Der erste Abend

Der erste Abend

Zum Glück kam es die nächsten Stunden zu keiner weiteren Störung durch irgendwen. Ich war begeistert, denn die Bücher waren unglaublich. Ich hatte viele neue Ansätze für neue Zauber gefunden, dafür waren alte Runen und Arithmantik Grundvoraussetzung und unabdingbar, um neue Zauber kreieren zu können, daher auch eine absolute Spezialität von mir. Über die vergangenen Jahre hatte ich auch ein großes Wissen über schwarze Runen und dunkle Arithmantik erlangt. Noch einmal herzlichen Dank an die verbotene Abteilung.

Aber ich musste sagen, mit diesen Büchern hier eröffneten sich mir ganz andere Perspektiven. Ich stand auf und ging zu dem filigranen Sekretär am anderen Ende des Zimmers und zog ein Pergament hervor, um auf ihm einen Plan zu erstellen, wie ich die black'sche Bibliothek am schnellsten und systematischsten durchkämmen konnte, in der mir doch sehr begrenzten Zeit. Sie war relativ gut gepflegt, nur etwas verstaubt und dreckig. Als ich meinen Plan ausgearbeitete hatte, schaute ich auf den Tempus, der mir sagte, dass ich noch fast eine Stunde Zeit zum Lesen hatte, also begab ich mich wieder zu meinem Sessel und machte es mir bequem. Ich kam in dem Buch gut voran, aber jetzt musste ich leider bedauernd abbrechen.

Das Wegräumen der Bücher war Pflicht, man stelle sich vor Molly Weasley würde über eines der Bücher stolpern, die würde wieder einen ihrer Schreianfälle bekommen, und ich Kopfschmerzen. Das Zimmer war leer, der Göttin sei Dank, keine Ginny, kein Ron und so zog ich mir schnell meine Laufkleidung an und band meine Haare hoch, da ja heute Sonntag war, hatte ich leider kein Kampftraining, dafür joggte ich auch abends eine Stunde, als Ersatz.

Ich schlich auf leisen Sohlen die Treppen hinunter und den dunklen Flur entlang, wie immer umsichtig und leise, öffnete vorsichtig die Haustüre und trat schon über die Schwelle. Die mich aus der Dunkelheit aufmerksam beobachtenden Augen bemerkte ich nicht. Routiniert drehte ich meine Runden und genoss es, dass die Hitze des Tages langsam aber stetig abnahm. Meine Gedanken kreisten um die kommenden Tage und Wochen, das würde nicht einfach werden. Die Weasleys auf Abstand zu halten würde eine große Aufgabe sein. Die waren aber auch zu neugierig, schade, dass Harry nicht da war, er schaffte es immer Rons und Ginnys Aufmerksamkeit zu fesseln. Aber an sich konnte ich es nicht bereuen im Blackhaus gelandet zu sein, denn diese Bücher wogen alle negativen Aspekte wieder auf. So eine große Auswahl schwer zugänglicher Bücher war einfach zu unglaublich, um es in Worte fassen zu können, da nahm ich jede Widrigkeit in Kauf. Kein Wesen egal ob magisch, menschlich oder was auch immer, würde es schaffen mich davon abzuhalten mir dieses Wissen anzueignen.

Der Schweiß lief mir in Strömen hinunter, als ich mich zum Eingang begab, um das Haus zu betreten, aber ich fühlte mich gut. Zwar nicht annähernd so ausgepowert, wie ich es mittlerweile dank meines Senseis gewöhnt war, aber gut genug, um meinen Körper zu spüren. Ich bemühte mich, die Haustür so leise wie irgend möglich zu öffnen und verharrte noch eine Minute im Flur, um zu lauschen. Ich wusste, höchstwahrscheinlich würde ich meine Lauftätigkeit am Morgen auf lange Zeit nicht verheimlichen können, nur mich zu rechtfertigen ging mir echt gegen den Strich.

Das heimliche ins Zimmer schleichen, betrachtete ich jetzt einfach mal als Spaßübung. Nur durch stetige Übung konnte ich es zu wahrer Meisterschaft bringen.

