Der Bund der Gestirne - Morgen

Heute war es soweit. Ein Jahr hatten alle Paare der Stadt oder eigentlich fast des ganzen Landes darauf gewartet. Schon am frühen Morgen begannen die Festivitäten in den einzelnen Familien. Es war Tradition, dass die Paare mit den wichtigsten Personen in ihrem Umfeld den Tag begrüßten, die Sonne ehrten in dem sie gemeinsam aßen und Segenswünsche austauschten. Jeder Zentimeter der Stadt schien bunt geschmückt zu sein, selbst die Bäume bekamen langsam ihr Herbstkleid und wurden praktisch in die Dekoration mit eingebunden. In der Mitte des Ortes waren die Mitglieder der Roten Sonne bereit für die erste große Zeremonie. Ohne ihre rote Rüstung waren sie kaum von den anderen zu unterscheiden. Der einzige Unterschied bestand in Kapuzen die ihre Gesichter verdeckten. Schweigend und mit verzierten Holzstäben bewaffnet warteten sie auf den Beginn. Gemäß der Tradition erwartete man von den Bundsuchenden, zwei Aufgaben zu bestreiten.
Am Morgen wurde der Sonne zum Tribut ein Scheinkampf ausgerichtet an dem einer der Bundsuchenden teilnehmen musste. Am Abend bestand die Aufgabe für den Partner darin ein klassisches, religiöses Musikstück zu interpretieren. Ob dies mit Tanz oder einem Instrument geschah war egal, denn die Hauptsache war es der Kunst und dem Mond zu huldigen. Wer welchen Teil übernahm sorgte oft für hitzige Diskussionen, doch am Ende fand sich eigentlich immer eine Lösung.


Die Dorfbewohner waren bereits in den Farben des Festes gekleidet. Schwarz und weiß. Die Damen waren in Kleidern mit oftmals sehr aufwendiger raffinierter Schnürung und gestickten Symbolen ihrer Religion, die Herren mit schwarzen Beinkleid und hellem Oberteil zu sehen. Meistens wurden weite ausufernde Röcke bevorzugt, die aus verschiedenen dünnen Lagen in schwarz und weiß schimmerten. Selten gab es kurze Varianten, aber in allen steckten viele Stunden Arbeit. Auch die Herren ließen sich nicht lumpen und trugen häufig teure Westen mit mindestens ebenso aufwendigen Arbeiten. Manche Stücke gingen von einer auf die an die nächste Generation über und nicht wenige Mütter weinten vor Glück, wenn sie ihre Töchter dahinschweben sahen. Auch war es üblich, Bänder an der Kleidung anzuknüpfen oder sie in die Haare zu binden.

Im Haus von Killian und Jaroth herrschte indes eisiges Schweigen. Seit dem kurzen Streit am vorigen Abend, hatten sie nur die nötigsten Worte miteinander gewechselt und aßen nun schweigend ein einfaches Frühstück aus Brot, Käse und etwas Obst. Irgendwann erhob sich Jaroth und nahm alle schwarzen seidenen Bänder aus einer Schale, die auf der Kommode stand. Die weißen ließ er vorerst liegen. Wortlos streckte er sie seinem Freund entgegen, der sie ebenso wortlos entgegen nahm. Langsam ohne Hast ging Killian um den Tisch herum, nahm eine Bürste und begann Jaroths weiße lange Haare zu kämmen um sie danach mit geschickten Fingern zu flechten, dabei immer wieder schwarze Bänder einzuarbeiten. Als er fertig war strich er seinem Freund einen Moment durch den Nacken und griff dann nach den weißen Bändern. Diesmal waren es seine Haare die geflochten wurden, zu einem langen seitlichen Zopf durchwoben mit weißen Akzenten. Erst als sie auch damit fertig waren und somit für die Feier bereit, brach Killian sein Schweigen. "Es ist wieder ein Jahr vergangen ohne dass wir etwas erreicht haben... vielleicht hätten wir doch einfach den Bund eingehen sollen und uns niederlassen. Alle im Dorf warten nur darauf." Seine Stimme klang dumpf und resignierend. "Killian willst du mir einen Antrag machen?" Jaroths Stimme klang eher sanft, aber fast etwas belustigt. "Und wenn es so wäre? Für dieses Jahr ist es zu spät du weißt das." "Warum fängst dann damit an? Wir sollten uns heute mit den anderen freuen und einfach feiern. Trinken und uns vergnügen." Killian lies ein schnaufen vernehmen. "Klar mit Malik bestimmt nicht wahr? Hast du endlich geklärt was das Arschloch von dir will?" Jaroth packte ihn wütend bei den Schultern und drehte ihn herum. "Nein habe ich nicht und wenn du nicht langsam die Schnauze hältst, dann gehe ich ohne dich! Immer öfter kriegst du diese Launen, es wird Zeit das wir wieder auf Reisen gehen du benimmst dich wie ein eingesperrtes Tier." "Und was wenn es sie gar nicht mehr gibt, wenn das alles Zeitverschwendung ist?" Killians Augen funkelten herausfordernd. "Es gibt sie noch. Ich spüre das und nun halt die Klappe, zieh die Weste über und lass uns gehen, sonst verpassen wir die Kämpfe." Mit einer schwungvollen Bewegung verließ Jaroth das Haus und Killian folgte ihm mit mürrischen Blick wenige Augenblicke später, die Weste lose über den Arm gelegt.

Auf dem Platz waren bereits die ersten Kämpfe im Gange. Männer wie Frauen traten gegen die verhüllten Mitglieder der Roten Sonne an und bewiesen so, dass sie die Kraft hatten ihren Partner zu beschützen. Natürlich waren sie nicht echt, doch manchmal ging selbst bei den geübtesten ein Schlag daneben, doch meistens war es eher ein Tanz der immer mit einem Schlag gegen die Brust und einer Kapitulation des "Bösen" endete. Malik selbst war ebenfalls mit einer Kutte bekleidet, doch hatte er  eher eine überwachende Funktion. Irgendjemand musste schließlich im Auge behalten, dass sich auch alle an die Regeln hielten und keine unerlaubten und gefährlichen Schläge ausführten. Im Grund war es also langweilig. Bis zu dem Moment als ein Geruch seine Nase kitzelte... Lilien. Hektisch sah er sich um und konnte die Gestalt sofort ein Stück hinter sich ausmachen. Dann war sie wieder verschwunden, fast als hätte er es sich eingebildet. Wütend sah sich der Hauptmann der Roten Sonne um, er konnte nicht weg von hier um sie zu verfolgen. "Keona", zischte er leise, "was willst du hier?" Ein leises Kichern, ihr typisches Kichern erklang hinter seinem Rücken. "Ich hoffe, du hast den Zweig dabei." "Wie meinst du das?" immer noch flüsterte er. "So wie ich es sage. Es könnte sein, dass du vielleicht bald deinem Herrchen ein neues Spielzeug bringen kannst." Malik vergaß jede Zurückhaltung und drehte sich um, doch Keona war in der Menge untergetaucht. Das laute Fluchten hörten diesmal fast alle um ihn herum und er erntete mehrere böse Blicke. "Dieses Weibsbild treibt mich in den Wahnsinn." 
Vom Kampfplatz brandete wieder Applaus auf und verkündete einen erneuten Sieg über das Böse. Bald würden alle ihren Mut bewiesen haben und er konnte endlich hier weg, bis zum frühen Abend wenn auf zahlreichen Bühnen der Mond besungen wurde. Zeit genug sich unter die Leute zu mischen und herauszufinden, wieviel Wahrheit in den Worten der Halbelfe steckte.


              

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