Cest la vie

Am Abend waren wir gemeinsam ausgegangen und ein Wenig durch den Hafen geschlendert, doch wir waren bald zurückgekommen, weil Melina auch mal ins Bett sollte. Sie wollte heute von Papi zu Bett gebracht werden, was natürlich eine besondere Ehre war, der ich gerne nachkam. Gegen dreiundzwanzig Uhr war sie eingeschlafen und ich bequemte mich zum Rest der Familie in die Konoba. 
Es war dies eine überdachte, schattige Terrasse, die liebevoll von einer halbhohen Steinmauer zwischen den Dachstehern umfangen war. Man mochte es wie einen privaten Gastgarten betrachten. Dieser Platz war auch an heißen Tagen sehr gemütlich, da er Schatten bot und mit seiner schweren Sitzgarnitur aus masssivem Holz zur Rast einlud.
Mira hatte noch Mis-Mas zubereitet, ein beliebtes Getränk aus etwa einem Drittel Rotwein, zwei Drittel Orangenlimo und vielen Eiswürfeln, dass wir unten im Süden oft literweise als Durstlöscher vertilgten. Mirko und ich hatten heute aber noch Lust auf ein kaltes Bier, was unsere Frauen schon geahnt hatten. Von der Konoba aus, sahen wir hinunter zum Meer, wo Mirkos Boot friedlich am Steg lag, der sich in der Dunkelheit gegen den Rest der Reflexionen auf den Wellen abhob.
"Ich will gar nicht daran denken, dass ich am Montag schon wieder im Büro sein soll und dann nächstes Wochenende der Ärztekongress. Sel kann mich auch nicht begleiten wegen der Klinik und Melina..." - "Ach Liebling, früher bist du um die ganze Welt geflogen, da wirst du doch zwei Nächte München schaffen!" - "Ich fürchte, ich werde alt, mein Schatz!" - "Du bist gerade mal einundvierzig, Michael und letzte Nacht hatte ich nicht den Eindruck, dass du ein Problem mit dem Alter hättest!" Selina lächelte mich an und küsste mich. "Ihr beide seid wirklich ein tolles Paar!" sagte Mira. "Ich habe mir das immer gewünscht für dich, Micha, dass du mal eine Frau wie Selina kriegst. Du hast es dir auch verdient! Und was ihr zwei für die Kranken tut, ist wirklich was, worauf ihr stolz sein könnt!" - "Weißt du, Mira, ich habe immer geglaubt, wenn man genug Geld hat, wäre so etwas, was wir da betreiben, leicht zu schaffen, aber dem ist nicht so. Wenn ich zum Beispiel einem Kinderdorf oder einem Krankenhaus eines meiner Hauskraftwerke spenden will, steht mir ein Behördenweg bevor, für den mir einfach die Zeit fehlt. Aber zum Spenden wird aufgerufen! Was glaubst du, was die Geld sparen könnten, wenn sie keinen Strom mehr zahlen müssten. Du glaubst nicht wie scheinheilig und verlogen diese Gesellschaft und ihre Wirtschaft ist!" - "Wir haben alle noch gut in Erinnerung, was vor zehn Jahren mit dir passiert ist. Aber ihr beide habt es trotzdem geschafft, die Bücker-Stiftung samt ihren Methoden und deine Kraftwerke offiziell zu betreiben. Das war vorher unvorstellbar und niemand hat geglaubt, dass ihr, nach allem was euch beiden und Selinas Vater widerfahren ist, tatsächlich weiterkämpft und auch Erfolg habt. Heute gehört es schon zum guten Ton, Bückers Alternativmedizin  anzubieten, dank eurer Arbeit! Euer Mut ist beeindruckend, obwohl mir manchmal lieber wär, ihr wärt nicht so mutig. Dann wäre die Gefahr nicht so groß, dass sich wieder ein Konsortium mit euch auseinandersetzt..." - "An einen weiteren Anschlag denke ich nicht, aber man versucht immer wieder, uns zu diskreditieren und mit falschen Informationen an die Medien heranzugehen, um unsere Arbeit zu sabotieren. Die meisten, die so etwas tun, werden vermutlich von der Konkurrenz-Industrie bezahlt, denn aus Spaß macht sich keiner die Mühe. Wir müssen auch ständig vor Angehörigen auf der Hut sein, deren Lieben wir nicht mehr helfen konnten. Wunder können wir nämlich auch nicht wirken und manche glauben dann, der Tod ihrer Angehörigen sei unsere Schuld. Solche Anschuldigungen sind zwar haltlos, schaden aber unserem Image erheblich!" Während ich die letzten Worte ausgesprochen hatte, hatte Selina meine Hand genommen. "Schatz, du hast uns die Freude gemacht, zu deinen "Eltern" zu fahren und Urlaub zu machen. Also mach jetzt bitte Urlaub. Du hast ihn wirklich nötig! Du hast hast schon so viel geleistet heuer! Lass uns den Rest der Woche ausspannen, ja?" - "Entschuldige Sel!" Ich hauchte ihr einen Kuss auf die Lippen. Sie hatte ja recht. Aber es hatte sich wirklich so entwickelt, dass man immer auf der Hut vor Verleumdungen sein musste. Es ist schade, dass der Mensch so ist! Kommt man ihm entgegen, traut er einem nicht! Cest la vie...

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