Der Oberstaatsanwalt

Am kommenden Morgen schon, nahmen wir das Interview in meinem neuen Büro auf. Die Leute vom Sender erklärten, sie würden das Material sofort schneiden und vermutlich in den Mittagsnachrichten schon senden. Sie schafften es wirklich!
Die Sendung lief noch, als sich der Oberstaatsanwalt auf meinem Handy meldete. Wir hatten es geschafft. Unsere Bemühungen die Obrigkeit zu wecken, waren endlich erfolgreich gewesen. Der Oberstaatsanwalt war natürlich nicht erfreut, aber er war auch nicht wirklich unfreundlich. Ich erklärte ihm, dass ich niemals so gehandelt hätte, hätte man mich nicht, trotz meiner nachgewiesenen Verletzungen, sechs Jahre so hingestellt, als sei ich ein Verschwörungstheoretiker. Man hatte meinen Fall einfach ignoriert. Und wenn ein Flüstern nicht gehört wird, beginnt man zu rufen. Ich persönlich hätte es vorgezogen, die Öffentlichkeit nicht dazu zu brauchen, endlich Gehör zu finden. Wie sich gezeigt hatte, brauchte es drei Anläufe und die ganze Geschichte in der Öffentlichkeit, um die Zuständigen zu erreichen. Erstaunlicher Weise, schien Herr von Kurzhagen meiner Argumentation durchaus folgen zu können und erklärte sich bereit, mit Selina und mir ein Gespräch unter sechs Augen zu führen. Da wir nach wie vor bedroht wurden, schlug ich vor, die Aussprache im Palais Bücker zu führen. Werner von Kurzhagen sagte zu und erklärte, dass ein Mannschaftswagen mit acht Beamten bereits unterwegs zum Palais sei, um unsere Sicherheit zu gewährleisten. Die Aufhebung des Personenschutzes sei auch in seinen Augen eine nicht nachvollziehbare Fehlleistung der Polizeiführung gewesen. Er hätte nun persönlich diesen unhaltbaren Zustand beendet. Ich bedankte mich und versprach dem Oberstaatsanwalt, unsere Besprechung weder aufzunehmen noch in anderer Weise den Medien zugänglich zu machen. Ich fragte ihn, ob er denn Zeit fände, mit uns zu Abend zu essen, und er sagte erstaunlicherweise zu. Es schien mir ein Signal zu sein, dem Gespräch einen freundlichen Rahmen zu geben, eine Gelegenheit, die verhärteten Fronten etwas zu lockern.
Tatsächlich fuhr kurz nach dreizehn Uhr ein Mercedes-Van vor, dem acht Beamte entstiegen und rund um das Palais Posten bezogen. Ich teilte Josef mit, dass wir ab sofort wieder Polizeischutz hätten, und seine Dienste im Moment nicht benötigt würden. Er solle nach Hause fahren und versuchen, seine Verlobte von meinem Angebot zu überzeugen. Als er mir die Hand reichte, wollte ich ihm Zweihundert Euro zustecken, die er partout nicht annehmen wollte. "Sie haben mich nicht gerufen, Herr Montar, ich bin freiwillig mit Max zu ihnen gekommen und hab mir die eventuelle neue Dienststelle angeschaut." Ich sagte ihm, er dürfe ruhig annehmen, wir wären über seine Gegenwart sehr froh gewesen, und hofften, sie auch in Zukunft regelmäßig zu erfahren. Er sei, jetzt erst recht, Wunschkandidat Nummer eins. 
Der Kommandant der Polizeitruppe schien Brandmayr zu kennen, denn er wechselte ein paar Worte mit ihm im Foyer und stellte sich dann bei mir vor. Er machte einen guten Eindruck auf mich. Er schlug vor, die Leute rund um das Palais zu postieren, die beiden hinteren Posten bei der Garage, weil ja auch dort die Möglichkeit bestand, einzudringen um eventuell die Nacht darin zuzubringen. Selina hatte den Van bemerkt und kam zu uns, um den Kommandanten zu begrüssen. Dieser ging wieder zu seinen Leuten und ich erzählte meiner Liebsten vom Telefonat mit Werner von Kurzhagen. Sie strahlte! "Michael, du bist so ein schlauer Fuchs und hast soviel Mumm in den Knochen, wie kein Anderer! Das muss man sich erst mal trauen, was du diese Woche da abgezogen hast!" - "Du wirst lachen, das eine oder andere Mal hatte ich Angst vor der eigenen Courage, aber es gab kein Zurück mehr! Point of no return! Du weißt ja." - " Sie küsste mich. Die Tür ging auf und gleich wieder zu. "Herein!" rief ich und Maria kam mit hochrotem Gesicht in den Raum. "Entschuldigung, Ich bin es nicht mehr gewohnt, anzuklopfen... aber es wird nicht mehr vorkommen!" - "Aber Maria! Jeder darf wissen, dass wir uns lieben! Wenn dem nicht so wäre, wären wir beide schon lange nicht mehr am Leben." - "Und ich wünsche ihnen ein sehr, sehr langes Leben, das können sie mir glauben!" beteuerte Maria.

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