Chronik: Der Omekönig -Odok und die dreiundachtzig Einchie -


"Meister, mit eurem Verlaub, ich sitze hier schon eine Weile. Meine Beine haben sich schon dem Schlaf zugesagt. Könntet ihr mich also an eurem Wissen endlich teil haben lassen?", sagte Monkey um Meister So Schukio zu wecken.

"Sollen sie doch schlafen! Was tust du zu dieser Stunde hier?", knurrte der Meister einem wütenden Wachhund gleich, als er sein Bettzeug wegwarf und sich aufrichtete.

"Ihr habt mir gestern gesagt, ich sollte zur dritten Stunde in eurem Gemach erscheinen. Ihr tatet so, als ob ihr euch einschließt, doch in Wirklichkeit wartet ihr hier auf mich.", beendete Odok seine Erklärung, Meister So Schukio war verzückt. Der kleine Omeschüler hatte ihn verstanden gehabt und alle Geheimzeichen richtig gedeutet.

"Wir sind unter uns. Niemand hört euch, nur ich der eure Lehre leben will. Zeigt Herz und unterweist mich.", brachte Odok dem Gespräch neuen Antrieb.

"Du hast die Geheimzeichen wahrlich verstanden, mich in all den Jahren deiner Anwesenheit nie enttäuscht, so werde ich es dich lehren: Die Atoschie des langen Leben."

Als Odok dies vernahm, reinigte er seine Ohren, klatschte in die Hände und senkte sein Haupt. aufmerksam lauschte er den gesungenen Worten des Meisters So Schukio:

 

Alle Arten der Magie,

Rot, Blau und Grün,

sind Harmonie.

Lasse sie in dir erblühen!

 

Wahre deine Seele,

Wahre dein Wissen,

sonst schneidet dir Tamaschi durch die Kehle,

Oder du wirst von ihm zerrissen.

 

Lass dich nicht abbringen,

vom Weg der Tugend,

sonst wirst du dich um dein Leben bringen.

So erhältst du ewige Jugend!

 

Erblühen soll der goldene Lebenshauch,

Unsterblichkeit wirst du erringen,

kosten sollst Du vom göttlichen Strauch.

Verinnerlich mein Singen.

 

Die Formel ließ Odok in sein Wesen und schließlich in sein Herz dringen. Er prägte sie sich im Geiste und dem Herzen ein, ja sogar seine Seele ließ er die Formel trinken und in sich bewahren. Odok dankte So Schukio für die Unterweisung und verließ den Meister so leise wie er gekommen war. In den Unterkünften der Schüler angekommen, stellte er fest das der Morgen graute und schickte sich an die anderen zu wecken. Niemand wusste, dass Odok Erleuchtung erlangen hatte. Rasch vergingen die Tage, Monate und nach drei Jahren führte So Schukio wieder einer seiner Reden. Sein Thema waren die Formeln, Weisheiten und Probleme der Ryn [Eine besondere Richtung des Tarainto, die Goryu in den Vordergrund stellt], sein Kernthema die verschiedenen Hüllen der äußeren Erscheinungen. Mit einem Mal brach er ab und fragte: "Wo ist der Schüler Mumei?", Odok der nicht in der ersten Reihe saß, stand auf, ging zu So Schukio und kniete sich nieder. "Hier Meister!"

"Was waren die Studien deiner letzen Jahre?"

"Seit einigen Jahren wird mein Geist groß und mein Herz blieb bei allem rein. Die Kraft in mir steigt stetig weiter."

"So musst du nur noch lernen drei Übel abzuwehren."

"Wie meint ihr das? Ich dachte eure Lehre gewährte mir bereits das ewige Leben? Und würde mich schützen vor allen Kräften der Finsternis."

"Mit Nichten mein Schüler, die Lehren gewähren nur die ewige Jugend, das ewige Leben musst du noch meistern. Denn Tamaschi lässt sich nicht so leicht bezwingen. Erreichst du deinen zweiundvierzigsten Kalender wird ein Stein auf dich herniedergehen, bist du nicht Weise genug auszuweichen wird es deinen Tod bedeuten. Solltest du dann im dreiundachtzigsten Kalender stehen, wird eine Flamme in dein Herz gesetzt, die dich als bald verbrennen mag, wenn dein Herz nicht rein genug ist. Bist du dann im hundertfünfundzwanzigsten Kalender, wird ein Sturm in dir aufziehen, alles in dir verwehen und dich leidlich zerfetzen. Ist deine Seele nicht fest genug gebunden und schwer von Düsternis, wird sie aus dir gerissen und entgleiten in die Unterwelt. Dies sind die drei Übel , welche du bezwingen musst."

Als Odok dies vernahm wuchs die Angst in ihm und sein Gesicht wurde aschfahl. Er warf sich seinem Meister zu Füßen und rief: "Meister, habt Erbarmen und lert mich den Übeln auszuweichen. Eure Güte wird mich zu ewigem Dank verpflichten."

"Wenn du nicht so Absonderlich wärst, hätte ich es dir lehren können."

"Wie meint ihr das? Mein Haupt ist rund wie eures, streckte ihn genauso himmelwärts und beide Füße stehen fest auf dem Boden. Ich habe Augen mit denen ich sehe, eine Seele die ich rein halte und ein Herz das schlägt, genau wie andere Leute", stellte Odok verwundert fest.

"Dem will ich nicht widersprechen, du bist in den meisten Sichten wie jeder andere.", gab Meister So Schukio zu, wandt aber ein, "Dein Körper ist voll dichtem Fell, selbst unter deinen Gewändern."

Odok fasste sich ins Gesicht und die Arme: "Meister, das ist mir bewusst, doch habt ihr nicht minder viele Haare, sie einen sich nur am Bart und Haupt."

"Freilich.", erwiderte Meister So Schukio und fuhr fort: "Es gibt zwei Arten der Rettung. Der eine ist das Fürbitten an Tamaschi auf Gnade und das Flehen an die Götter um Hilfe. Der andere der Weg ist der dreiundachtzig Einchie, der Pfade die man bewandern muss um, ewig zu Leben."

"Dreiundachtzig klingt besser als Glück und Gnade.", meinte Odok.

"So tritt an mein Ohr und ich werde dich der Formel des Pfades unterweisen.", sprach So Schukio. Odok tat wie ihm geheißen und spitze seine Ohren als der Meister ihm die Zauberformel ins Ohr flüsterte. Sogleich übte Odok die Formel, sein Herz hatte die magischen Worte sofort in sich gebunden, so dass er sie nie vergessen konnte. Mit eiserner Disziplin und feurigem Elan gelang es Odok bald alle dreiundachtzig Enchie zu lernen. Von der ersten bis zur letzten.

Kommentare

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media