Ich konnte keine Geräusche vernehmen, also setzte ich mich in Bewegung und stieg zügig die Treppen nach oben, schnell schnappte ich mir meine Waschsachen, sowie ein Sommerkleid aus einem dünnen, leichten Stoff mit luftigen langen Ärmeln. Es musste ja niemand die blauen Flecken sehen, die meine Arme zierten, denn selbst Magie half nicht gegen die gelb und bläulich verfärbten Flecken auf meiner Haut. Im Bad hüpfte ich schnell unter die Dusche, genoss das lauwarme Wasser, das meinen Körper hinab lief und meine Lebensgeister wieder weckte. Schnell schrubbte ich mich trocken, zog das Kleid über und fasste meine noch leicht handtuchnassen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen.

Ich stürmte schon aus dem Raum, um noch rechtzeitig zum Abendessen zu erscheinen, denn jetzt hatte ich wirklich Hunger, aber immer noch, trotz aller Eile, achtete ich darauf mich leise zu bewegen und riss die Tür zur Küche auf. Ok, das hatte ich nicht erwartet, so viele Leute. Ich blieb verdattert stehen. Sirius saß im hinteren Teil, am Kopfende. Alle Weasleys hatten auf der anderen Seite Platz genommen, also Arthur, Molly, Ron und Ginny, die Twins, dann ein unrasierter, gedrungener Mann neben einer jungen Frau mit lilafarbenen Haaren. An ihrer Seite saß Remus Lupin und sah aus wie immer, Mad-Eye Moody hatte ihm gegenüber Platz genommen und noch eine Frau, die ich nicht kannte. In der Nähe von Sirius, am dunklen Ende des Raums, saß Professor Snape, was mich dann doch sehr erstaunte, denn diese beiden schienen ein bisschen Abstand zu der lauten Kakophonie der versammelten Masse zu suchen und das konnte ihnen bei der Göttin niemand verdenken.

Alle hatten aufgeschaut, als ich so abrupt eingetreten war und nun setzte ich mich geschwind in Bewegung, um so nah wie möglich zu Sirius und dem Professor zu kommen. Zu Sirius rechter Hand, war noch Platz, somit würde ich neben Lupin sitzen, gegenüber von Snape, bevor die Weasleys Besitzansprüche auf mich erheben konnten.

Als ich schon saß, rief Ron: „Aber Hermione, wir hätten dir doch Platz gemacht“, und fuchtelte aufgeregt mit seinen Hände in der Luft rum.

Ich verdrehte für Ron nicht sichtbar meine Augen. „Das ist lieb von dir Ron, aber lass mal, ist nicht schlimm“, sagte ich gespielt locker. Neben mir kicherte Sirius, der das Ganze mit Argusaugen verfolgt hatte, amüsiert. Ich warf ihm einen giftigen Blick zu. Was bildete er sich ein zu wissen? Er mochte vielleicht beobachten, aber er wusste nicht mal die Hälfte, doch ich glaube er hatte mitbekommen, dass ich bei ihrer Männerrunde Zuflucht gesucht hatte, was er augenscheinlich irre lustig fand. Mir war nicht nach lustig, denn ich musste so viel bedenken und überdenken, da konnte ich mir das Getratsche echt schenken.

Mit Sicherheit fragte sich schon der eine oder andere wieso ich meine Neugierde so gut unterdrücken konnte und noch nichts über Gott und die Welt gefragt hatte. Nur was sollte ich fragen, die sogenannten Erwachsenen würden nicht antworten und Ron und Ginny würden auf meine Fragen auch keine Antworten haben, im höchsten Fall nur Vermutungen. Und wofür hatte ich Ritas Buch, in ihm standen viele Informationen, über den Orden, den ersten Krieg. Ich wusste jetzt schon mehr als die beiden Weasleys, die in der nächsten Zeit an keine relevanten Informationen würden rankommen können. Ich hoffte immer noch, dass die Infos Dumbledore betreffend nicht so zutrafen, aber ich hatte Zweifel. Also nahm ich meinen Teller und gab mir eine Portion Braten auf und versuchte so gut es ging unterzutauchen, nur nicht aufzufallen und Fragen auf sich ziehen war die Devise.

Unterdessen riskierte ich einen vorsichtigen Blick in die laute Runde, dabei sah ich mindestens drei Augenpaare, die mich interessiert und neugierig musterten. Was die wohl dachten? Selbst Snape sah mich mit erhobener Braue aufmerksam an, da wandte ich rasch meinen Blick meinem erstaunlich interessanten Teller zu.
Hermiones Sicht ende

Snapes Sicht
Miss Granger flüchtete vor den Wieseln? Interessant. Anscheinend sagen ihr Menschenansammlungen nicht mehr zu, dachte ich hämisch. Bisher hatte sie nie etwas dagegen gehabt andere an ihrer absolut lästigen Klugheit teilhaben zu lassen. Ein absolut entgeisterter Gesichtsausdruck war über ihr Gesicht geglitten als sie in die Küche gekommen war. Ihr sofortiges stehenbleiben und auf dem Absatz abdrehen, um in die ruhige Ecke von mir, Black und Lupin zu entkommen, war zu amüsant gewesen.

