Das kristallene Medaillon (Teil 17)

Die Turner Kinder hatten im Augenblick ganz andere Sorgen. Je mehr sie über das was Ululala ihnen sagte nachdachten, umso unsicherer fühlten sie sich. Es war einfach so viel, dass sie noch zu bewältigen hatten. Dazu kam noch die Angst vor einem Zusammentreffen mit Malek. Wenn es überhaupt so weit kam. Zuerst mussten sie ja noch das Weltenwandern erlernen, und das.… bereitete ihnen wahrlich am allermeisten Sorgen, denn sie konnten einfach nicht recht glauben, dass das sowas möglich war.

Ululala spürte ihre Verwirrtheit und ihre Ängste. Eine ausserordentlich schwere Bürde, lag auf ihren jungen Schultern. Darum wollte er ihnen etwas Ruhe gönnen, um erstmal alles was er ihnen erzählt hatte,  zu verarbeiten. Deshalb entliess er sie frühzeitig, worüber die Geschwister sehr froh waren.

 Lange sprachen sie nichts, bis sie sich wieder in ihrem Zimmer befanden. Sie setzten sich ziemlich niedergeschlagen auf das grosse Bett und versanken erneut in dunkles Grübeln. Schliesslich ergriff Benjamin das Wort: „Das alles ist einfach zu viel verlangt. Ich habe keinerlei Ahnung wie wir jemals lernen sollen, in andere Welten zu reisen. Sowas Unglaubliches gibt es doch nur in schönen Träumen. Nur in Träumen kann man Sphärenwanderungen machen, dort kann man ja auch fliegen und sowas alles. Aber in Wirklichkeit? Das geht nie und nimmer!“ „Ululala sagte aber, er könne auch in andere Ebenen, wenn auch etwas beschränkt. Er ist ja auch ein Zauberer, aber wir... Nein! Ich kann auch nicht glauben, dass wir dazu in der Lage sind.“ „Und sollten wir es auch unglaublicherweise lernen,“ ergänzte der Junge „wo sollen wir dann bloss nach dem Feuer der ewig göttlichen Liebe suchen und auch noch das Medaillon der vier Naturgewalten finden? Das Omniversum ist so endlos gross... nein, es ist nicht möglich. Schlicht und einfach nicht! Wir müssen Ululala sagen, dass wir uns ausserstande fühlen, all diese Aufgaben zu erfüllen. Natürlich habe ich grosses Mitleid mit den Verbannten und all den andern, aber man muss erkennen, wann es genug ist und bei mir ist dieser Punkt erreicht. Ich glaube nicht an diese Dinge und darum werde ich es auch nicht schaffen.“ Eine zentnerschwere Last lag auf Benjamins Brust als er das sagte. Die Schatten der Zweifel und Ängste waren zu übermächtig. Pia schmerzte es einfach aufzugeben, aber auch sie glaubte nicht an ein Gelingen dieser gewaltigen Mission. „Ululala wird sehr enttäuscht sein,“ flüsterte sie. „Er wird sicher andere finden, die besser sind als wir. Morgen kehren wir nach Hause zurück!“ Pia nickte traurig. Ja es war wohl besser so...

Als es Abend wurde, legten sich die beiden Jugendlichen schlafen. Es dauerte eine Weile bis sie Ruhe fanden, denn sie dachten an den morgigen Tag und daran wie enttäuscht Ululala sein würde. Doch sie sahen im Augenblick keinen anderen Weg als aufzugeben. Schliesslich, nach langem Grübeln fielen sie dann in einen unruhigen Schlaf.

Ululala sass in diese Nacht mit unterschlagenen Beinen im Raum der Stille. Seine Augen waren geschlossen, doch in seinem Innern tobte ein Kampf. Er spürte die Gegenwart des Dunklen, in den Gedanken der Kinder: Die schrecklichen Zweifel und die Ängste. Sie wollten aufgeben. Ululala atmete schwer, sein Herz wurde von unsagbaren Lasten zusammengepresst. Was konnte er nur tun? Ohne die Turner Kinder war alles verloren. Es gab niemanden, der ihren Platz hätte einnehmen können. Tief in sich versunken, zuckte der Magier zusammen. Er sah auf einmal ein Bild vor sich. Ein Bild, das ihm mit einem Schlag bewusstmachte, dass da noch viel mehr war. Die Rolle der beiden Menschenkinder, stand auf einmal ganz klar vor ihm. Sie war von noch viel grösserer Tragweite, als selbst Ululala es bisher erahnt hatte. Eine Eingabe der höchsten Himmelsmächte... Diese Himmelsmächte standen im Kampf mit den Mächten des Bösen. Dunkelheit breitete sich auf einmal im ganzen Schlosse aus... Eine unheimliche Vision! Ululala musste handeln!    

