Der Aufbruch

Der Aufbruch

Am nächsten Morgen erwachte ich aus einem tiefen, erholsamen, traumlosen, fast komatösen Schlaf. Ich schlug die Augen auf und war in Sekundenschnelle wach, stellte fest, dass es fast halb acht war und ich seit Monaten nicht mehr so lange durch geschlafen hatte. Leider kam auch gleich die Erkenntnis was gestern geschehen war und die Erinnerung an das, was mir jetzt wie ein schlechter, sehr makaberer Horrorfilm vorkam. War das wirklich passiert oder entsprang es meiner blühenden Fantasie?

Meine Hand fuhr tastend zu meiner linken Seite. Ich konnte den Verband fühlen, also doch kein Albtraum, eher albtraumhafte Realität! Prima, ganz prima. Ich war wirklich mit einem aus mir ragenden Messer durch die Gegend gelaufen und ich verdankte dem Professor mein Leben. Professor Severus Snape hatte mir mein Leben gerettet! Oh Göttin, ich wäre gestern fast gestorben, verdammt!
Wenn ich nicht seit Monaten trainieren würde, hätte ich die gestrige Attacke nicht überlebt.

Arrrrrrhhh, diese Erkenntnis, das war zum Haare ausreißen. Halt stopp, ich hatte die andere Seite verdrängt, ich wäre nicht nur fast gestorben, ich selbst hatte gestern getötet und ein Menschenleben genommen und das auf keine besonders schöne oder saubere Art, sondern richtig dreckig und schmutzig. Ich hob bebend ob dieser Offenbarung meine Hände vor mein Gesicht und betrachtete sie im Schein der sommerlichen Sonne, die durch die Gardinen des Fensters ins Innere des Zimmers fiel. Diese zierlichen, kleinen Hände hatten wirklich und tatsächlich gemordet. Sie waren immer noch schlank, lang und weiß, gestern waren sie voll rotem, getrocknetem Blut gewesen, besudelt. Aber jetzt waren sie wieder rein und sauber. Keiner würde sehen was ich getan hatte, zu was ich fähig war. Ich hatte es abgewaschen, aber war ich deswegen wirklich wieder sauber?

Aber so wie auch meine Hände besudelt waren, so war auch ich jetzt eine besudelte Person! Ich hatte kein reines Gewissen mehr. Ich hatte etwas getan was keiner meiner Freunde gutheißen würde, da es ja hieß, du sollst nicht töten. Aber zum Teufel, wenn ich es nicht getan hätte, könnten sie mich jetzt beerdigen. Wären sie wirklich in ihren vorgefassten Meinungen so hart in ihrem Urteil?
Alles Verbotene was ich bisher getan hatte, stehlen, einbrechen, erpressen, die Schulregeln brechen war dagegen ein Witz, aber nun hatte ich das absolut Verbotene getan und wie ich es getan hatte! Wie also fühlte ich mich, nun da ich diese Schuld gerechtfertigt oder nicht, mein Leben lang würde tragen müssen. Ich atmete bei dieser Überlegung tief ein, schloss die Augen und dachte nach, ging tief in mich: Ich war eine Mörderin!

Egal wie diese Geschichte ausgehen würde, ob die Helle oder die Dunkle Seite gewinnen würde, ich hatte schon verloren, denn ich würde nie mehr rein oder hell sein, dafür war schon zu viel passiert, zu viele Tabus waren gefallen. Dies trat mir mit einer brutalen Klarheit vor Augen. Ich hatte eine Entscheidung getroffen, die in ihrer Unendlichkeit nicht wieder umkehrbar war. Wie gesagt, ich hatte vor langer Zeit die Wahl gehabt wie ich werden wollte, wie ich durch das Leben gehen wollte, nun anzufangen darüber zu zweifeln oder mit dem Schicksal zu hadern wäre unfair, da ich sehenden Auges die Wahl getroffen hatte.

Ich würde damit lernen zu leben!

Was meine Freunde sagen würden, wenn sie es denn wüssten, konnte ich mir sehr gut ausmalen. Erstens würden sie mir es nie zutrauen, zweitens wären sie geschockt und drittens würden sie sich angewidert abwenden in ihrer gerecht-ungerechten Scheinheiligkeit. Dies würde wohl ein weiteres, düsteres Geheimnis der Hermione Granger sein, das Harry, Ron und alle anderen nicht erfahren durften. Ich musste aus meinem Herzen eine Mördergrube machen, eine noch tiefere als bisher schon. Und aus meinem Geist eine nicht einzunehmende Festung, denn auch Dumbledore durfte unter gar keinen Umständen misstrauisch werden. Ich kam zwar mit der Okklumentik gut voran, aber eine Meisterin war ich noch nicht, dies würde ich nun mit Hochdruck weiter betreiben. Das waren meine ersten, nach dem Schock durchwegs stringenten Gedanken an diesem Morgen.

