich merkte, wie augenblicklich Blut aus der Wunde quoll. Er fühlte sich schon als Sieger und sein Gesicht nahm einen triumphierenden Ausdruck an. Auch diesen Schmerz und das Blut ignorierte ich und packte stattdessen seine Messerhand mit meiner Rechten. Mit meiner Linken schlug ich ihm ins Gesicht und in den Bauch, was er versuchte mit seiner freien Hand abzuwehren. Es gelang ihm nicht. Aber er war vollkommen von seiner anderen Hand abgelenkt, sodass er zu spät mitbekam, dass ich ihn in eine Falle glockt hatte. Mit einem schnellen, kraftvollen Ruck riss ich das Messer aus der Wunde und aus seiner Hand. In dem Moment verstand er endlich, was es hieß sich mit mir anzulegen. Er sah das Grinsen auf meinem Gesicht.
Und seines erlosch. Doch ich war fest davon überzeugt, es ihm wiederzugeben.
Er taumelte ein paar Schritte nach hinten, was mir Zeit verschaffte, mich um die anderen zu kümmern. Zwei von den vier hielten sich am Rand auf, einen Schritt von mir entfernt. Mit dem Messer in der Hand ging ich auf sie zu und stach dem linken das Messer in den Bauch, etwa an der Stelle, an der auch meine Wunde war - ich wolte ihn schließlich nicht töten. Blitzschnell zog ich das Messer wieder aus ihm heraus, noch bervor er richtig realisiert hatte, das es in ihm drin war und stieß es dem anderen in den Oberschenkel. Beide jaulten vor Schmerzen auf, wie Hunde, auf deren Schwanz man getreten war.
Blieb nur noch einer. Und mit ihm hatte ich etwas ganz besonderes vor.
Wie eine Raubkatze ihre Beute umkreiste ich ihn, bevor ich einen großen Schritt auf ihn zu machte und ihm meine freie Faust ins Gesicht rammte. Sein Kopf flog zurück. Dann riss er sich noch einmal zusammen und startete einen Gegenangriff.
Doch ich hatte langsam genug. Der Blutverlust machte sich langsam aber sicher bemerkbar, auch wenn ich gelernt hatte mich solchen Dingen umzugehen.
Meine Faust donnerte erneut in sein Gesicht, das er versuchte durch seine lausige Deckung zu schützen. Doch meine Faust durchbrach sie mühelos immer und immer wieder. Irgendwann konnte er sich nicht mehr richtig auf den Beinen halten und ging zu Boden. Und wieder hatte ich einen Kampf gewonnen.
Keiner der Angreifer machte Anstalten mich noch einmal attackieren zu wollen, sodass ich zu meinem finalen Schlag ausholte. Diese Männer sollten ein für alle mal lernen, was es hieß, sich mit mir anzulegen und wer hier das Sagen hatte.
Ich nahm das Messer fester in die Hand und schritt auf meinen zu Boden gegangenen Gegner zu. Er sollte schließlich noch sein Lächeln wiederbekommen.
Ein blutiges Lächeln. Ich ritze es mit dem Messer in sein Gesicht.
Er würde es nie wieder verlieren.
Dann richtet ich mich wieder auf, ließ das blutige Messer neben ihn fallen und stellte mich in die Mitte, zwischen den Schaulustigen.
"Hat noch jemand ein Problem mit mir?", fragte ich mit lauter Stimme.
Die folgende Stille sprach für sich und ich marschierte aus dem Kreis heraus, wobei alle für mich Platz machten.
Den Weg zurück zu meiner Höhle legte ich langsam zurück und hoffte, irgendetwas zum Verbinden finden zu können.

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