Decision

"Andy?"
Vorsichtig falte ich das Stück Papier, das immer noch in meiner Hand ruht zusammen und stecke es in meine Jackentasche.
Ich wische mit meinen Fingern unter meinen Augen herum, um zu retten, was noch zu retten ist, aber ich mache es nur noch schlimmer.
ist doch sowieso schon alles egal.
Ash wird sehen, dass ich geweint habe.
Auch alle anderen werden es sehen.

"Andy?", höre ich Ash erneut rufen.
Seine Stimme ist lauter.
Er muss hier irgendwo in der Nähe sein.
"Ja?", frage ich zaghaft in die Dunkelheit des Gebäudes hinein.

Und auf einmal ist Ash bei mir.
Er lehnt im ramponierten Türrahmen und sieht mich erleichtert an.
"Hier bist du."
"Ja.", will ich sagen, aber kein Ton kommt über meine Lippen.

Vorsichtig kommt Ash auf mich zu und hockt sich vor mir auf den Boden um mit mir auf gleicher Höhe zu sein.
Er legt mir behutsam seine Hände auf die Knie.
"Warum bist du schon wieder weggelaufen?"
Seine Stimme, kaum mehr als ein Flüstern.
Und doch zieht sie mich so in ihren Bann, dass ich nicht antworten kann.
Ich blicke einfach weiter auf den Boden, meine Füße, Ashs Hände...
Nur in sein Gesicht sehen, das kann ich nicht.

"Andy, bitte."
Ashs Stimme klingt flehentlich.
"Warum willst du mir denn nicht sagen, was mit dir los ist?"
Er streicht mir eine Strähne meines dunklen Haars aus der Stirn.
"Andy, ich vermisse dich so sehr. Den alten Andy, mit dem man Spaß haben konnte. Warum ist das jetzt vorbei?"

Und da wage ich es, endlich auf zu blicken und in Ashs Augen zu sehen.
In ihnen spiegelt sich unendlicher Schmerz.
Ich habe Ash verletzt.
Meinen besten Freund und den einzigen Menschen, der mich je richtig verstanden hat und für mich da war, wenn ich ihn brauchte.

Eine einzelne Träne, löst sich aus meinen Augenwinkeln und tropft auf Ashs Hände, die immer noch auf meinen Knien ruhen.
Er wischt sie fort.
"Andy...", setzt er erneut an, aber ich unterbreche ihn mit brüchiger Stimme.
"Ash, ich wollte dir nicht wehtun. Nie. Aber ich kann dir keine Antworten auf deine Fragen geben.
Noch nicht. Bitte verzeih mir."

Damit stehe ich auf und lasse Ash alleine zurück.
Ich laufe die Stufen des Gebäudes hinab.
So schnell, dass ich denke, dass mir die Lungen platzen.

Jetzt gibt es kein zurück mehr.
Ich werde Ash früher oder später sagen müssen, was ich für ihn empfinde.
Und tief in mir drinnen, steht der Zeitpunkt schon fest.

Als ich aus dem Gebäude trete, packt mich mein Manager schon am Arm und schleift mich Richtung Auto.
Er will wissen, was ich mir dabei gedacht habe, so auszurasten.
Er meint, das wäre das ideale Fressen für diesen Journalisten gewesen,
um ein perfektes Drama zu entwickeln und Gerüchte in die Welt zu setzen.
Und ich verstehe ihn ja irgendwie.
Dann fragt er mich, wo ich Ash gelassen habe.

Wortlos deute ich auf das Hochhaus, das hinter uns in den Himmel ragt.
Er seufzt.
Dann schickt er Jake nach oben, um Ash zu holen.
Vermutlich hat er Angst, dass ich ihm etwas angetan haben könnte.

So ein Quatsch.
Ich könnte Ash gar nichts antun.
Dafür liebe ich ihn zu sehr.

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Feenstaub

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