Der erste Eindruck

Ein lauter Schrei durchfuhr die Stille des Hauses. Thyra schreckte hoch und starrte zur geschlossenen Zimmertüre. Ein paar Meter weiter lag ihr Bruder noch im Bett und regte sich nicht. Anscheinend war seine Nacht etwas länger gewesen. Die Stille schien zurückgekehrt. Es war also alles in Ordnung und jede Faser in ihrem Körper beruhigte sich wieder. Sie wollte sich gerade entspannt in die Kissen sinken lassen, als sie Tristans laute Stimme vernahm.

Er streckte sich und gähnte. Die erste Nacht hatte er überstanden. Als er die Augen aufschlug, erlitt er allerdings den Schock seines Lebens und ihm entfuhr ein lauter Schrei, bevor er es verhindern konnte. Ganz knapp über seinem Gesicht, sah er ein kleines Wesen. Es starrte ihn an, flog hin und her und immer wieder nah auf ihn zu.

„Weg von mir!“ Er versuchte, es zu verjagen, doch bei näherem Hinsehen fiel ihm auf, dass dieses Wesen eigentlich sehr niedlich war.

Bevor er sich mit der Situation allerdings abfinden konnte, jagte der nächste Schreck bereits den ersten, als Thyra wie aus dem Nichts plötzlich auf seinem Bett landete.

„Au!“ Tristan warf ihr einen schroffen Blick zu, als sich ihr Ellbogen in seine Rippen bohrte.

Er war so überrascht von ihrem Auftauchen und dem stechenden Schmerz in seiner Seite, dass er nach ihren Armen griff und sie blitzschnell überwältigte, bevor sie überhaupt wusste, was passierte.

„Was tust du hier?“ Er klang aufgebracht, während er sich über sie beugte und ihre Arme auf die Matratze drückte.

In dem Moment, als er ihren verwirrten Blick bemerkte, schien er bereits einzusehen, dass er überreagierte. Bevor er allerdings zurückweichen konnte, stand Finley schon wie ein Wachhund neben dem Bett und sah mit verschränkten Armen auf ihn herunter.

„Was soll denn das?“ Sein Blick fiel auf das kleine Wesen, das noch immer über Tristan schwebte und ebenfalls verwirrt wirkte. „Oh, wie niedlich!“

„Entschuldige.“ Thyra nutzte den Moment, um Tristan anzusprechen. „Meine Kräfte sind wohl ein bisschen eingerostet. Innerhalb des Hauses kann ich apparieren. Ich wollte nicht ... Es tut mir leid, Tristan.“

Er glaubte ihr, dass sie wohl nicht vorhatte, ihm etwas anzutun, als sie im Pyjama und mit zerwühlten Haaren auf ihm gelandet war.

Selbst in diesem Aufzug sah sie noch unglaublich hübsch aus, stellte er fest. Das war sie schon immer gewesen. Wenn sie doch bloß nicht die wäre, die sie nun mal war. Er hatte sie insgeheim immer gemocht, auch früher, bevor er Lupor verließ. Er wollte sie oft ansprechen, hatte es aber immer wieder verworfen. Es wäre nicht fair gewesen, sie in dieses unerklärliche Leben, in sein Leben, hereinzuziehen und sie dadurch in Gefahr zu bringen. Das war nun nicht mehr wichtig, wo sie doch viel gefährlicher war, als alles, was er mitbrachte.

„Verzeiht, Wächterin.“

Tristan wurde durch die piepsige Stimme aus seinen Gedanken geholt. Er drückte Thyra noch immer in die Matratze, doch als er seinen Griff lockerte, rutschte sie etwas hoch und sah überaus überrascht an ihm vorbei.

Als ihr Blick auf das kleine Wesen fiel, fing sie an, zu lachen. „Das ist doch bloß eine Elfe. Sag mir nicht, dass du wegen ihr so geschrien hast.“

Tristan kam sich reichlich blamiert vor, aber er wollte sich vor Thyra die Blöße nicht geben. „Ich war überrascht.“

Finley stand noch immer neben ihm und sah ihn fordernd an. Das tat er nur deswegen, weil sein bester Freund nach wie vor äußerst herrisch über seine Freundin gebeugt war und er sichergehen musste, dass er ihr keinen Schaden zufügen wollte.

