Christian


Das sollte Christian sein, dachte Julia angespannt. Ein nervöses kribbeln machte sich in ihrer Magengrube breit. Was für eine Scheißsituation! "Julia kannst du bitte an die Tür gehen?", rief Elias von der Terrasse zu, der wahrscheinlich gerade mit Swenja zu sehr beschäftigt war. Julia eilte förmlich zu Tür an der Garderobe prüfte sie noch ein Mal ihre Haare. Hätte sie gewusst, was der Abend bringen würde, hätte sie ihre Haare geglättet naja er kannte sie ja auch aus der Schule so.

"Hallo Christian.", begrüßte sie ihn mit einem ehrlichen und herzlichen Lächeln, "Komm doch rein, wir ähm sind auf der Terrasse.", er trat ein und sie ließ ihn nicht aus den Augen: "Hi" Als er an ihr vorbeiging nahm sie seinen Geruch war: Ein behagliches Gemisch Shampoo und Aftershave.  Langsam kam dieses Gefühl wieder, dass Gefühl für ihn. Tief im inneren war wohl doch noch ein kleiner Rest von Gefühl für den Sunnyboy Christian da. "Hast du Durst? Willst du etwas trinken?", fragte Julia zur Küche hin schwenkend. "Nee nicht wirklich. Obwohl Cola vielleicht.", antwortete er und wollte ihr zugleich folgen. "Setz dich ruhig zu den anderen, ich komm gleich.", sagte sie ohne sich nach ihm umzudrehen. Hoffentlich ließ er von ihr ab und sie hatte einen Moment zum durchatmen. In der Tat bekam sie ihn. Christian war plötzlich so nett und liebenswürdig, hatte Elias ihr die Wahrheit gesagt? Natürlich hatte er das!, tadelte sich Julia, die genau wusste, dass Elias sie nie anlügen würde. Aber was wenn Christian Elias angelogen hatte? Jetzt bloß keine schlechten Gedanken Julia. Du packst das schon und wirst sehen wohin das geht., ging es ihr durch den Kopf. Stumm griff sie nach der Cola, als sie am Wohnzimmer vorbei zur Terrasse gehen wollte, blieb sie überrascht stehen: "Christian was machst du denn auf dem Sofa? Willst du nicht raus zu den anderen?" Er schüttelte den Kopf und griff dankend nach der Cola. "Setz dich doch zu mir, dann bin ich nicht so allein." lächelte er verschmitzt. Verdammt dieses Lächeln war unwiderstehlich! Es war die reinste HYPNOSE! Nach kurzem zögern setze sich Julia stumm zu Christian. Trau dich doch mal!, sagte sie in Gedanken. Warum konnte sie plötzlich ihre Ratschläge nicht mehr umsetzen, die sie Jenny und Fabia gegeben hatte. Bei den beiden war es auch ein ewiges hin und her gewesen, bis Julia ihnen Tipps gegeben hatte und jetzt benahm sie sich genauso wie ihre Freundinnen. Nach Minuten des Schweigens fragte Julia zaghaft: "Wollen wir ein bisschen Musik hören?" Sichtlich erleichtert, dass das Schweigen gebrochen wurde, nickte Christian ihr stumm zu. Julia stand auf, machte das Radio an und setzte sich wieder zu ihm.

"Also", fing er lang ausatmend und äußerst schüchtern zu erklären an, "Eigentlich wollte ich dich fragen, ob du Lust hast mit mir zum Sommerfest zu gehen."

Sofort suchte er ihren Blick, um ihre Reaktion sehen zu können. Julia sah in begeistert hat, doch einen Funken der Skepsis fand sich in ihrer braungrünen Iris wieder. War das wirklich seine ernst gemeinte Frage? Warum sagte er eigentlich, was war dann seine uneigentliche Frage? Und war das überhaupt ernst zu nehmen?

"Ich meine es wirklich ernst.", hauchte er ihr entgegen.

Konnte er jetzt auch noch Gedanken lesen? Gegen jede Vernunft und das warnende Gefühl in ihrem inneren stimmte Julia Christians Frage zu. Sie hatte nicht gemerkt wie er langsam näher gerückt war: "Schließe deine Augen, Julia." Ohne auch nur etwas zu erwidern, schloss Julia ihre Augen. Christian beugte sich vor, ganz nah an ihr Gesicht. Julia spürte den Atem auf ihrer Haut. Sie öffnete die Augen. "Ich küss dich jetzt.", sagte Christian mit Festigkeit in der Stimme, die Julia praktisch willenlos machte. Ihre Gesichter waren keinen Zentimeter mehr voneinander entfernt....

"Oh störe ich etwa?!", wurden die beiden im letzten Moment an ihrer Knutscherei gehindert. Elias stand in der Tür des Wohnzimmers und sah beide an. Sofort ließen beide von einander ab und grinsten verlegen Elias verlegen an. Dieser sah nicht besonders erfreut aus, geradezu gereizt. Doch warum?, fragte sich Julia, War Swenja aus Zeit- oder Streitgründen gegangen.

"Es ist schon spät, meine Eltern werden bald hier sein. Sie wollen dich sicher nicht in einer Knutscherei verwickelt sehen.", stellte Elias zu Julia mit bitterem Unterton fest. Was ist denn jetzt kaputt?, fragte sich Julia als sie Christian zu Tür bringend verabschiedete.

"Manno.", sagte Julia seufzte als die Tür sich geschlossen hatte. "Manno? Was ist los mit dir?", fragte Elias.

"Was soll sein?", fragte Julia sich keiner Schuld bewusst und konterte: "Was ist los mit dir?"

"Was soll mit mir sein?", entgegnete Elias, doch Julia glaubte ihm seine Unschuldsmiene nicht, Elias war schon immer ein schlechter Lügner gewesen und heute wagte er es zum ersten Mal bei ihr.

Julia sah dies als Aufforderung an ihr Kreuzverhör weiter zu betreiben: "Na gut, dann sag mir doch bitte wo Swenja ist."

"Warum willst du das wissen?"

"Ich wollte ihr auf Wiedersehen sagen.", stellte es Julia da.

"Sie ist nach Hause gegangen. Das würde ich mir auch von dir wünschen."

"Ich denke nicht daran. Sag mir was los ist Elias oder du wirst mich aus diesen Wänden nicht herausbekommen.", boykottierte Julia Elias Bemühungen und setzte sich auf einen der Küchenstühle. Elias der seine beste Freundin nur allzu gut kannte, wusste das sie gewonnen hatte. Zumindest in Teilen. Stumm setzte er sich mit ihr an den Küchentisch. Es dauerte mehrere Minuten bis der Junge das Schweigen brach.

"Hast du ihn geküsst oder er dich?", fragte er mit einem bitteren Ton.

"Weder noch, du kamst ja erfolgreich dazwischen.", giftete Julia ihren Freund an. "Aber wenn du nicht dazwischen gegangen wärst, hätte er die achso bezaubernde Julia geküsst. Weil er mich graue Maus geküsst hätte, anstatt dich deine Freundin? Bist du wirklich so tief gesunken, dass du mir nicht mal Glück gönnen kannst?", die letzten Worte schrie Julia ihm förmlich ins Gesicht, ehe sie ihren Rucksack griff und unter Tränen das Haus verließ. Beim treten über die Schwelle verabschiedete sie sich mit einem: "Ich melde mich!" Um im nächsten Moment die Tür hinter sich zuzuschmeißen. 9yY

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