Chronik: Der Omekönig -Odok wandert nach Kuschira-


Über die Jahre zog es Odok immer weiter Richtung Westen, raus aus Beschito, vorbei an Nagaischi bis er eines Tages Kuschira erreichte. Als er sich eine Weile umgesehen hatte, bemerkte er das der Fluss aus einem hohen und schönen Berg entsprang, bis zu seinem Gipfel war dieser gesäumt von grünen Wäldern und verströmte ein Gefühl der Ruhe. Er fürchte kein anderes Deuza und so stieg er durch das dichte Dickicht bis auf die Bergspitze. Den Ausblick genießen, drang eine menschliche Stimme aus den Tiefen der Wälder an sein Ohr. Gespannt horchte Odok, er vernahm ein Lied so klar und laut gesungen, das er ein jedes Wort zu unterscheiden wusste:

 

Immer auf Erden bleiben,

nie aus dem Leben scheiden.

Keine Schmerzen mehr.

Keine Todes Wiederkehr.

 

Immer auf Erden bleiben,

nie aus dem Scheiden.

Weiß nie was kommt nach dem Tod,

Folge nie den Menschen ihrer Not.

 

Als Odok die Verse vernommen hatte, wurde er sehr fröhlich und sprach: "Hier müssen Unsterbliche sein, ich will den Mann sprechen und fragen wer ihn dies Lied leerte."

Odok rannte in den Wald und suchte den Sänger des Liedes und fand einen alten Mann, welcher Reisig sammelte.

"Ehrwürdiger Sorio.", verneigte sich Odok vor dem kleinen Mann, "Ich will von euch lernen, was ihr Unsterblichkeit nennt."

Der kleine Mann ließ vor Schreck seinen Haufen Reisig fallen. "I..Iihr..iirrt..Euch.", stammelte er, "Ich bin ein alter Greis, welcher im Wald sein Brennholz sucht. Sagt, wie kommt ihr darauf ich sei ein unsterblicher Sorio?"

"Wenn ihr kein unsterblicher Sorio seid, warum sangt ihr diese Worte:    

 

Immer auf Erden bleiben,

nie aus dem Scheiden.

Weiß nie was kommt nach dem Tod,

Folge nie den Menschen ihrer Not.

 

Das sind geheime Formeln der Sorio, was also könnte ihr anderes sein?"

"Ich will nicht leugnen das es Formeln eines Sorio sind.", entgegnete der kleine Mann. "Dies Lied hat mich ein Sorio gelehrt, der kaum entfernt, von meiner Hütte haust. Als er sah meine Not und hörte meinen Mühsal mit der Welt, riet er mir, wenn der Kummer mich ereilt, dieses Lied zu singen. Es solle mir Trost spenden und mir den Weg zu Erleuchtung weisen. Ich war nicht im Bunde, dass ihr mir eure Ohren schenktet."

"Wenn der Sorio in eurer Nähe haust, wie kann es sein das ihr nie sein Schüler wurdet? Ihr hättet doch von ihm die ewige Jugend lernen können."

"Mein Leben war hart, meine Väter und Brüder starben in den Kriegen der großen Feldherren, meine Schwestern in den Zeiten der Seuchen, nur meine Greisenmutter, die mich eins gebar, ist mir geblieben. Es gab seit jeher nichts als schweren Tagelohn von der Früh bis in die Spät. Nie würde ich meine Mutter sich ihrem Schicksal überlassen. Unser Garten ist nicht fruchtbar und so sammle ich Reisig um es in Kuschira zu verkaufen. Für das geringe Geld kann ich etwas Reis kaufen und wir darben von einem Säckchen meist mehrere Wochen. Mir ist nicht die Zeit gegeben ewig zu Leben."

"Ich ersehe, du bist ein frommer und guter Mann, dein Mühsal kann nur gebührend entlohnt werden. Ich bitte dich nur um eins, weise mir den Weg wo ich den finde, der dir das Lied beigebracht.", erwiderte Odok sichtlich ergriffen von dem Leid des kleinen Mannes.

"Er wohnt hier ganz in der Nähe. Dieser Berg ist seit jeher der Berg der Sorio und einer von ihnen, So Schukio, leert in seiner Hütte die Unsterblichkeit. Er hat schon viele Schüler unterwiesen. Du musst diesen Pfad nehmen und findet dieser sein Ende, so wirst du auch Seine Hütte finden."

