Das grün-braune Blatt, das geradewegs zu Boden fällt, ich fixiere mich darauf und kann meine Gedanken nicht abwenden. Schon erstaunlich was unsere Welt bietet und was wir davon wertschätzen. NEIN, ich habe mir vorgenommen immer positiv zu denken, so empfiehlt es mir zumindest das Buch, das ich gerade lese: „Wie wird man glücklich?“. Ein sehr vielversprechender Titel, er lockt sogar potenzielle Leser an, so zeigt es sich zumindest inmitten der Bahn. Die Augen der Passagiere fesseln sich an mir und deren Münder spannen sich an, um ein Lächeln, dass gar nicht Freude, sondern eher Spott ausdrücken soll, zu verkneifen. Ich packe das Buch zur Seite, um mich von den Fesseln zu lösen und aufzustehen. Ein paar Schritte heraus aus der Menschenmasse, nun voller Freude an der Welt, fällt mir das nächste Blatt auf, es hat einen gewissen Gelbton, der bis hin zur Spitze mit einem schönen Kontrast unterlegt ist. Wie schnell es zu Boden fällt, das Stück Leben, wie ich es so schön nenne, wird sogar von dem Wind erneut in die Luft befördert und zeigt mir den Weg in die pure Freude. Es kann schon sein, dass hinter den Bäumen sich eine kleine Filiale versteckt, in der sie mein schönes Buch anbieten, gemeint ist aber die sorgfältige Anordnung der farbenfrohen und nicht an Helligkeit sparenden Bäume. Davor ist eine kleine, blau lackierte Bank in voller Pracht zu sehen, sie wird von einem jungen, scheinbar glücklichen Mädchen besetzt (Sie muss „Wie wird man glücklich?“ wohl schon gelesen haben). Ihr braunes, natürliches Haar wird vom Winde in alle möglichen Richtungen befördert. Dieses Bild, der frohen Natur, mit dem Hauptaugenmerk auf die bezaubernde Dame, archiviert sich in meinem Kopf und erscheint mir dann, sobald ich meine Augen schließe. Ich setzte mich neben ihr hin und öffne mein Buch. Ich muss mir wirklich mein Lachen verkneifen, wie komisch es doch aussieht, wenn ein junger Mann, mit stolzen 17 Jahren ein Buch zum Glücklich werden liest, geschweige denn benötigt. Das Lächeln kann ich mir aber nicht verkneifen, so sitze ich hier, neben meiner großen Liebe, bzw. einer Fremden und starre in mein tolles Buch. Sie sieht auf, mir in die Augen und lächelt: „Warum liest du so ein Buch, wenn ich fragen darf, bist du denn ein kleiner Melancholiker?“. NEIN, sie musste es doch ansprechen, mein Leben ist vorüber, diese bittere Peinlichkeit, sie wird mich bis ans Ende meiner ach so langen Tage wohl oder übel begleiten. Was soll ich da denn antworten? Dass es mich interessiert? Wie dämlich von mir, überhaupt in ihre Nähe zu gehen und mich sogar neben ihr hinzusetzten. „Das ist nur ein Geschenk, das gehört mir gar nicht“, antwortete ich. JA, ich habe mich gerettet, ich bin so cool, niemand hätte es besser machen können. Mein Leben hat wieder einen Sinn, sie hat sich bestimmt in mich verliebt. Puh, jetzt nur noch nach dem Namen fragen. „Aber du bist schon halbfertig“, widerlegt sie in lachender Stimme. WIESO NUR, warum muss mir das widerfahren...?

Kommentare

  • Author Portrait

    Ich finde den Text im allgemeinen gut geschrieben, besonders in den ersten beiden Dritteln. Dort gefällt mir, wie schön du das Fallen der Blätter oder die Menschen in der Bahn beschreibst. Im letzten Drittel jedoch - wenn der junge Mann das Mädchen trifft - komme ich als Leser nicht mehr hinterher und kann den Protagonisten nicht verstehen. Wenn er so selbstsicher darüber lächeln kann, dass er in seinem Alter mit einem solchen Buch in der Hand neben einem so schönen Mädchen sitzt: Warum wird er dann von ihrer Frage so sehr aus dem Konzept gebracht? Ab dem Beginn der kursiv gedruckten Gedanken des Protagonisten schwanken seine Emotionen zwischen (scheinbar) höchstem Selbstwertgefühl und größter Peinlichkeit. Das ist für mich als Leser nicht ganz so gut nachvollziehbar. Im Grunde aber finde ich den Text wirklich gut, abgesehen vom bereits genannten. Mir gefällt die Grundsituation und die Handlung an sich. Vielleicht kannst du die Begegnung zwischen dem Protagonisten und dem Mädchen noch ein wenig deutlicher beschreiben (auch seine Gefühle bzw. die Entwicklung dieser). Damit würdest du den Fokus der Geschichte mehr auf die Begegnung legen, was ihr meiner Meinung nach gut tun würde. Aber wie gesagt: Eine echt schöne Grundkonstellation. 4/5

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