Das Land des dunklen Mondes (16)

Trojanas besass nur wenig Einblick in das wahre Ausmass dieses Missstandes. Er hatte sich bisher gar nicht damit befasst. Heute aber, hatte ihn sein Vater plötzlich zu sich gerufen und ihm eine schreckliche Wahrheit enthüllt. Das Volk der Solianer würde dem Untergang geweiht sein, wenn nicht schnellstens weitere Frauen beschafft würden. „Ich gebe dir den Auftrag unser Volk zu retten“, sprach der König. „Du bist der Anführer unserer Armee und wirst dich ins nördlich liegende Land des Silber- Mondes aufmachen! Dort leben die Lunarier, ein uns ähnliches Volk. Man sagt sie haben viele Feminas dort…“ Er grinste „schöne und vor allem gebärfreudige.“ Du wirst mit einigen Soldaten dorthin reisen und uns ein paar dieser Frauen beschaffen! Die Lunarier werden natürlich Wiederstand leisten, aber ihr seid die besseren Krieger. Die Männer dort sind Schwächlinge, regiert von einer Hohepriesterin und einem König, welcher allerdings nur sehr beschränkte Macht besitzt. Sie verehren wie ich hörte, die Mondgöttin Lunaria. Was zeigt, dass eigentlich die Feminas  dort die wahre Macht haben!“ Er lachte mit böse funkelnden Augen auf. „Wir werden ihnen zeigen, dass die Männer ihre wahren Herrscher sind! Keine Frau soll sich jemals über uns erheben, ist dir das klar mein Sohn?“ „Natürlich Vater. Eine Frau an der Macht, das ginge sowieso nicht gut.“ „Dann sind wir ja derselben Meinung.“

Solianas winkte seinen Sohn zu sich heran und senkte etwas die Stimme. „Ich möchte dir, bevor du gehst, eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte, die du bisher nicht kanntest. Ich halte nun den Zeitpunkt, sie dir zu offenbaren, für gekommen. Du weisst, dass ich einst aus einem fremden Land hierherkam. Einem Land weit, weit entfernt von hier. In jenem Reich, herrschten die Feminas. Es gab eine Königin und eine Hohepriesterin. Die Männer mussten sich dort dem Willen der Feminas bedingungslos unterwerfen. Man nannte uns abschätzig Masculinas. Wir waren nur da, um Kinder zu zeugen und dann, mussten es möglichst weibliche sein. Die männlichen wie ich, hatten es sehr schwer. Wir waren Sklaven dieser schändlichen Weiber, genannt Harpyas. Sie benutzten uns, wie es ihnen gerade passte. Mein Vater zeugte mich zusammen mit einer Priesterin. Er zeugte noch mehr Kinder mit andern Frauen, aber alles waren Söhne. Schliesslich wurde er deswegen als unwürdig erachtet. Eines Tages war er einfach verschwunden. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass sie ihn umbrachten, denn er begann sich immer mehr gegen das Regime dieser Weiber aufzulehnen. Er wollte es einfach nicht mehr hinnehmen und… darum, glaube ich an seine Ermordung. Als er einfach so verschwand, hatte ich es noch schwerer. Ich war noch sehr jung, noch nicht ganz im zeugungsfähigen Alter und wurde von diesen Frauen, gar von meiner Mutter, stets würdelos behandelt. Schliesslich ertrug ich es nicht mehr und eines Tages… gelang mir die Flucht aus der Obsidian Stadt! Ich flog einfach davon. Es war mir egal, ob ich leben oder sterben würde. Ich wollte nur weg von dort. Der Gedanke an meinen Vater und auch der Gedanke irgendwann Rache für alles zu nehmen, was man meinem Geschlecht antat, trieben mich an. Damals war mir freilich nicht bewusst, wie weit ich fliegen musste, bis ich eine andere Welt erreichte. Ich flog und flog. Anfangs konnte ich mich noch auf den schwarzen Planetenscherben, des Reiches der Harpyas ausruhen, doch dann auf einmal, kam einfach nichts mehr! Ich flog durch einen unendlich weiten, immer heller werdenden Himmel. Schliesslich war ich so erschöpft, dass ich einfach einschlief. Ich konnte nicht mehr. Dann stürzte ich hinab, in einen endlos scheinenden Abgrund! Auf einmal aber, erwachte ich wieder. Ein gleissend helles Licht drang durch meine Lider, ein Licht, dass mich dazu brachte, die Augen wieder zu öffnen. Und dann erblickte ich ihn, in seiner ganzen Kraft und Herrlichkeit: Den Gott Heliosus! Noch nie zuvor hatte ich sowas gesehen. Im Land der Harpyas hatte stets Dunkelheit und Zwielicht geherrscht. Die dunkle Hurengöttin Lilithia regierte als dunkler Mond darüber. Doch hier sah ich eine leuchtendhelle Sonnenscheibe, die Wärme und einzigartiges Licht ausstrahlte. Es war, als würde mich dieses Licht neu beflügeln, wie ein golden- weisser Schein der mich trug, der mir Wärme und Geborgenheit schenkte. Auch wenn das helle Licht erst meine, an Dunkelheit gewöhnten Augen blendete und auch die fremden Luftverhältnisse mir das Atmen etwas erschwerten, fühlte ich neu Vitalität in mir und ich war entschlossen diese Sache zu überleben.

Bald tauchte unter mir dann das Land auf, in dem wir heute leben. Nie wieder vergesse ich den Anblick dieser goldroten, zerklüfteten Weiten, des tiefblauen Himmelstränen- Sees, der wie ein Juwel darin glänzte!

Ich beschloss am Ufer dieses Sees zu landen, denn ich war sehr durstig und dort, traf ich dann auch die Drakal- die goldenen Drachen. Sie kümmerten sich anfangs um mich und brachten mich zum Volk der Sonnenkinder. Ich hatte das Glück, dass ich unter ihnen nicht zu sehr auffiel, denn ich besass ein vorwiegend rotes Gefieder, mit nur sehr wenig schwarz und wie du weisst, haben die Solianer alle, meist rote, orange, oder goldene Gefieder. Man nahm mich freundlich auf und ich lernte eine ganz andere Welt kennen. Eine Welt, wo keine Femina es jemals gewagt hätte, sich über einen Mann zu erheben. Der männliche Sonnengott herrschte hier und darum herrschten hier auch rechtmässig die Männer. Nun war es an mir, die Feminas zu benutzen, ihnen klar zu machen, dass ich ihr Gebieter bin und sie nicht meiner. Es war eine wundervolle Befreiung und darum mein Sohn, denke immer daran: Niemals darf eine Femina zu viel Macht in deinem Leben erhalten! Tief in ihrem Innern sind sie alle widerwärtige Huren, nur darauf aus die Männer zu beherrschen. So hüte dich vor ihren Reizen, hüte dich vor ihrer Verführungskunst, sonst werden sie dich zu Fall bringen! Das darf niemals passieren! Glaube mir, ich spreche aus Erfahrung ich stamme aus einer Welt, die von Feminas beherrscht wurde. Es war schrecklich. Das will ich dir einfach sagen, bevor du zu deiner Mission aufbrichst!“

 

Kommentare

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media