Hier steht sie nun am Bahnhof.

Kein Ziel vor Augen.

So viele Schuldgefühle in ihr.

Sodass ihr ganz schlecht wird.

Es nervt sie, dass sie nicht darüber hinwegkommt.

Hin.

Weg.

Kommen.

Hin und wieder her.

Vielleicht denkt sie viel zu viel nach.

Vielleicht interpretiert sie das Wort ganz falsch.

Wenn man einmal hin kommt.

Und dann wieder weg kommt.

Dann ist man doch genau da wo man am Anfang auch schon war.

Keinen Schritt weiter.

Da schüttelt sie ihren Kopf leicht.

Wer denkt denn schon so wie ich?

Weswegen denk ich denn über alles so viel nach.

Es ist doch alles passiert.

Da kann ich doch gar nichts mehr ändern.

Habe keine Macht.

Über irgendwas.

Nicht über mich.

Nicht über andere.

Und schon gar nicht über das Schicksal.

Aber das mit dem Schicksal ist ja schon wieder so eine Sache.

Mit dem denken.

Ob man daran glaubt oder nicht.

Und da grübelt sie Stunde für Stunde.

Minute für Minute.

Mehr über das ganze Leben nach.

Warum ihr Zug schon wieder Verspätung hat.

Wann sie wohl endlich ankommen wird.

Und dann.

Als sie gerade keine besonderen Gedanken mehr hat.

Über die sie nachdenken könnte.

Stürzt alles ein.

Alles.

Alles.

Ihr Kopf tut weh.

In ihr ist ein furchtbarer Sturm.

Alles durcheinander.

So wie die Blätter im Herbst.

Vom Wind durcheinander gewirbelt werden.

So werden jetzt ihre Gedanken verdreht.

Nichts ist mehr an Ort und Stelle.

Alles fliegt umher.

Und da.

Da kommen wieder die Gedanken.

Die sie verdrängt hatte.

Viel zu lange.

Sie umklammert ihren Koffer.

Den sie in der linken Hand hält.

Der dunkelblaue mit den Regentropfen.

Und dem Anker.

Dem goldenen Anker.

Sie kann nicht mehr.

So dastehen und nichts tun.

Sie weiß, dass sie gleich in Tränen ausbrechen wird.

Und an ihren Tränen ertrinken wird.

Wegen dieses ganzen Schuldgefühlen.

Und die Tränen werden genauso groß sein.

Wie die Regentropfen auf dem Koffer.

Und ihre Gedanken werden genauso düster sein.

Wie das dunkelblau des Koffers.

Nur dass sie keinen goldenen Anker hat.

An dem sie sich festhalten könnte.

Der Zug.

Kommt angebraust.

Lässt kalte Luft in ihr Gesicht pusten.

Sie weiß sie sollte nicht schon wieder davon fahren.

Wieder allen Problemen aus dem Weg gehen.

Aber sie macht es trotzdem.

Denn das Leben hatte sie gelehrt:

Wenn die Vergangenheit droht dich einzuholen,

dann spring in den nächst besten Zug.

Und sei schneller,

Als sie.

Und auch dieses Wettrennen wird sie gewinnen,

das weiß sie.

Aber sie weiß auch, dass sie irgendwann mal nicht mehr können wird.

Zu langsam sein wird.

Hinfallen wird.

Mit diesen Gedanken steigt sie in den Zug.

Und fährt davon.

Von ihren Gedanken.

Ihren Schuldgefühlen.

Ihrer Vergangenheit.

Nur hat sie keine Ahnung.

Dass es der falsche Zug ist.

Kommentare

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media