Das kristallene Medaillon (Teil 1)

Die geheimnisvolle Waldlichtung

Ein goldener Schein lag auf der Waldlichtung. Die Sonne schien warm zwischen den frühlingsfrischen Blättern der Bäume hindurch. Der Wind strich sanft über Benjamin Gesicht und liebkoste die Gräser und die vielen Blumen, die ein wahres Feuerwerk an Farben bildeten...

Und dann... auf einmal war da diese wunderschöne, junge Frau mit wallenden, ebenholzfarbenen Locken, gekleidet in ein smaragdgrünes Gewand! Benjamin betrachtete erstaunt die wundervollen Stickereien die seinen Saum und sein Brustteil schmückten: Ornamente aus einer fremden Welt, einer Welt jenseits jener, die er kannte. Die Frau hatte einen langen schlanken Hals den ein Collier mit einem tropfenförmigen Smaragd zierte.

Sie blickte ihn nun direkt an. In ihren Augen glitzerten Tränen, die aussahen wie Funken die sich auf smaragdgrünen Teichen brachen. Ja, diese Augen....sie waren genauso grün wie das Kleid, dass sie trug und der tieftraurige Ausdruck darin, rührte Benjamin tief im Herzen an. Flehend hob sie die Arme. „Hilf mir!“ hörte er ihre Stimme in seinem Innersten wiederhallen.

„Komm zu dieser Lichtung, ich warte auf dich...“

Benjamin schreckte aus dem Schlaf hoch. Er knipste das Licht an. Dieses Traumbild war so real gewesen, dass er zuerst gar nicht recht wusste, ob er schon wach war. Er erhob sich und ging zum nahegelegenen Badezimmer. Dort nahm er einen Schluck Wasser und wusch sich das Gesicht. Sein Blick fiel in den Spiegel: Ein noch von Feuchtigkeit glänzendes, ebenmäßiges Gesicht mit schmalen Wangenknochen und stahlblauen Augen, von langen Wimpern überschattet, blickte ihm entgegen. Benjamin war 15 Jahre alt, schlank und hochgewachsen. Er überragte seinen Vater Daniel bereits um einige Zentimeter. Nur war jener kräftiger gebaut und Benjamin eher jugendlich, schlaksig.

Der Junge nahm eines der gelben, weichen Frottiertücher, die es im ganzen Haus gab (keine Ahnung wie seine Mutter Julia sie immer so flauschig hinkriegte) und trocknete sich damit Gesicht und Hände ab. Dann blieb er einen Moment lang nachdenklich stehen.

Ein Geräusch hinter ihm, riss ihn aus seinen Gedanken. Seine Schwester Pia betrat ebenfalls das Bad. Die beiden glichen sich sehr, doch Pia war zwei Jahre jünger als ihr Bruder.

Wie bei ihm, erinnerte ihr Haar an gesponnenes Gold, das jeden Lichtreflex einzufangen schien. Nur war ihres lang, während ihm seins knapp bis zu den Schultern reichte. Pias Wangen hatten, selbst jetzt in der Nacht, noch einen rosigen Schimmer. Die vollen Lippen (wie Benjamin sie auch besaß) machten sie zusammen mit der Augenpartie und der keltisch- geschwungenen Nase zu einem der hübschesten Mädchen in der Schule. Allerding war sie scheu und zurückhaltend, sich kaum ihrer wahren Schönheit bewusst. Eine Träumerin eben, die stets auf den Märchenprinzen zu warten schien, obwohl es mehr als genug junge Männer gab, die sich nur zu gerne für diese Aufgabe angeboten hätten. Doch Pia nahm ihre Verehrer gar nicht richtig wahr, was ihr ihre Familie immer mal wieder vorhielt. Ihrer Mutter Julia zufolge, war Pias Weg mit lauter gebrochenen Herzen gepflastert. Dabei wollte sie niemandem weh tun. Sie war einfach etwas anders: In sich gekehrt, interessierte sich nicht für dieselben Dinge wie andere Gleichaltrige. Die Modetrends scherten sie herzlich wenig und was in und was out war, bestimmte sie immer noch selbst. Benjamin war sehr ähnlich in seinem Wesen, ebenfalls ein Träumer. Zwar war er sich schon etwas mehr bewusst, wie er auf Mädchen wirkte, doch er nutzte das nicht aus. Bisher war ihm die Richtige auch noch nicht begegnet und es würde auch noch eine Weile dauern, denn erst mal warteten ganz neue Herausforderungen auf ihn, von denen er noch nichts wusste…

