Der Pharmareferent

"Du darfst jetzt noch nicht soviel trinken, Schatz! Ich weiß dass du durstig bist, aber du würdest dich dann nur mehr übergeben. Das willst du doch auch nicht, oder?" Selina hielt meine Hand. Ich drückte sie ein wenig, denn ich konnte fast nicht reden. Der Rachen schmerzte vom Tubus, meine Zunge blieb am Gaumen kleben, mir war hundeelend. "Hast du Schmerzen?" Ich bedeutete ihr, dass mein Hals es war,der mir zu schaffen machte und nicht das Bein. Das spürte ich, ehrlich gesagt, gar nicht mehr. Doch ich war zu fertig, um mir darüber Gedanken zu machen. Was mir mehr Sorge bereitete, war, dass wir durch meinen blöden Reflex viel Zeit verloren hatten. Viktor würde nicht ewig im Exil bleiben. Wir mussten bald hier verschwinden, wollten wir nicht Selinas Patienten und Personal in Gefahr bringen. Selina lag bei mir und strechelte mit dem Daumen meine Wange. Sie erkannte in meinen Augen, dass es in meinem Hirn arbeitete und ich glaube, sie kannte auch ungefähr meine Gedanken. Versuch ein Wenig zu schlafen, Liebling! So schnell ist auch Viktor nicht. Ich weiß, wir haben Zeit verloren, aber wir beide schaffen das! Schlaf noch ein Bisschen! Ich schloss die Augen und ich glaube, Selina half mit dem Tropf ein wenig nach, den ich schlief tatsächlich bald ein.

Als ich erwachte, war es bereits hell. "Guten Morgen, Michael, Ich hoffe, es geht ihnen heute schon ein wenig besser." Ines saß an meinem Bett und lächelte mich an. "Selina ist im Bad." - "Ines, sie gute Seele," ich mußte mich raüspern, "sie werden mich bald verwünschen, sie zahlen ganz schön drauf mit mir!" - "Im Gegenteil Michael! Ich freue mich für Selina, dass sie in ihr Leben getreten sind. Wie fühlen sie sich?" - "Viel besser! Ich bin durstig und ich hab richtig Hunger! Ist das normal, Ines?" - "Sagen wir mal so, Michael, bei ihnen ist einiges normal, was bei anderen tödlich ware, aber sie sind eben was Besonderes!" - "Flirtest du etwa mit meinem Geliebten, Ines?" scherzte Selina, die im Froteemäntelchen aus dem Bad kam und ihr flammend rotes Haar mit einem Handtuch vorzutrocknen versuchte. Jeder Mann würde bei diesem Anblick auf  Gedanken kommen, die im Moment fehl am Platz waren. Leider...! Sie warf das Handtuch auf den Tisch und kam zu mir. "Alles gut?" fragte sie und hauchte mir einen Kuss auf die Lippen. Ich liebte diese Art, wie sie mir immer wieder ihre Liebe zeigte. Eine Traumfrau!

"Ich werde euch ein Frühstück machen." verkündete Ines. Ich schaute Selina an: "Wollen wir nicht alle drei gemeinsam frühstücken?" - "Siehst du, so ist er! Er hat dich schon ins Herz geschlossen, Ines!" - "Da gehört auch nicht viel dazu, bei dem Prachtmädel." scherzte ich und merkte, wie Ines ein wenig errötete. "Natürlich nur wenn sie möchten, fügte ich schnell hinzu." - "Ich möchte euch beide nicht stören." - "Ach was! Heute Nacht waren wir auch sehr froh um ihre Gesellschaft. Ines, sollten wir uns nicht duzen?" - "Gerne Michael! Ich mach dann mal Frühstück für uns drei." Währen Ines Frühstück machen ging, setzte Selina sich zu mir aufs Bett und half mir, mich aufzusetzen : "Ich freue mich, dass du sie auch magst. Sie ist für mich wie eine Schwester, die ich nie hatte." - "Ja, ich mag sie. Und ich bin ihr sehr dankbar. Liebling, ich würde dich so gerne niederschmusen, aber ich bin ganz ausgetrocknet. Ich muss unbedingt was trinken und Zähneputzen, damit ich diesen Geschmack loswerde...!" - "Niederschmusen klingt gut! Aber das muss noch ein kleines Bisschen warten."  Sie holte ein paar Utensilien, damit ich mich ein wenig frischmachen und Zähneputzen konnte. Ines kam mit einem Servierwagen zurück. "Selina, da ist noch etwas, dass ich dir sagen muss: Robert Meister versucht seit Tagen, dich zu erreichen. Ich habe gesagt du seist nicht da! Auch als ihr beide schon wieder da wart..." - "Das hast du gut gemacht! Was wollte er denn der falsche Hund?" - "Anfangs sagte er, das könne er mir nicht sagen, das letzte mal aber, ich solle dir sagen, du bewegst dich auf dünnem Eis. Du sollst aufhören dir Dinge einzubilden, die den Tod deines Vaters betreffen und nicht schlafende Hunde wecken! Und du solltest ihn dringend anrufen, wenn du wieder zurück bist..."

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