Gedankenverloren rieb ich über meinen gemarterten Hals. Aha, besser viel besser. Die Tränke hatten gute Arbeit geleistet. Das Schlucken tat nicht mehr weh, auch die Schwellung war zurückgegangen, aber ich wusste, dass selbst die Zauberei blutunterlaufene Stellen nicht verschwinden ließ. Ich musste mich wohl gedulden bis ich im Bad war, um zu sehen was für einen gruseligen Anblick ich bot.

An Sirius oder Snape wollte ich gar nicht denken. Ich war ihnen so dankbar und gleichzeitig schrecklich sauer, dass sie jetzt wussten was ich getan hatte und wieder einmal bereitete mir der Professor weniger Gedanken, da ich in seinen Augen hatte sehen können, dass er verstand und es guthieß was ich getan hatte, irgendwie! Aber Sirius, ich war mal wieder über meine eigene Brillanz entsetzt, denn dank meines Zaubers konnten sie eh nichts und niemandem etwas sagen. Da sah man mal wie gut es war, dass ich immer so perfektionistisch in meinen Überlegungen war.

Ja, Sirius war anders, ich wusste nicht wie er mir begegnen würde, ich hoffte einfach, dass auch er die Notwendigkeit meines Handelns verstand. So ein Mist, dass wir heute nach Hogwarts mussten.
Aber ich hatte schon eine Idee, dies ließ mich doch gleich dieses ganze leidige Thema Mörderin hin oder her vergessen oder verdrängen, schließlich ließ es sich eh nicht mehr ändern… ah, wie schrecklich kalt das klang, aber hier kam mein Pragmatismus zum Vorschein. So erhob ich mich doch vorsichtig, da leider noch kein Wunder geschehen war und ich noch nicht vollständig geheilt war. Es war zwar nicht zu vergleichen mit den Schmerzen von gestern, aber es ziepte doch gefährlich in der Seite und ich keuchte auf weil mir der Schmerz die Luft aus den Lungen presste.

So ein Messer war doch nicht ohne!

Zuerst sah ich die Tränke auf meinem Nachttisch und dachte an Snapes Anweisungen und somit schluckte ich die nötigen Tränke mit todesverachtender Miene, da sie grausam schmeckten, aber trotzdem fühlte ich mich etwas steif und unbeweglich an. Als ich es ins Bad geschafft hatte, begnügte ich mich heute mit einer Katzenwäsche und einem intensiven Reinigungsspruch, da ich nicht den Verband entfernen wollte. Umständlich zog ich mir ein schwarzes Empire Sommerkleid an, was leicht um meinen Körper flog, nur nicht zu eng sitzen, das wäre keine gute Idee und schnaubte wie ein Walross. Im Spiegel betrachtete ich mich aufmerksam und was ich sah… ich sah immer noch gleich aus, mein brünettes, langes, lockiges Haar, welches heute weich über meine Schultern fiel, eine klare Haut, die heute eher an eine vornehme, ungesunde Blässe erinnerte und die großen, rehbraunen Augen, die fast aus meinem Gesicht sprangen. Ja, in ihren Tiefen konnte man erkennen, dass sie Schreckliches gesehen hatten, denn ihr Ausdruck war unendlich ernst. Aber nur wer ganz genau hinsah würde es erkennen können!

Ich würde heute leicht in den Farbtopf greifen, um meinem recht steifen Gesicht Leben einzuhauchen, also legte ich einen leichten rosa Schimmer auf meine Lider und tuschte leicht die Wimpern. Das Wichtigste war jedoch, ich legte ganz wenig Rouge auf, um ein bisschen Farbe in meine Wangen zu bekommen, um nicht zu bleich auszusehen. Etwas Lipgloss auf meine trockenen Lippen, die nun füllig glänzten und auf einmal hatte mein Gesicht sehr weiche, liebliche Züge, die vorher etwas hart, eckig und leicht verhärmt gewirkt hatten. Nach den erlebten Schrecken der letzten Nacht war es nicht anders zu erwarten gewesen, denn so etwas grub sich ein. Ich hatte mal etwas Passendes gehört. Die Gesichter der Menschen waren Leinwände und das Leben zeichnete auf diesen die Linien des Lebens ein. Tja, das passte doch wie die Faust aufs Auge.