Ein Gedanke beschäftige mich schon während ich sie versteckt unter gesenkten Lidern beobachtete. Warum flüchtete sie vor einem ihrer besten Freunde? Denn dass dies eine Flucht gewesen war, stand für mich außer Frage. Was hatte sich verändert? Ich war ein guter Beobachter, das musste ich aufgrund meiner Tätigkeit schon alleine sein, so dass mir solche Dinge nicht wirklich verborgen blieben. Ganz eindeutig, sie hatte sich verändert.

Ganz enorm sogar, wenn ich es recht betrachtete. Und das nicht nur äußerlich, auch wenn ich zu meinem Leidwesen nicht den Daumen darauf legen konnte, wie. Ein taxierender Blick zu den Weasley-Abkömmlingen, nein, diese hatten sich beileibe nicht gewandelt! Kindisch und verblödet wie eh und je! Also lag mein interessiertes Augenmerk wieder auf ihr, dem „Kopf“ des „goldigen Trios“, das mit seiner dramatischen Art, sich immerwährend in die Nesseln zu setzten, mich seit Jahren in Atem hielt. Gerade in so derart lauschigen Zeiten, wie diesen, ging meine Gehässigkeit mit mir durch und ich verzog die Mundwinkel missmutig.

Ich nahm mir vor, diese ungewohnte Distanz weiter zu beobachten. Es konnte für mich noch unterhaltsam werden. Hier, neben Black und Lupin, fühlte ich mich nicht wirklich wohl, schließlich erinnerte mich ihre enervierende Anwesenheit daran, dass sie mir in meiner Jugend gefährlich auf meine zarten Nerven gegangen waren, aber wenigstens wussten sie zu schweigen, was ein Vorteil zu diesem schnatternden Hühnerhaufen war. Ich unterdrückte ein genervtes Seufzen, warum mir von Dumbleore befohlen worden war jetzt schon hier zu erscheinen hatte sich mir noch nicht erschlossen, vor allem da er es bevorzugte selbst nicht anwesend zu sein und mit Abwesenheit zu glänzen. Ich hatte ja sonst nichts zu tun, trieften meine Gedanken vor Sarkasmus!
Snapes Sicht Ende

Hermiones Sicht
Oh Mann, hatte ich mich innerhalb der letzten eineinhalb Monate so verändert, dass ich mit diesem lärmenden, lachenden Haufen nichts mehr anzufangen wusste? Gut, schon vorher hatte ich in den letzten Jahren nur so getan als wäre das, das non plus ultra, aber seit heute fiel es mir doppelt und dreifach schwer die Fassade aufrecht zu erhalten. Wie würde das in Hogwarts werden? Nicken und lächeln, nicken und lächeln du schaffst das, eine hervorragende Übung in der Täuschung.

Seit Cedrics Tod war mir nicht wirklich nach lachen. Ich würde seine so liebe, zuvorkommende Art vermissen. Gut, dieses Jahr wäre er eh nicht nach Hogwarts zurückgekehrt, aber zu wissen, dass er für immer von der Bildfläche verschwunden war, hatte so etwas Endgültiges, es war deprimierend. Also nun lächle wie die anderen, sprach ich mir Mut zu.

„Hermione,… Hermione,… hallo… hallo!“ Ich schreckte aus meinen Gedanken und blickte irritiert durch die Gegend.

„Uh, entschuldige, Sirius. Bitte was?“, brachte ich höflich hervor, dabei wandte ich ihm mein Gesicht zu.

„Ich habe dich gefragt, wie es dir in meinem bescheidenen Heim gefällt!“, meinte er sarkastisch und machte eine abfällige Handgeste in die Umgebung. Darauf antwortete ich so leise wie ich konnte, ich wollte Sirius nicht belügen, aber die anderen mussten meine Antwort nicht hören.

