Das Konsortium

Brankas Worte hatten Michael einen Moment lang in eine andere Zeit entführt. In eine Zeit, die nicht leicht gewesen war. Die Zeit nach Omas Tod. Seinen Vater hatte er nie kennengelernt, obwohl der ihn eigentlich gewollt hätte. Seine Mutter war einfach nur egoistisch gewesen. 
"Michael? Ist dir nicht gut, Schatz?" - "Doch Liebling! Ich war für Sekunden in einer Zeit, an die ich nicht gerne denke. Ich bin sehr froh, dass du eine so gute Mutter bist. Das hat mir sofort gefallen an dir..." Michael schmierte Butter auf ein Brötchen und gab es an Tommy weiter, schien aber immer noch ein Wenig abwesend. "Ich bin so froh, dass wir zusammen sind, wir drei, das glaubt ihr gar nicht! Was wollt ihr heute unternehmen?" - "Ins Meer, Michael, ich möchte im Meer baden!" - "Ja, Tommy, baden gehen wir sicher. Und Du mein Schatz? Was möchtest du?" - "Erst mal ans Wasser, dann sehen wir weiter, ok?" Sie frühstückten fertig und gingen an den hauseigenen Strand. Hier im Süden war fast immer schönes Wetter. Es war ziemlich heiß. Michael hatte eine Lieblingsstelle unter den Pinien. Er liebte diesen typischen Geruch der kroatischen Küste, die rote Erde, Die Pinien und die salzige Brise, die die Sonnenhitze erträglich, aber gefährlich leicht unterschätzbar machte. Sie legten sich auf diesen Platz und genossen die Ruhe. Michael blies Tommys Schwimmhilfen auf und musste natürlich mit ins Wasser. Silvia genoss es, Michael und Tommy so unbeschwert miteinander spielen zu sehn. Sie gesellte sich auch zu ihnen. Sie war tatsächlich noch nie im Ausland im Urlaub gewesen und hier in Istrien gefiel es ihr besonders. Dieses Wochenende war für Alle drei etwas ganz Besonderes. Für Michael, weil er endlich eine Familie hatte, für Tommy, weil er endlich einen Papi hatte und für Silvia, weil sie Michael und Tommy hatte und mit ihnen im Süden war.

In der Zwischenzeit musste jemand vom zweiten Mißerfolg berichten. Nicht nur, dass Natalie Hohlmann kläglich gescheitert war, Michael Montar erpressbar zu machen! Auch die finanztechnischen Maßnahmen in dieser Richtung, die bisher noch immer Wirkung gezeigt hatten, waren ein Schuss in den Ofen gewesen und zwar ein sehr teurer Schuss. Dieser kleine Erfinder und sein Anwalt waren offenbar mit allen Wassern gewaschen! Das "Konsortium" würde erneut tagen müssen, um die weiteren Schritte gegen den Schädling Montar zu beschließen, welcher im Begriff war "die Stabilität der Energiewirtschaft" (und damit die Weltwirtschaft), zu unterwandern und ihr nachhaltig zu schaden. In einem derart gefährlichen Fall von "Wirtschaftsgefährdung durch Weltverbesserer" konnte es notwendig werden, drastische Maßnahmen zu ergreifen. Er wartete scheinbar darauf, direkt angesprochen zu werden, hatte er doch zu Natalie gesagt, "sie möchte ihren Auftraggebern sagen..." Außerdem hatte die mißglückte Steuer-Verleumdung mehr Geld verschlungen, als man ihm ursprünglich als Abfindung bieten wollte! Man würde an Montar herantreten müssen und ihm klarmachen, dass man gegen das "Konsortium" nicht gewinnen konnte. Sollte er nach direkter Kontaktaufnahme nicht einlenken, sollte man ihm auch nicht verheimlichen, dass man mittels besonders geschulter "Securityleute" schon öfter gute Überzeugungsarbeit geleistet habe. Besonders wirksam zeigte sich hier meist die Erwähnung von geliebten Angehörigen. Im Extremfall aber galt: Nur ein Toter Erfinder ist ein guter Erfinder...              

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