Kennt ihr die »Demo für Alle«?

Diese rechtskonservative, heteronormative Bewegung der Möchtegern-Kinderschützer und Weltverbesserer-hinterrücks-Homophoben? Die auf die Straße gehen, um gegen die Pläne der Bundesländer, Homo- und Transsexualität sowie Genderideologien in die Lehrpläne des Sexualkundeunterrichts aufzunehmen, zu demonstrieren wegen der angeblich zunehmenden »Sexualisierung« der Kinder?

Die der Meinung sind, wenn man Kindern in der Grundschule bei der Sexualaufklärung etwas über Homo- und Transsexualität erklärt, würde das den Kindern schaden, ja wenn nicht sogar diese »schwul« machen?

 

Liebe Eltern, die sich so munter dieser Bewegung angeschlossen haben: Homosexuell oder transsexuell wird man nicht gemacht, man wird so geboren. Und ihr könnt bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag demonstrieren, davon werden Schwule, Lesben und Transsexuelle nicht aufhören, zu existieren.

 

Zum Thema »Sexualisierung der Kinder« sollte gesagt werden, dass nicht der Aufklärungsunterricht in der Schule das vermehrte Interesse bei den Kleinen weckt.

Sondern vielmehr das Internet und die darüber in unbegrenzter und ungefilterter Masse verfügbare Pornografie.

Und die Schuld daran trägt es auch nicht allein. Vielmehr sind es Eltern, die nach außen hin bei der »Demo für Alle« mitrennen, aber sich in ihren eigenen vier Wänden einen feuchten Kehricht darum scheren, was sich die Kinder im Internet alles ansehen.

Warum sollte man da auch ein Auge drauf haben, was die Kinder tun? Hauptsache, die sind vor dem Computer geparkt, sind still und gehen ihren ach so besorgten Eltern nicht auf die Nerven.

 

Stellen wir uns einmal vor, was geschehen würde, wenn die Schulen die Sexualaufklärung nicht übernehmen würden:

 

Die Eltern, allesamt mit unheilbarer Prüderie geschlagen, würden ihren Kindern mit keinem Wort erläutern, was Sex ist, würden ihnen nicht erklären, welche Risiken dieser hätte, wie man sich vor eventuellen Krankheiten sicher schützt, dass zum Sex beiderseitiges Einverständnis gehört und dass Sex die häufigste Ursache von Schwangerschaften ist (merkt ihr meinen Sarkasmus?).

Das würde dazu führen, dass diese Kinder die Bedeutung einer sexuellen Zusammenkunft nicht verstehen, nicht kennen würden.

Sie würden - wie sie es leider jetzt schon tun - glauben, dass man Sex haben kann, um sich die Zeit zu vertreiben, dass man damit Dinge »bezahlen« könnte oder dass man es nutzen könnte, um sich beliebt zu machen. Traurig genug.

Noch trauriger wäre es dann, wenn die eigentlich ja angeblich so besorgten Eltern mit der saudummen Frage »Wie konnte das denn passieren?« ankommen, wenn das kleine Isabella-Annalena-Celina-Marie-Sophiechen mit 13 Jahren bei ihnen auf der Matte steht und sagt, dass sie schwanger ist.

Tja, liebe Eltern! Wenn IHR schon die Antwort nicht kennt, wie soll es dann das Töchterchen oder das Söhnchen wissen? Denn wir erinnern uns, die Eltern, besonders die, die in der »Demo für Alle« aktiv sind, wollen den Sexualkunde-Unterricht unter Einbeziehung der Existenz von Homo- und Transsexualität verbieten lassen, um die Kinder »so lange wie möglich vor der schädlichen Sexualisierung zu schützen«. Wenn es nach ihnen ginge, wäre es wohl erst mit 18 adäquat, den Kindern etwas über Sexualität zu erzählen.

