Der Fall von Harmun

Die grauen Steine der Festung Harmun wurden wie immer von einem eisigen Wind umweht. Eine dünne Schicht Schnee hatte den Boden schon am Vorabend bedeckt, diese war durch das viele Blut verfärbt worden.
Im Inneren der Festung schien kein Stein auf dem anderen geblieben zu sein, die vielen kleinen Läden im Innenhof rauchten noch von dem Feuer, das gelegt worden war, um die Menschen nach draußen zu treiben.
Es hatte direkt nach der Dämmerung begonnen, schwarze Flammen hatten sich in den Stein der Mauern gefressen und alles hölzerne in Asche verwandelt. Die Bewohner waren in den Innenhof geflohen, um nicht selbst Opfer der Flammen zu werden. Niemand hatte damit gerechnet, dass dies eine Falle war.
Geplant von grausamen Soldaten, die Schreie der Frauen und Kinder schienen noch von den kühlen Böen durch die Landschaft getragen zu werden. Der Dunkle hatte seine Ginn, untote Soldaten, geschickt, um Harmun einzunehmen, und jeden Bewohner zu töten. Er war gekommen, um die Geheimnisse der Festung zu plündern und dafür zu sorgen, dass die Guren keine Gefahr mehr für ihn sein würden. Die Familien, die dem Geschlecht Guren angehörten, waren mächtige Schmiede gewesen. Sie hatten die Fähigkeit Waffen zu erschaffen, welche jedes Wesen töten könnten. Auch die Tatsache, das es sich um ein Geschlecht der mächtigsten Hexenmeister handelte missfiel dem Dunklen.
Darum hatte er sich der Schatten bedient, welche nach dem Tod von Baal nach Macht strebten. Er brauchte die toten Körper der Hexen und Hexer, die Zellen und DNA Stränge würden ihn der Lösung näher bringen.
Mit dem Versprechen den Schattenmännern den Aufenthaltsort des letzten Erben Agares, Baals Geschlecht, zu nennen schworen sie ihm die Treue und waren bereit ihm zu dienen.
Nun dämmerte es wieder, die Sonne würde bald aufgehen und ihre Strahlen auf das Grauen, welches die dunkle Nacht über Harmun gebracht hatte, werfen. Die Ginn rückten ab, übertrugen die Befehlsgewalt einem der Schatten, dem Stärksten unter ihnen. Er sollte überprüfen, ob die Festung leer war, dann nachkommen und dem Dunklen Bericht erstatten.
Dieser hatte etwas gewittert, einen Feind, der sich näherte. Sein Auftrag keinen Guren am Leben zu lassen war allerdings gescheitert, denn einer Mutter war es in dem Chaos gelungen ihre Tochter unter einem Stapel alter Waffen, die zum Einschmelzen bereitgestanden waren, zu verstecken. Da lag das Mädchen nun und zitterte in ihrem dünnen Nachthemd.
Sie war gerade 11 geworden, ihre Augen waren geschlossen, die Hände über ihre Ohren gepresst. Die alten Schwerter und Äxte waren schon relativ stumpf, aber sie lagen schwer auf ihrem Rücken. Außerdem konnte sie sich nicht bewegen, ohne ein Klirren zu verursachen und sie fror schon so entsetzlich. Die Schreie hatten aufgehört, aber sie wagte es nicht aus ihrem Versteck zu kommen. Sie wollte nicht sehen, was passiert war.
„Was für eine Tragödie, all die schönen Frauen“, eine genervte Männerstimme erklang im Innenhof.
„Ist das wirklich alles was dich interessiert, Druide?“, eine weitere Stimme, kalt und monoton.
„Wenn du das nicht siehst bist du ein Trottel“, der Druide lachte schallend, „deine Leute sind an Grausamkeit kaum zu überbieten! Keiner hat überlebt!“ Das Mädchen zuckte, einer der Schatten war also noch da, suchte nach Überlebenden.
„Hier ist jemand, ich rieche es“, die Stimme des Druiden schien näher zukommen. Das Mädchen begann leise zu weinen, jetzt würde sie entdeckt werden.
„Ich dachte keiner hat überlebt? Außerdem bin ich nicht grausamer als du! Wir dienen beide nur einem Meister!“, spottete der Schatten. Der Haufen an Waffen über ihr wurde einfach mit einer Bewegung weggerissen und knallte lautstark gegen die Wand hinter ihr.
Das Mädchen stand auf, betrachtete den roten Schnee im Innenhof, etwas schien dabei zu sein die Leichen der Guren zu verschlingen. Wabbelige katzenähnliche Gestalten, niedere Dämonen, Aasfresser.
