Das kristallene Medaillon (Teil 8)

Auf einmal nämlich begann die ganze Höhle zu beben. Zuerst nur wenig, dann immer heftiger. Sie sprangen entsetzt auf, als auch schon die ersten spitzen Tropfsteine herabfielen. Maleks Fluch hatte sie erreicht. „Raus hier!“ schrie Lumniuz und stiess die Geschwister durch eine schmale Felsspalte in der Wand.

Immer weiter bebte es und man hörte das Klirren der herunterfallenden Stalagmiten. Sie befanden sich in einer winzigen Nische, die keinen andern Ein und Ausgang besass. Wie Ratten in der Falle! „Hoffentlich wird der Ausgang nicht verschüttet,“ sprach Lumniuz und begann etwas in einer fremden Sprache zu murmeln, dass wie ein Hilferuf klang.

Endlich hörte das Beben auf. Der Ausgang war zum Glück offen geblieben. „Dank dem Schöpfergeist!“ rief Lumniuz und trat hinaus ins Freie. Die Geschwister folgten. Ein Bild der Zerstörung bot sich ihnen dar. Fast alle Tropfsteine, waren heruntergefallen. Alles war übersät mit ihnen. Einige besonders Spitze, steckten sogar im Boden. „So einer hätte uns den Schädel gespalten,“ meinte Benjamin entsetzt.“ „Das Boot ist zerstört,“ seufzte Lumniuz, jetzt müssen wir zu Fuss weiter. Zum Glück ist das Wasser nicht sehr tief. „Wie geht es Nofrete?“ Benjamin öffnete den Korb. „Ich hatte sie zum Glück bei mir. Sie scheint auch etwas erschrocken, aber es geht ihr gut. Er wandte sich an Pia: „Einer von uns muss sich um den Korb kümmern. Der andere trägt die beiden Rucksäcke und die Fackel. „Ich helfe euch schon tragen,“ anerbot sich Lumniuz und nahm einen der Rucksäcke an sich. Pia den andern und die Fackel und so nahm Benjamin den Korb mit dem Kaninchen.

Das Wasser war eisig kalt, aber zum Glück eben nicht tief. Lumniuz war am ärmsten dran, ihm reichte es an der tiefsten Stelle bis über die Schultern. Den Rucksack balancierte er geschickt auf seinem Kopf.

„Gibt es hier öfters solche Erdbeben?“ fragte Benjamin. „Eigentlich nicht. Es ist sehr seltsam. Schade um die schöne Höhle. Sie wurde im Laufe der Jahrtausende geformt. Das wird die Erdmutter schmerzen.“ „Wenigstens sind wir mit dem Leben davongekommen,“ räumte Benjamin etwas ironisch ein. „Wie weit ist es eigentlich noch?“

Es dauerte nicht lange und der Gang verbreiterte sich wieder. Die drei konnten nun wieder auf dem Trockenen gehen. Auf einmal erhellte sich die Umgebung zusehends und...kurz darauf, traten sie hinaus ins Sonnenlicht. Dieses fiel durch eine Öffnung in der Decke einer weiteren, kleinen Grotte.

Der Strom mündete hier erneut in einen See. Dies war die erste Endstation der Kinder. Denn am Rande des klaren Gewässers, das durch das Einfliessen des Baches leise plätscherte, stand der geheimnisvolle, blaue Kristall! „Endlich, wir sind da!" riefen die Geschwister erlöst und zutiefst beeindruckt. „Ja und das buchstäblich in letzter Minute," bestätigte Lumniuz. „Schaut, die Sonne steht schon fast senkrecht über der Öffnung. Macht euch bereit!"

Schon trafen die ersten Sonnenstrahlen den Kristall. Sie drangen in sein Inneres ein und ballten sich zu einem leuchtenden Bündel zusammen. Je mehr Sonne den Stein erreichte, desto heller begann dieser zu strahlen. Wärme breitete sich in der kleinen Höhle aus. Bald stand den drei Freunden der Schweiss auf der Stirn. Als die Sonne schliesslich ganz senkrecht über dem Kristall stand, schien dieser förmlich zu explodieren! Gleissend- weisse Strahlen wurden torpedoartig von ihm abgegeben und erleuchteten die ganze Umgebung. Pia, Benjamin und Lumniuz hielten sich geblendet die Hände vor die Augen. Die Helligkeit war fast unerträglich, ebenso auch die Hitze. Dieser Augenblick dauerte jedoch nur einige Sekunden, dann liess beides wieder nach.

Als die Freunde den Kristall erneut anschauten, sahen sie, wie dieser von Weiss wieder mehr ins Blau überging. Sein Anblick war herrlich, denn um ihn herum lag jetzt nur noch ein leuchtender Strahlenkranz. Fassungslos schauten sich die drei um. Überall blühten Blumen in allen Formen und Farben: Orchideen, Rosen, Lilien und viele mehr. Der glasklare See war übersät mit Seerosen und kleine, grüne Pflänzchen bildeten auf der Wasseroberfläche einen dichten Teppich. Es war atemberaubend, denn selbst aus den Wänden sprossen Pflanzen.

Als sie nach links blickten, entdeckten sie in einer der Wände eine hohe, schmale Öffnung, die vorhin noch nicht dagewesen war. Eine Treppe führte nach oben. Der Eingang in Ululalas Reich!

„Ist das der Weg?“ wollte Pia wissen. „Ja. Diese Treppe führt ins Kristallreich. Wir haben es geschafft.“ Benjamin trat zu dem wunderschönen Kristall, der nun wieder sein ursprüngliches Aussehen zurückgewonnen hatte. Dennoch schien irgendwie immer noch ein Schein aus seinem Zentrum heraus zu strömen, als wäre er belebt von einer lichten Gestalt. Benjamin fuhr über die glatte Oberfläche des Kristalls und es war ihm dabei, als ob ein Energiestrohm in seine Finger einfliessen würde. Lumniuz berührte den Stein ebenfalls und sprach: „Man fühlt ganz deutlich seine Macht, nicht wahr?“ „Ja...als ob er belebt wäre,“ sprach Pia. „Das ist er auch. Man sagt die Kristallfrau Aurelia bewohne ihn. Sie sei ein uralter Geist, der schon seit Anbeginn der Zeiten existiert. Alles in der Schöpfung lebt, auch wenn ihr das jetzt noch nicht ganz begreifen mögt...“ „Was hat es mit diesem Schlitz im unteren Teil des Kristalls auf sich?“ fragte Benjamin und fuhr mit der Hand über eine schmale Öffnung, die irgendwie an die Öffnung in einem CD-Player erinnerte, den er zu Hause hatte. „Er ist für das heilige Medaillon...“ „Was für ein Medaillon?“ „Das kristallene Medaillon der vier Naturgewalten.“ „Was ist das?“ „Das wird euch Ululala näher erklären. Ich weiss nur, dass dieses Medaillon aus vier Teilen besteht, die alle im Omniversum verstreut sind.“ „Omniversum?“ „Es beinhaltet alle Welten, die sichtbaren und die unsichtbaren.“ „Was aber hat dieses kristallene Medaillon mit dem Kristall zu tun?“ „Das müsst ihr eben Ululala fragen. Er weiss viel mehr als ich.

Es wird Zeit dass wir zu ihm kommen. Folgt mir!“

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