Das Schlagen eines Herzens

Bubumm.
Ich konnte einen Herzschlag hören, klar und deutlich. Wem gehörte er?
Das rhythmische Pochen durchflutete meine Sinne. Es klang so vertraut. Die Dunkelheit um mich herum begann zu schwinden und einer meiner Finger zuckte. Wo auch immer ich mich befand, es war warm und weich.

Bubumm. Bubumm.
Das intensive Schlagen wurde lauter, es vibrierte in meinem Kopf. Mein Körper begann im selben Takt zu pulsieren und die Wärme schwoll zu einer unerträglichen Hitze heran. Die tiefe Dunkelheit färbte sich langsam grau und wurde zu einem grellen Weiß. In diesem Moment jagte ein brennendes Kribbeln durch meine Glieder, es fühlte sich an als würde mein Körper in tausende Scherben zerbrechen.
Bubumm. Bubumm. Bubumm.
Alles in mir verkrampfte sich und ich blinzelte schwerfällig. Instinktiv öffnete ich den Mund, aufsteigende Blasen verschleierten meine Sicht. Ein bedrückendes Gefühl breitete sich in meiner Brust aus. Alles war verschwommen und ich konnte nichts erkennen.

Wo bin ich?
Meine Hand hob sich und ich berührte glattes Glas. Auf der anderen Seite näherten sich Umrisse, die eilig auf mich zu kamen. Wo bin ich?
Mein pulsierender Körper zuckte, ich bewegte vorsichtig die Zehen.
Eine sanfte Stille entstand und ich schloss die Augen. Ich wollte zurück in die wiegende Dunkelheit, zusammen mit dem beruhigenden Pochen dieses Herzens. Ich wollte meine Augen vor dem Licht verschließen und für immer dort bleiben.
Doch genau in diesem Moment ertönte ein klickendes Geräusch. Mit einem Mal stürzte ich nach vorne und schlug hart auf.
Kälte. Schmerz.
Der kräftige Herzschlag verstummte schlagartig. Stattdessen schmerzte jetzt schriller Lärm in meinen Ohren, unbekannte Stimmen donnerten los und obwohl sie mir fremd waren, verstand ich jedes Wort. Ich wollte zurück.
"Sie muss atmen! Bringt sie sofort auf die Station!"
Atmen? Atmen...
Ich öffnete den Mund und hustete. Glitschige, schleimige Flüssigkeit landete neben mir auf dem Boden. Die Luft, die ich einatmete, war scharf und schmeckte verfault. Atmen.
Ich sog die faulige Luft tief ein und stieß sie langsam wieder aus. Röchelnd krümmte ich mich und hustete. Atmen.
Meine Hand zuckte und ich tastete mit den Fingern den Grund unter mir ab. Er war rau und klitschnass. Die Stimmen dröhnten in meinem Kopf. Es tat weh ihnen zuzuhören.
"Worauf wartet ihr denn? Sie darf nicht zu Bewusstsein kommen! Schnell, beeilt euch gefälligst, ihr nutzlosen..."
Etwas schweres und klebriges bedeckte meinen Körper. Ich fühlte mich nicht mehr so leicht wie zuvor, sondern schwer und unfähig. Meine Augenlider zitterten und vorsichtig blinzelte ich. Gleißendes Licht. Es blendete. Es schmerzte.
Etwas schob sich unter mich. Mein schwerer Körper wurde hochgehoben, die Lichter verschoben sich. Die Stimmen schlugen immer noch auf mich ein.
So viele Geräusche, so viele Farben, so viele Gerüche. Das war zu viel.
Ich atmete tief ein und aus. Während die Stimmen endlich leiser wurden, wurde der Herzschlag wieder lauter. Ich hörte ihn jetzt, gleichmäßig und ruhig.
Meine Empfindungen wurden taub, es wurde still. Ich entfernte mich weit, weit weg. Und nur das Pulsieren in meiner Brust blieb unberührt.

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