Ihre Augen weiteten sich als sie Onkel, Tante, Freunde und andere Bewohner der Festung am Boden entdeckte. Tränen rannen über ihre Wange, sie schaute langsam zu dem Druiden. Sein graues Haar war zu einem Zopf gebunden und seine roten Augen schienen ein Funkeln des Bösen in sich zu tragen. Sein Grinsen warf ein paar kleine Falten um seine Augen. Er trug, wie auch der junge Mann hinter ihm, einen schwarzen Mantel der ihn bis zu den schweren schwarzen Stiefeln verhüllte. Der Schatten hatte sein Gesicht unter einem Tuch verborgen, sie sah nur seine Augen, die fast so dunkel wie die Nacht selbst waren. Auch er hatte lange Haare, rabenschwarz und glatt.
„Was starrst du sie so an, erledige sie, tu ihr den Gefallen sonst verhungert sie an diesem Ort, oder wird von diesem widerlichen Verschlingern gefressen!“, der Schatten schien sie nicht als würdig zu erachten es selbst zu tun.
„Hör auf mir Befehle zu erteilen“, schrie der Druide, „du bist auch nur ein Abtrünniger!“
Dann schoss seine Hand auf das Mädchen zu, sie presste die Augen zusammen und versuchte an etwas Schönes zu denken.
Ein Knall war das nächste, was sie hörte, eine Druckwelle schleuderte sie ein Stück zurück, schützend hob sie die Arme vor das Gesicht.
„Ihr denkt wohl ihr könnt euch alles erlauben!“, erschallte aus dem Epizentrum der Druckwelle eine knabenhafte Stimme.
Als der Rauch sich verzog, konnte sie einen Blick auf den Rücken ihres Retters werfen. Er trug eine eigenartige Hose, die ihm bloß bis zu den Knien ging,und ein weißes T-shirt voller Flecken. Sein Haar war strohblond und zerzaust, er war ein ganzes Stück kleiner als der Schatten und der Druide.
„Was...“,der Druide erhob sich, er war auch von der Druckwelle zurückgeschleudert worden, „was... Ein blonder Junge? Was soll das werden? Ein Scherz vielleicht?“
„Ich bin nicht einfach irgendein blonder Junge!“, keifte dieser, „Ich bin Finn, Prinz von Elensar, und ich werde nicht zulassen, dass ihr zwei Freaks dem Mädchen etwas antut!“
Der Druide riss seine roten Augen auf, voller Zorn stürmte er auf den blonden Jungen zu. Dieser hob die Hand und plötzlich erstarrte der Druide in seiner Bewegung. Im selben Moment schossen hinter einem der Leichenberge schwarze Fäden hervor und schlossen sich um den Körper des Druiden.
„Wenn du es wagst dich zu bewegen wird es eng für dich“, eine düstere Stimme erklang hinter den Leichen und eine komplett verhüllte Gestalt trat hervor.
Die Fäden schienen aus seinem Körper zukommen, dafür war extra eine Öffnung an der Brust in dem schwarzen Mantel mit der übergroßen Kapuze.
Das Mädchen war erschüttert, aber auch froh das zumindest eine Gefahr gebannt schien. Weitere Fäden schossen aus dem Körper des verhüllten Mannes und umwickelten den Schatten, dieser schien davon völlig unbeeindruckt zu sein.
„Willst du nicht irgendwas unternehmen?“, schrie diesen sein mittlerweile panischer Kamerad an.
„Finn also, aus Elensar“, der Schatten fixierte den Blonden, dann löste er sich in Luft auf, wie Rauch. Einen Moment später erschien er hinter dem blonden Jungen und hielt ihm ein Messer an die Kehle.
„Oh nein“, entfuhr es dem Mädchen, der Schatten drehte sich um und seine onyxfarbenen Augen fixierten sie. Sie begann vor Angst zuzittern, sein Blick war so kalt, die Schreie dieser verhängnisvollen Nacht kamen über sie, sie sackte zusammen und weinte bitterlich.
Dieser Moment hatte gereicht.
„Ich bin hier, Arschloch!“, der Blonde hatte sich aus dem Griff des Schattens befreit und verpasste ihm nun einen Schlag der ihn auf den Boden beförderte.
„Warum?“,der Schatten rieb sich die Wange, „Warum beschützt du ein unbedeutendes Mädchen?“
Finn packte ihn am Kragen und zog ihn hoch: „Irgendjemand muss das ja machen, solange es Typen wie euch gibt! Ihr löscht eine ganze Stadt aus, nur weil der Dunkle euch einen Befehl erteilt!“
Der Schatten merkte, wie die bloße Berührung des blonden Jungen ihm Kraft zu rauben schien.
„Was...“, keuchte er, seine dunklen Augen weiteten sich, als sie die Türkisen des Prinzen trafen.
„Ich blockiere deine Kräfte, falls du das noch nicht bemerkt hast!“, zischte dieser und verpasste ihm noch einen Schlag.
