Grau ist sie.
Staubig.
Schwer ihr Schritt.
Einen Sack voller Steine schleppt sie auf ihrem Rücken.
Ein Leben lang -
ein Leben lang bereits schleppt sie diesen Sack mit sich herum.

Ab und zu konnte sie ihn abstellen.
Aufatmen.
Ihn vergessen.

Aber dann musste sie ihn wieder aufheben.
Weitergehen.
Mit dem Sack.
Dem schweren Sack voller Steine.

Sie merkte nicht, wie staubig sie selbst davon wurde.
Wie schwer ihr Schritt.
Wie gebeugt ihr Rücken.

Bis sie an eine Kreuzung kommt.
Der Sack wird zu schwer.
Müde setzt sie sich hin.

Lange sitzt sie da.
Staubig.
Getrübten Blickes.

Stumm blickt sie vor sich hin.
Dann schaut sie den Sack an.
In ihr regt sich etwas.

Sie beginnt an dem Sack zu nesteln.
Oeffnet ihn.
Nimmt einen Stein heraus.

Er ist schwer.
Sie dreht ihn in ihren Händen hin und her.
Ihr Hals wird eng.

Sie packt den Stein, steht auf und wirft ihn dann in hohem Bogen weg.
Ueberrascht bleibt sie einen Moment stehen, schaut ihm nach.
Setzt sich wieder.

Wieder blickt sie den Sack an.
Wieder beugt sie sich über ihn.
Nimmt einen weiteren Stein heraus.

Auch ihn schaut sie von allen Seiten an, steht dann auf und wirft ihn weg.
Sie atmet schwer.
Meint sie es nur, oder ist das Licht heller geworden?

Wieder beugt sie sich über den Sack.
Stein für Stein holt sie heraus, dreht und wendet ihn, wirft ihn weg.
Tränen steigen auf.
Sanfter Wind streicht über ihr Gesicht.

Immer tiefer muss sie sich bücken, um an die Steine heranzukommen.
Der Sack beginnt sich zu leeren...
Die Tränen fliessen...
Der Atem geht stossweise...

Sie kommt auf den Grund des Sackes...
Die letzten Steine finden ihren Weg nach draussen, ans Licht, werden weggeworfen...
Die Sonne bricht durch die Wolken.

Schwer atmend sitzt sie neben dem leeren Sack.
Langsam wird sie still.
Die Tränen versiegen.
Der Atem wird ruhig.

Sie beginnt, sich umzusehen.
Sie staunt.
So hell das Licht.
So klar die Farben.
So sauber sie selbst.

Sie lächelt.
Beginnt zu lachen.
Immer herzhafter wird diese Lachen
bis es sie ganz erfüllt
und sich seinen Weg nach draussen sucht...

Sie lacht
      und lacht
              und lacht

Sie steht auf
beginnt, sich im Kreis zu drehen.
Sie singt. Sie tanzt.

Dann geht sie
Leichten Schrittes
Dem LEBEN entgegen




























Kommentare

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    In diesem Text kann sich ein jeder wiederfinden und sogar etwas für seinen weiteren Lebensweg mitnehmen. Und das dank so einfacher und zugleich tiefgründiger Bilder. Sehr gelungen! :)

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    Ich bin begeistert! Du beschreibst das ganze so bildhaft, berührend und greifbar und hälst dieses Niveau von Anfang bis Ende. Einfach nur spitze!

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    Wirklich wundervoll! Du sprichst mir mit diesem Text aus dem Herzen. So viele Steine muss man im Laufe des Lebens loswerden und je mehr einem das gelingt, umso zufriedener wird man und man findet immer mehr zu seiner eigenen Kraft zurück! 5/5 keine Frage :-)

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    Wie viele Stunden hat dich dein Leben leiden lassen, wie viele Enttäuschungen wegstecken, wie oft hast du stärker sein müssen, als du es dir zugetraut hast... bis dir deine Lebenserfahrung, dein Stolz, deine dir innerste Kraft.. die Weisheit dieser Worte geschenkt hat? 5/5 für Etwas, das noch keiner SO gesagt hat...

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    Ohhhh, wie wundervoll und so war. Die Bilder in meinem Kopf waren so klar und lebendig. Danke dir für diese schönen Sätze. Perfekt.

beta
Feenstaub

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