"Verehrter Bruder ich danke dir.", sprach Odok, "Wie gerne würde ich dich mit mir nehmen. Ich würde mich zu gern erkenntlich zeigen, doch kann ich dir nichts geben außer meinen Respekt für deine Frömme und Liebe zur Mutter.", verneigte sich der Großkönig vor dem kleinen Mann, sprach das Lebewohl und ging den Pfad aus dem Wald hinaus, lief über hügelige Wiesentäler und stieß an dessen Ende wahrhaftig fand Odok die gesuchte Hütte. Sie lag so still und nirgends schien Leben, dass Odok zögerte an der hölzernen Türe zu klopfen. Nach einiger Zeit hörte er das zurück schieben eines Riegels und ein junger Mann trat heraus und fragte: "Was wollt ihr?"

Odok verneigte sich und sprach: "Werter Herr, ich will ein Schüler des Sorio sein und die Unsterblichkeit erlernen."

"Du ein Schüler?!", verlachte der Mann den Großkönig der Ome.

"Gewiss.", beteuerte Odok sein Vorhaben.

"Mein Meister unterrichtet soeben, aber ehe er die Unterweisung beginnen wollte, sollte ich sehen ob noch jemand am Unterricht Teil zu nehmen gedenkt. Ich vermute er dachte an dich.", erwiderte der Schüler.

"Damit kann nur ich gemeint sein.", entgegnete Odok.

"So folge mir.", ließ der Mann den Großkönig eintreten.

Odok machte sich zurecht und folgte dem knabengleichen Mann in die Hütte. Weite Räume taten sich auf, sie gingen von Gemach zu Gemach, durch luftige Hallen bis sie an eine Plattform gelangten die ganz aus Marmorstein gehauen war. Auf dem Podest saß Meister Schukio umringt von einigen Schülern, die alle noch nicht den Schein des Unsterblichen erlangt hatten. Odok fiel nieder vor dem Podest und rief Schukio an: "Meister lehrt mich bitte ich will euer Schüler sein."

Schukio erwiderte: "Sagt, wo kommt ihr her? Und wie ist dein Name, dann gedenke ich vielleicht deinem Wunsch zu folgen."

"Ich komme vom Berge dem die Wasser entspringen und in das Tale von Ryusei sich ergießen."

"Fort mit dir!", unterbrach Schukio zornig, "Du bist ein Scharlatan, nichts weiter. Niemals kommt ein Schüler aus diesem fernen Lande, niemals will ein Wesen dort die Unsterblichkeit, niemals verlässt jemand das Heilige Land!"

"Und doch ist es so.", erwiderte Odok sich mehrfach verneigend.

"Wenn das Wahrheit seien soll, wie kamst du nur hierher? Ryusei ist weit und es ist durch zwei Meere von Pujaku getrennt. Wie bist du hierhergekommen?"

"Ich trieb mit einem Floße über die Ozeane und die Lande durchwanderte ich. Eine Reise so lang, dass ich erst gar nicht die Tage zu zählen begann."

"Nun gut wenn es so betrachtet ist, kann es stimmen. Doch sag mir, wer waren deine Eltern und deines Elterneltern?"

"Meine Eltern haben nie Elterneltern gehabt.", entgegnete Odok

"Was soll denn dies bedeuten? Seien sie aus der Erde auferstanden?"

"Das nun nicht.", erklärte Odok, "Meine Eltern sind aus dem Haupt von Goryu entnommen und von Akumatara geteilt. Ich war ihr erstes Kind und habe viele Geschwister, erhob mich zum König durch glückliche Fügung und will nun euer Schüler Odok sein."

"Wir müssen dir einen Schulnamen geben, wir haben zwölf Namen, je nach Wesen des Schülers."

"Welches sind die zwölf Namen?", fragte Odok.

Meister Schukio erwiderte: "Wasser, Erde, Wind, Gift, Naturlicht, Aura, Feuer, Eis, Blitz, pflanze, Pilz und Mineral; doch sind sie alle vergeben. Finsternis ist als einziger unbeschlagen."
"So ist der dreizehnte Name mein?"

"Nein! Dies ist der Name aller Schüler die meine Lehren und mich verrieten, es sind an einem Dutzend und du wirst dich hüten ein weiterer sein."

"So sei mein Name Usei.", äußerte Odok der begriffen hatte, dass die Namen sich nach den Elementen richteten.

"Nein, dies kann nicht sein. Denn dies ist der Name des Meisters.", entgegnete Meister Usei energisch den Kopf schüttelnd, "Mumei soll dein Name sein."

So wurde Mumei Odoks Name in der Religion.  

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