Da steh ich nun also vor diesem grossen Baum, der Wind er rauscht, es ist wie im Traum.
Die Sonne scheint durch das dichte Geäst, es mich über so manches nachdenken lässt. Und so beginne ich mit dem Baum zu sprechen, wie mit einem alten Freund, erzählt ihm was mich bewegt, seine Präsenz sich liebevoll über mich legt.

Er gibt mir Antwort gar leise und still, ich ihn zuerst nicht hören will. «Du bist wie ich, du hast viel zu geben, merke dir das nur für dein weiteres Leben! Du beginnst die Berufung zu verstehen, weil du anfängst auf dein Herz zu hören. Du bist wie ich, streckst deine Zweige in den Himmel hinauf und der Adler baut sein Nest darauf. » «Nein!» rufe ich «das kann nicht sein, denn ich fühle mich oft gar schwach und klein! Ich kann niemals sein wie du, weil ich einfach nicht finde zur Ruh!» Des Baumes Zweige rauschen und beben «weil du manchmal vergisst zu leben» hör ich fern schallend seine Stimme, ich alles noch nicht recht zusammenbringe. Ein Baum der spricht, das gibt es doch nicht! Ich bilde mir das eh nur ein, anders kann es gar nicht sein! «Du denkst zuviel und lebst zu wenig!» vernehme ich seine Worte tadelnd in meinem Herz, erlaubt sich meine Fantasie hier einen Scherz?

«Nein ich bin nicht wie du, denn meine Wurzeln sind viel zu schwach dazu! » Der Baum mir jedoch sagt «sei doch nicht immer so verzagt! Freu dich an allem was da ist, ein Teil von allem du doch bist. » «Ich weiss nicht so recht… ist es wahrhaft so? » Mein Herz es wird auf einmal froh. «Alles ist Eins, ja das kann ich glauben…» Liebevoll legen auf mich sich des Baumes Augen. «Ja alles ist Eins und nichts getrennt, ich wünsche das sich das in dein Bewusstsein stets drängt, wenn du zweifelst, bist voll mit hinderlichen Gedanken, die errichten in dir so viele Schranken. So viel ist möglich, weil wir alle zu einer Familie gehörn, wir sollten das selbst nicht immer zerstörn!» «Du bist ein Baum, was weisst du von Zerstörung schon, bei der Zerstörung hielt schon stets der Mensch den Thron.» « Auch nur weil die Menschen vergessen, dass sie Teil von allem sind, von der göttlichen Schöpfung ein wahres Kind.»

«Du redest von Gott? Der ist doch so fern in seinen Himmeln verborgen…» «…nein gar unbegründet sind deine Sorgen! Denn was ihr zu Gott ernennt, ist niemals von euch selbst getrennt. Ihr seid mit ihm verbunden, er wird nicht nur in Kirchen, sondern überall gefunden. Hörst du sein Wispern in den Bäumen, hörst du ihn sprechen in deines Herzens Räumen? Er ist Eins mit der Schöpfung und die Schöpfung mit Ihm, die Menschen nur immer solche Grenzen ziehn. Du bist wie ich, weil du das lernst langsam begreifen, deine Äste nach Weisheit und Wissen greifen. Und deine Wurzeln verbunden sind, mit Mutter Erde, als ihr geliebtes Kind. » Erde, Himmel, Bäume Menschen und Tiere allesamt, sie verbindet dasselbe Band. Nichts und niemand ist je allein, weil ihn ihm leuchtet derselbe Schein, wie in allen Lebewesen von Anbeginn der Zeit, begreifst du das, kannst du finden die Seligkeit!»

Ich schau an dem kräftigen Stamm des Baumes empor und ich sehe das Licht, dass nun auch mein inneres Dunkel durchbricht. Mir ist auf einmal als verwandle sich Wind, Erde, Feuer und Wasser zu einem einzigen Chor und… ein Jauchzen steigt dabei aus meinem Herzen empor!      

Kommentare

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    "Du denkst zu viel und lebst zu wenig" bringt es leider sehr gut auf den Punkt, weshalb ich mich umso mehr über das ermutigende Ende gefreut habe. Wie immer toll geschrieben und einer meiner liebsten Texte von dir ;-)

  • Author Portrait

    Sehr ermutigend! Lässt Hoffen...Wie immer schön in Worte gefasst! 5/5

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Feenstaub

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