Das Gespräch

Er wusste, sein Verhalten war nicht richtig, doch was sollte er tun? Unter keinen Umständen konnte er zulassen, dass Hermine mit Dumbledore sprach, und wenn er sie nicht rund um die Uhr im Auge behielt, würde er es nicht mitbekommen, wenn sie zu ihm ging. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als vor der Bibliothek zu warten, oder vor dem Gryffindor-Gemeinschaftsraum, oder vor ihren Unterrichtsräumen, um sicherzugehen, dass sie mit niemandem sprach.

Es war so lächerlich. Wenn er ihr nie irgendetwas über sich erzählt hätte, wenn er ihr nie sein Mal gezeigt hätte, dann wäre er jetzt nicht in dieser verzweifelten Lage. Genervt fuhr Draco sich durch sein blondes Haar. Es war von Anfang an ein Fehler gewesen, ausgerechnet sie so nah an sich heranzulassen, und doch …

Es hatte sich so gut angefühlt.

Es waren erst wenige Tage vergangen, seit Hermine ihn im Streit hatte stehen lassen, seit er sie beleidigt hatte, ehe er sich selbst daran hindern konnte, und doch vermisste er sie. Sie war der einzige Mensch gewesen, demgegenüber er zumindest ein Stück weit hatte offen sein können. Nun hatte er niemanden mehr, nur noch seine übermäßig besorgte Mutter und Snape, der nicht lockerließ und ihn ständig ausfragte, was genau sein Auftrag und sein Plan waren. Selbst zu Myrte konnte er nicht mehr gehen, zu unsicher war er, ob sie nicht doch irgendwann irgendetwas zu Potter sagen würde. Als Geist hatte sie immerhin nichts zu verlieren.

Energische Schritte erklangen aus der Bibliothek und Draco hatte gerade noch Zeit, sich in den Schatten hinter der Statue am Eingang zurückzuziehen, ehe eine sehr grimmig dreinschauende Hermine Granger rausmarschiert kam. Sie sah sich nicht um, zögerte keine Sekunde, sondern schritt voller Entschlossenheit den Gang entlang. Dracos Herz sank. Er ahnte, woher ihre Entschlossenheit kam. Auf leisen Sohlen folgte er ihr.

Es dauerte nur wenige Biegungen und Treppen, ehe er sich absolut sicher war, dass Hermine zielstrebig auf das Büro von Dumbledore zuhielt. Er musste sie aufhalten, koste es, was es wolle.

Fluchend gab er sein Schleichen auf, sprintete vorwärts und packte sie an der Schulter: „Granger!“

Mit aufgerissenen Augen wirbelte sie herum, doch sofort trat abgrundtiefer Hass in ihr Gesicht, ihre Augen zogen sich zusammen, während sie ihn von sich stieß: „Was willst du, Frettchen?“

Er zuckte zusammen bei dieser Beleidigung, doch er durfte sich nicht ablenken lassen. Durfte nicht wieder so emotional auf sie reagieren. Er musste sie umstimmen: „Ich sehe doch, wohin du gerade gehst. Du willst zu Dumbledore.“

Störrisch verschränkte sie die Arme vor der Brust: „Allerdings. Das hätte ich schon lange tun. Schon damals, als du mir dein hübsches Mal gezeigt hast.“

Rasch ergriff er ihren Arm und zog sie aus dem Hauptgang in einen der kleineren Nebenflure: „Muss das so laut sein?“

Sie schnaubte nur verächtlich: „Als ob es jetzt noch eine Rolle spielt. Wenn Dumbledore erstmal Bescheid weiß, weiß es morgen die ganze Schule. Kannst dich schon mal darauf einstellen, deinem Vater in Askaban Hallo zu sagen.“

Alles Blut verließ sein Gesicht. Sie meinte es ernst. Sie meinte es verdammtnochmal ernst. Zitternd ballte er die Fäuste: „Granger … Hermine … das kannst du nicht ernst meinen. Das kannst du nicht tun. Willst du wirklich … willst du das wirklich?“