Erst jetzt, als mir ein lebendiges, nicht mehr wie eine starre Maske erscheinendes Gesicht entgegensah, wagte ich den todesmutigen Blick auf meinen Hals,… und das was ich sah, ließ mich schwer schlucken. Es… womit hatte ich das verdient… es sah schrecklich aus. Die Haut, es gab keinen weißen Fleck nur blau, violett und gelbe blutunterlaufene Stellen, die wirklich perfekte Abdrücke von Boles breiten und großen Händen lieferten. Anscheinend war ich dem Erstickungstod näher gewesen als von mir realisiert, so wie das hier aussah. Das sah schrecklich aus, wenn das einer sehen würde, unvorstellbar! Sie würden austicken, dass ich überhaupt in der Lage war zu schlucken! Ok, ich würde am liebsten auch nochmal ausrasten, hätte ich den Scheißkerl nicht schon aufgeschlitzt, würde ich es spätestens jetzt tun! So konnte ich nicht rausgehen und mich präsentieren. Ich beschwor mir einen langen, schwarzweißen Seidenschal aus meinem Koffer und schlang ihn mehrfach um meinen Hals. Ja das konnte man so lassen, hatte einen gewissen Chic.

Somit ging ich zurück in mein Zimmer, nahm meine Dolche, die ich unter meinem Kleid wieder an den Oberschenkeln befestigte. Ich würde sie ab jetzt immer tragen. Dann sprach ich einen Pack-Zauber und ließ meinen Koffer, da ich alleine war, mit einem Locomotor auf den Flur schweben. Danach wollte ich nur noch meinen Kaffee, weil sich mein Kopf immer noch wie in Watte gepackt anfühlte.
Im ersten Stock hörte ich Stimmen aus dem Salonzimmer, in dem ein riesiger Wandteppich über die ganze Wand hing. Auf dem Teppich war mit goldener, verschnörkelter Stickerei der Stammbaum der Familie Black verewigt. Über die letzten 700 Jahre waren er aufgezeichneten worden und der hier und dort dunkle Brandflecken aufzeigte wo aus ihm nicht wünschenswerte Mitglieder ausgebrannt worden waren, da gemäß des Familienmottos Toujour Pur, dieser auf ewig „rein“ gehalten wurde. Als ich um die Ecke kam, spitzte ich Augen und Ohren und konnte Harry und Sirius erkennen. Sie umarmten sich gerade. Ich freute mich immer, wenn ich sah was für eine Beziehung Harry zu Sirius aufgebaut hatte. Es war schön, dass er endlich so etwas wie Familie besaß.

Harry wandte sich um, um das Zimmer zu verlassen, also trat ich gleitend in den Schatten eines Türrahmens in dem unbeleuchteten dunklen Flur und hoffte, dass Sirius den Raum nicht sofort verlassen würde. Wie es schien hatte ich Glück. Harry lief, nach Ron rufend, die Treppen polternd hinab und ich glitt geschwind in das Zimmer und schloss leise die Tür. Sirius stand vor dem aufgestickten Stammbaum und betrachtete seinen herausgebrannten Namen mit einem traurigen Blick. Ich mochte seine unschönen Gedanken an die Vergangenheit gar nicht wissen. Er hatte hier bestimmt eine weniger schöne Kindheit verlebt. Ich stellte mich neben ihn und strich seinen Arm herauf, glaubte, dass er gefühlt hatte, dass ich da war, weil er nicht erstaunt war. Er wandte sich lächelnd zu mir, packte mich zärtlich im Nacken und zog meinen Mund begierig zu seinem und begann mich unglaublich sanft und liebevoll zu küssen. Besser hätte unsere Begegnung nach gestern Nacht nicht laufen können.

„Ich bin so froh, dass du lebst, Hermione. Wie geht es dir?“, wisperte er tonlos an meinem Ohr, nachdem er mich in eine haltende Umarmung gezogen hatte. „Ich habe mir solche Sorgen gemacht, ich… ich das Bild, wie du… das wird mich für den Rest meines Lebens verfolgen“, kam es belegt von ihm, dabei küsste er mein Haar. „Mach so etwas nicht nochmal mit mir, da werde ich nicht alt!“, meinte er traurig.

„Sirius… ich…“, flüsterte ich an seiner Brust. „Schschsch... sag nichts Liebes, ich war noch nicht fertig, so wie du gestern aussahst, so wie diese Bastarde dich zugerichtet haben. Du. hattest. Ein. Messer. In. Dir. Verdammt…“, zischte er leise, wütend. „Wenn du sie nicht alle gemacht hättest, hätte ich sie verfolgt, bis ich sie persönlich getötet hätte, also bitte Hermione, mach dir keine Vorwürfe, du hattest jedes Recht, diesen Abschaum von der Bildfläche zu wischen!“, sprach er fest, fast beschwörend und schaute mir nun sehr tief in die Augen, damit ich die Ernsthaftigkeit in ihnen sehen konnte. Ich war sprachlos, denn mit solchem Zuspruch von seiner Seite hatte ich nicht gerechnet.