„Meister Arex schickt mich.“ Die Elfe meldete sich erneut zu Wort. „Er kündigt sich hiermit zum Besuch an.“

Tristan sah auf Thyra herunter. Bevor er jedoch fragen konnte, wer Arex war, unterbrach sie ihn.

„Heißt das, er ...?“ Die Haustüre knarrte geräuschvoll und Tristan warf einen Blick zur Zimmertüre.

„Verdammter Mist!“ Thyra schnippte mit den Fingern und ihr Äußeres begann, sich zu verändern.

Als Tristan es merkte, wich er augenblicklich zurück. Thyra kniff die Augen zusammen und war genauso schnell verschwunden, wie sie aufgetaucht war. Aus dem Wohnzimmer hörten die Hexenjäger nun Stimmen.

Nachdem Tristan und Finley aus dem Zimmer traten und die anderen Jäger, die ebenfalls auf dem Flur erschienen, sie bereits verwundert ansahen, entdeckten sie Thyra im Wohnzimmer.

Sie stand vor einem Mann, der eindeutig pure Autorität ausstrahlte. Es war kaum zu verkennen, dass dort ein mächtiger Hexer stand. Er hatte diese mysteriöse Art an sich und überhaupt, fand Finley und schluckte, sah dieser Mann alles andere als freundlich aus.

„Sind das deine Gäste?“ Die Stimme klang dunkel und rauchig.

Thyra erwiderte ein Nicken und die Jäger sahen, wie sie sich leicht verbeugte, während sie gemeinsam und eher zögernd die Treppe herunterschritten.

„Das sind meine Freunde aus der Menschenwelt.“ Sie stellte sie der Reihe nach vor und Arex nickte zum Abschluss distanziert.

„Ich bin nicht hier, um mit dir über diese Menschen zu reden.“ Er klang förmlich und die Jäger bemerkten ziemlich schnell, dass mit ihm definitiv nicht zu scherzen war. „Ich habe etwas Wichtiges im Namen Makimas zu erledigen und Celia ist noch bei mir. Ihre Eltern scheinen noch nicht in der Verfassung zu sein, die Türe zu öffnen. Würdest du auf die Kleine aufpassen?“

„Aber sicher!“ Thyra hatte ihre kleine Cousine gerne um sich. Sie war erfreut, doch dann verfiel sie mit einem träumenden Blick ins Starren aus dem Fenster. „War wohl keine leichte Nacht.“

„Sicher nicht“, bemerkte Arex nur beiläufig. „Bestell‘ Tante und Onkel, Aglaia möge mit ihnen sein und sie sollen sich erholen. Ich schicke dir gleich Celia.“ Sein Blick fiel auf Silas. „Wir werden uns bald kennenlernen.“

Schon hatte er das Haus wieder verlassen.

Thyra wollte sich gerade auf den Weg in die Küche machen, als sie die vielen verwunderten Blicke der Hexenjäger im Nacken spürte. Sie wusste, dass sie viele Fragen hatten, doch das würde sich nicht ändern, solange sie in Morac waren. Es gab einfach zu viele Dinge, die sie nicht kannten.

Als beim Frühstück plötzlich ein kleines Mädchen, wie aus dem Nichts, neben dem Tisch erschien und Silas an seinem Bissen vor Schreck fast erstickte, wurde Thyra schließlich klar, dass mit den Jägern an diesem Tag wohl noch nicht allzu viel anzufangen war.

 

Tristan lag auf seinem Bett und starrte an die Zimmerdecke. Er konnte kaum glauben, wo er war. Er würde viel Zeit in der Welt verbringen, in der das geboren wurde, was seine Mutter das Leben gekostet hatte. Von unten hörte er die lauten Stimmen seiner Freunde. Sie amüsierten sich. Er konnte es nicht verstehen. Wie konnten sie Freude empfinden an solch einem Ort?

Sie würden kämpfen, denn ihnen stand ein Krieg bevor. Nicht ihr eigener, das wusste Tristan, aber dennoch würde er alles geben, was er aufbringen konnte. Er hatte einen Pakt mit Thyra geschlossen und an den wollte er sich halten, völlig gleich, was er davon hielt, dass sie eine Hexe war.