Ihr Gesicht blieb eine eiserne Maske, doch er konnte sehen, dass auch ihre Hände zitterten: „Du lässt mir keine andere Wahl, Malfoy. Was du getan hast … ich kann nicht länger schweigen. Wenn ich jetzt nicht rede, mache ich mich mitschuldig. Habe ich längst, nur das zum Glück noch niemand gestorben ist. Ich muss das hier tun. Ich muss.“

Er trat näher auf sie, legte beide Hände auf ihre Schultern, und beugte sich hinab, um ihr direkt in die Augen sehen zu können. Sie war nervös, das spürte er, doch ihre Augen funkelten vor Entschlossenheit. Angestrengt suchte er nach den richtigen Worten: „Ich habe dir versprochen, dass ich nicht mehr versuche, irgendjemanden umzubringen. Hast du das vergessen? Ich habe einen anderen Plan, einen Plan, bei dem ich nicht mehr auf Umwegen versuche, Dumbledore zu töten. Ich habe es dir versprochen.“

Das Feuer in ihren Augen erlosch: „Ich weiß. Aber es ist zu spät, Draco. Was geschehen ist, ist geschehen. Ich werde mich meinen Taten stellen und dafür sorgen, dass du dich deinen stellen musst. Das Leben verlangt manchmal einfach danach, dass wir Verantwortung übernehmen.“

Das Zittern seiner Hände ergriff seinen ganzen Körper, als ihm klar wurde, dass nichts und niemand sie mehr aufhalten konnte: „Willst du das wirklich? Willst du wirklich, dass ich … dass ich nach Askaban gehe?“

Kurz schloss Hermine die Augen und als sie sie wieder öffnete, als sie seinen Blick direkt erwiderte, konnte er sehen, dass ihr die Tränen gekommen waren: „Nein. Natürlich will ich das nicht. Draco … ich dachte wirklich, wir … wir hätten eine Chance. Eine Zukunft. Aber ich habe mich geirrt. Hier geht es nicht um mich. Hier geht es um das, was richtig ist. Hier geht es um das Wohl der Zauberergemeinschaft. Und deswegen … muss ich das tun. Solange du nicht bereit bist, die Seite von Voldemort zu verlassen, solange kann es kein … kein Wir geben. Bist du bereit, Draco? Würdest du jetzt, hier, in diesem Augenblick aufgeben und mit mir kommen und dich Dumbledore stellen?“

Sekundenlang schaute er Hermine an, starrte ihr in die Augen, suchte. Doch er wusste, seine Antwort würde noch immer negativ ausfallen. Er konnte einfach nicht. Kein Schutz der Welt, selbst von Dumbledore, konnte ihn gegen den Dunklen Lord abschirmen, wenn er ihn verriet. Und selbst wenn er in Sicherheit wäre, seine Mutter würde leiden. Vielleicht würde er Askaban überleben. Vielleicht würde er eines Tages heil daraus kommen. Vielleicht konnte er sich vor dem Zugriff durch Dumbledores Leute schützen. Aber nichts und niemand in der Welt konnte ihn vor der Wut von Du-weißt-schon-wem schützen. So sehr er auch wollte, es gab hier keine Entscheidung zwischen zwei Möglichkeiten für ihn.

„Ich kann nicht“, flüsterte er erschlagen. Langsam ließ er Hermine los, taumelte rückwärts, bis er mit dem Rücken an die gegenüberliegende Wand stieß, wo er kraftlos zu Boden sackte. Sein Schicksal war besiegelt.

Hermine verharrte noch einen Augenblick vor ihm, den Kopf gesenkt, sodass die Locken ihr Gesicht verbargen, dann murmelte sie ebenso leise: „Es ist schade, dass du so denkst.“

Und dann war sie fort.

Den Kopf in seinen Händen vergraben, unfähig, sich auch nur einen Zentimeter zu rühren, blieb Draco zurück. Er wusste, was er zu tun hatte. Er musste Snape finden, ihn endlich einweihen, ihm alles erzählen. Und mit seiner Hilfe fliehen. Darauf vertrauen, dass Snape zu Ende brachte, was er begonnen hatte, darauf hoffen, dass es für den Dunklen Lord genug war. Er durfte keine Sekunde zögern, sonst wäre es zu spät. Jeder Augenblick, den er hier verweilte, war kostbare Zeit, die ihm zur Flucht fehlte. Er musste zu Snape. Jetzt.