„Es wird dir nicht gefallen, aber das gar vornehme und edle black‘sche Haus hat etwas.“ Ich schaute ihn intensiv an. „Vor allem deine Bibliothek ist, ich weiß gar nicht wie ich es beschreiben soll, Sirius. Die ist der Hammer!“, erklärte ich ihm enthusiastisch, aber auch verschwörerisch, da diese Aussage bei so einigen hier Anwesenden gar nicht gut ankommen würde. Snape lauschte uns aufmerksam, wie ich seiner Haltung entnehmen konnte, obwohl er den Kopf gesenkt hielt und ihm seine pechschwarzen, kinnlangen Haare ins Gesicht fielen und er keine Regung zeigte, glaubte ich doch, dass er sehr interessiert war an dem, was Sirius und ich sprachen.

„Ich habe schon mit einer solchen Antwort von dir gerechnet. Du wirkst sehr begeistert, nur sag mir eines Minchen, was ist der Grund weshalb du vor Ron flüchtest?“, wisperte Sirius konspirativ zu mir. Jetzt drehte sich Lupin zu mir, der uns anscheinend mit einem Ohr gelauscht hatte, sich aber bis jetzt mit der Frau mit den lilafarbenen Haaren an seiner anderen Seite unterhalten hatte.

„Das würde mich auch interessieren“, verkündete er da auch schon und sah mich fordernd an, dabei fielen ihm seine hellbraunen Haare, mit den ergrauten Strähnen an den Seiten, tief in sein vernarbtes und von Erschöpfung gezeichnetes Gesicht mit dem Schnauz- und dem Dreitagebart. Wann war das letzte Mal Vollmond gewesen? Ich warf einen wenig erfreuten Blick in die zu neugierige Herrenrunde, aus der mich Snapes Augen spöttisch anfunkelten, obwohl er bis jetzt als einziger wohlgemerkt keinen Ton von sich gegeben hatte. Meiner Ansicht nach versuchtet er Schatten zu spielen, in seiner ganz und gar schwarzen Erscheinung. Kompliment an ihn, das konnte er, wenn er sich so zurück hielt, konnte man glatt vergessen, dass er da war.

„Was wollt ihr hören?“, fragte ich leise. „Ron kann sehr,… ach ich weiß nicht, ihr wollt die Wahrheit, oder? Sonst werdet ihr keine Ruhe geben, oder?“, fragte ich resigniert, während ich Sirius‘ ungeduldig auf den Tisch klopfenden Finger verfolgen konnte und jetzt sah, wie sich die beiden Rumtreiber bestimmt und einig zunickten.

Ich stöhnte. „Er nervt! Er ist blind und er ist ein Kind! Ok?“, zischte ich böse, wenngleich auch leise. Jetzt hatte ich es gesagt und offen bekannt, was mich störte. Die Reaktionen waren unterschiedlich. Lupin schaute entsetzt, Sirius spöttisch und der werte Herr Professor hatte wie immer eine undurchdringliche Maske auf, aber ich glaubte es kurz in seinen Augen aufblitzen zu sehen. Mit Sicherheit dachte er sich seinen Teil.

„Hermione“, tönte es strafend von Lupin. Black kicherte affektiert. Und ich war gerade nicht wirklich gut auf ihn zu sprechen.

„Was denn? Ihr wolltet doch die Wahrheit. Fragt halt nicht so neugierig nach, wenn ihr nicht damit leben könnt, dass euch die Antwort womöglich nicht gefällt“, zischte ich patzig und war bereit zu denken, dass diese Männer ebenso unreif waren wie Ron.

„Miss Granger, was für Töne, so kennen wir Sie gar nicht! Auch so schweigsam und nun so kurz angebunden und noch solche Aussagen!“, ließ sich nun die langsame, spöttische und hämische Stimme von Snape vernehmen. Jetzt kam der auch noch daher. Geduld, Geduld, das war das Motto. Ich legte mit betonter Geduld mein Besteck ab.

„Professor! Hab Sie noch gar nicht wahrgenommen! Wie schön Sie zu sehen!“, verkündete ich ihm mit sehr viel Ironie in der Stimme. Sirius war kurz davor vor unterdrücktem Lachen von seinem Stuhl zu fallen. Ich sah böse zu ihm und Snape tat es mir gleich, aber der Gute ließ sich nicht beeindrucken und biss sich amüsiert auf die Lippe.

„Ron ist so unreif. Wir haben uns in der Bibliothek gestritten und es ist so laut, hier geht’s zu wie auf dem Bahnhof. Ich hab die Stille schon immer gemocht!“, sprach ich zu den dreien erklärend, da ich erkannte, ohne Rechtfertigung ließe mich der stets um Harmonie bemühte, ehemalige Professor nicht gehen.