Dieser Gedanke hatte sich in sein Gehirn gebrannt. Diese Tatsache konnte er einfach nicht ignorieren. Thyra war ihm schon früher oft aufgefallen, aber er hatte sie nie angesprochen. Rückblickend schob er es auf seine Intuition, doch dabei belächelte er sich selbst.

In Wahrheit hätte er nie damit gerechnet, dass Thyra eine von ihnen war. Er hatte ihre Art früher immer gemocht. Sie hatte sich immer aus allem herausgehalten, war eine Einzelgängerin. Oft hatte er sich gewünscht, dass es ihm ebenfalls möglich gewesen wäre, sich einfach zurückzuziehen.

Aber in seiner Nähe waren einfach ständig die anderen Jäger und schließlich blieb ihm nichts anderes übrig, als aus Lupor zu verschwinden. Diese Zeit hatte er genossen, aber der Gedanke an Rache ließ ihn nicht los. Besonders nachts, wenn Ruhe einkehrte, wünschte er sich die Erfüllung seiner Träume. Die Rache für seine Mutter, sowie das friedliche Leben als normaler Mensch und nicht als Jäger.

Diese Nächte gab es noch immer. In diesen wünschte er sich auch die Nähe eines Menschen, der in ihm nicht nur den Kumpel oder den hassenden Mann sah, wie es seine Freunde und vor allem sein Vater immer taten. Er hatte in den vergangenen Monaten, ja, sogar Jahren, nicht nur einmal in Erwägung gezogen, dass Thyra dieser Mensch sein könnte.

Er hatte sie beobachtet, wenn sie es nicht merkte, weil sie gedankenverloren auf einer Bank saß, mit einem Buch in der Hand und dabei scheinbar völlig in einer anderen Welt versank.

Nach seiner Rückkehr nach Lupor hatte er sich sehr gefreut, sie wiederzusehen und wollte ihr näherkommen. Finley schien der ideale Vorwand dafür zu sein.

Ihre Ausstrahlung hatte ihn gleich wieder umgehauen, ihre wunderschönen Augen, ihr anmutiges und stolzes Erscheinungsbild. Er fühlte sich stark zu ihr hingezogen und er verfluchte sich nun selber dafür, dass dieses Gefühl noch immer vorhanden war, dass es sich mit der Vernunft in seinem Kopf einen Kampf lieferte.

Er durfte sie nicht mögen, sie nicht an seiner Seite wollen. Er musste sie auf Abstand halten. Sie war eine Hexe und damit etwas, dass er sich zu hassen geschworen hatte.

Das konnte er doch nicht einfach vergessen. Die Rache bestimmte seit jenem Tag sein Leben. Seit dem Todestag seiner Mutter.

Was würde passieren, wenn er plötzlich seine Meinung änderte und sich von Thyras charismatischem Wesen vereinnahmen ließ?

Er schüttelte entschlossen den Kopf. Das durfte einfach nicht passieren. Er musste sich von ihr fernhalten, das wusste er.

Doch dann hörte er diesen Gesang, der ihm wohlwollend in die Ohren drang und er wusste gleich, woher der kam.

 

Tristans Neugier brachte ihn aus seinem Zimmer und den Flur entlang, bis er vor der angelehnten Türe von Thyras Schlafzimmer zum Stehen kam. Der Gesang klang lauter und er war verwirrt, weil er nicht verstand, worüber sie sang.

„… verlier' die Vier! Aus Fünf und Sechs, so sagt die Hex’, mach Sieben und Acht …

Er drückte die Türe vorsichtig auf und entdecke Thyra und die kleine Celia auf dem Bett. Sie saßen sich im Schneidersitz gegenüber und als Celia überrascht zu ihm sah, brach der Gesang ab. „Was tut ihr da?“

Celia winkte ihm energisch zu, also betrat er den Raum und zog zögernd hinter sich die Türe zu.

„Tristan, oder?“ Celia sah ihn fasziniert an und grinste breit. „Du siehst so … komisch aus.“

Er wusste nicht, ob es eine Beleidigung sein sollte, deshalb erwiderte er gar nichts. Die Kleine schien sich über ihn zu amüsieren und es störte ihn, doch sie war erst sieben Jahre alt. Wie gemein konnte sie schon sein?