Doch noch immer konnte er sich nicht rühren.

oOoOoOo

Mit klopfendem Herzen wartete Hermine darauf, dass die Treppe sie bis zur Tür von Dumbledores Büro brachte. Die kurze Unterhaltung mit Draco hatte sie völlig aus der Bahn geworfen. Da war er wieder gewesen, jener schwache, verängstigte, im Herzen gute Draco Malfoy, den sie über die letzten Monate kennengelernt hatte. Wieso musste er jetzt auftauchen? Beinahe hätte sie ihr Vorhaben über Bord geworfen, hätte ihn einfach in ihre Arme geschlossen und ihm alles verziehen. Er hatte so verloren gewirkt, so verzweifelt.

Doch dann hatte sie sich zur Ordnung gerufen, hatte sich daran erinnert, was er getan hatte, was beinahe passiert wäre, wenn Ron nicht so unfassbares Glück gehabt und Harry so unbegreifliche Reaktion gezeigt hätte. Was auch immer sie für Draco Malfoy empfand, Fakt blieb, er war ein Todesser und er war nicht bereit, seine Seite zu verlassen. Sie hatte keine Wahl. Er ließ ihr keine Wahl.

Mehrmals atmete sie tief ein und aus, ehe sie das Büro betrat. Dort saß Dumbledore, lächelte sie freundlich an, die Fingerspitzen vor seinem Kinn ineinander verschränkt. Alleine der Anblick reichte aus, um ihr Ruhe zu schenken. Dumbledore würde wissen, was zu tun war. Vielleicht gab es einen anderen Weg als Askaban für Draco.

„Miss Granger“, begrüßte er sie freundlich: „Welch‘ seltener Besuch. Setzen Sie sich. Darf ich Ihnen einen Bonbon anbieten?“

Sie lächelte schwach und lehnte höflich ab. Wenn sie sich jetzt ablenken ließ, würde der Mut sie eh nur verlassen. Sie musste sprechen, jetzt, ohne um den heißen Brei herumzureden: „Vielen Dank, dass Sie so spontan Zeit hatten. Ich bin hier wegen Draco Malfoy.“

Eine Augenbraue hob sich leicht, ansonsten blieb Dumbledores Gesicht unberührt: „Oho, der junge Mr. Malfoy. Ich hörte, Harry sei ganz eingenommen von ihm die letzten Wochen?“

Beinahe hätte sie sich an ihrer eigenen Spucke verschluckt. Das klang nicht richtig, wie Dumbledore es ausdrückte, insbesondere wenn sie daran dachte, auf welche Weise sie selbst von Draco eingenommen gewesen war. Hustend schüttelte sie den Kopf: „Nein, also, eingenommen … das ist vielleicht das falsche Wort. Er verdächtigt ihn, hinter den ganzen Mordversuchen zu stecken.“

Über die Ränder seiner Brille hinweg sah Dumbledore sie ernst an: „Und Sie sind hier, weil sie diesen Verdacht teilen?“

Das war es. Jetzt musste sie ihre Karten offen auf den Tisch legen. Sie umklammerte die Armlehnen ihres Stuhls: „Nein. Es ist in meinem Fall kein Verdacht. Ich weiß, dass er dahinter steckt.“

Zu ihrer Überraschung zeigte Dumbledore noch immer keine bemerkenswerte Reaktion: „Fahren Sie fort.“

Irritiert, aber entschlossen, erklärte sie: „Ich bin vor Weihnachten in näheren Kontakt mit Draco … mit Malfoy gekommen. Ich bin schuldig, dass ich ihn nicht früher gemeldet habe, ich hatte nur gehofft … ach, das spielt ja keine Rolle. Er hat mir sein Dunkles Mal gezeigt, Sir. Er ist ein Todesser. Und er war derjenige, der die vergiftete Flasche Alkohol bei Slughorn platziert hat – mit der Absicht, dass Sie diese als Geschenk erhalten. Diese Dinge weiß ich, da ich … es selbst gesehen habe. Draco Malfoy hat den Auftrag von Voldemort erhalten, Sie zu töten.“

Nun hatte sie es gesagt. Es war ausgesprochen. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Angespannt wartete sie auf Dumbledores Reaktion. Der noch immer merkwürdig gelassen wirkte. Verwirrt legte Hermine den Kopf schräg. Sollte er nicht alarmiert darüber sein, dass einer seiner Schüler versuchte, ihn umzubringen?

