Das kristallene Medaillon (Teil 18)

Weltenwanderung

„Ein seltsamer Traum den ich diese Nacht hatte“, erzählte Pia am darauffolgenden Morgen ihrem Bruder. „Ja mir ist es ähnlich ergangen.“ Sie berichteten einander was sich zugetragen hatte und staunten über ihre identischen Erlebnisse. „Weisst du was? ich fühle mich jetzt irgendwie wieder viel leichter“, bemerkte das Mädchen. „Ich habe plötzlich keine Angst mehr und glaube, dass wir es schaffen können. Immerhin haben wir ja schon so viel Unglaubliches erlebt die letzten Tage, da kann es gut sein, dass wir wirklich zu so manchem fähig sind. Wir wurden ja auch immer sehr unterstützt, von Anfang an. Warum, soll das nicht weiter so gehen?" „Du hast recht, „ erwiderte Benjamin lächelnd. „Der Traum hat uns ja gezeigt, dass wir das Medaillon und das Feuer sicher finden werden, dann lernen wir bestimmt auch die Weltenwanderung. Ausserdem können wir doch nicht so einfach aufgeben. Nofrete und die andern brauchen unsere Hilfe. Wir sind es ihnen schuldig wenigstens unser Bestes zu geben.“ „Da hast du recht. Dann gehen wir gleich zu Ululala und berichten ihm von unseren Erlebnissen!“

 

Ululala merkte sofort, als die Geschwister um neun Uhr morgens den Speisesaal traten, dass eine Verwandlungen in ihnen vorgegangen war. Über seinen nächtlichen Ausflug in ihr Gemach, schwieg er jedoch.

 

Nach dem reichhaltigen Frühstück, das den Jugendlichen heute besonders mundete, gingen sie und ihr Lehrmeister wieder hinauf in die Zauberkammer.

Die Geschwister setzten sich in die Bank und der Magier begann: „Es ist sehr schön, dass ihr euch entschieden habt, doch weiterzumachen. Ich hätte mir sonst wirklich nicht mehr zu helfen gewusst. Das Omniversum braucht euch, mehr noch als ihr es jemals ahnen könntet.

Dieser, euer Kampf, den ihr diese Nacht in eurem Innern ausgetragen habt, war erneut symbolisch, für das was alle Geschöpfe immer wieder beschäftigt. Es gibt in jedem von uns etwas Gutes und etwas Böses, etwas Helles und etwas Dunkles. Diese beiden Mächte stehen immer im Widerstreit miteinander. So wie auch die Mächte des Himmels und die Mächte der Unterwelt, stets miteinander im Kampf sind. Einst vor unendlich langer Zeit, war alles noch voller Reinheit und Frieden. Der grosse Herr aller Welten, schuf nach unserem Glauben, seine ersten Kinder, deren Wesen voller Schönheit und Liebe war. Doch dann, gab es eine Abspaltung einiger Geschöpfe, welche ihr eigenes Reich erschaffen wollten. Sie erhoben sich gegen ihre Brüder und Schwestern. Durch ihre niedrige Schwingung jedoch, konnten sie sich nicht mehr in den hohen Himmeln halten und so stürzten sie und es entstand schliesslich auch das Böse in der Welt. Das Böse liegt auch in uns selbst. Es liegt in unser aller Hand, welchen Weg wir einschlagen. Ihr habt es geschafft, die Dunkelheit in euch zu überwinden, eure Zweifel zu zügeln. Dadurch, dass ihr euch eurer inneren Kraft gewahr wurdet. Dies ist eine weitere wichtige Lektion für euren zukünftigen Weg. Nun gilt es diese, eure Fähigkeiten auch zu nutzen.