Die Realität, in der die Kinder immer früher Liebesbeziehungen eingehen, die auch körperlich werden, verträgt sich nur leider nicht mit den Vorstellungen dieser übereifrigen Eltern. Es nutzt wenig, sich als Eltern zu sagen, dass die Kinder selbst mit 15 »noch viel zu jung sind«, um etwas über Sex zu wissen. Denn wenn das Kind, sprich das ungewollte Baby, erst einmal unterwegs ist, braucht man auch nicht mehr an Aufklärung zu denken, meint ihr nicht?

 

Die Aktivisten der »Demo für Alle« bedienen sich der Ängste der Eltern, um unterschwellig ihre homo- und transphoben und menschenverachtenden Ansichten unter die Leute zu bringen. Denen geht es nicht darum, dass die Kinder angeblich zu früh etwas über Sex erfahren (mal ehrlich, je früher man seine Kinder über die Sache mit den »Bienchen und Blümchen« aufklärt, desto weniger peinlich wird es werden), denen geht es darum, den Kindern »zu verschweigen«, dass es alternative Formen der Liebe gibt, dass es mehr gibt als »Mann oder Frau«, dass es mehr Wege gibt, man selbst zu sein als der gesellschaftlich etablierte.

Traurig. Und traurig für jedes Kind, das unter dem Einfluss solcher Eltern in einer kleinkarierten und engstirnigen Welt heranwachsen muss ...

 

Deutschland, dein 2016. Man könnte meinen, wir leben 1950.

Kommentare

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    Isabella-Annalena-Celina-Mari-Sophiechen? XD LOL OMG! Das war super. XD Da hast du so recht... Auch mit den 50igern. Traurig und schockierend.

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    Traurig, aber wahr. Doch alle Aufklärung der Kinder nützt nichts, wenn die Ansichten der Eltern verquer sind. Ich bin jedesmal erneut schockiert von der Engstirnigkeit mancher Leute. Letztens hatte ich ein Gespräch mit einem Papa, der erzählte, dass er mit seinem Sohn jeden Tag rauft, um ihn härter zu machen. Frauen gehören hinter den Herd und er verstehe gar nicht, warum die KiTa sich so aufrege, dass sein Sohn die Mädchen mit einem Stock verprügelt. "Das machen richtige Männer so." Ist klar. Dem setzte er noch ein Kröhnchen auf, als er sich über die ganzen "Weicheierjungs" beschwerte, die später alle mal schwul werden würden, weil sie von ihren Eltern gesagt bekommen, dass sie ihren Sohn lieb haben. Sicherlich. Natürlich. Weil Elternliebe ja bekanntlich homosexuell macht. Ist klar....Einbildung soll ja auch eine Art Bildung sein.... Als ich ihn dann fragte, was er machen würde, wenn sich sein Sohn später outen würde meinte er: "Das würde ich ihm schon ausprügeln..." Ohne Worte...

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    Hi Henri, die Eltern wollen es einfach nicht raffen. "Ich will nicht, dass mein Kind ein Homo wird!" Das ist doch der eigentliche Grund. :/ Aber du hast so recht. Dagegen, dass die Kinder sich z.B. realitätsferne Pornos ansehen, macht keiner was, aber bei Homosexualität, trans oder sonst was machen die ein riesiges Fass auf. Willkommen im 21. Jahrhundert. :'D

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    "Wie kann man nur hassen, dass Menschen sich lieben?" - Die Demo für alle war mir noch kein Begriff, die Idee dahinter leider schon, PEGIDA und Co. tragen solche Kampfbegriffe ja schon seit geraumer Zeit vor sich her. Da fragt man sich doch, wann in Deutschland die Zeit eigentlich angefangen hat rückwärts zu laufen.

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    Super geschrieben, super aufklärend. Toll, dass du dich diesem Thema widmest

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    irgendwie ist das an mir vorbeigegangen O.O Aber das klingt furchtbar.

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    Super geschrieben und leider sooo wahr -.-

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