„Miss Granger“, sagte er endlich und nun wirkte er zum ersten Mal völlig ernst: „Sie haben mir soeben ein Puzzleteil geliefert, welches ich schon lange gesucht habe. Ich danke Ihnen dafür.“

Mit offenem Mund starrte sie ihn an: „Das … das ist alles?“

Ein warmes Lächeln erschien auf seinem Gesicht: „Ich verstehe Ihre Verwirrung. Ich wusste bereits seit geraumer Zeit, dass Draco Malfoy ein Todesser ist. Die Spione des Ordens sind nicht müßig, wissen Sie? Mir war auch bewusst, dass er einen bedeutenden Auftrag von Tom erhalten hat. Doch trotz der größten Bemühungen meines Spions konnten wir nie Konkretes erfahren. Natürlich hatte ich Vermutungen, natürlich ging ich davon aus, dass er hinter den Anschlägen steckte, doch er durch Sie, durch Ihre mutige Offenbarung habe ich Gewissheit. Das ist sehr viel wert, mehr, als Sie sich jemals vorstellen können.“

Schwindel ergriff Hermine: „Sie meinen … Sie meinen, Sie wussten, dass er ein Todesser ist? Und trotzdem haben Sie ihn hier gelassen? Sie haben geahnt, dass er es war, aber … nichts unternommen? Sie haben … wissentlich das Leben anderer Schüler riskiert?“

Langsam erhob sich Dumbledore von seinem Stuhl, trat vom Tisch weg und schritt mit hinter seinem Rücken verschränkten Händen auf und ab: „Sie sind zurecht wütend. Ich ahnte, dass Mr. Malfoy es auf mein Leben abgesehen hatte, doch ich vertraute darauf, dass es ihm kein Versuch gelingen würde, also ließ ich ihn gewähren. Ich habe unterschätzt, wie verzweifelt er war, deswegen habe ich nicht vorhergesehen, dass er das Leben meiner Schüler fahrlässig gefährden würde. Hätte ich das geahnt, wäre ich längst eingeschritten.“

Fassungslos sprang Hermine auf: „Aber Sie wussten es! Spätestens nach Katie! Warum haben Sie da nichts unternommen?“

Dumbledore hielt nicht inne und er schaute sie auch nicht an, als er erwiderte: „Er hatte ein perfektes Alibi für die Zeit. Ich hätte ihn nicht enttarnen können, ohne dass die Identität meines Spions aufgeflogen wäre. Das konnte ich nicht riskieren.“

Mit aufgerissenen Augen starrte Hermine ihn an. Harry hatte Recht. Manchmal wirkte Dumbledore, als würde er wirklich alles tun, um seine Pläne umzusetzen. Sie hatte sich selbst so gehasst und verurteilt dafür, dass sie nicht früher eingeschritten war, doch nun realisierte sie, dass es gar nichts gebracht hätte. Dumbledore wäre auch nicht eingeschritten.

Mit trockenem Mund hakte sie nach: „Aber jetzt. Jetzt können Sie etwas unternehmen. Die Information kommt von mir. Ich bin kein Spion, Sie können Draco …“

Augenblicklich unterbrach Dumbledore sie: „Nein. Es tut mir leid, Miss Granger, doch ich kann nichts tun. Mir sind die Hände gebunden.“

Der Raum um sie herum begann, sich zu drehen. Haltsuchend griff sie nach der Stuhllehne. Sie konnte nicht glauben, was Dumbledore da sagte. Hatte er wirklich angedeutet, dass er einen Attentäter weiter durch das Schloss laufen lassen würde, wissentlich, in Kauf nehmend, dass noch mehr Schüler zu Schaden kamen?