„Du bist auch wach?“ fragte Pia. Sie und ihr Bruder verstanden sich sehr gut, fast wie Zwillinge. Sie waren sogar am gleichen Tag geboren, am 13. März, wenn auch in einem anderen Jahr. Benjamin erwiderte: „Ja, ich hatte einen etwas seltsamen Traum…“ „Ich auch! Da war so eine Frau, sie sah aus wie eine Prinzessin mit smaragdgrünen Augen. Sie trug eine Kette, mit einem tropfenförmigen Smaragd, ein smaragdgrünes Gewand und sie bat mich um Hilfe...“ „Tatsächlich?!“ rief Benjamin aus. „Hatte sie dunkle, lange Locken und stand auf einer Waldlichtung?“ „Ja, mit hunderten von Blumen. Wunderschön! Aber sie schien sehr verzweifelt, sagte, sie warte auf mich...“ „Dann hatten wir ja denselben Traum... das ist eigenartig.“ „Ja finde ich auch. Meinst du wir sollten diese Waldlichtung mal suchen?“ „Nun ja...“ sprach Benjamin „wir haben ja gerade Oster- Urlaub. Da können wir es gleich mit einer schönen Wanderung verbinden. Ob wir diese Dame nun treffen oder nicht...wer weiß. Sie wirkte auf mich wie aus einer ganz andern Zeit...“ „Ja aus einer Zeit wie jener von König Artus und seiner Tafelrunde.“ „Das ist vermutlich nur eine Legende.“ „Aber man sagt doch, dass hier in der Glastonbury Abtei die Überreste von Artus und seiner Gemahlin Guinevra zur letzten Ruhe gebettet sein sollen. „Viele Sagen ranken sich um Artus“, erwiderte Benjamin. „Es gibt ja mehr als genug Pilger, die gerade deswegen herkommen, weil in Glastonbury das einstige Avalon sein soll. Wir leben ja auch an einem ganz besonderen Ort. Deshalb, wenn etwas Unglaubliches geschieht, dass sich unserem Verständnis entzieht, dann wohl hier am ehesten.“ „Du glaubst also an der Geschichte ist was dran?“ „Nun ja...sagst du selbst nicht immer, dass in den meisten Sagen, Märchen und Legenden ein wahrer Kern steckt?“ „Ja!“ erwiderte Pia, „daran glaube ich ganz fest.“ „Dann suchen wir also einfach mal diese Waldlichtung und wer weiß, vielleicht treffen wir sie ja tatsächlich, unsere... Smaragd-Lady.“ „Ja, eine tolle Idee!“ Pias Augen leuchteten wie die eines kleinen Kindes, das sich auf etwas ganz Besonderes freute. Das war es, was alle so an ihr liebten: ihre Unverdorbenheit, eine kindliche Klarheit, vermischt mit einer unerschöpflichen Begeisterungsfähigkeit. „Dann sollten wir aber wieder schlafen gehen Schwesterherz“, meinte Benjamin lächelnd „damit wir Morgen früh aufbrechen können!“

Pia lag noch eine ganze Weile wach. Sie schlief in einem weichen, englischen Bett mit geblümter Bettwäsche. Das Fenster stand etwas offen und sie lauschte auf die Geräusche des nächtlichen Waldes, denn ihr Heim lag direkt am Rande desselbigen. Von hier aus, war es nicht mehr weit zum 7000 Seelen- Ort Glastonbury (wo sie auch zur Schule gingen), welches viele Leute auch das Herz- Chakra der Welt nannten. Dieser Name passte wahrlich. Die ganze Umgebung besaß eine außergewöhnliche Atmosphäre. Eine starke, unbeschreibliche Macht erfüllte dieses Land mit seinen hügligen Auen und den uralten Gemäuern, welche stets ein Hauch von Ewigkeit und Mystik umgab.

Stolz überragte der Hügel, den man Glastonbury Tor nannte (Tor ist altkeltisch und heißt Berg) das Städtchen. Ein gewaltiger Turm wuchs an seiner höchsten Stelle hinauf in den Himmel, als wolle er den Weg weisen in eine andere, bessere Welt. Von hier, so hieß es, gelange man nach Avalon.

Es gab in Glastonbury sehr viele Kraftorte und deshalb kamen viele Leute aus der spirituellen Szene hierher. Allerdings auch christliche Pilger, die wegen Joseph von Arimatia, der einst hier gelebt hatte, anreisten. Glastonbury zog jeden in seinen Bann- ein wahrer Reaktor an spiritueller Energie.  

Das Haus von Pia und Benjamins Familie- den Turners, war ein roter Ziegelbau mit weiß gestrichenen Fensterrahmen und rotgelben (die Lieblingsfarben der Mutter) Blumenkisten auf den breiten Simsen.