„Aber Hermione, das ist doch kein Grund so… so, ach ich weiß nicht, so ablehnend zu klingen“, ließ sich Lupin da auch schon entrüstet vernehmen und schüttelte missbilligend das Haupt.

„Ich habe die Wahrheit gesagt, die Sie hören wollten und ich wäre Ihnen sehr verbunden nicht so zu brüllen. Ich kann Ihnen versichern, mein Gehör funktioniert ausgezeichnet, Professor Lupin. Sie müssen die anderen ja nicht darauf stoßen. Ich fühle mich halt gerade minimal gestört, wird sich im Laufe der Zeit schon wieder geben“, wies ich ihn in bestimmtem Ton zurecht und zeigte mich kratzbürstig, also, das war mein Resümee, die Wahrheit sollte ich besser nicht mehr zu oft von mir geben, wenn es der geartete, unnötige Diskussionen nach sich ziehen sollte.

„Ich,… natürlich, entschuldige, ich wollte dir nicht zu nahe treten,… aber was hält du davon, wenn du mich Remus nennst, denn ich bin ja nicht länger euer Lehrer!“, bot er mir nach meinem Ausbruch reumütig an und dabei erinnerte er mit dem Augenaufschlag erschreckend an einen unschuldigen Hund. Da versuchte wohl jemand abzulenken, das machte er gut, kannte sich mit Frauen aus, die gerade schlechter Stimmung waren.

„Gerne, Remus, danke“, sagte ich schon sanfter, versöhnlicher und schenkte im ein nettes Lächeln.
Ein abfälliges „Mmmpfffff“, war von Snape zu vernehmen, der dies alles mit aufmerksamen Augen verfolgt hatte. Remus wandte sich nun wieder nach links, da die junge Frau seine Aufmerksamkeit forderte, die nach dem Rüffel von mir ihm gerade recht kam, wie mir schien.

„Hermione, Hermione… du bist seitdem ich dich das letzte Mal gesehen habe wahrhaftig erwachsen geworden, nicht dass du seitdem ich dich kenne nicht schon mehr als reif für dein Alter warst, aber nun…! Erstaunlich wie die Zeit vergeht!“, verkündete Sirius träumerisch und sah mir sinnierend tief in die Augen. Dieser Casanova. Aufmerksam sah Snape ihn mit fragend erhobener Augenbraue und gerunzelter Stirn an.

„Flirtest du mit mir, Sirius?“, fragte ich ihn intensiv betrachtend, was er stoisch und wenig scheu erwiderte. Snape schnaubte schon wieder abfällig, als er meine Frage vernahm.
„Aber wo denkst du hin, Kleines? Ich doch nicht…“, sagte er verspielt, aber seine Augen leuchteten erwartungsfroh und warf sein gewelltes Haar zurück.

„Sicher, na wenn du meinst…“, ließ ich es fragend stehen. „….schon jemanden zum Spielen gefunden, ist doch ganz schön Langweilig hier oder, ach nein, ich vergaß, Ginny und Molly werden dich ganz schön auf Trab halten, oder?“, ich glaube ich klang leicht boshaft, als ich ihm seine begrenzten Lebensumstände aufzeigte.

Er knurrte leicht. „Ich glaube nicht, dass dir der Spieleinsatz gefallen würde“, sagte er provozierend in seiner ganz eigenen Art, als er mir einen inbrünstigen und mehr als zweideutigen Blick schenkte und dies alles unter den Augen meines gemeinhin gefürchteten Professors, aber das störte augenblicklich weder Sirius noch mich.

Ich kicherte verschmitzt. „Bist du dir da so sicher, du böser, böser Hund… pfui an was du nur denkst“, sagte ich kokett und genoss es, dass Sirius sich auf das Spiel einließ, denn sagen wir es so, der Einsatz konnte mich nicht schrecken. Ein leichter Unglaube war von Professor Snapes Gesicht abzulesen. Seine sonst so perfekte Gleichgültigkeit bröselte etwas, während er diesen flirtenden Schlagabtausch verfolgte. Oh ja Professor, vor ihnen flirteten gerade zwei Menschen, einmal ich, ihre Schülerin und auf der anderen Seite ihr gehasster, ehemaliger Mitschüler, flüchtiger Strafgefangener und noch dazu in ihrem Alter. Würde es sie alle schockieren, dass ich Männer reiferen Alters attraktiver und für mich ansprechender fand als gleichaltrige, die mir in keiner Beziehung das Wasser reichen konnten? Nun ja, bis auf vielleicht einen, aber nein, nicht jetzt, später mehr.