„Sirius, das bedeutet mir sehr viel, dass ich vor deinen Augen Gnade finde, für das was ich getan habe. Danke Sirius und bevor du mich unterbrechen willst, mir geht es gut, körperlich wesentlich besser als gestern und seelisch… auch, ich habe mir schon selbst vergeben, da ich nicht wirklich das Bedürfnis hatte schon in einem Sarg zu landen“, ich sah ihn intensiv an. „Ich lebe und ich kann auch mit meinen Taten leben.“

„Das ist gut!“, er grinste mich verschlagen an und zwinkerte mir zu und zog mich noch einmal in eine feste Umarmung. „Dass du so ruhig bleiben kannst ist wirklich gut. Ich muss sagen, ich bin sogar sehr stolz auf dich, dass du dich so gut zu wehren wusstest und konntest, auch wenn du mich echt geschockt hast…“, zwinkerte er schon wieder und zeigte, dass er nichts wirklich zu ernst nahm. Das war der ehemalige Rumtreiber, das zeigte sich in seinem ganzen, lässigen Verhalten, das ihn so charmant machte.

„Danke, dein Zuspruch tut gut. Ach, gestern lief echt doof, Sirius. Ich hatte mir unsere letzte Nacht hier anders vorgestellt… aber ich wollte dir eh einen Vorschlag machen….“, nun grinste auch ich ihn verschlagen an und kreiste mit meinem Zeigefinger verspielt auf seiner nackten Brust, die wie immer unter seinem nicht ganz geschlossenen Hemd hervor blitzte.

„Ich setze wie immer auf deine Verschwiegenheit, Casanova. Ich wollte dich Fragen, ob du Dienstagsabends so ab 21 Uhr Zeit für eine einsame, junge Frau hättest, die für ein paar Stunden zu dir kommen könnte?“, und leckte dabei verführerisch über meine Lippen. Er starrte fasziniert auf meinem Mund. „… wie, aber du… du musst in Hogwarts sein?“, er schien perplex.

Ich lächelte verschmitzt zu ihm auf. „Du als Rumtreiber müsstest doch wissen, dass es den einen oder anderen Weg aus der Schule raus gibt. Und mach dir keine Hoffnung, denn ich würde so oder so am Dienstag abhauen. Ich weiß auch nicht, ob ich schon um neun da sein kann, oder etwas später, ich kann dir nur versprechen ich komme. Nun, wie lautet deine Entscheidung? Ja oder nein, Sirius?“, meinte ich hart, denn ich hatte mir anderes erhofft von meinem Angebot. Nach gestern verspürte ich einen absurden Wunsch das Leben zu spüren.

„Hermione, du müsstest doch spätesten seit gestern wissen wie gefährlich das sein kann. Ich bitte dich, sei vernünftig, tu das nicht“, bettelte er regelrecht und schaute mich aus missbilligenden, grauen Augen an.

Ich lachte kurz nüchtern auf. „Ach Sirius, das wusste ich schon vorher, gestern hat mich nur darin bestärkt noch mehr zu tun… und du weißt so gut wie ich, wie scharf du bist, dass ich zu dir komme!“, sagte ich fast verächtlich, trat nah an ihn heran und griff derbe in seinen Schritt. Ah, ich konnte schon die Meinung dieses Körperteils erkennen. Ja, das war gut, das lenkte mich doch glatt von allen negativen Gedanken ab, denn ich lebte und wollte fühlen, dass ich es tat.

Ergeben schloss er die Augen und legte den Kopf in den Nacken, während ich liebkosend über die ausgeprägte Beule in seiner Hose strich. „Du wirst eh tun was du willst!“, knurrte er verbittert.

„Ich freue mich auf Dienstag“, ging auf die Zehenspitzen und hauchte ihm einen Kuss auf den Mund. „Komm lass uns zu den anderen gehen“, ergriff seine Hand und zog ihn hinunter, wobei er sehr melancholisch wirkte. Sirius und ich standen nun im Flur neben Mrs. Weasley, die versuchte Struktur in das Chaos zu bringen, eine wahrlich undankbare Aufgabe. Mein Koffer stand gepackt neben mir, das hatte ich schon heute in der Früh gemacht, was man von allen anderen nicht behaupten konnte. Da ich dank meiner Verletzung noch nicht wieder so fit war, trotz der Tränke, die ich heute schon zu mir genommen hatte, wollte ich es ruhig angehen lassen und saß deshalb etwas erschöpft auf meinem Koffer mit meinem Becher, mit dem überlebenswichtigen Kaffee, und beobachtete alles kopfschüttelnd. Was für ein wirres Durcheinander. Wir gingen seit nun fünf Jahren nach Hogwarts, aber nein, jedes Jahr dasselbe, sie alle packten erst zum Schluss, nicht am Abend, nein in der Früh, eine Stunde vor Abfahrt.