Ein Art Erker, mit großen Scheiben, blickte direkt hinaus auf den Wald, der nun wieder frisches Grün trug. Gleich unter diesem Erker befand sich ein farbenprächtiger Blumengarten, der an ein Gemälde des französischen Künstlers Renoir erinnerte. Eine Steinmauer umsäumte ihn, wie bei den meisten englischen Gärten üblich.

Vater Turner hatte den größten Teil des Hauses selbst gebaut. Er war Maurer und auch sonst handwerklich sehr geschickt. Die Einrichtung, für die vor allem Julia Turner verantwortlich war, war eine Mischung aus altenglischem Charme und ländlicher Romantik.

Die Geschwister fühlten sich sehr wohl hier.

Gerade Pia liebte ganz besonders, hinaus in die nächtliche Stille des Waldes zu lauschen, die doch nie wirklich still war. Da rief eine Eule... dort raschelte es im Unterholz. Es war das Paradies auf Erden. Heute aber besaß alles irgendwie eine seltsame Schwermut. Sie musste immer wieder an diese wunderschöne Smaragd Lady denken. Das Ganze beunruhigte sie irgendwie, denn sie hatte so das Gefühl als würde sich ihr Leben auf maßgebliche Weise ändern, wenn sie auf die Suche nach dieser geheimnisvollen Lichtung gingen. Würden sie sie überhaupt finden? Was würde sie erwarten? War dieser Traum wie viele andere, oder doch mehr? Ihr Gefühl sprach für Letzteres, darum konnte sie es kaum erwarten, bis sie mit Benjamin am nächsten Tage aufbrechen durfte.

Am nächsten Morgen saß die ganze Familie zusammen beim Frühstück. Die Eltern wollten heute ebenfalls einen Ausflug machen, hinunter zum Bristol Kanal (ein Seitenarm des atlantischen Ozeans). „Wir wollen Paula und ihren Mann Peter besuchen“, erklärte die Mutter. Sie glich ihren Kindern sehr, hatte weißblondes, langes Haar, war schlank und besaß ebenfalls tiefblaue Augen. Sie war trotz ihres Alters noch immer eine Schönheit. Ihr Mann Daniel, ein strohblonder Hüne mit ausgeprägtem, nordischen Profil und grünblauen Augen, kratze sich seinen sauber gestutzten Bart nachdenklich und meinte: „Ja, eigentlich wollten wir sogar bei den Collins übernachten. Sie haben so ein schönes Haus am Meer. Ihr wärt auch eingeladen, wollt ihr nicht doch mitkommen?“ „Aber nein!“ meinten die Geschwister wie aus einem Munde. „Wir haben schon andere Pläne und wollen diese nicht über den Haufen werfen. Ihr könnt uns ruhig alleine hier lassen.“ „Wir kommen schon klar“, beteuerte Pia. „Ja,“ bestätigte Benjamin. „Es ist ja nicht das erste Mal.“ Der Vater überlegte einen Moment, doch er vertraute voll und ganz darauf, dass seine Sprösslinge klarkamen. So meinte er: „Nun ja...dann bleibt ihr halt hier, oder was meinst du July?“ „Von mir aus. Wir kommen Morgen gegen Abend wieder. Ich lasse euch etwas Geld da, damit ihr euch eine schöne Zeit machen könnt. Zu essen gibt es genug im Kühlschrank und ihr könnt uns ja auf dem Natel erreichen, wenn ihr was braucht. Wir sind ja nicht so weit weg.“

Die Kinder nickten freudig und machten sich dann mit doppeltem Appetit über das wunderbare English- Breakfast her, das Julia immer an Sonn- und Feiertagen zubereitete.

Das Vertrauen der Eltern in Pia und Benjamin war berechtigt, die beiden neigten nicht dazu über die Stränge zu schlagen, oder irgendwelche Dummheiten zu machen.

Sie füllten ihre Wanderrucksäcke mit genug Proviant und Benjamin steckte das Geld ein, das ihm seine Mutter gab, dann verabschiedeten sie sich mit einem Kuss von ihren Eltern und traten hinaus in den frühlingsfrischen Morgen.

Ihre Herzen klopften auf einmal heftiger. Was würde sie erwarten? Irgendwie war es ein eigenartiger Tag, alles schien in seltsames, zauberhaftes Licht getaucht. Plötzlich hatten sie das Gefühl, als seien sie nur von einem unsichtbaren Vorhang umgeben, den man einfach zurückziehen musste, um diese andere, fremde Welt für die auch Avalon stand, zu betreten.