„Vielleicht hab ich schon gespielt, vielleicht bin ich gut im Spiele spielen, vielleicht, vielleicht. Man weiß es nie, nicht war, Sirius?“, sprach ich kryptisch und dabei sah ich ihm offen lachend ins geschockte, aber auch langsam verstehende Antlitz. Bei diesen Worten ruckten sowohl der Kopf von Sirius als auch der von Snape in die Höhe und sie sahen sich beide mit großen Augen an. Sirius ließ viele Regungen über sein ausdrucksstarkes Gesicht laufen. Es war leicht zu lesen, was die Information, dass ich nicht halb so brav war, wie er gedacht hatte, bei ihm auslöste. Aber wie heißt es so schön, gerade die stillen Wasser waren sehr, sehr tief.

Anders verhielt es sich mit Snape. Er ließ wenig blicken. Nur ganz kurz blitzte Unglaube und leises Entsetzen in seinen Augen, aufgrund des gerade Gehörten, auf. Sonst war nichts in ihm zu lesen. Was hätte ich dafür gegeben Legilimentik zu beherrschen und es jetzt auch benutzen zu können. Was die beiden wohl gerade dachten? Ich würde mein ganzes Geld darauf verwetten, dass ihre Gedanken in diesem Moment nicht jugendfrei waren. Und damit der gute Professor gar nicht erst auf dumme Gedanken kam und versuchen würde bei mir Legilimentik anzuwenden, versuchte ich ihm nie direkt in die Augen zu sehen und baute die stärksten Mauern um meinen Geist, so gut es ging und hoffte sie würden halten, sollte er es doch versuchen. Man wusste ja nie. Und ich war gerne auf alle Eventualitäten vorbereitet.

Ich richtete mich entschlossen auf und erhob meine Stimme, was die beiden Herren aus ihren abgedrifteten Gedanken aufschrecken ließ. „Mrs. Weasley, ich hätte eine Bitte! Die richtet sich auch an dich!“, sah ich zu Sirius. Der Geräuschpegel ging merklich zurück, als ich so durch die Küche rief, da Molly nun mal am anderen Ende des Tisches saß.

Sie nickte mir zu. „Ich wollte euch fragen, ob ich die Bibliothek aufräumen und wieder herrichten kann, da mich das wirklich mehr interessieren würde als nur zu putzen und allein könnte ich das bis zum Ende der Ferien schaffen“, formulierte ich meinen Wunsch. Ich konnte schon an ihrem

Gesichtsausdruck erkennen, dass ihr diese Bitte nicht gefiel, aber bevor sie ihr durchdringendes Organ erheben konnte, begann Sirius:

„Aber natürlich Hermione, ich könnte mir niemand besseren für diese Aufgabe vorstellen, wenn ich mir das so durch den Kopf gehen lasse, muss ich dich sogar darum bitten es zu tun und in der Bibliothek sind schließlich keine schwarzmagischen Artefakte!“, sprang er mir rasant zu Hilfe, etwas was ihm ein kleines Lächeln von mir einbrachte.

„Aber Sirius, das ist doch viel zu gefährlich, gerade deine Bibliothek, dort wimmelt es doch nur so von schwarzmagischen Büchern“, zeterte das Weasley-Oberhaupt auch schon los.

„Aber Molly, hab doch ein bisschen Vertrauen in Hermione“, sagte Sirius und schüttelte traurig den Kopf, so als würde er es nicht verstehen, dass man mir nicht trauen könnte.

„Mrs. Weasley, dessen bin ich mir doch bewusst. Ich werde sie schon nicht lesen, aber gut behandeln. Ich kann das, machen Sie sich bitte kein Sorgen!“, bot ich an und log dabei wie gedruckt und ein sehr vertrauensseliger Ausdruck zierte dabei meine Züge. Ich sah sie bettelnd an, mein Gesicht erhoben sah ich sie direkt an, machte große Augen, legte meine Hand auf mein Herz. „Bitte Mrs. Weasley, ich verspreche, ich schwöre Ihnen, Sie können mir vertrauen, bitte!“, bettelte ich mit überzeugender Stimme und blinzelte sie treuherzig an und schon wieder konnte ich das leise, abfällige Schnauben von Snape vernehmen, etwas was mich die Zähne etwas fester zusammenbeißen ließ.

