Der König

"Junge, der fährt sich schön! Hätt ich nie geglaubt, bei dem Gewicht! Die Maschine kann nicht original sein. Aber die läuft seidenweich, Wahnsinn! Der die frisiert hat, der ist richtig gut!" - "Und du fährst ihn, als hätt er immer schon dir gehört. Ist eben das Auto des Königs." - "Wie meinst du das?" - "Du bist jetzt der König! MEIN König!" Ich traute ihr zu, dass sie meinte was sie sagte. "Selina, er fährt sich fantastisch, aber er wird das Auto des Königs bleiben. Martin Bückers Auto! Ich kann nicht die persönlichen Dinge deines Vaters an mich reißen und ich will es auch nicht!" - "Das weiß ich doch Liebling. Ich würde auch nicht zulassen, dass jemand das täte! Aber gerade deshalb, weil du keine Gier kennst, fällt dir automatisch alles zu, mein König!" - "Selina!" - "Ok! Noch bist du Prinz! Auf dem Papier mein Schatz! Und der Rover passt nicht nur gut zu dir,er ist mit gut sechshundert PS auch gerade gut genug für dich. Du hast durch mich den Porsche verloren, also ist es nur recht und billig, dass ich dir den ersetze!" - "Selina,..." - "Hör auf, dich mit mir zu streiten, Michael! Vergiss nicht, dass das Temperament meiner Mutter jederzeit durchschlagen könnte!" Sie grinste mich siegessicher an. "Ich liebe dich Selina, aber darüber reden wir noch!" - "Konzentriert euch auf die Straße mein Prinz, damit eure Prinzessin nicht kotzen muss!"
Es war nicht mehr weit. Beinahe hätte ich die Allee übersehen, die zu dem prächtigen Anwesen der Bückers führte. Brandmayr war die ganze Strecke in angenehmem Abstand hinter uns hergefahren. Als wir nun vor dem Gebäude parkten, stieg Max aus noch bevor Brandmayr das Auto geparkt hatte und ging zur Beifahrertür des Rover. Er bedeutete uns noch sitzen zu bleiben, während sein Kollege auch auf uns zuging. Im Hauseingang erschien eine Frau um die Fünfzig. Max ging auf sie zu, wechselte ein paar Worte mit ihr und schüttelte ihr die Hand. Er hatte sich offenbar vorgestellt, nachdem er sie gefragt hatte ob alles in Ordnung sei. Er kam zum Rover zurück und öffnete Selinas Tür gleichzeitig mit Brandmayr, der Meine öffnete. Die beiden wirkten wie zwei Profis. Auch Selina schien beeindruckt. Sie ging auf Maria zu und umarmte sie. "Ich bin so froh, sie gesund und munter zu sehn, Maria!" - " Und ich erst, Selina...Pardon, Frau Doktor." - "Maria, ich bitte Sie! Sie kannten mich schon als Teenager. Also spricht auch nichts dagegen, mich so zu nennen wie ich nun mal heiße. Maria war offensichtlich verlegen, als Selina mich ihr vorstellte. Also tat ich es Selina gleich und umarmte sie auch, was beide total überraschte. "Na und? Sagte ich. Sie müssen ein lieber Mensch sein, Maria, wenn meine Selina sie so begrüsst." - "Oh, das ist aber schön, dass sie so ein herzlicher Mensch sind, Herr Montar." Max meinte: "Michael, können wir bitte rein gehen?" Ich bedeutete Selina, hinein zu gehen. Drinnen im Foyer wartete Marias Ehemann Georg. "Frau Doktor, wie schön, dass sie da sind!" - " Aber Georg, nennen sie mich doch nicht Frau Doktor." - "Wie sie wünschen Frau Bücker!"  