 

Darum werden wir heute mit der ersten Lektion über das Sphärenwandern beginnen. Dafür werden wir zusammen in den Raum der Stille gehen...“ „In den Raum der Stille, schon jetzt?“ fragten die Geschwister masslos erstaunt. „Aber wir dachten...“ „Es ist auch etwas Außergewöhnliches, dass ihr das Heiligtum schon betreten dürft, normalerweise brauchen meine Lehrlinge mindestens zwei Jahre, bis sie so weit sind, wie ihr jetzt. Aber wie bereits gesagt, drängt die Zeit. Um die Sphärenwanderung zu lernen, müsst ihr in den Raum der Stille; denn durch seine segensreiche Atmosphäre, liegt ein besonderer Schutz über euch, wenn euer Geist euren Körper verlässt. Das ist sehr wichtig.“ „Unser Geist, soll seinen Körper verlassen?“ fragte Benjamin etwas erschrocken. „Ja. Der Mensch besteht ja aus Körper, Seele und Geist. Wenn ihr wahrlich in andere Welten reisen wollt, ist das Verlassen des Körpers einer der ersten Schritte. Doch keine Sorge! Ich zeige euch alles.“

Ululala trat nun zur Tür die in den Raum der Stille führte und streifte seine Schuhe ab. „Macht mir einfach alles nach!“ forderte er die Turner Kinder auf. Also streiften die Geschwister ebenfalls ihre Schuhe ab. Der Magie nahm einen goldenen Schlüssel aus der Tasche und drehte ihn im Schloss, dann stiess er die Tür langsam und ehrfürchtig auf.

Zuerst umfing die drei eine samtene Dunkelheit. Ein wunderbares Gefühl der Ruhe und des Friedens, strömte ihnen entgegen. Dieser Ort war ein ganz besonderer Ort, denn es kam ihnen im ersten Moment vor, als würden sie in einen Ozean höchster Energie eintauchen. Einen Moment lang blieben sie tief atmend stehen, als wollten sie diese segensreiche Atmosphäre ganz in sich aufsaugen.

Schliesslich sahen sie durch die Dunkelheit goldenes Kerzenlicht leuchten. So langsam gewöhnten sich ihre Augen an das Zwielicht dieses Raumes und sie erblickten einen Art Altar in dessen Mitte. Auf diesem Altar standen einige Gefässe. Die Kerzen, die das Licht spendeten, befanden sich auf einem breiten Kerzenständer daneben. Alles sah auf wie eine Art Kapelle. Drei Treppenstufen hinter dem Altar, führten hinauf zu einem niedrigen Chor. Links und rechts befanden sich zwei schmale Fenster- ähnlich wie Kirchenfenster aus rot, grün, gelb und blau gefärbtem Glas. Allerdings fiel das Licht nur sehr gedämpft durch sie herein. Der Grundriss des Raumes der Stille erinnerte an einen Halbmond.

Die Wände waren allesamt mit uralten Fresken bemalt. Eine davon, stellte das Medaillon der vier Naturgewalten dar, eine andere den geheimnisvollen, blauen Kristall. Es gab auch Darstellungen von verschiedensten, phantastisch anmutenden Wesen. Doch das Zentrum, des Ganzen, bildete eine gewaltige, goldene Sonnenfreske. Sie war direkt hinter dem Altar auf die weisse Wand gemalt und Strahlen in allen Farben des Regebogens wurden von ihr abgegeben.

Bänke oder Stühle gab es im Raum der Stille nicht, nur verschiedenste, weiche Kissen, die am Boden lagen und einige schmale Knie- Schemel.

„Bevor ich euch in die Weltenwanderung einweihe,“ erklärte Ululala „werden wir zusammen ein spezielles Ritual machen. Das ist vonnöten um unsere Ehrfurcht für die Schöpfung zu bezeugen. In allen lebenden Wesen, schlummert derselbe Funke. Dieser Funke macht uns alle zu Brüdern und Schwestern. Das vergesst nie! Erst wenn ihr Freunde allen Lebens seid, wird eure Mission erfolgreich!

So kommt zuerst hierher zu den Kerzen! Wie ihr seht brennen noch nicht alle von ihnen. Seht mir erst zu und dann tut dasselbe!“

Ululala entzündete eine der noch nicht brennenden Kerzen an der Flamme einer andern und sprach feierlich: „ Hiermit entzünde ich ein neues Feuer als Zeichen meiner Liebe zur ganzen Schöpfung und als Zeichen meines guten Willens in allem was ich tue. Das Feuer ist eines der vier Elemente. Es spendet Licht, Wärme und Kraft. Es ist Symbol für die Liebe der göttlichen Allmacht. Das Feuer ist jedoch auch voller Gewalt und Macht. Erst mal entfesselt, kann es auch zerstören. Deshalb müssen wir lernen es zu respektieren. Sind die Feuerwesen uns gut gesinnt, können wir des Feuer zu unserem Nutzen gebrauchen, denn so wurde es von je her geplant.“ Er wandte sich an die Jugendlichen: „Achtet also darauf, dass ihr mit dem Feuerelement weise und respektvoll umgeht, so werden seine Wesen euch gern zu Diensten sein. Nun entzündet eure eigne Kerze als Symbol eurer Liebe!"

