Das Land des dunklen Mondes (5)

So verging eine Nacht und Aellia konnte sich überhaupt nicht auf ihre täglichen Aufgaben als Novizin konzentrieren. Immer wieder flehte sie im Stillen ihre geliebte Göttin an, ihr Kraft zu geben und dem Volk der Harpyas gnädig zu sein.

Als der Tag dann wieder anbrach, der schwarze Mond sich schlafen legte und das Firmament  aussah, als stehe es in schwarzroten Flammen, wollte sich die junge Harpya gerade zur Ruhe legen. Als… auf einmal laute Schreie durch die Hallen und Gänge der Pyramide hallten. Die junge Frau flog hinaus auf die Terrasse, um nachzusehen. Zwischen den schwarzen und roten Wolkenschwaden des anbrechenden Tages, erkannt sie auf einmal duzende von geflügelten Wesen. Sie sahen aus, wie eine Mischung aus Menschen, Fledermäusen und Reptilien. Anstatt der schönen Haare, welche die Harpyas besassen, hatten diese Geschöpfe jedoch lebende Schlangen auf ihren Häuptern, deren unangenehmes Zischen nun deutlich hörbar wurde. Die unheimlichen Wesen besassen schreckliche Gesichter, mit gelben Reptilienaugen und einer grünlichen Haut. Die Stellen, welche bei den Harpyas mit Federn bedeckt waren, waren bei ihnen mit grünlichschwarzen Schuppen bedeckt. Ihre Flügel waren ledrig.  

„Lasst das Horn erklingen!“ rief eine laute Stimme von irgendwoher. „Wir werden angegriffen! Es sind die Gorgonas!“ Entsetzensschrie folgten. „Gorgonas! Alles sofort zu den Waffen!“ Aellia hastete zurück ins Zimmer und packte ihren Waffengurt, worin zwei spitze Dolche steckten. Ausserdem schulterte sie ihren Pfeilbogen, aus dunkelbraunem, mit Hornnocken und schwarzem Ledergriff verziertem Holz, und die mit ihren eigenen Federn verzierten Pfeile. Sie wusste mit diesen Waffen meisterlich umzugehen. Wie alle Harpyas war sie eine erstklassige Kämpferin.

Aellia rief sie den Schutz und die Kraft der Göttin auf sich herab, deren Antlitz sich nun leider wieder verborgen hatte. Die magischen Kräfte der Harpyas, waren  bei Tage einiges schwächer, als in der Nacht. Das mussten diese verfluchten Gorgonas wissen und darum griffen sie genau jetzt an. Schon lange hatte es keine Überfälle durch diese bösartigen Monster mehr gegeben. Doch sie waren die schlimmsten Feinde, mit denen es die Harpyas je zu tun bekommen hatten. Die monströsen Kreaturen waren wild und bestialisch, ausserdem konnten sie Blitze aus ihren Reptilienaugen hervorschiessen lassen, welche schreckliche Verletzungen verursachten. Wenn man den Gorgonas zu nahe kam, schnellten die Schlangen auf ihren Köpfen ausserdem vor, und konnten einem tödliche Bisse zufügen.

Als Aellia nach draussen kam, war die Schlacht bereits in vollem Gange. Die harpischen Kriegerinnen, hatten sich in der Luft zu einem schützenden Kreis um die Stadt formiert. Da und dort zuckten nachtblaue, weissliche und grünliche Blitze durch die Luft. Auch ein Teil der zauberkundigen Priesterinnen hatten sich ein Stück hinter den Kriegerinnen versammelt und sandten ihre ersten Zauber gegen den Feind. Das Heer der Gorgonas war erschreckend gross. Ihre irgendwie schlangengleichen Körper zuckten durch die Luft. Die Reptilien auf ihren Häuptern zischten beängstigend und dann sandten die Gorgonas ihre todbringenden Blicke gegen die Harpyas! Grüne Strahlen schossen aus ihren Augen und einige von Aellias Kampfgefährten, stürzten in die endlosen Tiefen unter der Stadt hinab. Entsetzliche Schreie drangen dabei aus ihren Kehlen, die Aellia das Blut in den Adern gefrieren liessen. „Zielt auf ihre Augen, schiesst sie ihnen aus dem Kopf!“ hallte ein Befehl über das Kampfgetümmel. Die Bogenschützen legten an, auch einige der Priesterinnen, welche das Bogenschiessen gut beherrschten.