Ein Schwung mit meinem Zauberstab und das Zimmer plus Bücher wären blitzeblank sauber und lesen würde ich mit Sicherheit und zwar jedes schwarzmagische, mir unbekannte Buch in dieser Bibliothek. Ich gab währenddessen das Bild eines Unschuldsengels, wie er im Buche stand. Mein Schauspiel war wirklich gelungen. Ich glaubte zu merken wie schockiert Snape und Sirius waren, auch wenn sie alles taten, dass man ihnen dies nicht ansah, über das Theater was ich ihnen hier bot. Dass dies ein Schauspiel war, war ihnen aufgrund unserer vorhergehenden Diskussion sehr bewusst.

„Aber Liebes, ich weiß doch, dass wir dir vertrauen können! Ich mache mir doch nur Sorgen, vielleicht sollte du nicht alleine…“, weiter kam sie nicht, da ich ihr ins Wort fiel. „Oh ja, was für eine gute Idee. Ron, ich habe da eine ganz bestimmte Vorgehensweise, an die man sich unbedingt halten muss, damit die Bücher vor jeglichen Umwelteinflüssen geschützt werden können, auf Muggelart natürlich, langwierig aber unglaublich effektiv, eine sehr spannende…“, und schon wurde ich durch einen von mir eiskalt kalkulierten Aufschrei unterbrochen. Die Twins, die das Schauspiel auch interessiert beobachteten, schließlich hatten sie mich schon lesend angetroffen, schmissen sich beinahe weg und zwinkerten mir immer wieder zu.

„Mum, bitte nicht, das kannst du mir nicht antun. Ich meine, ich mag Hermione und ich helfe ihr echt gerne, bei… bei… vielem, aber bitte nicht dabei und außerdem sind Ferien, da muss ich nicht wirklich mit Büchern in einem Zimmer sein, Mum echt!“, quengelte Ron auf seine Mutter ein und trug dabei einen fast panischen Gesichtsausdruck zur Schau.

Augenblicklich tat ich mich echt schwer ein unschuldiges Gesicht zu machen und nicht lauthals zu lachen. Ich biss mir in meine Wange, denn es war immer etwas Schönes, wenn Menschen so berechenbar waren. Wäre ich Molly mit einer ablehnenden Antwort gekommen, hätte ich es schwer gehabt Ron oder Ginny loszuwerden, aber so. Ein Geniestreich. Meine Ruhe würde mir Ron beschaffen, indem er seine Mutter bearbeitete von den Büchern Abstand halten zu können und Ginny würde in die gleiche Kerbe hauen. Es war zu lustig dem Schauspiel zuzuschauen. Ich spürte Blicke auf mir ruhen und nahm den Blick von den Weasleys und sah zu Snape und Sirius. Beide hatten je eine Augenbraue erhoben und beobachteten mich fragend. Sie konnten meine Intentionen nicht so ganz einschätzen, glaube ich, aber ich hob leicht meine Mundwinkel und lächelte ihnen versteckt zu.

„Ok, ok, Ron. Ist ja gut und du auch, Ginny, ihr müsst ja nicht, wenn ihr nicht wollt, auch wenn ich nicht gut finde wie ihr Hermione alleine lasst“, sagte Molly streng zu ihren aufatmenden Kindern.

„Ach lassen Sie mal, ich kenne ja Ron und Ginny und weiß, dass sie es nicht so meinen und ich nehm es ihnen nicht übel, wirklich nicht Leute, aber ihr versteht, dass ich das tun muss, denn solch eine Chance bekommt man nicht alle Tage“, sagte ich zu den erleichtert aussehenden Geschwistern. Dank der anstrengenden Runde mit Molly waren sie sehr rot im Gesicht, was sich unglaublich mit ihrem roten Haupthaar biss. Sie schienen völlig aus der Puste zu sein.

„Ist das jetzt knapp ausgegangen, oder war das so geplant?“, flüsterte Sirius leise zu mir.

„Soll ich darauf jetzt wieder ehrlich antworten oder lieber gar nicht“, fragte ich spielend und sah auch Snapes verhaltenen Blick, der dies alles aufmerksam verfolgte.

„Die Wahrheit“, stellte Sirius bestimmt fest.