„Bei allem Respekt, Sir“, sagte sie langsam: „Das kann nicht Ihr Ernst sein. Wollen Sie das wirklich riskieren?“

Schwer stützte Dumbledore seine Hände auf dem Schreibtisch ab: „Wie ich zu Beginn sagte: Sie haben mir ein wichtiges Puzzleteil geliefert. Ich hatte einen Plan, doch er stand auf wackeligen Beinen. Dank Ihnen weiß ich nun, dass er funktionieren wird. Dafür ist es unerlässlich, dass Draco Malfoy nicht weiß, dass wir Bescheid wissen. Sagen Sie mir noch eines, Miss Granger: Wenn er die Gelegenheit hat, von Angesicht zu Angesicht, denken Sie, er wäre in der Lage, mich zu töten?“

Ihr Mund stand offen. Ihre Hände schwitzen. Ihre Knie waren weich. Sie begriff nicht. Sie begriff gar nichts. Worüber sprachen sie hier? Was für einen Plan meinte Dumbledore? Welcher Plan konnte beinhalten, das Leben anderer Schüler zu riskieren? Wovon redete er? Und warum war es wichtig, ob Draco ihn töten konnte oder nicht?

Mühsam zwang sie ihre Gedanken zur Ruhe, um über die Frage nachdenken zu können. Draco versuchte ernsthaft, Dumbledore zu töten. Hatte es versucht. Wenn er ihm von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen würde, was würde er dann tun? Vor ihrem inneren Auge stand ein weinender, zitternder, völlig verängstigter Draco Malfoy. Tief seufzte sie: „Nein. Nein, ich glaube nicht, dass er es in sich hat, so eine Tat zu begehen. Deswegen die Umwege mit dem Amulett und dem Alkohol – damit er nicht dabei sein muss, sich nicht seinem Tun stellen muss. In einem Duell könnte er Sie nicht töten.“

Dumbledore nickte: „Ausgezeichnet. Ich komme zu derselben Einschätzung wie Sie. Danke.“

Noch immer vollkommen verwirrt stand Hermine da und wartete darauf, dass Dumbledore ihr irgendeine Erklärung lieferte. Irgendetwas, irgendeine Andeutung. Doch er schwieg, schaute sie nur ernst und erwartungsvoll an. Kopfschüttelnd erkundigte sie sich: „Heißt das also, dass ich weitermachen soll wie bisher? Niemandem etwas sagen, Draco gewähren lassen?“

Wieder nickte er: „Ja. Wenn Sie das für ich tun können, Miss Granger, ich wäre Ihnen dankbar. Lassen Sie Mr. Malfoy nicht wissen, was wir nun wissen. Und …“

Kurz hielt Dumbledore inne, als wäre er nicht sicher, ob er weitersprechen sollte. Überrascht von diesem plötzlichen Zeichen der Unsicherheit trat Hermine näher an den Schreibtisch heran: „Und?“

Mit einem beinahe schuldigen Ausdruck fuhr er fort: „Und seien Sie da für ihn. Egal, was er tun wird, egal, was geschehen wird, seien Sie da für ihn. Sie werden all dies verstehen, Miss Granger, wenn alles vorbei ist, dann werden Sie verstehen. Und seien Sie für Harry da, er wird Sie brauchen. Lassen Sie ihn nicht alleine. Ich bitte Sie um diese eine Sache. Vertrauen Sie mir dieses eine Mal, auch wenn es Ihnen schwerfällt. Geben Sie Draco Malfoy nicht auf. Beschützen Sie Harry.“

Hermines Herz blieb stehen. Dumbledores Worte klangen beinahe flehend, als wäre er ein sterbender Mann, der seinen letzten Wunsch voller Dringlichkeit in die Welt hinausschreien wollte, aber keine Kraft mehr dazu hatte. Wie konnte sie diesem Mann irgendeinen Wunsch abschlagen? Sie nickte stumm. Das Lächeln, das er ihr daraufhin zeigte, war so offen und ehrlich, wie sie es noch nie zuvor gesehen hatte. Mit einer angedeuteten Verneigung verabschiedete sie sich, verließ das Büro und stieg die Stufen wieder hinab.

Jetzt blieb nur noch die Frage zu klären, was sie Draco erzählen sollte.

Kommentare

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media