Die junge Harpya suchte sich eine der am nächsten fliegenden Gorgonas aus und zielte auf deren rechtes Auge. Der Pfeil mit den rotschwarzen Federn, zischte durch die Luft und bohrte sich durch das Auge in den Schädel der Gorgona. Diese schrie schrill und entsetzlich auf und taumelte zurück. Grünliches Blut strömte aus der Wunde. Sie packte den Pfeil und riss ihn sich einfach heraus. Aellia war entsetzt über diesen Anblick. Die Gorgona war noch nicht tot, obwohl sie es eigentlich hätte sein müssen.

Die junge Harpya sammelte ihre magische Kraft auf der Höhe ihres Herzens und sandte einen nachtblauen Energieball gegen die Gorgona. Dieser traf selbige und riss das Monstrum in Stücke. Blut und Fleischfetzen flogen umher und fielen dann ebenfalls hinab in die endlosen Tiefen. Die andern Priesterinnen wirkten ebenfalls ihre Magie, doch ausser der Hohepriesterin Kelana, konnte niemand sie so vernichtend einsetzten, wie Aellia. Sie hatte wirklich ein besonderes, magisches Potenzial, auch wenn sie nur Novizin war. Abwechselnd schoss sie nun mit ihrem Pfeilbogen und zauberte dann wieder. Auch wenn die schwarze  Mond- Göttin nicht zu sehen war, spürte sie ihre Gegenwart und Kraft immerzu, wenn auch etwas abgeschwächt, doch es reichte. Vermutlich war es dieses besondere Vertrauen, dass sie so stark machte. Sie sandte einen weiteren Energieball gegen die Feinde. Diesmal fielen ihm gleich mehrere der Gorgonas zum Opfer. Aellias Pfeile fanden ebenso sicher ihr Ziel. Sie durchbohrten Köpfe und Herzen. Ihre weissblauen Strahlenschilde, warfen die grünen Blitze der Gorgonas zurück. Diese wurden durch ihre eigene Macht getötet, indem sie schwerste Verbrennungen erlitten, die das Fleisch von ihren Knochen ätzten. Wie schwere Steine, stürzten sie kreischend in die Tiefen und zerschellten teilweise auf den herum schwebenden Planetenscherben, oder den Mauern und Zinnen der Stadt.

Trotz des erbitterten Widerstands der Harpyas, gelang es einigen Gorgonas, sich bis in die Reihen der Kriegerinnen vorzukämpfen. Aellia beobachtete in ihrer unmittelbaren Nähe aus den Augenwinkeln, wie eine Kriegerin, mit einem Schwert und einem Schild gegen eine Gorgona kämpfte. Letzterer schien es ein grausames Vergnügen zu bereiten, wie die Harpya verzweifelt ihre Augenblitze abzuwehren suchte. Ihr Schild glühte bereits vor Hitze, bald würde die Kriegerin diesen fallen lassen. Sie versuchte die Augen der Gorgona mit dem Schwert zu durchbohren, ohne mit den Schlangen auf deren Kopf in Berührung zu kommen. Doch dies war ein beinahe aussichtsloses Unterfangen. Auf einmal, wurde der Schild zu heiss und sie liess ihn fallen. Darauf hatte die monströse Gorgona nur gewartet. Die Schlangen auf ihrem Kopf stiessen nach der unglücklichen Harpya. Einen Moment lang hing diese wie eine leblose Puppe in der Luft, dann stürzte sie in die ab! Diesmal… hörte man keinen Schrei, das konzentrierte Gift der Reptilien hatte sie sogleich getötet...  

Kommentare

  • Author Portrait

    Das klingt irgendwie nach einer männlichen, fliegenden Form von Medusa und das gefällt mir gar nicht!

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media