Das kristallene Medaillon (Teil 9)

Das Schloss aus Kristall

Lumniuz führte die Geschwister die Treppe hinauf, die so plötzlich aus dem Nichts erschienen war und schliesslich traten sie endlich hinaus, auf eine wunderschöne, weite Ebene!  

Sie wurde von gewaltigen Kristallbergen umsäumt die aussahen, als wären die Farben des Regenbogens in ihnen gefangen. Sie schillerten und funkelten, dass es den Kindern den Atem raubte. Bei diesem Anblick verblasste alles was sie bisher gesehen hatten. Nichts war damit nur annähernd zu vergleichen, nicht mal das Reich der Höhlenelfen. „Es ist so schön und friedlich hier!" schwärmte Pia mit wässrigen Augen „ Ich wusste nicht, dass es so wunderbare Orte gibt." „Für die meisten Menschen, sind diese Dinge auch nicht sichtbar," erwiderte der Erdgnom. „Ihr seid in die Welt der Märchen, Legenden und Sagen eingetaucht. Alles hat mit eurem Traum von Nofrete angefangen. Durch ihn seid ihr zur geheimnisvollen Lichtung gelangt, wo euch die Kräuterfrau den Korb mit dem Kaninchen übergab. Die Wanderfee Isobia brachte euch dann zum Gasthaus des goldenen Grals. Dort seid ihr zusammen mit mir in eine andere Dimension gelangt.

Eigentlich sind alle Geschichten die man euch erzählt, einer Wahrheit entsprungen. Die Märchen , Legenden usw. erzählen von andren Dimensionen und Ebenen. Man kann sie also keineswegs als unwahr bezeichnen. Das Universum oder Omniversum, besteht aus sehr vielen Welten. Es gibt solche die fast parallel zu der euren liegen und andere die tiefer oder viel höher liegen. Alle sind mit den verschiedensten Geschöpfen bevölkert. Hinter all dem was geschieht und noch geschehen wird, steht ein Plan. Wir alle sind Teil dieses Planes. „Die Wesen aller Welten sind nach unserem Glauben, einem einzigen, grosse Gesetz unterworfen. Ich gehöre, wie ihr wisst zum Erdenvolk. Unsere Königin ist die Erdmutter, wie bei allen des Erdenvolkes. Die Erdmutter aber steht in direkter Verbindung mit einem sehr hohen Geistwesen: dem Elementarfürst der Erde. Jedes Element hat so einen Fürsten, der direkt mit dem Schöpfergeist in Verbindung steht...Aber nun kommt. Wir müssen weiter, wenn wir noch vor Einbruch der Nacht bei Ululala ankommen wollen!“

Das Kristallreich war eine wahre Augenweide. Das Gras war saftig-grün, überall wuchsen wunderschöne, den Geschwistern unbekannte, Blumen und der leuchtend blaue Himmel, spannte sich darüber. Es war ein hügliges Land, etwas wie ihre Heimat, nur fruchtbarer. Da und dort gab es junge Ährenfelder, die im lauen Sommerwind, wie grüne Meere wogten. Blühende Bäume wuchsen da und dort und die Sonne schien besonders sanft auf die Reisenden herab zu leuchten.

Die drei erklommen nun einen ziemlich hohen Hügel. Hier wuchsen besonders viele Blumen, in allen erdenklichen Farben und Formen.

Lumniuz zog eine Flöte aus der Tasche und begann eine wunderschöne, zarte Melodie zu spielen. Ihr Klang schwang sich empor und zog wie ein silbernes Band über die Blumenwiese. Benjamin und Pia lauschten gefesselt.

Plötzlich erklang, wie als Antwort auf die Flöte, zartes Glockengebimmel und...auf einmal waren sie von kleinen, fliegenden Wesen umringt!

Sie sahen etwas ähnlich aus wie die Höhlenelfen, die ihnen auf der Reise durch das unterirdische Labyrinth begegnet waren. Im Gegensatz zu den Höhlenelfen jedoch, konnte man bei diesen Geschöpfen, Weibchen und Männchen klar unterscheiden. Die weiblichen Mitglieder dieser Spezies, trugen farbige Kleider, aus bunten Blütenblättern, und ihre Häupter schmückten Kränze. Die Männchen waren in Hosen, ebenfalls aus Blumenblättern, gekleidet und auf ihrem Kopf prangten kunstvolle Hauben, aus grünem Blattwerk. Ihre Flügel schillerten, fast wie die Kristallberge und wie umschwirrten die Neuankömmlinge, wie ein Schwarm Insekten, wenn auch viel hübscher. „Wer seid denn ihr?" fragte Pia fasziniert. „Wir sind die Blumenelfen," erwiderten die kleinen Wesen mit zarten Stimmen. „Wir hegen und pflegen die Blumen von Ululala." Hat euch die Musik angelockt? „Ja, wir lieben Musik!" „Das weiss ich," lächelte Lumniuz „ deshalb hab ich auch auf meiner Flöte gespielt. Ich wollte euch anlocken, um euch meine zwei Begleiter Pia und Benjamin vorzustellen. Sie scheinen eine wichtige Rolle innezuhaben. Jedenfalls will Ululala sie unter seine Fittiche nehmen." Eine der Elfen, setze sich auf die Spitze der Flöte und sah den Gnom aus dunklen Kulleraugen an. „Du warst schon mal hier, ich kenne dich." „Ja, das ist richtig. Ich bin Lumniuz, der Erdgnom. Einst war ich auch Lehrling bei Ululala. Es freut mich wieder hier zu sein und es ist mir auch eine Freude euch anzutreffen. „Ganz unsererseits," antworteten die Blumenelfen. „Es ist immer sehr schön, jemandem zu begegnen, der unser Mutterelement bewohnt." „Ist mit dem Mutterelement die Erde gemeint?" fragte Benjamin. Ein kleiner Elf mit veilchenblauen Hosen, setze sich nun auf die Schulter des Jungen und erwiderte: „ Ja genau. Wir sagen so, weil aus der Erde die Blumen wachsen, die wiederum unsre Heimat sind, deshalb ist die Erde unser Mutterelement. Ohne die Erde gäbe es keine Blumen und ohne Blumen gäbe es uns nicht.“ „Ich verstehe," erwiderte Benjamin.