Ruhig Blut Hermione, nicht daran denken, tief durchatmen, steh da weit drüber. Chaos ist gut, Chaos lenkt ab, dann denkst du nicht zu viel. Das einzig Positive war, dass mich Sirius in meinem Nacken beruhigend kraulte, da uns eh keiner beobachtete in der Hektik. Als dann mal endlich alle versammelt waren und die Twins waren nicht die letzten, diese blickten wenn sie sich unbeobachtet fühlten immer wieder verstohlen zu mir, ahnend, dass etwas passiert war, erhob ich mich vorsichtig. Die Erwachsenen standen in einer Gruppe und wir Schüler standen am Fuße der Treppe und schon erwartete mich mein Verhör, dass ich fast verdrängt hätte, dass es mich erwartete.

„Was sollte das gestern, Hermione?“, schallte es mir aus drei Mündern forsch entgegen. Unter den Blicken hätte ich genau wie unter dem Messer gestern krepieren können. Nur Fred und George warfen mir mitleidige und besorgte Blicke entgegen und waren so nett und beschäftigten sich mit sich selbst. Sie gingen mir nicht auf die Nerven.

„Was sollte was…?“, fragte ich unschuldig. „Ich habe euch doch gesagt, ich hatte einen Termin!“, verteidigte ich mich.

„Warum bist du abgehauen, in solchen Zeiten, spinnst du? Weißt du was alles hätte passieren können…“, plärrte Ron laut. Zum Teufel, ich wusste meist was ich tat und in Gringotts konnte ich keine Anhängsel gebrauchen. Ich hasste es mich rechtfertigen zu müssen. Und Himmel Herrgott noch mal, ich hatte es gestern am eigenen Leib erfahren, was passieren konnte, aber ich lebte!

„Sorry, hab euch gar nicht mehr gehört!“, wehrte ich ab. Ich fühlte regelrecht wie die Kraft aus mir strömte und ich einfach nur noch müde wurde.

„Hermione, wo warst du?“, fragte Harry ruhig. „… den ganzen Tag, zum Essen bist du auch nicht aufgetaucht, wir haben uns Sorgen gemacht und… und dann gehen wir in euer Zimmer und du schläft wie ein Stein“, meinte er ehrlich betroffen und sah mich auffordernd an.

„Ach Harry, ich hatte gestern meinen Abschlusskurs und die haben daraus ein großes Brimborium gemacht, deshalb hat es länger gedauert, als ich kam wollte ich nur noch ins Bett und da bin ich auch reingefallen“, erklärte ich mich, gut dass ich beim Lügen nicht rot wurde.

„Du hast uns gar nicht gehört?“, fragte Ginny ungläubig und sah mich zweifelnd an.

„Nein, ich hab geschlafen wie ein Stein!“, sagte ich ernsthaft, was auch stimmte, nachdem mir Sirius ins Bett geholfen hatte, hatte er mir den Trank gegeben und Schwupps, weg war ich gewesen, wahrlich wie tot.

„Es tut mir leid, aber ich wollte da alleine hin und ihr seht, ist doch nichts passiert“, beschwichtigte ich, denn jetzt log ich gerade wie gedruckt. Das Ausquetschen hier wär noch weiter gegangen, wenn sie nicht so getrödelt hätten, denn nun kam die Gruppe bestehend aus den Weasleys, Mad-Eye Moody, Tonks, Remus und Sirius auf uns zu.

„So, wir werden jetzt aufbrechen, leider müssen wir dieses Mal zu Fuß gehen, da das Ministerium nicht gut auf uns zu sprechen ist und uns dieses Mal keine Fahrzeuge zur Verfügung stellt, aber bis zu Kings Cross ist es nicht weit“, erklärte Mrs. Weasley geschäftig und wirkte sehr aufgeregt und sehr unruhig.

„Passt auf und immer Wachsam!“, erklang Moodys tiefe Stimme aus dem Hintergrund bedeutungsvoll, dabei rotierte sein Auge wie wild in der Höhle. Sirius verwandelte sich plötzlich in einen großen, schwarzen Hund.

„Sirius, was… was tust du, du kannst nicht mit“, stotterte Remus überrumpelt. Sirius fletschte darauf nur die Zähne und knurrte auf.