„Tristan kommt aus der anderen Welt.“ Thyra lächelte sanft zu ihrer Cousine herüber. „Er muss erst richtig ankommen.“

„Ach deswegen hat er so komische Sachen an.“ Celias Lachen füllte den Raum und Tristan sah erstaunt zu ihr herüber.

„Du bist zu neumodisch angezogen“, bemerkte Thyra knapp, vermied es aber, ihn anzusehen. „Die Menschen hier sind einfacher gekleidet. Sie tragen Leinen oder edle Sachen wie Samt oder Seide.“ Sie warf ihm einen verstohlenen Blick zu und prüfte seine Kleidung. „Keine Jeans.“

Tristan fand, dass es nichts gab, was man an seinen Sachen aussetzen konnte, deshalb wich er dem Gerede aus. „Was habt ihr da gerade gemacht?“

„Kennst du etwa das Einmaleins nicht?“, rief Celia entsetzt.

Tristan war nun regelrecht verblüfft. „Selbstverständlich kenne ich das. Aber das da gerade war doch nie im Leben ...“

„Hör‘ auf.“ Thyra unterbrach ihn, aber es klang nicht herrisch oder unfreundlich. Sie hatte durchaus Verständnis dafür, dass er es nicht verstand. Sie hoffte nur, dass er nicht wieder abfällige Bemerkungen machen würde. „Die Dinge hier sind nicht wie in Lupor. Wir haben gerade das Hexeneinmaleins gesungen. Ich lerne mit ihr, für die Schule.“

Tristan starrte sie prüfend an und fragte sich, ob sie ihn veralberte. Ihm wurde klar, dass sie keinen Grund dafür hatte. „Ist das eine andere Art der Mathematik?“

Celia lächelte. „Ich singe es dir vor.“ Sie klopfte auf die Stelle neben sich, um Tristan näher heran zu bitten, aber er rührte sich nicht vom Fleck. Er war noch nicht so weit, das erkannten in dem Moment beide Hexen. „Hör gut zu. Also. Du musst versteh'n, aus Eins mach‘ Zehn! Zwei lass gehen und Drei mach‘ gleich, so bist du reich. Verlier‘ die Vier! Aus Fünf und Sechs, so sagt die Hex‘, mach‘ Sieben und Acht, so ist’s vollbracht! Und Neun ist Eins und Zehn ist keins. Das ist das Hexeneinmaleins!“

„Interessant.“ Tristan versuchte, sich in seinem Kopf vorzustellen, was es bedeutete, doch er konnte dem Gesang nicht wirklich folgen, daher lächelte er bloß.

Thyra sah ihm seine Verunsicherung an und sie wollte nicht, dass Celia ihn mit Wissen bedrängte, das er nicht hatte. Es musste schon schwer genug für ihn sein, mit all den neuen Eindrücken zurechtzukommen und sie fand es gut, dass er trotz allem das Gespräch mit ihnen gesucht hatte.

„Vielleicht sollten wir mal schauen, ob deine Eltern wieder zu Hause sind.“ Sie stand auf und ging auf die Türe und somit auch auf Tristan zu.

Er bemerkte, dass sie verändert aussah. Ihre Haare, einst in der Menschenwelt immer modisch zurechtgemacht, waren nun schwarz und hochgesteckt. Sie trug eine Kette, auf der das Hexenanagramm zu sehen war. Außerdem ein wadenlanges, dunkelrotes und linienbetontes Kleid, mit schwarzen Stiefeln.

So hatte Tristan sie noch nie gesehen und obwohl das nun erst recht zeigte, was sie war, nämlich ein mieses, magisches Wesen, war er fasziniert von ihrer Erscheinung. Er konnte in diesem Augenblick nicht umher, zu denken, dass sie, wenn sie auch eine Hexe war, trotzdem ein sehr attraktives Auftreten hatte.

„Tristan.“ Celia zog an seinem Arm.

Er schüttelte kurz den Kopf, um die Gedanken zu verdrängen, dann folgte er den beiden Hexen.

 

Er hatte das Haus bisher nicht verlassen, doch er war sprachlos vor Erstaunen, als er an die frische Luft trat. Wie konnte ein Land, das Kreaturen wie Hexen hervorbrachte, so wunderschön sein? Vor ihm lag eine Idylle, ein Paradies an Natur.

