Aus meinen Mini-Geschichten:


Sorgfältig schob ich die aufgeschnittene gelbe Hirnhaut beiseite und führte das Gerät ins Gehirn, um es zu verquirlen, bis es die Konsistenz von zähem Brei hatte. Das Geräusch war nicht so laut, wie ich dachte, dafür matschte und spritzte es ein wenig. Ich strich mir die gemixte Hirnmasse von den Fingern und griff dann nach dem Haken. Langsam stiess ich den gebogenen Draht durch die künstlich erweiterten Nasenlöcher, immer weiter ins Gehirn hinein. Auf halbem Weg spürte ich einen Widerstand und gab mehr Druck auf das Instrument. Mit einem leisen Quietschen, kam ich damit fast bis an die Schädeldecke meiner Leiche. Vorsichtig drehte ich den Bügel und bekam die Gehirnmasse zu fassen, die ich konzentriert wieder durch die Nase hinauszog. Den grauen Knäuel, der an der Spitze der krummen Nadel hing, wischte ich fein säuberlich auf einem Tuch ab. Bei dem Anblick stöhnten die Zuschauer erstmals leise auf. Ich fand das despektierlich, schliesslich hatte ich gerade erst angefangen. Dann machte ich mit dem Rest des Gehirns solange weiter, bis die ganze Hirnmasse neben mir auf dem Tisch lag. Als ich den Vorgang nochmals deutlich erklärte, sprang die erste Zuschauerin auf und verliess unter Würgen den Raum. Dabei hatte ich nur erklärt, dass das Gehirn eigentlich auch noch selber auslaufen sollte. Der Rest der Gruppe blieb, übte sich aber in Schweigen. Gut, damit konnte ich leben und zügig zur Organentnahme schreiten. Auf die Füllung des leeren Schädels verzichtete ich dabei, um üblen Geruch zu vermeiden.

 

Ich hatte sorgsam kleine Gefässe neben dem Toten aufgestellt, um alles anschaulich präsentieren zu können. Das schwache Licht im Raum erschwerte dieses Vorhaben allerdings ein wenig. Trotzdem suchte ich nach dem grossen Messer und schnitt dem Toten den Bauchraum auf. Nun ging es darum, die Eingeweide herauszuziehen. Das ging um einiges schwieriger als ich gedacht hatte. Ich musste wirklich mit Druck im Körper herumschaben, bis ich die Leber zu fassen bekam. Auch diese musste ich in Teilstücken nach draussen zerren. Das war eindeutig nicht so geplant gewesen. Das war der Zeitpunkt, wo die nächsten beiden Zuschauer, bereits grün im Gesicht, den Raum verliessen. Leicht irritiert schaute ich ans andere Ende des Raumes, zu ihm. Der Mann nickte nur und bedeutete mir, weiter zu machen. Beruhigt bohrte ich den Haken wieder in den Körper, um die nächsten Organe zu holen. Zum Glück konnte ich das Herz drin lassen und musste mich hier nicht auch noch abmühen. Dafür waren die Gedärme wieder schwieriger, da sie lange und unhandlich waren. Auch hingen sie am Schluss etwas aus dem Topf, da dieser eindeutig zu klein war. Dann kamen noch die Augen, die ich herausklaubte und wie deklariert ersetzte.  Auch das Herausschneiden und ersetzen der Zunge erwies sich als ziemlich einfach.

 

Zum Schluss wickelte ich die Leiche in Tücher, wobei ich jedes einzelne Glied sorgsam einpackte. Ich spürte im Raum die Erleichterung, den der Tote ging seinem Ende entgegen. Mit allgemeiner Zustimmung schrieb ich nun die Zaubersprüche auf die Bandagen, um den Toten vor den bösen Geistern zu schützen. Damit richtete ich mich auf, denn mein Werk war getan. Mein Auftraggeber stiess sich von der Wand ab und kam langsam nach vorne. Unter dem erleichterten Aufatmen der Zuschauer schaltete er das Licht wieder ganz ein und stellte sich neben mich. Ich starrte ungeduldig auf die Menge, die leichenblass in ihren Stühlen hinge und erwartete, dass ich nun von ihnen gerichtete werden würde. Es war von Anfang an klar gewesen, dass dieses Unterfangen nicht zwingend gut ausgehen musste.

 

Aber alle fingen an zu klatschen und mein Lehrer lächelte gütig. Der Vortrag über die Mumifizierung hatte allen sehr gefallen. Gut, einig waren noch auf der Toilette. Aber was war schon schlimm daran, einem Teddybären die Füllung aus dem Körper zu reissen? Jedenfalls hatte ich mit meinen zwölf Jahren und meiner flauschigen Mumie die Bestnote abgeholt. Von da an, war mir klar, schockieren funktionierte immer. Und ich hatte meine Vorliebe für Ägypten entdeckt. So kommen Kinder zu ihren Hobbys.

 

Dann packte ich Häkelnadel, Schere und Milchschäumer wieder ein und ging glücklich mit meinem Teddy nach Hause.

Kommentare

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    Am Anfang fand ich den Text irgendwie auch leicht abstoßend (ich wäre wohl einer der Menschen gewesen, die den Raum verlassen haben), aber über das Ende musste ich einfach nur Schmunzeln, weil ich die Vorstellung so absurd fand :D Der Wendepunkt ist dir super gelungen :)

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Feenstaub

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