„Gut, du hast gewonnen“, der Schatten senkte seinen Blick, „bring es zu Ende! Ein keiner Sieg, den Dunklen wirst auch du nicht schlagen! Niemand kann das, er wird auch dich brechen!“
Finn ließ ihn stattdessen los und wendete sich seinem unheimlichen Begleiter zu. Dieser schien den Wink zu verstehen und die Fäden zogen sich zurück in seinen Körper. Dann ging der Prinz zu dem kleinen Mädchen und zog sie hoch, ihre orangefarbenen Augen leuchteten, als sie zu ihm aufsah.
„Lass uns hier verschwinden, ja?“, er lächelte sie an und sie begann zu weinen und schloss die Arme um ihn.
„Warum?“,der Schatten rappelte sich auf, „Warum verschonst du uns?“
Finn warf ihm einen durch dringlichen Blick zu: „Weißt du was das Problem in allen Welten ist? Ständig rächt ihr euch an dem, der euch davor Leid zufügte. Aber so wird es nie Frieden geben, ihr verkauft eure Rache, euren Egoismus unter dem Deckmantel von Gerechtigkeit und erwartet das sich daraus Frieden ergibt!“
Der Schatten starrte ihn weiter fassungslos an: „Also ist das dein Ziel? Frieden? Den wird es nie geben, törichter Junge!“ Der Blonde blieb ihm eine Antwort schuldig und wendete sich den wabbelnden Wesen, die man Verschlinger nannte, zu.
"Was jetzt?", der Druide ließ die vermummte Gestalt, welche immer noch neben dem Leichenberg stand, nicht aus den Augen.
"Wir ziehen uns zurück", er Schatten löste sich auf und der Druide verschwand ebenfalls plötzlich.
Shanora nahm die Hand von Chruchs Stirn. Es war noch früh am Morgen, sie hatten es sich auf einer der Liegen vor dem Hallenbad bequem gemacht. Church hatte darauf bestanden Shanora diese Erinnerungen zu zeigen, auch um sicher zu gehen, dass sie denselben Mann in Schwarzwasser getroffen hatte.
"Das war eindeutig derselbe Mann!", Shanora schauderte, allem Anschein nach war sie einem Diener des Dunklen begegnet. Church hatte es befürchtet. Sein wahrscheinlich einzig lebender Verwandter war ein abscheuliches Monster.
"Die Stimme des Zweiten, Claude, passt du dem Druiden, der damals schon mit ihm unterwegs war!", erklärte Shanora weiter. Chruch war froh, dass er Shanora so schnell gefunden hatte. Er wollte sich gar nicht ausmalen, was diese beiden Verrückten ihr angetan hätten. Vor allem wenn sie herausgefunden hätten wer sie war.
"Können wir uns auf etwas einigen?", fragte er.
"Ja klar!", erwiderte sie, leicht verdutzt.
"Keine Alleingänge mehr! Schon gar nicht in die Unterlande!", Church hielt ihr die Hand hin, damit sie einschlagen und damit ihr verbrechen besiegeln konnte.
Shanora schlug ein: "Versprochen! Aber sag mal, was wurde aus dem Mädchen? Das ihr damals gerettet habt? Und wie lange ist das her? Finn hatte noch Pickel!"
Chruch grinste: "Das war das erste Mal, als Finn und ich zusammen arbeiteten. Kurz darauf hat er mich nach Elensar mitgenommen. Das war als du deinen kleinen Ausflug in die Außenwelt angezettelt hast, Shanora! Das Mädchen, Caja war so etwas wie Finns Schülerin, sie wurde unheimlich mächtig! Aber sie hat sich auch in ihn verliebt, darum stritten sie und Caja ging ihre eigenen Wege!"
"Denkst du sie würde mir helfen?", Shanora kratze sich nachdenklich am Kinn.
"Wobei?", fragte Church erstaunt.
"Den neunten Kreis zu einen und den Dunklen endgültig von dort zu verbannen!", Shanora lächelte, "Das zu tun was Finn damals gesagt hat! Frieden über alle Welten bringen! Einen Weg finden den Hass zu durchbrechen!" Chruch lächelte. Er selbst war Finn immer gefolgt, weil er genau das bewundert hatte. Finn wusste, dass der Hass und die Rache zu immer neuen Kriegen führte. Und das Vergebung die einzige Möglichkeit war Frieden zu schaffen. Er selbst musste sich vergeben, um seinen inneren Krieg zu beenden. Man hatte ihn immer für ein extrem altes Wesen gehalten, wahrscheinlich aufgrund der Macht, die in ihm steckte. Und dem Wahnsinn. Niemand hatte verstanden, warum Finn ihm immer so blind vertraut hatte. Eher hatte man Church für eine tickende Zeitbombe als für nützlich gehalten. Aber damit musste nun Schluss sein, er musste einen Weg finden Shanora bei diesem Zeil zu unterstützen.
"Bereit zu Did zu gehen und weiter in Dornröschens Erinnerungen zu stöbern?", Church erhob sich und blickte Shanora erwartungsvoll an.
"Natürlich!", sie sprang auf und folgte ihm zu der schweren Sicherheitstüre, die in den Keller führte.

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