„Oh, bitte, bitte! So erkennt ihn doch keiner, bitte!“, flehte Harry sofort und bettelte ungeniert. Die anderen warfen sich alle unglückliche Blicke zu und zuckten mit den Schultern.

„Nun gut, bleib aber unauffällig, verstanden Sirius!“, beschied ihm Moody knurrig und erntete nur ein Knurren von dem Hund. Und so machten wir uns alle auf den Weg zum Bahnhof, gar nicht auffällig, wenn ihr mich fragt, aber wir waren immerhin, einmal nachzählen… Moment, sechs Kinder und fünf Erwachsene und ein Hund. Wir kamen eher wie ein Bollwerk daher. Was Dumbledore sich bei so was dachte, fragte ich mich, wohl nicht wirklich viel. Ich hätte es anders gemacht, aber gerade war es mir egal, da ich mich auf den Fußweg konzentrieren musste, der mir erstaunlich schwer fiel und mich außer Atem brachte. Als auf der Höhe würde ich mich nicht wirklich beschreiben.

Wie gut, dass dies wirklich nur den körperlichen Teil betraf, da ich mich geistig auf der Höhe befand und mir Selbstzweifel oder Vorwürfe verbat und sie zu meinem Erstaunen auch wirklich gar nicht empfand! Wir erreichten zu unserem Glück den Bahnhof unbeschadet, ein Wunder, ja ein kleines. Wir schritten zügig durch den Zugang zum Hogwarts Express. Es war immer wieder schön diesen Bahnsteig zu betreten, wie das einläuten zu etwas Besonderem, wenn man den schönen, alten Eisenbahnzug mit der roten Lokomotive sah, überkam einen große Freude auf das was da kam, wie ein großes Abenteuer.

Wie immer herrschten chaotische Zustände auf dem Bahnsteig. Er war total überfüllt mit Schülern, Schrankkoffern, Tieren in ihren Käfigen, aufgeregten Eltern mit den jüngeren Geschwistern. Kurz um, es war eine riesige Kakophonie von Geräuschen, eine unwirkliche Kulisse. Auf der einen Seite war da die Welt der Muggel mit ihrem modernen Gesicht, die wir gerade durch die Mauer hinter uns gelassen hatten und hier dieses nostalgische Aussehen durch die Roben der Zauberer und die alte Dampflock, die nostalgische Waggons zog.

Das Bewusstsein, hier wirklich in eine andere Welt, in der Welt, zu treten war überwältigend und immer wieder ein Erlebnis für mich. Wie immer überkam mich eine Spannung und Aufgeregtheit, wenn ich mir dies so stark vor Augen führte und ich war dankbar ein Teil dieser zwei Welten sein zu dürfen. Ich blickte zu unserer Eskorte. Molly verabschiedete sich gewohnt gefühlsbetont von allen, wenn ich mich beeilte, würde ich dem vielleicht entgehen ohne dass es allzu sehr auffiel, denn ich war mir sicher, eine ihrer knochenbrechenden Umarmungen nicht standhalten zu können. Ich schaute auf den Boden, da ich plötzlich etwas Kaltes an meiner Hand gespürt hatte. Ah ja, Sirius, ich legte ihm meine Hand auf den Kopf und begann ihn hinter seinen Ohren zu kraulen, beugte mich leicht vor und murmelte leise.

„Wir sehen uns diesen Dienstag, mein Lieber!“, als Dank leckte er mir nass über die Hand, sehr nett. Schnell erhob ich mich, nickte in die Runde und ging auf die Lok zu. Ich ließ meinen Blick über die laute Masse schweifen und versuchte mir einen Eindruck zu verschaffen. Während ich mir die fröhlichen, lustigen und unbedarften, unschuldigen Menschen so um mich herum ansah, mit ihren lachenden, freundlichen Gesichtern, überkam mich das Gefühl der absoluten Ausgeschlossenheit und das traf mich unerwartet sehr! Ich gehörte nicht dazu, nicht mehr. Ich fühlte mich isoliert und diese Erkenntnis traf mich so sehr, dass ich ein schmerzhaftes Zusammenzucken nicht unterdrücken konnte.
Ich gehörte nicht mehr dazu!