Sein Geist schwebte durch die dunklen Gänge und Terrassen des Schlosses und kam schliesslich in das Gemach der Geschwister. Das matte Mondlicht, beleuchtete deren schlafende Gesichter. Doch da war noch was Anderes! Ein schwarzer Schatten, ... der sich über das Bett beugte! „Lass ab von ihnen!" schrie Ululala. Der Schatten fuhr herum. Es war ein Geist des Bösen. Seine roten Augen funkelten den Magier an. „Taste sie nicht an!" schrie der Magier erneut „sie werden ihre Aufgabe zur Rettung des Omniversums erfüllen!" „Und was, macht dich da so sicher?" fragte der Dämon mit einer kalten Stimme, die durch Mark und Bein ging. „Mein Glaube an die Macht der Liebe!" „An die Liebe? Haha! Siehst du nicht, dass diese Kinder drauf und dran sind ihre Liebe zu verlieren? Sie sind noch viel zu jung für so eine Bürde" „Nein, sie werden ihre Liebe nicht verlieren! Sie sind Auserwählte." Wieder lachte der schwarze Schatten laut. „Was hat ihnen die Liebe und das Auserwähltsein schon zu bieten?“ „Sie werden die Welten retten und damit viele Seelen auch ihre Seelen werden dadurch an Weisheit gewinnen!" „Ach ja? und was für ein Opfer müssen sie dafür bringen? Merkst du nicht, dass sie solch grossen Aufgaben nicht gewachsen sind? Die Menschen sind schwach und wählen lieber den leichten Weg." „Du unterschätzt die Menschen, denn wenn sie auch schwach wirken mögen, haben viele von ihnen eine grosse Kraft in sich, insbesondere diese beiden Kinder. Man muss sie ihnen nur bewusstmachen. Das werde ich auch tun! Deshalb weiche von hier, denn sie werden den richtigen Weg einschlagen!“ „Das wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Sie wollten dir Morgen sagen, dass sie aufgeben. Ich helfe ihnen nur etwas in ihrer Entscheidung nach.“ „Sie werden nicht aufgeben! Siehst du wie ihr inneres Licht schon wieder zu strahlen beginnt? Sie werden einen besonderen Traum haben, trotz deiner dunklen Gegenwart. So steht das Licht den Seinen zur Seite.“ Tatsächlich schien es, als würde ein Leuchten aus dem tiefsten Innern der Turner Kinder herausströmen. Dieses begann sie wie ein glitzernder Sternreigen zu umtanzen. Der Dämon schaute wütend darauf. „Verflucht!“ rief er aus. „Was hast du getan?“ „Ich? Gar nichts. Ich habe an sie geglaubt, das ist alles. So verschwinde endlich von hier!“ Ululala hob seine Arme gen Himmel und sprach innbrünstige Worte des Gebets an die grosse Macht des Lichts. Diese sandte ihren Schein aus und erhellte das Zimmer der Geschwister wie ein Leuchtfeuer. Der Diener der Finsternis, schrie gellend auf, fiel in sich zusammen und verschwand im Fussboden.

Ululalas Geist aber, kehrte voller Dankbarkeit zurück in seinen Körper, der im Raum der Stille als sein Gefäss auf ihn wartete...

Benjamin und Pia aber hatten einen Traum: Sie befanden sich in einem mächtigen Gebirge, aus gelbrotem Gestein. Sie kletterten einen Hang empor, der mit Geröll übersät war. Über sich erblickten sie eine Höhle aus der goldenes Licht strömte. Der Wind pfiff ihnen um die Ohren und sie glaubten einen Namen zu vernehmen „Gebirge der Ewigkeit". Immer wieder hörten sie diese Worte, bis sie die Höhle erreichten und dann... sahen sie ein goldenes Feuer vor sich! Sie traten näher und streckten die Hand danach aus. Es brannte und doch verbrannte es nicht. Da wussten sie, dass dies Das Feuer der ewig, göttlichen Liebe war. In diesem Augenblick, erschien in den Flammen Das Medaillon der vier Naturgewalten. Sie griffen danach und konnten es an sich nehmen. Alle vier Teile, waren nun miteinander verschmolzen. Die Szene änderte und sie befanden sich wieder in der Höhle des geheimnisvollen, blauen Kristalls. Irgendwie wurde ihnen gewahr, dass sie das Medaillon bei sich trugen. Irgendwas mussten sie damit tun, aber sie wussten noch nicht was. Der Kristall begann nun wie beim ersten Mal hell zu leuchten. Geblendet schlossen sie die Augen. Dann war der Traum auf einmal vorbei und sie erwachten mit neuer Kraft und neuem Mut erfüllt.

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