Der Tief bzw Höhepunkt

„Alles wird gut. Du bist nicht schuld an dem was passiert ist. Niemandem ist etwas passiert. Alle sind wohl auf.“, erklärte der Notfallseelsorger.
„Aber der Bootsführer.“, würgte Zak hervor unter dem Schwall von Tränen, „Er knallte so hart aufs Wasser. Ich sehe ihn. Immer noch.“
„Ihm geht es gut. Ich habe ihn eben noch gesehen.“, beruhigte der Seelsorger Zak mit einem sanften Ton, „Alles ist gut.“
„Und, und die anderen?“, fragte Zak, nachdem er mehre Mahle tief eingeatmet hatte.
„Denen geht es auch gut. Sie waren doch nur Statisten.“, gab Jonas zurück. Er streichelte wieder die Schulter.
„Alles wird gut. Du hast vollkommen richtig gehandelt. Du bist frei von jeder Schuld.“, sagte er leise und ruhig, worauf Zak nur noch mehr schluchtzte. Er war am Boden zerstört. Staubt wehte auf und setzte sich auf seiner Kleidung nieder.
„Ich… Ich…“, fing Zak an, doch ein Schwall von Tränen und schluchtzern unterband jegliche Kommunikation.
„Alles ist gut. Allen geht es gut. Magst du was trinken?“, fragte er und gab Zak eine Flasche Wasser und Zak trank gierig als er seine Tränen herunter geschluckt hatte. Doch der Klos im Hals war weiterhin unüberwindbar groß. Er belastete Zak zusätzlich.
„Hast du schon mal so ein Erlebnis gehabt?“, fragte der Notfallseelsorger, als Zak sich ein wenig beruhigt hatte, so dass er gerade noch sprechen konnte.
„Ja. Ja. Ich, ich hatte schon mal so ein, eine Sit, Situation.“, meinte er.
„War da auch eine Übung?“, fragte Jonas, doch Zak nickte nur. Er brachte nichts anderes zu Stande außer ein winziges Nicken. Erneut schüttelte er seinen bebenden Körper.
„Ist da jemand gestorben?“, fragte Jonas weiter.
Doch Zak schüttelte nur den Kopf.
„Fast. Fast. Es war – ein rich-ti – er Notfall. Ich habe da, damals groß, große Mist gemacht. Ich, ich bin in de, en Fluss, ge, gesprungen, hab, hab ihn her-aus gezo, zogen und ha, ha, habe alles ri, ris, riskiert.“, weinte Zak. Man konnte kaum ein Wort verstehen.
„Aber das ist doch super.“, meinte der Notfallseelsorger, „Du riskierst dein Leben für andere.“
„A, aber.“, fing Zak an und brach ab. Als er sich gesammelt hatte und das Zittern leicht unter Kontrolle fing er wieder an.
„Ich ha, habe nicht gemacht wie ich sollte. Ich war dumm. Ich, ich habe riskiert. Ich habe da, damals…“
Er brach ab, als all die Erinnerungen hoch kamen. Er sah wie er in den Fluss sprang. Wie er kämpfte nicht zu ertrinken. Wie er vor der versammelten Kameradschaft stand, mit Tränen in den Augen.
„Ich habe da, damals.“, fing er an doch er konnte einfach nicht weiter reden.  
„Ist nicht schlimm.“, meinte der Seelsorger sanft und verständnisvoll, „Es ist überhaupt nicht schlimm. Du kannst dann weiter reden wenn du glaubst in der Lage dazu zu sein.“
So saßen sie eine ganze Weile schweigend neben einander. Zak zitterte und ihm lief kalter Schweiß über den Rücken. Er atmete schnell und flach.
„Alles ist gut.“, redete der Seelsorger sanft und ruhig auf ihn ein. Wieder saßen sie eine Weile schweigend neben einander und doch spürte Zak seine Nähe und seine Fürsorge, seinen Schutz.
„Ich, ich hatte mal einen gerettet.“, er schluckte, „Da habe ich, ich habe da eine große Übung mit gemacht. Und, und da war dann ein, ein Flüchtling, und  habe mein Leben riskiert. Ich, ich habe versprochen auf sie aufzupassen. Auf meine, meine Freundin. Damals waren wir noch nicht, nicht zu, zusammen. Sie hat, hat mir viel geholfen. Und, und ich, ich habe damals nicht kapiert, dass sie mich mag, wie ich bin und, und ich, ich war so, so fertig, ich habe sogar versprochen dass ich auf sie aufpasse und, und ich habe mein Leben Sinn, sinnlos aufs Spiel gesetzt und, und dann waren da die Vielen, die alles richtig gemacht haben, und alles konnten und so, so super waren, und, und“
Zak wurde immer schneller und schneller. Er holte nur kurz Luft und seine Stimme überschlug sich, bis sie abbrach und er wieder ins Schluchzten verfiel.
