Das Taxi

Während unsere Leute den Gauner zu meinem Büro brachten stellte ich mich vor Selina. "Du bist ein tolles Mädchen, Sel!" grinste ich und küsste sie auf die Stirn. Dass dir der aufgefallen ist." - "Den zu sehn, war nicht schwer! Ich wollte ja neben dir parken, wie immer. Aber noch rechtzeitig so zu tun, als sei ich nur Besucher und die Security zu verständigen, das musst du mir mal nachmachen... Willst du gar nicht wissen, wo ich war, Michael?" - "Erzähl schon, Sel und lass dir nicht alles aus der Nase ziehen!" - "Vielleicht gefällt mir deine Neugier! Du sagst doch immer, nur Weiber und ihre Mütter und Töchter seien neugierig...!" - "Selina!" - "Ja, Liebster?... Ich bin mir sicher, dass Tom unschuldig ist, was die Drohungen betrifft. Er hat wohl Karmann aus seinem Leben erzählt, sich aber zurückgezogen, als er merkte, wie der tickt. Er wusste nichts davon. Er kennt nun auch die Wahrheit über Silvia und dich...!" - "Und!" - "Es hat ihn von den Beinen gerissen, mental... Er tat mir sogar leid! Es war ja nicht seine Schuld! Er hat sich dann sofort bei mir entschuldigt und es ist ihm offensichtlich sehr wichtig, sich bei dir zu entschuldigen! Er hat mich überzeugt! Der Junge ist ehrlich und er hat sogar eine deiner typischen Redewendungen benutzt!" - "Welche Redewendung?" - "Sag ich dir später! Und jetzt komm! Wir müssen in dein Büro. Max wird Karmann auseinandernehmen. Ich erzähl dir später alles, Liebling, aber es wird alles gut! Du wirst sehen! Sie hauchte mir noch einen Kuss auf die Lippen und nahm meine Hand um mich wieder ins Gebäude zu ziehen. Aus den Augenwinkeln sah ich meine Mutter und Ines lächelnd am Fenster stehen. Sie hatten unserer Unterhaltung wohl einem Stummfilm gleich beigewohnt.

Im Vorraum zu meinem Büro ging die Befragung weiter. Als Sel und ich eintraten, hatte Schmeisser schon die Zügel in die Hand genommen. Man konnte schon erkennen, dass er Kommisar bei der Kripo gewesen war. Seine Kombinationsgabe und seine Verhörtechnik alleine von der psychologischen Seite her waren unerreicht. "In welchem verwandtschaftlichen Verhältnis stehen sie zu Robert Danter?" - "Er ist mein Onkel! Der Bruder meiner Mutter! Ist das etwa verboten?" - Leider nicht, aber Typen wie er sollten sich am besten gar nicht fortpflanzen, wenn sie mich schon fragen. Haben sie von Anfang an gemeinsame Sache gemacht, oder hat es sich ergeben?" -  "Wovon sprechen sie?" - "Ihr feiner Herr Onkel, Robert Danter, Privatdetektiv, hat ebenfalls versucht, Geld von den Montars zu erpressen und einen Unfall mit Fahrerflucht oder aber einen gezielten Anschlag auf Michael Montar und seinen Bediensteten getätigt. Dieser ist dabei erheblich verletzt worden. Danach schickte er seine Tochter mit ihrem Freund, um Michael zu überfallen und heute saß er in dem Taxi, welches Michael wohl besteigen hätte sollen, hätte Frau Dr. Bücker sie nicht beim Versuch der Sachbeschädigung erwischt. Sie sehen, dass ihr perfekter Plan bereits durchschaut und auch beweisbar ist! Die Überwachungskameras der Bückerstiftung haben Fernsehauflösung! Hier wird nicht gespart. Unsere Aufnahmen haben volle Beweiskraft! Also! Wann haben sie sich mit ihrem Onkel zusammengetan?" - "Als Onkel Roberts Versuch, die Bilder zu verkaufen daneben ging, kam ich auf die Idee, aus den Drohbriefen Gewinn zu schlagen. Als er darauf nicht reagierte, musste ich dafür sorgen, dass Montar Muffensausen kriegt. Das war im Alleingang nicht möglich, also erzählte ich Onkel Robert davon. Montar sollte das "zufällig" anwesende Taxi nehmen, wenn ich die Luft aus seinen Reifen gelassen hätte. Ihm wäre aber nichts passiert! Wir hätten ihn nur woanders hingefahren, um ihm Angst einzujagen." Ich konnte über diesen Dilettantismus nur den Kopf schütteln! "Seid ihr eigentlich völlig unterbelichtet, oder was? Habt ihr überhaupt eine Ahnung, was ich schon alles erlebt habe? Mit richtigen Killern? Habt ihr vom Fernsehen schon weiche Birnen oder was?" Schrie ich diesen Blödmann an. "Dein Onkel, der Idiot verletzt meinen Bediensteten, gefährdet mich dabei in höchstem Maße, betrügt mit falschen Bildern die Zeitungen und schickt seine eigene Tochter ins Unglück! Sind wir hier bei Vorsicht Kamera? Ihr wolltet mich kurzerhand entführen, um Geld zu erpressen! So siehts aus! Für wie dumm hältst du uns, du Möchtegern? Du wirst dein blaues Wunder erleben, wenn du glaubst, eine Jugendstrafe reicht für dich! Und wieso macht ein konzessionierter Privatermittler bei so einer Scheiße mit! Erklär mir das!" - "Ganz einfach! Er ist hoch verschuldet! Er hat sich Geld geliehen aber nicht von der Bank. Wo er das Geld her hat, nimmt man erst Finger, dann Daumen als Verzugszinsen..."

Selina zog mich weg vom Befragten und flüsterte mir ins Ohr: "Du fährst auf keinen Fall nach München, Schatz!" Ich war platt. "Wieso das jetzt, Sel?!" - "Liebling, begreifst du nicht? Der Typ ist verzweifelt! Wenn sie den nicht fassen, bis heute Abend, ist er eine potentielle Bedrohung für dich!"
       

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