„Nun gut, weil du es bist. Das war so geplant, Molly, Ron und Ginny sind in ihrem Verhalten leicht vorherzusagen und ich will meine Ruhe, da kann ich die beiden nicht gebrauchen, hätte ich aber gezetert hätte Molly auf stur gemacht, ein kalkuliertes Risiko und ich hab meinen Willen bekommen, Ron und Ginny auch und Molly hat auch kein schlechtes Gewissen, alle sind zufrieden, passt doch, oder? Oh und danke für deine Unterstützung, das war wirklich lieb von dir!“, meinte ich dankbar zu ihm und tätschelte seinen Arm, der auf dem Tisch lag.

„Heute sind Sie wirklich erstaunlich, Miss Granger. Sicher, dass nicht ich Ihr Hauslehrer sein sollte, so wie Sie sich uns heute präsentieren, könnten viele meiner Slytherins noch etwas bei Ihnen lernen. Ich bin sehr verwundert!“, ließ Snape monoton verlauten. Ich legte meinen Kopf schief und blicke ihn flüchtig an, ging aber nicht darauf ein, da ich als Muggelgebürtige niemals eine Slytherin hätte werden können.

„Ich hoffe auf ihre Verschwiegenheit, meine Herren!“, ließ ich trocken verlauten, als ich mich erhob. „Ihnen einen schönen Abend noch und viel Vergnügen bei ihrer geheimen Sitzung“, zwinkerte ich ihnen süffisant zu.

„Warte Hermione, wir kommen mit“, und schon waren mir Ron und Ginny auf den Fersen.
Im ersten Stock bremste ich und schritt Richtung Bibliothek. „Hey, was hast du vor? Komm, lass uns in unser Zimmer gehen!“, kam es perplex von Ginny.

„Ich komm gleich nach, ach Ron, darf ich mir Pig ausleihen? Ich hätte Post zu verschicken“, versprach und bat ich in einem Satz.

„Ähm, ja klar, aber warum kommst du nicht gleich mit, wir könnten ‚Snape explodiert‘ spielen“, schlug Ron irritiert vor.

„Danke Ron und morgen vielleicht. Ich muss noch den Brief schreiben, sorry, aber ich komme bald“, und schlüpfte schon durch die Tür. Puh, die konnten lange warten war mein erster Gedanke. Ich war es gewohnt bis ein Uhr wachzubleiben, um zu lesen und zu arbeiten und das würde ich auch hier weiterführen. Nun musste noch ein Plan her, wie ich Ginny und vielleicht auch Ron, ähnlich wie meine Eltern mit ihrem Rotwein, in das Land der Träume schicken konnte, denn in den kommenden Wochen würde ich in der ein oder anderen Nacht noch einen kleinen, nächtlichen Ausflug unternehmen müssen. Ich eilte zum Sekretär und setzte mich. Mein erster Brief ging an Rangok mit der Aufforderung 2.000 Galleonen an die Twins zu buchen.

Mein zweiter Brief würde an Victor gehen, mit lauter kleinen Nichtigkeiten, aber ich wollte versuchen den Kontakt aufrecht zu erhalten, wie ich immer sagte, man wusste nie wozu. Als ich fertig war holte ich mir die Bücher, die ich vorher noch nicht beendet hatte. Ein kleiner Zauber, dass jeder der reinkam dachte ich würde eine stinklangweilige Lektüre über Zauberkunst studieren und nicht „Schwarzmagische Zauber zu allen Anlässen“, und “Schwarzdunkle Ritualzauber“, die mich durchweg begeisterten, schützte mich vor Entdeckung. Wie ich feststellte begann die Versammlung kurz nachdem wir, die Kinder, die Küche verlassen hatten, so um zweiundzwanzig Uhr und jetzt, um Mitternacht, vernahm ich Geräusche, die auf einen Aufbruch der Gesellschaft hindeuteten, auch gut zu wissen.

Ich war gut vorangekommen. In einer Stunde müsste ich mit den beiden Büchern fertig sein. Gewohnt vorsichtig schlich ich umher, schließlich musste keiner mitbekommen, dass ich noch gar nicht im Bett gewesen war. Das Glück war mir hold. Ginny schlief tief und fest und wachte auch nicht auf, als ich mich fast geräuschlos bettfertig machte. Im Bett lächelte ich in Gedanken an das Gespräch mit Sirius, das flirten war belebend und dass Professor Snape alles so aufmerksam verfolgte war sehr spannend, wir würden sehen wie dieses Spiel ausging, aber ich spielte auch zu gerne.

Ich versuchte mich in meiner Meditation, um meinen Geist zu leeren, denn ein Spiel mit Snape ohne diese Kunst zu beherrschen, wäre selten dämlich und das war ich eigentlich nie.

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beta
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