Der Antrag

Ich drehte mich um. Selina stand mir gegenüber, Tränen liefen über ihre Wangen. Sie ging auf mich zu . "Sel..." Schnell legte sie ihre Arme um meinen Hals, gab mir einen ganz kurzen Kuss und hielt mich dann ganz fest. "Bitte" flüsterte sie, Bitte sag jetzt einfach gar nichts." Minutenlang lag sie ohne ein Wort zu sagen in meinen Armen. Da mein Schenkel sich schon gut entwickelt hatte, hob ich meine kleine Göttin schließlich hoch und trug sie zur Couch. Ich kniete (vorsichtig) nieder und hielt ihr einen schlicht gehaltenen goldenen Ring entgegen: "Selina, Liebling, möchtest du meine Frau werden?" Das war der Overkill! Wir gingen sofort "schlafen"! Es war eine unbeschreiblich leidenschaftliche, zärtliche, lange Nacht! Selina hatte die Gabe, mich immer wenn ich glaubte, "schöner kann es nicht mehr werden", eines Besseren zu belehren.
Als wir glücklich am nächsten Morgen zum Frühstück in den Salon gingen, trug Selina stolz ihren Ring am linken Ringfinger. Noch bevor sie sich setzen konnte wurde sie von Maria umarmt. Die Freude dieser Frau hatte so etwas erfrischend Echtes, Herzliches. Als Maria mit Selina fertig war, wurde auch ich noch kräftig geherzt. Langsam gewöhnte ich mich an den Gedanken, meinen Wohnsitz zur Gänze hierher zu verlegen. Nach einem gemütlichen Frühstück fuhren wir gemeinsam in die Klinik. Selina hatte längst mit Ines Kontakt aufgenommen. Heute aber, musste sie ihr sofort von meinem Antrag erzählen. Der lustige Versprecher Ines' fiel mir wieder ein, am Tag als ich hier aus der Narkose erwacht war. Die beiden Operationen, unsere Odyssee, das alles schien plötzlich so weit entfernt... "Liebes, wann kommt eigentlich Ines wieder?" - "Du wirst lachen! Morgen! Sie hält es nicht mehr aus. Sie kommt morgen um neun in München an." - "Schön! Möchtest du, dass wir sie abholen?" - "Oja! Aber haben wir denn Zeit für sowas?"- "Wir sind die Chefs! Wir brauchen niemanden zu fragen! Nicht für sowas wichtiges wie Ines!"
 Wir fuhren dann am nächsten Tag zum Flughafen nach München und holten "unsere" Ines ab. Es war ein sehr emotionales Wiedersehn, dass wohl jedem von uns ein paar Tränchen abverlangte. Süße Tränen, die nicht wehtun, sondern einfach von großer Verbundenheit zeugen. Wir waren auf dem weg zur Autobahn, als Bertl mich anrief. Mit ihm hatte ich für heute Abend seinen Besuch ausgemacht. Ich hatte das Handy auf Freisprechen. "Bertl was los?" - " Du Michl, i bin in Münchn, I hab a Problem: I habs Auto Z'sammghaut!" - "Wo bist du denn, ich hol dich ab. Ich bin nämlich auch grade da!" - "Ja des wär a G'schicht!" Bertl war nur drei Straßen weiter, in einer Werkstatt. Er stand schon auf dem Parkplatz als wir ankamen. Wir stiegen aus und begrüßten ihn. Er war Gott sei Dank unverletzt. "Ines, das ist der Bertl, unser Anwalt und Freund des Hauses. Bertl, das ist Ines, beste Freundin und Krankenschwester. Die einzige, die auch meinen Michael anrühren darf!" Selina hielt den beiden die hintere Beifahrertür auf. Das wunderte mich ein wenig, da sie vorher bei Ines im Fond gesessen hatte. Sie kam wieder auf den Beifahrersitz und blinzelte mir zu. Ich warf einen Blick in den Rückspiegel und nahm sofort wahr, was Selina meinte. Die Beiden schienen sehr voneinander angetan zu sein. "Schatz, was hältst du davon, heute Abend, wenn du mit Bertl alles besprochen hast, mit Ines ihre Heimkehr zu feiern?" -  "Gute Idee!" Ich lächelte und zischte Selina zu: "Der Bertl der is nämlich  a Bissl patschert beim Finden von Frauen!" Bertl und Ines werden nie erfahren, warum wir beide plötzlich lauthals lachten...

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