Das was ich getan hatte, hatte mich eine Grenze übertreten lassen, die nicht umkehrbar war und mich von den anderen trennte, endgültiger als jemals zuvor, wie es mir auf einmal glasklar vor Augen stand, worauf ich fast panisch erkannte, dass ich etwas sehr Wertvolles verloren hatte und es nie wieder bekommen würde. Es gab gute Menschen, die niemals in die Situation kommen werden über Leben und Tod zu entscheiden, das sind die meisten und das war auch gut so. Dann gibt es Menschen, die weder gut noch böse sind, sondern einfach in die Position kamen handeln zu müssen, ob sie wollen oder nicht und dann zu einer Entscheidung gezwungen werden, ob sie aber dann bei denen, die niemals so eine Wahl hatten treffen müssen auf Verständnis stoßen, das steht auf einem anderen Blatt. Und dann gibt es die letzte Kategorie, die sogenannten Bösen, die es einfach taten und die richtig Bösen, die es taten weil es ihnen Vergnügen bereitete. All dies ging mir durch den Kopf während ich wartete und mir vorkam, als wenn ich einer anderen Rasse angehören würde, vergegenwärtigt durch alle diesen fröhlichen und liebenden Menschen.

Ich war schon vor dem Eingang zum Zug, trat auf den Tritt und blickte leicht verloren zurück und Ron und Harry waren mir auf den Fersen, als ich gerade noch das Eintreffen einer platinblonden Familie erkennen konnte, die wie immer einen beeindruckenden Auftritt hinlegte und alle Aufmerksamkeit gekonnt auf sich zog.

Die Malfoys!

Ja, sie würden wohl auch in eine jener Kategorien fallen, die ich gerade aufgeführt hatte, wenngleich auch in die „böse“, während die Weasleys als die „Guten“ zu betiteln wären. Gut, ausgeschlossen von denen, die hinter Harry und Ron her wuselten. Die Twins oder auch Red Devils, drängten dicht hinter uns. „Hey, Fred, George endlich, kommt!“, schallte es ungeduldig aus einem Abteil, in dem Lee Jordan, ihr bester Freund, saß und auf sie wartete.

Ich drehte mich zu ihnen. „Wir sehen uns…“, verabschiedete ich sie. „Bis später, Hermione und stell nichts an und wenn du uns brauchst…“, kam es schelmisch grinsend zurück. Ich nickte dankbar, denn die versteckte Botschaft war angekommen, sie ahnten etwas. So stiegen wir in den Zug und suchten uns ein Abteil. Wir verstauten die Koffer, wobei ich mir verbot auf dem Sitz zusammenzusacken auch wenn ich mir nichts sehnlicher wünschte, da das Pochen in meiner Seite beständig zunahm, aber ich biss die Zähne zusammen.

„Harry, es tut mir leid, aber wir müssen nun ins Vertrauensschülerabteil und werden eingewiesen. Ist es sehr schlimm?“, fragte ich zaghaft, denn ich konnte sehen wie er geschockt schaute, aber versuchte es zu überspielen. Es hatte ihn wirklich getroffen, dass Ron an seiner statt dieses Amt erhalten hatte und er versuchte seine Enttäuschung zu verbergen.

„Nein, nein, geht nur ich mach es mir gemütlich, viel Spaß bei der Arbeit!“, meinte er gespielt fröhlich. Er machte es gar nicht mal schlecht, anscheinend hielt er sich an das was wir besprochen hatten. Ich schenkte ihm ein trauriges Lächeln, wandte mich ab und schon gingen wir durch den chaotischen, lauten und vollen Zug. Wir mussten uns bis zum ersten Waggon vorkämpfen. Das war ein extra Abteil für die Vertrauensschüler und Schulsprecher. Dieses war schon voll, da wären wir, Ron und ich für Gryffindor, aus Hufflepuff Hannah Abbott und Ernie McMillan, aus Ravenclaw Anthony Goldstein und Padma Patil, aus Slytherin Pansy Parkinson und Draco Malfoy aus unserem, dem fünften Jahrgang und natürlich die Vertrauensschüler aus dem sechsten und siebten Jahrgang, sowie die zwei Schulsprecher aus der Siebten. Wir standen gerade als letzte in dem laut schnatternden Abteil, als Ron schon zu Ernie abzischte und begann mit ihm über Quidditch zu fabulieren.

Ich strich in einer unbewussten Geste mit meiner linken Hand über die verbundene Wunde an dieser Seite und verzog dabei leicht schmerzhaft das Gesicht und knabberte unwohl an meiner Unterlippe. Mhmh das ganze Gedrängel und Gegehe war doch anstrengender gewesen als von mir gedacht. Mir tat es doch sehr weh, aber ich versuchte den Schmerz, wie gewohnt, weg zu atmen. Ich stand noch kurz in meinen Gedanken verloren im Raum und sah mich blicklos um, als ich plötzlich ein Kribbeln im Nacken fühlen konnte. Ich blickte rasch über die Schulter und direkt in ein paar hellgraue Augen, die sich in meine zu bohren schienen. Ich sah ohne Scheu zurück, denn Angst hatte ich vor ihm noch nie gehabt, auch als ich jünger war, hatte mich sein verächtlich geäußertes Mudblood nie wirklich verletzt, beleidigt ja, aber mittlerweile stand ich da so was von drüber, dass ich es selbst in den Mund nehmen könnte, ohne dass es mir sonderlich viel bedeuten würde.