Selina stellte mir nun auch Georg vor und ich fragte auch ihn, ob es ihm recht sei, wenn ich ihn auch beim Vornamen nannte. Er hatte nichts dagegen. Nachdem alle vorgestellt waren, ergriff ich das Wort. "Selina, ich möchte den Beiden nahe bringen,  worum es geht" - " Ja, Schatz. Kommt alle mit in den Salon, bitte!" Dieses Haus war der Wahnsinn. Im Salon angekommen, führte mich Selina zu einem gemütlichen Sessel, der meinem Lesesessel in der Bibliothek glich. "Hast du Schmerzen, Schatz?" Sie hatte es sofort erkannt. "Setz dich. Maria, würden sie bitte ein Glas Wasser holen." Georg musterte mich auf eine Art, die ich nicht einschätzen konnte. Irgend etwas schien ihn an mir zu stören. "Ist etwas nicht in Ordnung, Georg?" - "Nein... Schon... Es ist nur... Sie sitzen auf seinem Sessel." Er deutete auf ein Bild von Martin Bücker, dass ihn bei der Eröffnung der Klinik mit einer Schere beim Zerschneiden eines Bandes zeigte. "Es ist sozusagen der Sessel des Königs." Ich wollte keine Peinlichkeiten. Deshalb sagte ich nur "Oh!" und wollte aufstehen und einen anderen Sessel nehmen, doch Selina und Maria hatten mitgekriegt, was gerade vorgefallen war. Maria war ganz blass geworden. "Georg, bist du verrückt geworden?" Selina kam zu mir und drückte mich wieder in den Sessel. Sie gab mir zwei Tabletten und das Wasserglas. Sie setzte sich, wie zu Hause auf die Armlehne und hauchte mir einen Kuss auf die Wange. "Georg, sie können das nicht wissen! Dieser Mann hat mir mehrmals das Leben gerettet. Er ist dabei selbst schwer verletzt worden. Und er wird gemeinsam mit mir die Bückerstiftung retten, mit seinem Lebenswerk und Vaters Therapie werden wir Tausende Menschenleben retten können und Papas Traum wahr werden lassen. Michael und ich werden heiraten. Wir lieben uns sehr. Michael wird ab sofort die Stiftung leiten. ER ist jetzt der König!" Georg sah nicht begeistert aus. Er entschuldigte sich halbherzig, worauf ihn seine Frau auch noch rügen wollte, aber dann ergriff ich das Wort. "Maria, ihr Mann ist ein Königstreuer! Und das ist gut so. Es zeigt mir, dass er Selinas Vater, vor dem ich mich in Demut verneige, noch über seinen Tod hinaus treu ist und seine Interessen wahrt. Und es zeigt mir, was für ein großartiger Mensch und Chef Selinas Vater gewesen sein muss. Was Georg eben getan hat, war anständig. Ich hoffe, dass er mir, wenn ich einmal die Gelegenheit hatte mich zu beweisen, einen ähnlich hohen Stellenwert beimisst. Und ich kann sie beruhigen, Georg, Ich selbst, habe großen Respekt vor Herrn Bücker und sehe es als eine Ehre an, seinen Traum verwirklichen zu dürfen." - "Das müssen sie mir nicht erklären Herr Montar, ich habe mich falsch verhalten. Es tut mir leid!" - "Mir nicht! Sie haben sich diese Erklärung verdient und ich möchte diesen Vorfall damit abhaken! Und jetzt setzt euch bitte alle, ich habe euch etwas zu sagen. Maria und Georg blieben stehen. "Sie beide auch, bitte!" Die beiden setzten sich und folgten meinen Ausführungen über die Gefahr, die uns alle zusammen nun bedrohte. "Ich bin daher dafür, dass wir vorerst hierbleiben. Wir haben keinen Polizeischutz mehr, aber ich werde denen Druck machen. Selina, du rufst bitte Bertl an und ich Gerd. Sie sollen beide kommen. Der Anwalt und die Medien werden den Innenminister zum Weinen bringen. Wir machen diese Bande in der Öffentlichkeit so schlecht, dass sie sich mit uns fotografiern lassen müssen, um wieder salonfähig zu werden. Maria, haben wir genug Vorräte im Haus, oder sollen wir uns etwas liefern lassen? Wir werden Gäste haben. Ist das ein Problem für sie? Gibt es einen Computer im Haus?" Selina führte mich zu Martin Bückers Büro. Georg trat hinter seine Frau, "Vielleicht ist er gar nicht so übel, der neue König..." - "Georg!!!"

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