Der Weg nach Brünn

Der Weg nach Brünn ist lang, wenn man den Falschen nimmt. Viktor war sich nicht mehr sicher, ob seine Entscheidung, schon im Mühlviertel über die Grenze zu fahren, nicht falsch war. Ob er nun der österreichischen Polizei oder der Tschechischen in die Hände fiel, wäre eigentlich egal gewesen. In seinem Fall waren es die Tschechen. Er war relativ schnell unterwegs auf einer nicht besonders ausgebauten Landstraße und als er am Kurvenausgang das Polizeiauto an der Haltestelle sah, wusste er bereits, dass man ihn mit Sicherheit anhalten würde. Genauso kam es. Viktor, der die Landessprache beherrschte grüsste freundlich zurück und sagte er habe die Papiere in der Gesässtasche und müsse deshalb aussteigen um da ran zu kommen. Während einer der Beamten um das Auto ging, öffnete er die Fahrertür. Es ging sehr schnell. Die 9mm PPK bellte zweimal kurz auf. Die beiden Polizisten waren tot, noch bevor sie am Boden angekommen waren. Eiskalt stieg er aus, zerrte die beiden hinter das Polzeifahrzeug und nahm deren Schußwaffen und Munition an sich. Scheiß-EU! Die Polizei war inzwischen gut vernetzt innerhalb Europas. Und er kannte überall Polizisten, auch korrupte! Nur jetzt, wo er nicht mehr zur Elite der Security zählte, wo er nichts Anderes mehr als ein gesuchter Mörder war, waren auch seine Schlupflöcher und seine Helferlein gezählt. Die sicherste Adresse war eben Brünn. Nahe dem Autodromo Brno hatte er eine sichere Zuflucht mit erstklassigen Verbindungen. Es hatte sich bei verschiedenen Motorradrennen so ergeben, dass er über andere Securitys auch ein paar kriminelle Subjekte kennen gelernt hatte. Richtig schwere Jungs. Und wie das in solchen Kreisen so üblich ist hat man dem einen oder anderen ganz bewusst große Gefallen getan. Immer mit dem Gedanken, dass man irgendwann eine Schuld einfordern kann. Seine Zeit war gekommen und wenn man dieser Creme de la Creme der Halunken etwas nicht abstreiten kann, dann die Tatsache, dass sie ihre Schulden (im Sinne von Hilfe bei Verfolgung durch die Justiz, Versorgung mit Waffen, Papieren und mancherlei anderen nützlichen Dingen) immer begleichen! Auch wenn es noch so ehrlose Mörder sein mögen, Gaunerehre kann mehr als jede andere Form von Ehre. Aber noch trennten Viktor weit über zweihundert km von seiner Zuflucht. Blieb zu hoffen, dass seine Flucht nicht noch mehr Blutvergießen fordern würde...

In der Klinik der Bücker-Stiftung war es zu dieser späten Stunde schon sehr ruhig und ich genoss in den Bückerschen Privaträumen die Verschnaufpause, die sich zwangsläufig für uns ergeben hatte. Es war ein erhebendes Gefühl, der Geliebte dieser einzigartigen Frau zu sein, noch erhebender für mich, der ich eine lange Durststrecke hinter mir hatte, was zwischenmenschliche Beziehungen betraf. Selina verwöhnte mich. Einzig störend fand ich meine Verletzung, die mich daran hinderte, Selina ihre Zärtlichkeiten eins zu eins zurück zu geben, was sie aber offenbar überhaupt nicht störte... und ich weiß heute, das ich nie zuvor in meinem Leben soviel Liebe und Zufriedenheit verspürt hatte. Irgendwann lag Selina wieder in der für sie mittlerweile typischen Haltung an meiner Seite. Es ist etwas ganz Besonderes, finde ich, wenn ein Mensch dich nicht halten kann, ohne dich ein ganz klein Wenig, und sei es nur mit dem Daumen oder einer Fingerkuppe, streicheln zu müssen. Es hat etwas von einem Versprechen. Ein Versprechen begehrt und geliebt zu werden...




Kommentare

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    Sehr spannend am Anfang, wenn man etwas mehr von Viktor liest und wunderschön romantisch am Schluss.

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    wirklich romantisch <3

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    Moi... das Kaptelende ist total romantisch <3

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    Absolut fantastische Wortwahl. Die Handlungen sind so realistisch beschrieben. Der Wechsel der Dynamik innerhalb der unterschiedlichen Szenen ist großartig umgesetzt!!!!!! Ich bin weiterhin gespannt und begeistert.

beta
Feenstaub

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