Das Leben ist nicht fair...

Frau Weber folgte Silvia ins Bad. Sie stellte sich hinter sie und hob ihr Haar hoch um es oben zu halten. "Was soll ich nur tun mit dir, Kind?" - "Ach Mama!" weinte Silvia. "Und wahrscheinlich bin ich auch noch schwanger! Das ist nicht fair!" Ihre Mutter richtete Silvia auf und reichte ihr einen Waschlappen! "Das Leben, mein Kind, das Leben ist nicht fair! Nicht zu dir und nicht zu mir!"
Diese Weisheit ihrer Mutter sollte sie ihr Leben lang begleiten. Wir alle, wir Menschen, sind jeder für sich das Ergebnis unserer Erlebnisse. Denn was wir erleben formt uns. Silvia wusch sich das Gesicht. Sie wusste, dass alles was geschehen war, nicht mehr zu ändern war. Sie folgte ihrer Mutter in die Küche. "Ich weiß, dass du Recht hast Mama und dass ich mich damit abfinden muss, aber es tut so weh!" Frau Weber nahm ihre Tochter in den Arm. "Ich weiß , mein Kind, ich weiß!"
Silvia legte sich noch ein Wenig hin, besann sich jedoch, dass Gerhard kaum Angehörige hatte. Es musste sich jemand um die Beisetzung kümmern und um die Formalitäten. Sie beschloss, erst mal die Polizistin anzurufen.  Eine disziplinierte Frau hatte sich zur Ordnung gerufen! Sie war es Gerhard schuldig, seine Obliegenheiten wahr zu nehmen. Sie würde ihrer Aufgabe nachkommen. Wieder füllten sich ihre Augen mit Tränen. Sie verspürte Druck auf der Blase und wusste, dass sich gleich eine schicksalhafte Frage beantworten sollte...
Als Silvia aus dem Bad kam stand es fest. "Du wirst Oma!" sagte sie mit zittriger Stimme zu ihrer Mutter, die sie wortlos in den Arm nahm. "Schade, dass Papa das nicht mehr wirklich begreift." flüsterte Silvia und beide weinten nun bittere Tränen in fester Umarmung. Zwei starke Frauen, die ihren Mann stehen würden!
Die Polizistin kam freundlicherweise ins Haus und stellte die üblichen Fragen. Sie händigte Silvia auch Gerhards Schlüsselbund aus, da sie ja keine eigenen mehr hatte. Sie war auch so freundlich, Silvia mit zu nehmen zu ihrem Auto, das nach wie vor in der Nähe der Apotheke stand. Ein Knöllchen prangte auf der Windschutzscheibe, welches sie selbst entfernte. "Lassen sie das ruhig meine Sorge sein, Frau Weber. Ich wünsche ihnen noch alles Gute!"
Silvia fuhr noch kurz einkaufen, wobei sie so gut es ging vermied, auf Bekannte zu treffen und fuhr anschließend in die Laube. Dort hielt es sie nicht lange, denn alleine rum zu liegen, ist das Schlimmste, wenn man Kummer hat. Also fuhr sie in Gerhards Wohnung. Dort fand sie ihren Ring und ihre Schlüssel genauso vor, wie sie sie am Tag zuvor hingelegt hatte. Allerdings lagen daneben die Visitenkarte einer Notariatskanzlei und die CD des Tomographieinstitutes. Sonst war alles wie immer.  Nur das Bild, das die Beiden gemeinsam auf dem Motorrad zeigte, war nicht mehr an seinem Platz. Sie fand es wenig später im Schlafzimmer auf seinem Nachttisch...

Kommentare

  • Author Portrait

    ich habe jetzt bis Kapitel 9 gelesen und bin immer noch gespannt, wie es weitergeht.Eine schöne , wenn auch sehr traurige Geschichte, die mir gut gefällt. LG Mari Lu

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media