Das taten die Geschwister auch, während Ululala eine eigentümliche Melodie dazu summte. Sie sprachen die Worte Ululalas so gut es ging in ihrem Innern nach. Eine wohlige Wärme durchströmte dabei ihr gesamtes Sein.

Als nächstes trat der Magier zum Altar, worauf ein Gefäss mit brauner Erde stand. Er streute sich etwas davon übers Haupt und sprach:

„Mit dieser Erde bezeuge ich, dass ich allem Leben dienen will. Wir alle sind wie Erde in der Hand des Schöpfergeistes. Voller Hingabe und geduldig sollten wir sein, genau wie das Erdelement. Unsere Seele sollte wachsen und gedeihen, wie die Früchte und Pflanzen der Natur. Die Erde ist Sinnbild für Langmut und Vielfältigkeit und genauso sind auch die Wesen, die das Erdelement bevölkern. So denkt daran, dass ihr stets mit Ehrfurcht auf Erden wandelt, dann tun ihre Wesen alles für euch was sie können."

Die Turner Kinder taten dasselbe wie der Magier, während diese leise weitersummte. Ihr Herz wurde dabei von Ehrfurcht erfüllt. Eine tiefe Geborgenheit zog in ihre Herzen ein und es war ihnen auf einmal, als befänden sie sich erneut im Schoss von Mutter Erde, wie damals als sie die Erdgnomen besuchten und durch die Grotten der Höhlenelfen gereist waren.

Neben dem Gefäss mit Erde stand ein weiteres mit klarem Wasser. „Ululala tauchte seine Hände hinein und wusch sein Gesicht damit, dann sagte er: „Hiermit mache ich meine Seele und meinen Körper von allem Unreinen frei. Das Element Wasser ist Symbol der Veränderung, der Reinigung und des ewigen Fliessens. Es ist jedoch ebenfalls voller Macht und Gewalt. Erst mal entfesselt, kann es schreckliche Zerstörung anrichten. Also habt Respekt davor und gebt den Wesen die es bevölkern Ehre, dann werden sie eure Freunde sein."

Pia und Benjamin taten dem es dem Magier nach. Das kühle Wasser war wohltuend für Körper und Geist und sie glaubten wirklich eine tiefe, innere Reinigung zu erleben, während auch hier das leise Summen Ululalas sie begleitete.

Zuletzt trat Ululala zu einer Wand, die sich neben einem der Fenster befand.

Hier gab es eine runde Öffnung, welche jedoch mit einer Stahlplatte verschlossen war. Ululala zog diese an einem Griff heraus. Ein heller Lichtstrahl fiel herein und Benjamin und Pia fühlten einen leichten Luftzug. Die Flammen der Kerzen begannen nervös zu flackern. Ululala schloss die Augen und machte mit seinen Händen eine wedelnde Bewegung, als wolle er die frische Luft ganz in sich aufnehmen. Dabei sprach er: „Hiermit nehmen ich das Element Luft in mir auf. Ohne dieses, gibt es kein Leben. Die Luft ist der Hauch der Ewigkeit, Symbol des Glaubens und des Geistes. Sie kann jedoch auch zerstörerisch sein, wenn sie in Sturmwinden über die Erde fegt. Auch sie ist Teil der vier Elemente, geschaffen um Leben zu erhalten. Wenn ihr mit den Wesen der Luft im Einklang lebt, werden sie euch ebenfalls gern zu Diensten sein, wenn ihr sie braucht. So tut nun dasselbe wie ich und bezeugt so euren Glauben und die Bereitschaft euren Geist zu verändern!"

Die Jugendlichen taten das nur zu gerne, denn die frische Luft brachte Klarheit und Frische in ihre Gedanken und Gefühle. Nun fühlten sie sich, durch die vier Elemente gestärkt, auch bereit für die nächsten Schritte.

 


 

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