Der Elf fragte nun: „Woher kommt ihr?“ „Aus der Menschenwelt.“ „Aus der Menschenwelt!?“ erklang das mehrfache Echo, der erstaunten Elfengemeinschaft. Aber...die Zeiten in denen Menschen in unser Reich gelangten, liegen schon Äonen zurück!“ „Das ist ja das Besondere an den beiden,“ meinte Lumniuz. „Sie haben es geschafft. Irgendwas hat das zu bedeuten.“ „Das muss in der Tat so sein,“ bestätigte der Elfenmann, der vermutlich der Anführe der Blumenelfen war.

„Ihr geht also zu Ululala?“ „Ja,“ antwortete Lumniuz „und wir sollten vor Anbruch der Nacht dort sein.“ „Dann erlaube uns den Menschenkindern ein Geschenk zu machen. Es könnte ihnen mal von Nutzen sein.“ „Wenn es euer Wunsch ist,“ gab der Erdgnom zurück „dann gerne.“ Mit diesen Worten flog der Anführer der Elfen mit einigen anderen davon.

Kurz darauf kamen sie zurück. Auf ihren winzigen Händchen, trugen sie eine blumenförmige Dose von etwa acht Zentimetern Durchmesser. Entzückt nahm Pia diese entgegen. Ihre Finger glitten über die perlmutterne Oberfläche. „Sie ist wunderschön," flüsterte sie „kann man sie öffnen?" „Noch nicht," sprach der Elf „erst wenn der richtige Moment gekommen ist." „Was ist darin?" wollte Benjamin wissen. Der Elf schwieg noch einen Augenblick, als wolle er es besonders spannend machen, dann erwiderte er geheimnisvoll: „Ein Samenkorn. Sobald ihr die Dose öffnet, wird aus ihm in Windeseile eine riesige Pflanze spriessen. Dies kann jedoch nur einmal geschehen. Also wählt weise den richtigen Zeitpunkt!" „Wir versprechen es," versicherte Pia und ihre beiden Begleiter nickten zustimmend. „Dann lebt denn wohl und viel Glück." sagte der Elf. „Ja, viel Glück!" riefen die anderen Blumenelfen, wie aus einem Munde. Dann schwirrten sie davon und lösten sich einfach in Luft auf.

Pias Augen fielen auf die schöne Dose, welche die Form einer Rose hatte. Sie fuhr mit der Hand nochmals zärtlich darüber und liess sie dann in ihre Rocktasche gleiten. Sie fand es schade, dass die Blumenelfen schon wieder verschwunden waren. Die anmutigen Wesen mit ihren Kulleraugen und den zarten Flügelchen, hatten es ihr angetan. „Pia komm, wir müssen weiter!" rief Benjamin. Das Mädchen drehte sich um und eilten den zwei andren hinterher.

Nachdem die Freunde erneut einen ziemlich steilen Abhang bewältigt hatten, kamen sie auf einen schmalen Grat und von dort aus sahen sie es: Ululalas Schloss!! Es thronte auf dem gegenüberliegenden Berg, eingebettet in die schillernden Abhänge des Kristallgebirges. Ein überwältigender Anblick! Der obere Drittel des Schloss- Berges war mit einem Wolkenkranz umsäumt. So wirkte der Palast, als ob es schweben würde. Seine Mauern funkelten wie regenbogenfarbenes Glas, durch welches man jedoch nicht hindurchsehen konnte. Die Sonnenstrahlen fielen darauf und alles wurde zu einem schillernden Farbenspiel. „Wie Seifenblasen!" dachten Pia und Benjamin entzückt.

„Noch eine Stunde, dann sind wir da," sprach Lumniuz mit einem seltsamen Klang in der Stimme. „Wir müssen uns etwas beeilen, damit wir noch bei Helligkeit ankommen. Ululala erwartet uns sicher bereits." „Meinst du er weiss dass wir kommen?" „ Aber klar doch! Ululala ist sehr mächtig und weise. Er weiss immer, was sich in seinem Reiche abspielt."

 

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