So blickte ich ihn starr an, aber ohne Bösartigkeit, einfach offen und abwartend, mich fragend, warum er sich die Zeit nahm mich derart auffällig zu mustern.

Langsam hob sich seine rechte, sanft geschwungene, blonde Augenbraue und auch sein linker Mundwinkel ging leicht fragend nach oben. In diesem stummen Duell, inmitten der anderen Präfekten, imitierte ich seinen Ausdruck, aber nicht höhnisch, sondern einfach genauso fragend wie er. Ich konnte sehen, dass etwas in seinen grauen Augen aufblitzte. Er hatte genau beobachtete, dass ich Schmerzen hatte, das konnte ich erkennen, denn nun legte er seinen blonden Schopf überlegend schief. Verdammt, wer hatte ihm das Beobachten beigebracht?

Halt das kannte ich… die kalkulierende Kopfhaltung... Snape… oh, war ja so was von klar… ich musste vorsichtig sein. Der Mann hatte aber auch überall seine Finger mit im Spiel, stellte ich verärgert fest, bevor ich mich wieder auf Draco Malfoy konzentrierte und ihn mir ebenfalls genau besah. Er hatte sich verändert, äußerlich war er wie Ron gewachsen, aber wo dieser jetzt schlaksig war, hatte Malfoy schon eher das Aussehen eines Mannes entwickelt. Durch das eng geschnittene, schwarze Jackett mit dem schwarzem Hemd war erkennbar, dass er Muskeln entwickelt hatte und auch seine Brust war keine Hühnerbrust mehr. Trainierte er auch, wurde er auch im Kampf unterrichtet?

Ich vermutete mal schon, denn sein Vater würde wollen, dass Draco für alles gerüstet wäre und ich schätzte Mr. Malfoy nicht so ein, dass er vor Tatsachen seine Augen verschloss. Auch er wusste, dies alles würde auf einen Krieg hinauslaufen. Die logische Konsequenz war, dass er seinen Sohn bestmöglich auf die kommenden Gefahren vorbereitete und schulte. Was er anscheinend nach Dracos körperlicher Veränderung zu sagen auch tat.

Aber die auffälligste Veränderung war, erstens, dass sein Haar länger war und er es nicht mehr zurückgelte, sondern offener fallen ließ, was ihn hübscher machte, hoffentlich beherrschte er nicht Legilimentik, dieser Gedanke war zu peinlich. Zweitens sein Ausdruck im Gesicht. Er hatte einen harten Zug um den Mund, etwas bitter vielleicht. Das er zurück war, war auch anscheinend an Draco nicht spurlos vorbeigegangen, hatte ihn schneller reifen lassen als andere. Ich war mir sicher, Draco stand an vorderster Front, aufgrund der Stellung seines Vaters. Aber was richtig intensiv anders war, waren seine Augen, oder eher die Aussage und der Ausdruck in ihnen! Er hatte anscheinend spannende Ferien verbracht und viele neue Dinge erlebt und gesehen. Wenn früher noch ein kindlicher, naiver oder auch einfach unbedarfter Ausdruck in ihnen gewesen war, so war dieser jetzt weg und zu meinem Entsetzen fand ich eine frappierende Ähnlichkeit zu meinem von heute Morgen in ihm! Ich riss bei dieser Erkenntnis die Augen auf. Oh Göttin, hoffentlich bedeutete das nicht, dass auch er schon hatte… töten müssen, nein zuschauen, … ach ich hoffte es für ihn. Wir alle waren für diesen Scheiß zu jung.

Aber meine Nahtoderfahrung und die Erkenntnis, dass alles nicht so sein musste wie es schien, hatten meinen Horizont erweitert. Vielleicht war alles was Draco gemacht hatte aus einem guten Grund geschehen und da ich nun hautnah wusste, wie schnell es vorbei sein konnte, wollte ich jetzt anders handeln als früher. So wie er mich ansah, ja, wollte ich wenn es sich ergab mit ihm reden, ihm eine Chance geben sich zu erklären, darüber würde ich nicht sterben und er auch nicht. Der Krieg war eine Ausnahmesituation, Freunde blieben Freunde, Freunde wurden zu Feinden und Feinde zu Freunden, man musste nur über seinen Schatten springen. Tja, dass ich gut im Springen war, hatte ich schon gezeigt.

So wanderten meine Gedanken.

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beta
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