Das Heilmittel

Tommy war endlich eingeschlafen. Silvia war in ihr Schlafzimmer gegangen und saß nun im Schneidersitz auf ihrem Bett. Sie atmete noch einmal durch und rief an. "Silvie?" - "Es hat ein Bisschen länger gedauert. Tut mir leid." - "Das macht doch nichts! Gehts dir gut?" - "Oh Michael, ich weiß nicht was du angestellt hast mit mir!" - "Was denn, mein Engel?" - "Ich muss die ganze Zeit an dich denken! Du hast irgendwas geweckt in mir, von dem ich gar nicht mehr wusste, dass es da ist! Dabei weiß ich überhaupt nichts von dir! Gerade mal, wie du heißt!" - "Kann es sein, dass du dich verliebt hast?" - "Ich fürchte ja! Aber nicht nur ein Bisschen... Ganz arg! Ich sollte dir das gar nicht sagen!" - "Aber warum denn nicht, Silvie?" - "Na wenn du das weißt, dann bin ich doch Wachs in deinen Händen! Dann bin ich dir ausgeliefert..." - "Es ist nicht gefährlich für dich, mir ausgeliefert zu sein! Im Gegenteil mein Schatz! Ich würde niemals etwas tun, dass sich gegen dich oder Tommy richtet. Und es trifft sich gut, dass du dich so verliebt hast, dann ist die Liebe wenigstens nicht einseitig. Ich werd dir jetzt was sagen Silvie und ich geh mit sowas niemals leichtfertig um: Mir gehts genauso. Ich bin total verschossen in dich! Das ist nicht gut für einen Erfinder, wenn er nicht klar denken kann!"

Ein Glücksschauer fuhr durch Silvia. "Kannst du dann nichts mehr erfinden?" - "In meinem jetzigen Zustand nicht! Es gibt nur ein Heilmittel, dass mich für ein paar Tage über Wasser halten könnte. Ich muss nämlich morgen für ein paar Tage in die Staaten fliegen." - "Oh!" - "Keine Angst! Am Wochenende bin ich wieder da!" - "Aber wenn du doch nicht klar denken kannst! Was kann ich denn dagegen tun?" - "Mich küssen!" - "Michael! Wo bist du denn?" - "Ungefähr hundertachzig Kilometer nordwestlich von dir." - "Wie soll ich dich da küssen?" - "Würdest du denn?" - "Oja! das wäre schön! Ich würde gern in deinen Armen liegen!" - "Schön! Ich bin in einer Stunde bei dir!" Es klickte und die Leitung war tot. Silvias Herz klopfte wie verrückt! Dem war das zuzutrauen. Ob der...? Es wäre irrsinnig schön, wenn sie ihn wirklich heute noch sehen könnte aber, das war doch verrückt!

Michael musste tatsächlich morgen nachmittag abfliegen, weil er die Montage einer von ihm entwickelten Abfüllanlage kontrollieren musste. Aber er war spontan genug, mal eben zu Silvia zu fahren. Es war so, wie er ihr gesagt hatte. Er hatte sich ebenfalls Hals über Kopf in sie verliebt und wie es den Männchen in der Natur eben zu Eigen ist, wollte er sich das begehrte Weibchen sichern, bevor ein anderer Hahn ihm ins Revier käme... Also ging er in die Garage, steckte das Ladegerät ab und stieg in den Porsche. Optisch ein Siebziger-Jahre-Modell, mit von ihm entwickelter Technik. Er würde nicht sehr lange brauchen, hatte er doch gestern auf der Wache aufgepasst und sich ihre Adresse gemerkt. Es war kein Problem gewesen, dank Google Maps, die Strecke zu ermitteln. Trotzdem, hatte er schon am frühen Abend die Adresse ins Navi eingegeben, um gegebenenfalls sofort starten zu können. Er fuhr nach wenigen Kilometern auf die Autobahn auf und gewährte seinem E-Porsche mal richtig Auslauf. Nach etwa zwanzig Minuten rief Silvia erneut an. In dem Wagen hatte die Freisprecheinrichtung leichtes Spiel, konnte man doch das Motorgeräusch einfach abstellen. "Michael?" - "Ja?" Fährst du jetzt wirklich hundertachtzig Kilometer für einen Kuss von mir?" - "Ich hätte schon auf Zwei gehofft, wo ich doch auch wieder nach Hause fahren muss!" - "Du bist wirklich ein verrückter Erfinder! Aber ich freue mich auf dich! Hundertachzig Kilometer..." - "Jetzt sind es nur mehr Hundert, Silvie. Der kleine Weiße geht wie Sau! Der dreht fast auf Dreihundert runter" - "Bist du verrückt? Tu dir ja nicht weh! Hast du gehört? Ich brauche dich noch! Ich warte auch ein Bisschen länger... und du bekommst ganz viele Küsse..."

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