Als er seinen Blick von der Aussicht ablenkte, fielen ihm weiter rechts allerdings auch andere Dinge in die Augen. Plattgetretene Wege aus Erde, keine Pflastersteine. Nicht weit entfernt war das erste Geschäft, das äußerst heruntergekommen aussah.

Tristan fühlte sich, als wäre er in der Zeit zurückgereist. Morac schien keinerlei Fortschritt zu besitzen und er konnte nicht nachvollziehen, wie das in einem Land voller Magie sein konnte.

In diesem Augenblick kam eine junge Frau auf sie zugeeilt. Sie hatte rostbraunes Haar und ein, bis zu den Knöcheln reichendes, Kleid in einem moosgrünen Farbton. Sie war durchaus attraktiv, aber die schwere Nacht zeichnete ihr Gesicht.

„Liebes“, stieß sie aus und schloss ihre Nichte liebevoll in die Arme. „Es ist so schön, dich endlich wiederzusehen. Deine Anwesenheit hier wurde schmerzlich vermisst. Du hast mir gefehlt. Eine Wächterin hat hier gefehlt.“

„Tante Layla.“ Thyra ließ sich bereitwillig umarmen und lächelte dann mild. „Es ist schön, dich wohlauf zu sehen. Ich werde meinen Pflichten bald gerne nachkommen, aber dieses Mal bin ich auch wegen etwas Anderem hier.“

„Hat das etwas mit deinem gutaussehenden Gast zu tun?“ Layla warf einen Blick an Thyra vorbei und blickte Tristan neugierig an. „Dein Freund?“

„Nein.“ Die Antwort platzte aus Thyra nur so heraus und sie sah sich nicht um, um seine Reaktion zu erleben.

Er stimmte allerdings deutlich mit ihr überein, indem er abfällig lachte. Das Lachen wiederum verletzte sie ein bisschen. Sie hatte bloß so vorschnell geantwortet, um Tristan vor ihrer Tante nicht in Verlegenheit zu bringen, aber für ihn schien das Thema so denkbar abwegig zu sein, dass er es auf diese Art zur Schau stellen musste.

„Tristan ist der Freund eines Freundes von mir. Ich habe einige Gäste mitgebracht. Sie alle kommen aus Lupor und suchen hier jemanden. Ich werde dabei helfen. Über den Rest reden wir ein anderes Mal.“ Sie deutete mit den Augen auf Celia, die sich an Tristans Arm festklammerte, als hätte sie einen neuen Freund gefunden.

Thyra spürte den verwunderten Blick ihrer Tante, als diese ihre Tochter heranwinkte. Es würde die Zeit kommen, da würde sie ihrer Familie von der wahren Identität ihrer Gäste berichten und von dem Plan, den sie hatten. Für diesen Augenblick waren es allerdings genug Informationen, besonders weil ein Kind anwesend war.

Aus dem Nachbarhaus kam ein Mann und lief geradewegs auf sie zu.

„Geliebter Onkel“ Thyra machte eine leichte Verbeugung, als er vor ihr zum Stehen kam.

Er legte seine Hände an ihre Oberarme und gab ihr einen Kuss auf den Kopf.

Tristan sah sich verwundert um. Es musste in dieser Welt wohl Sitte sein, sich vor Männern zu verbeugen. Er hatte das Gleiche bei Thyra und Arex beobachtet.

„Darf ich dir einen meiner Gäste vorstellen? Tristan aus Lupor. Er ist mit seinem Vater und einigen seiner Freunde zu Besuch.“

„Luger.“ Ihr Onkel reichte seine Hand und lächelte, aber Tristan wich einen Schritt zurück und blickte ihm dabei starr in die Augen.

„Nichts für ungut.“ Er warf Thyra einen Blick zu.

Er wollte wirklich nicht unhöflich sein, aber das Wissen, dass ein Werwolf vor ihm stand, macht es ihm nicht leicht, sich zu entspannen. Mit seinen Worten verschwand er kurz darauf im Haus und ließ Thyra mit ihrer Familie zurück.

„Voll und ganz ein Mensch, was?“ Layla sah ihm hinterher und Thyra nickte beschämt.

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