Das kleine Fröschlein Ferdinand (1)

Das Gras- Fröschlein Ferdinand, wurde nicht wie üblich in einem Teich, oder einem sonstigen Gewässer in der Natur geboren. Nein, auch wenn seine Eltern, die er aber natürlich niemals kennenlernte, seine Eier in einem kleinen Nebentümpel eines Baches, gelegt hatten. Dort war jedoch kein sicherer Ort. Entweder der Tümpel trocknete bei langen Schönwetterperioden ganz aus, oder wenn es zu regnerisch war, wurde alles weggespült (das war schon oft vorgekommen). Der Laichballen, welcher vielen Hunderten, kleinen Froschkindern am Anfang Schutz bot, wurde dann durch die wirbelnden Wassermassen zerrissen und viele der Froschkinder, welche Anfangs nur ein kleines, schwarzes Bällchen, im Inneren der Laichgallerte waren, liessen dabei ihr Leben. Oder wurden dann später, ohne den Schutz in der Familiengruppe, sehr leichte Opfer von den vielen Fischen und anderen Tieren des Baches. Sie hatten ja noch keinen Schwanz, noch nicht einmal ein richtiges Bewusstsein und konnten den Gefahren so noch nicht ausweichen, sich verstecken oder davon schwimmen.

Als das kleine Fröschlein Ferdinand, also geboren wurde, mit ihm noch viel andere Geschwister, befanden sie sich in einem grossen, durchsichtigen Kunststoffbehälter, in der Obhut einer freundlichen Familie.

Ferdinand hatte anfangs noch keine Augen, konnte also die Umgebung noch nicht wirklich wahrnehmen. So blieb er, so wie seine Geschwister, einfach mal an der Gallerte des Laichs hängen und ernährte sich lange davon. Der Laichballen wurde kleiner und kleiner und schliesslich wuchsen dem noch winzigen, wurmförmigen Ferdinand, kleine seitliche Kiemen, die aussahen wie feine Ästchen.

Nun nahm er die Umgebung, in der er sich befand, mehr und mehr wahr. Er schwamm ein wenig in seinem künstlichen Geburtsteich herum und stellte mit Zufriedenheit fest, dass das Wasser voll mit Nährstoffen war und sich am Rande des Behälters, in dem er schwamm, bereits eine leckere, dünne Algenschicht gebildet hatte. Genüsslich begann er daran zu knabbern und ernährte sich von anderen Schwebestoffen, die es im Wasser hatte. Auch Wasserpflanzen gab es genug und auch diese begann er zu fressen.

Die Familie, bei der er wohnte, brachte ca. alle zwei- drei Tage frisches Bachwasser und wechselte das alte aus. Es fehlte Ferdinand an nichts und zufrieden schwamm er umher und frass sich an den Algen, Pflanzen und dem Rest der Laichgallerte satt, bis er anfing noch mehr zu wachsen. Da das Wetter nun sehr schön geworden und mehr als genug Nahrung, für ihn und seine Geschwister, vorhanden war, wuchs er sehr schnell.

Sein bisher winziger Kopf, verlor nun die äusseren Kiemen und die inneren Kiemen bildeten sich. Auch sein Mäulchen wurde immer grösser und oft schwamm er damit der Wasseroberfläche entlang und ass dort eifrig die dünne Schicht aus Algen und Schwebstoffen weg.

Er war nun schon viel dicker, aber immer noch glänzend-schwarz. Manchmal schwamm er auf dem Rücken, um auch gut an seine begehrte Nahrung zu kommen und dann sah man seinen kleinen weissen Darm, wie einen lustigen Kringel, durch die Bauchhaut hindurchschimmern.

Mit der Zeit kannte er dann auch die Frau, welche sich am meisten um ihn und seine Geschwister kümmerte. Als diese schliesslich anfing Gurkenscheiben, als Zusatznahrung in das Becken zu legen, stürzte sich Ferdinand voller Begeisterung darauf. Er und seine Geschwister versammelten sich, manchmal zu Hauf an einer Scheibe und frassen diese erstaunlich schnell, von innen nach aussen, weg. 

Die Frau, die er nun immer besser kannte und auch mochte, weil sie immer das Essen brachte, sass oft am Becken und beobachtete das Schauspiel. Sie schien ihre Freude an den kleinen schwarzen Köpfchen, der nun sehr mobilen, Quappen zu haben, die inmitten der abgefressenen Gurkenscheibe hervorlugten.

Ferdinand liebte Gurken, genüsslich schlug er sein süssen, winzigen Raspelzähnchen in das saftige Fleisch selbiger und im nu war der innerste Teil mit den leckeren, feinen Kernen weggefressen.

Manchmal hielt die Frau ihren Finger zwischen die versammelten Quappen und Ferdinand und die anderen, begannen auch daran leicht zu knabbern. Sie hatten gar keine Angst vor der Frau, denn bisher hatten sie von ihr ja nur Gutes erfahren. Eines Tages dann wurde Ferdinands Glück noch grösser, als die Frau jeden Morgen und jeden Abend anfing, feines Fischfutter auf die Oberfläche des Wassers zu streuen. Er lieebte dieses Futter und seine Geschwister auch und so stürzten sie sich noch gieriger darauf! Es war ja auch soo lecker! Die Frau lachte immer und meinte: «Das sieht aus, wie die Fütterung der Raubtiere!» Und so war es tatsächlich. Alle, wirklich alle Geschwister, inkl. Ferdinand, versammelten sich beim Erscheinen des Fischfutters an der Oberfläche und alle wurden stets satt, denn Gurkenscheiben gab es neben dem Futter, immer den ganzen Tag. So war genug von allem da, um gut aufzuwachsen.

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