„Alles ist gut. Alles ist gut.“, beruhigte ihn Jonas.
„Und ich habe mein Versprochen ge, gebrochen. Ein, einfach soo und war so,…“, wieder brach er ab und wieder legte der Seelsorger seine Hand auf die Schulter von Zak.
„Trink noch mal einen Schluck.“, meinte er sanft.
„Und, und jetzt ha- habe ich alles wieder holt. Ich, ich war zu langsam, ich, ich habe das Leben anderer riskiert, ich, ich kann einfach nicht mehr.“, er weinte bittere Tränen. Lange, sehr lange. Wieder bebte sein zitternder Körper. Er schüttelte sich.
„Da, danke dass du da bist.“, meinte er nach einer langen Zeit der Stille.
„Das ist doch selbstverständlich.“, meinte Jonas bescheiden.
„Glaubst du, ich kann mich noch blicken lassen vor meiner Freundin?“, frage Zak ängstlich, eingeschüchtert und zusammengefallen.
„Warum denn nicht?“, fragte Jonas.
„Weil, weil sie so perfekt ist. Sie ist so, so schön und so schlau und macht nie Fehler. So tolerant und so gut.“, schluchzte Zak hervor.
„Aber sie mag dich doch. Sie liebt dich.“, meinte Jonas voller überzeugung.
„Und was wenn nicht? Wenn sie sich einen besseren sucht?“, fragte er.
„Wird sie nicht. Willst du sie mal sprechen?“, fragte der Seelsorger, „Soll ich sie mal anrufen?“
„Bitte. Bitte.“, flehte Zak und gab Jonas sein Telefon. Dieser suchte nach der Nummer und fand sie auch bald. Er rief sie an und im letzten Moment rief Zak stopp und er legte auf.
„Was ist denn los?“, fragte der Seelsorger.
„Bitte nicht. Ich kann das nicht.“, schutzte Zak.
„Wirklich nicht? Glaubst du nicht sie kann dir nicht helfen? Das hat sie doch schon mal gemacht oder?“, fragte der Seelsorger.
„Ja aber das ist was anderes.“, presste Zak hervor.
„Nein. Sie hat dir geholfen, als es dir nicht gut ging und jetzt wird sie dich bestimmt auch nicht im Stich lassen.“, meinte der Notfallseelsorger zuversichtlich.
„Glaubst du?“, fragte Zak hoffnungsvoll.
„Bestimmt.“, antwortete Jonas bestimmt.
„Wirklich?“
„Ja. Ich bin mir sicher. Sie mag dich und sie wird dir immer helfen und zu dir stehen.“
„So wie du?“
„So wie ich.“
„Mh.“, wieder entstand eine Pause und langsam beruhigte sich Zak.
„Darf Richard kommen?“, fragte der Seelsorger nach einer Weile.
„Ja.“, meinte Zak und wischte sich die letzten Tropfen ab. Auf ein Zeichen kam der Retter langsam zu ihnen und durchquerte den großzügig bemessenen Diskretionsabstand.
„Hey. Wie geht es dir? Geht es dir besser?“, fragte er besorgt und eine Falte legte sich auf seine Stirn.
„Ja. Ja. Ein wenig.“, antwortete Zak. Er zitterte noch ein wenig, aber das wurde immer weniger.
„Das ist schön zu hören. Soll ich noch was für dich tun? Soll ich dich nach Hause fahren?“, bot er an, „Du kannst mit mir alleine Fahren.“
„Soll er vielleicht jetzt deine Freundin anrufen?“, fragte Jonas sanft.
„Ja. Das wäre nett.“
Wieder wurde das Handy rumgereicht und der Retter entfernte sich beim Telefonat ein wenig von der Gruppe.
„Können wir zum See?“, frage Zak.
„Gerne. Kannst du schon laufen?“, erwiderte der Seelsorger.
Langsam, ganz langsam stand Zak mit der Hilfe des Notfallseelsorgers auf und gingen zum See. Das Ufergestrüpp versperrte ein wenig die Sicht, aber man konnte draußen die Segelboote sehen. Sie standen kurz da und schauten dem Treiben zu. Viele Kinder spielten am Ufer zur rechten. Im Hafen zur linken war viel betrieb. Viele putzten ihre Boote oder schraubten hier und da rum. Nach einer weile kam der Retter von hinten heran und gab Zak das Telefon.
„Bitteschön. Deine Freundin kommt. Ich weiß nur nicht ob sie durchgelassen wird oder nicht. Aber wenn alles glatt geht, wird sie bis hierhin fahren können.“, meinte er Väterlich.

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