Der Wald rauschte leise und...es war als ob seine Äste den Geschwistern zuwinken würde: Kommt, kommt her, ich will euch wunderbare Geheimnisse erschließen!

In tiefes Schweigen gehüllt, fast meditativ, betraten Pia und Benjamin die kühlen und zugleich wärmenden Schatten der Bäume...

Als sie ein Stück gegangen war, begann Pia gedämpft zu sprechen: „Irgendwie ist es anders als sonst, findest du nicht auch?“ „Ja. Ich habe noch nie solche Gefühle gehabt bisher, wenn ich den Wald betrat. Doch heute...“ Benjamin wandte sich ernst zu ihr um und legte ihr die Hand auf die Schulter. „Ich glaube heute finden wir diese Lichtung Pia. Heute ist der Tag... ein ganz besonderer Tag.

Eigentlich bin ich froh dass wir uns nicht so beeilen müssen. Mum und Dad sind ja nicht daheim. Vielleicht müssen wir sogar irgendwo in einer Herberge übernachten. Ich werde jedenfalls nicht ruhen, ehe wir diese geheimnisvolle Lichtung gefunden haben.“

Sie wanderten eine ganze Weile. Schließlich aßen und tranken sie etwas, gingen aber sogleich weiter.

Irgendwann kannten sie sich nicht mehr aus. Nun waren sie froh um die Karte, die sie bei sich trugen. Sie hielten einen Moment lang inne und sahen sich um. Kleine, gläserne Mücken surrten um sie herum und Vögel aller Art, zwitscherten im Geäst. Das Licht der Sonne malte goldgrüne Reflexe auf den Boden. „Da hinter jenen Bäumen!“ rief Benjamin auf einmal. „Da scheint eine Lichtung zu sein!“

Die Geschwister gingen weiter und es war ihnen auf einmal als würden sie eine unsichtbare Grenze überschreiten.

Je näher sie der Lichtung kamen umso mehr leuchteten die Farben unzähliger Blumen zwischen den Stämmen und dem Gebüsch des Waldes hindurch.

„Da ist eine alte Hütte!“ meinte Pia erstaunt. „Wer dort wohl wohnt?“ Sie traten ganz an den Rand der Lichtung heran, die aussah wie aus einem Bilderbuch. Tatsächlich gab es hunderte, ja tausenden von Blumen in allen Farben hier. Im warmen Lichte des jungen Frühlings schien dieser Ort deshalb in einem wahren Feuerwerk aus Farben zu explodieren. „Da ist sie!“ jubelte Pia „die Lichtung aus meinem Traum!“ Benjamin nickte ehrfürchtig. Ja, das war sie in der Tat...

„Aber an ein Häuschen erinnere ich mich nicht.“ gab Pia zu bedenken und betrachtete den uralten Steinbau, mit dem von der Witterung dunkel gewordenem, Strohdach. Es schien als läge er in einem riesigen Garten, der die ganze Lichtung einnahm.

Als sie zögernd näher traten wurde die Holztür aufgemacht und eine alte, gedrungene Frau mit herben Gesichtszügen, aber freundlichen Augen, blickte ihnen entgegen. Sie war ärmlich gekleidet, nur in graues Sackleinen. Ihr dunkles, strähniges Haar war im Nacken zusammengebunden. Ihren Kopf schmückte ein alter, spitzer Hut. Auf einen Stock gestützt kam sie auf die Geschwister zu. Diese begrüßten sie höflich, wie sie es gelernt hatten. Dabei musterten sie die Fremde erstaunt. Sie erinnerte sie irgendwie an eine Kräuterhexe. Ab und zu sah man solche Frauen im Städtchen.

Die Leute begegneten ihnen mit gemischten Gefühlen. Einerseits war ihnen der Gedanke eine Hexe, und sei es auch eine gute vor sich zu haben unheimlich. Andererseits faszinierte es sie auch. So ähnlich erging es den Turner Kindern.

„Seid willkommen!“ sprach die Frau mit unerwartet klarer Stimme. „Ich bekomme kaum Besuch und schon gar nicht von Kindern wie euch. Kommt rein, kommt rein! Ich beiße nicht!“

Die Geschwister folgten ihrer Gastgeberin in das schattige Innere der Hütte. Sie hatten keine Angst. Im Gegenteil, sie hatten so das Gefühl, diese Frau könnte ihnen weiterhelfen.

