Ich drehte meinen Kopf ein wenig zur Seite, um besser sehen zu können. Er war mir gefolgt. Gemächlich bewegte ich mich in dem riesigen dunklen Gewächshaus von Baum zu Baum und beobachtete ihn durch die Blätter. Er folgte mir auf der Gegenseite, ohne mich direkt anzusehen. Seine schulterlangen blonden Locken fielen sanft um sein blasses Gesicht, dass wie gemeisselt aussah. Er hätte als Model für Botticelli dienen können, so klar und schön war sein Profil. Die Bewegungen waren kaum wahrnehmbar, wie ein Schatten unter der Sonne. Dann erhob er suchend den Blick. Seine grünen Augen bohrten sich in meine und verursachten augenblicklich einen Hitzestrom, der mir heiss ins Gesicht stieg. Verwirrt senkte ich meinen Kopf und suchte Schutz bei der Glastreppe, die aufs Dach führte. Es war eine Falle, sie war geschlossen aber ich wagte nicht, mich umzudrehen. Ich spürte die Bewegung hinter mir und wurde nervös. Er stellte sich so dicht an mich, dass nicht einmal mehr Luft zwischen uns passte. Ich fühlte seinen ganzen Körper an mir, was mich innerlich erbeben liess. Sein Atem blies warm über meinen Nacken und er streckte seine Arme um mich herum ans Treppengeländer. Leicht zitternd drehte ich mich um und stemmte meine Hände gegen seine Brust, so als wollte ich ihn wegstossen. Er gab nicht nach, stand einfach still und blickte mir starr in die Augen. Er war grösser als ich und ich konnte seine Muskeln unter dem Shirt spüren. Sie schienen sich anzuspannen und sein Herz schien genau wie meines zu rasen. Seine vollen Lippen fingen an, langsam an meinem Hals hinunter zu fahren. Mit der Bewegung knirschte ganz leicht seine schwarze Lederjacke, was mich in Aufruhr versetzte. Es war das einzige Geräusch in dem menschenleeren Raum. Seine Arme umfingen mich und seine Hände suchten ihren Weg durch meine Bluse, um dann tiefer zu gehen. Mein Atem ging immer schneller und ich konnte nicht mehr an mich halten und liess meine Hände ebenfalls über seine Brust auf seine Hüfte wandern. Sein Kopf kam wieder nach oben und seine vollen Lippen trafen sanft aber bestimmt auf meine. Ich wollte ihn nicht mehr wegstossen, ich wollte ihn. Jetzt! Wir drehten uns im spärlichen Licht, küssend und die Wärme des anderen geniessend, durch den Raum. Die Zeit schien endlos und das fahle Licht verwandelte alles in einen Traum. Dabei fielen die Kleider wie in einem Tanz zu Boden. Mitten im Raum, unter der hohen Kuppel, stützte er mit seinem Arm meinen Rücken und liess mich wie eine Balletttänzerin auf den Grund gleiten. Dabei kniete er vor mir, nahm zärtlich meine Hand und küsste sie lange. Seinen Blick wandte er nie von mir ab und folgte so meinem Körper, bis er ihn ganz bedeckte. Sein Gesicht war so nah und sein Körper so warm und pulsierend, dass ich mich ihm erwartungsvoll entgegenstreckte und an ihn presste. Das Licht im Raum wurde diffuser, weil die Sonne draussen langsam hinter den Dächern verschwand. Er griff meine Hände, presste sie auf den Boden und sah mich mit einem tiefen Blick an. Dann konnte ich ihn in mir spüren. Seine Bewegungen waren die einer Katze, so leicht und geschmeidig. Mein Körper fing an zu Glühen und spannte sich der Explosion entgegen.
Die Hitze hatte mich von Kopf bis Fuss erfasst und ich blickt in dieses schöne Gesicht, dass nur für mich da war. Dann schloss er die Augen und glitt ab, in seine eigene Welt. Die Adern unter seiner Haut fingen an, blau anzuschwellen und die Schläfen neu zu formen. Sein Mund öffnete sich und er gab immer lautere Krächzgeräusche, in die vor Spannung geladene Luft ab. Meine Körperspannung liess nach und ich beobachtete ihn. Seine Gesichtshaut wurde rot, was im Gegensatz zu den blauen Adern stand. Seine Laute gingen dem Höhepunkt entgegen und glichen einem kranken Waldkauz. Mein Botticelli war verschwunden. Stattdessen stemme er sich vom Boden ab, als wäre sein Leben in Gefahr. Über mir blieb ein Mann hängen, der Krieg zu führen schien. Verzweifelt versuchte ich, mein Zwerchfell unter Kontrolle zu halten. Aber der Vogel wurde immer lauter, die Adern immer dicker und sein Gesicht schwoll langsam an. Es schien, als hätte er den grössten Kampf seines Lebens. Ich konnte einfach nicht mehr und lachte laut los. In dem Moment sackte mein Traum in mir zusammen und starrte mich entgeistert an. Aber wenn man einmal anfängt, dann lässt sich ein Lachanfall nicht mehr stoppen. Ich prustete hemmungslos weiter, was ihn dann auch prompt in die Flucht trieb. Ich hatte noch nie einen Mann gesehen, der sich so schnell anzog und verschwand. Dies machte er wieder lautlos, geschmeidig und katzenhaft. Er drehte sich nicht einmal mehr um. Ich sah nur noch seine blonden Locken durch die Halle fliegen und weg war er. Seitdem weiss ich, mit Sex ist nicht zu spassen, denn die Angelegenheit scheint todernst zu sein. Überflüssig zu sagen, dass ich meinen Botticelli Engel nie wiedergesehen habe.

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    Ein solches Ende hätte ich nicht erwartet - du verstehst es, Spannung aufzubauen, sie zu halten und die Leserin mit einer völlig unerwarteten Wendung zu überraschen! 5/5

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Feenstaub

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