Ein Duft nach frischem Apfelkuchen erfüllte die spärlich eingerichtete Hütte. Es gab keinerlei moderne Gerätschaften. Ein Holz- Herd zum Kochen, ein Tisch und vier Stühle aus groben Brettern gezimmert und eine alte Bettstatt, einzig mit einer alten Wolldecke bestückt, bildeten die Einrichtung.

„Setzt euch! Setzt euch!“ befahl die Alte. „Ich habe gerade Kuchen gebacken und dazu gibt es ganz frische Milch von meiner alten, treuen Ziege Mayflower (Maiblume). Ihr habt doch Hunger, oder?“ Benjamin und Pia nickten höflich. „Dann lasst es euch schmecken!“

Der Kuchen und auch die Milch, waren wirklich sehr lecker. Als sich die Geschwister etwas näher im Haus umsahen, stellten sie fest, dass überall getrocknete Pflanzenbündel hingen und auf den wenigen Regalen verschieden Edelsteine lagen. Daneben standen Gefäße mit Tinkturen und Tränken. Also doch eine Kräuterkundige!

Die Frau beobachtete die Turner Kinder genau und schließlich sprach sie: „Man nennt mich Mona. Ich bin tatsächlich eine Kräuterfrau, wie ihr feststellt. Manche bezeichnen mich auch als Hexe, aber was macht das schon für einen Unterschied? Wichtig ist doch, dass man seinen Mitmenschen Gutes tut, nicht wahr?“ Ohne eine Antwort abzuwarten fragte sie dann: „Wie heißt ihr denn?“ Die Geschwister nannten ihre Namen. „Wie und warum seid ihr hergekommen?“ Pia und ihr Bruder zögerten. Sollten sie es erzählen? Doch Mona lächelte geheimnisvoll. „Eigentlich weiß ich es ja, was frage ich noch. „Ihr habt diese Lichtung im Traum gesehen, hab ich recht?“ Die Augen der Jugendlichen weiteten sich vor Erstaunen. Sie wollten eine Frage stellen, aber die Kräuterfrau fuhr fort: „Ihr sucht die Smaragd Lady nicht wahr?“ „Ja aber woher wissen sie das?“ „Das ist nicht wichtig. Ich kann euch nur so viel sagen: Ihr werdet sie hier nicht finden. Aber...ich kann euch etwas Anderes geben.“ Sie verließ das Häuschen und kehrte kurz darauf mit einem alten Deckel- Korb zurück. Darin saß ein flauschiges, graues Häschen. Sollte dies ein Scherz sein? „Ich bitte euch dieses Kaninchen auf eure Reise mitzunehmen. Es liegt mir sehr am Herzen, achtet gut auf es!“ „Aber...“ wollte Benjamin protestieren, doch die alte Frau legte ihm die Hand auf die Schulter. Mit seltsam veränderte Stimme sprach sie: „Ihr werdet euch auf ein ganz besondere Reise begeben, eine Reise, die ihr euch in euren kühnsten Träumen nicht vorstellen könnt. Ihr werdet fremde, magische Orte sehen und seltsame Wesen antreffen. Ich blicke in eure Augen und ich sehe, dass ihr nicht wie andere seid. Ihr seid anders. Ihr habt eine wichtige Aufgabe vor euch. Dieses Kaninchen ist eure erste Prüfung. Ihr müsst es in Sicherheit bringen, denn dunkle Schatten brauen sich im Stillen zusammen und wenn ihr der Smaragd Lady helfen wollt, solltet ihr dies Tier hüten wie euren Augapfel. Es wird der Moment kommen, da ihr diese Verantwortung wieder abgeben könnt, dann...wenn dem Kaninchen keine Gefahr mehr droht. Geht den Weg gen Westen weiter, stets der Stimme eures Herzens folgend, dann wird sich euch alles zu seiner Zeit offenbaren. Doch hütet euch vor den Dienern der Schatten. Sie werden bald überall sein und ihnen wollt ihr nicht begegnen. So geht nun und tut was ich euch sagte! Fragt mich nichts, denn ich kann euch nicht mehr sagen als das.“

Sie drückte Benjamin den Korb mit dem Häschen in die Hand und schien es auf einmal sehr eilig zu haben sie aus dem Haus zu bugsieren.

Viel Glück ihr beiden, viel Glück!“ Dann kehrte die Kräuterfrau zurück in ihre Hütte und schloss hinter sich die Tür.

Einen Augenblick schien es, als wollten dunkle Wolken am Himmel aufziehen, doch das war nur ein kurzer Moment, dann leuchtete die Sonne wieder in ihrer ganzen Pracht.

Ratlos sahen sich die Geschwister an, dann wandten sie sich gen Westen, einem unbekannten Ziel entgegen....

Kommentare

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media