Der Zauberlehrling

Machtum, April 875 n.DH.

Der Schnee auf den Pflanzen fing an zu funkeln, als sich die Morgensonne am Osthimmel über Machtum erhob. Zorono war schon früh wach, da er, wie viele Magier in seinem Alter auch, zur Zauberakademie musste. Zorono war ein Zauberlehrling, welcher sich zum Sturmbändiger ausbilden ließ. Sturmbändiger waren Zauberer, welche die Blitzmagie beherrschten. In der Zauberakademie von Machten werden drei Arten von Magie gelehrt: Die Feuermagie, Wassermagie und eben die Blitzmagie.

Es fing gerade ein neues Semester an und Zorono war erleichtert, dass sie in der Akademie jetzt auch endlich die Blitzmagie behandeln. Das komplette letzte Jahr lernten sie nur die Magische Verteidigung.

Die Magische Verteidigung war eine besondere Art der Magie, sie beherrscht jeder Zauberer, egal welche Zauberprofession er gelernt hatte. Sie beinhaltet Heilzauber, Schutzzauber und andere wie z.B. Unsichtbarkeitszauber.

Zorono ging aus seinem Zimmer runter in die Wohnstube. Er schaute kurz ins Zimmer seines Onkels – er schlief noch. Zorono lebte bei seinem Onkel, da seine Eltern meist im Ausland arbeiten und somit die meiste Zeit nicht im Herzogtum sind. Sein Onkel war ein Schmied, was Zorono nicht verstand, da er eine sehr hohe Magiekunde besaß und somit eigentlich einen recht guten Zauberer abgegeben hätte.

Zorono schloss die Tür und holte seine Sachen. Er nahm sich seinen Hausschlüssel, verließ das Haus und machte sich auf den Weg zur Akademie.

Als er auf dem Weg zur Akademie war lief er über den Marktplatz von Machtum, auf dem es jedoch, aufgrund der frühen Stunde, sehr ruhig war. Das wird am Nachmittag nicht mehr so sein, vor allem heute, wo die fahrenden Händler nach Machtum kommen.

Machtum war eine kleine Stadt im Herzogtum Arkta, ein Land welches fast das ganze Jahr von einer Schneedecke überzogen ist, nur im Juni und Juli schmolz der Schnee. Machtum lag am sogenannten Termosee, ein See, dessen Wasser das ganze Jahr über warm ist. Außerdem ist der See auch die Quelle eines Flusses, welcher „Sonnenstrom“ heißt. Der Sonnenstrom fließt ins Meer, weswegen er auch als Handelsweg für die fahrenden Händler dient, welche dann exotische Waren von den anderen zwei Kontinenten, Vulkin und Orix, verkaufen.

In der Ferne erblickte Zorono schon die Akademie. Sie war ein großes, altes Steingebäude, welches sich sehr von den üblichen Finnhütten der Stadt unterschied. Die Akademie bestand aus einem mittig gelegenen Hauptgebäude und jeweils einem Ost– und Westflügel. Aus dem Dach des Hauptgebäudes ragte ein sehr hoher Turm, in dessen Spitze sich das Arbeitszimmer des Kanzlers befand. Vor der Akademie gab es einen kleinen Hof, welcher von einer Steinmauer umgeben war. Sowohl die Steinmauer als auch das komplette Gemäuer der Akademie bestand aus schwarzen Ziegeln, welche der Akademie ein düsteres und ernstes Äußeres verlieh. Am kompletten Gemäuer der Akademie fanden sich Wasserspeier in Form von Hunden und Drachen wieder.

Als Zorono im Unterricht saß, dachte er hauptsächlich an die fahrenden Händler und an all die Waren von fremden Kontinenten.
Es gibt insgesamt vier Kontinente. Der östlichste heißt Orix, ein sehr warmer Kontinent, welcher hauptsächlich aus Dschungeln, Wüsten und Savannen besteht und das komplette Gegenteil von Vulkin. Vulkin ist ein Kontinent, welcher aus einer vulkanischen Eislandschaft bestand. Jedoch ist Vulkin sehr reich an Erzen, wie z.B. Kohle, Eisen und Gold. Ganz im Westen liegen die sogenannten Westlichen Inseln. Sie sind noch kaum erkundet und es gibt nur sehr wenig Wissen über sie. Der Kontinent, jedoch, auf dem das Herzogtum Arcta liegt heißt Draycor. Er ist zwar ein recht kleiner Kontinent, jedoch sind auf ihm alle bekannten, kulturschaffenden Völker vertreten. So gibt es auf dem Kontinent, neben den hier lebenden Magiern auch die Menschen, sowohl die Orks, als auch die drei Zwergen- und Elfenvölker. Besonders erstaunlich sind aber die zwei Hybridenvölker, da niemand genau weiß, wo sie herkommen und wie sie entstanden sind. Da gibt es einmal die weit im Osten, auf einem Inselreich lebenden, Tamia, welche eine Mischung aus Mensch und Streifenhörnchen sind und die Meriko, welche eine Art Vogelmenschen sind.

Als Zorono die Akademie verließ, sprach ihn Cicero an, ein Mitschüler mit dem Zorono sich recht gut verstand.
„Hey, Zorono, gehst du auch heute auf den Markt?“, fragte er. „Ich habe gehört, dass die fahrenden Händler heute zum ersten Mal Waren aus Agranog verkaufen“.

„Ja, gehe ich“, erwiderte Zorono. „Aber, ich interessiere mich eher für die ganzen Sachen aus Drakonia“.

„Drakonia? Du interessierst dich wohl für die Landen der Hochelfen, ich freue mich eher auf die Waren aus Nipponia“, antwortete Cicero.
Zorono und Cicero unterhielten sich noch eine Weile, bis sie dann beide den Weg nach Hause bestritten. Zuhause angekommen, war Zoronos Onkel schon wach und hämmerte auf ein Stück Metall, welches auf einem Amboss lag ein.

„Ah, du bist zuhause, wie war es in der Akademie?“, frage er.

„Nicht so gut, es gab heute eigentlich nur Theorie, aber ich glaube das wird noch besser“, antwortete Zorono.

„Naja, die Blitzmagie ist schwer zu beherrschen, also ist es gut erst mal etwas theoretisches Wissen anzusammeln“ entgegnete sein Onkel in einem fast schon mahnenden Ton. „Übrigens habe ich dein Schwert repariert, es liegt auf deinem Zimmer“.

Als Zorono das hörte ging er sofort auf sein Zimmer. Zorono hat seit er klein war mit diesem Schwert geübt. In Arcta gibt es kaum Lehrer für den Schwertkampf, da die meisten Magier mit Stabwaffen kämpfen, somit musste Zorono sich das Kämpfen mit dem Schwert selbst beibringen. Er benutze seit all den Jahren dasselbe Schwert, welches er sich von einem fahrenden Händler aus Emvia, das Land der Menschen, kaufte. Dieses Schwert ging des Öfteren schon Kaputt, was jedoch aufgrund seines Onkels kein großes Problem ist.

Zorono öffnete die Tür zu seinem Zimmer. Er hatte ein recht großes Zimmer, welches sich auf dem zweiten Stock des Hauses befand, weswegen die zwei Seitenwände seines Zimmers abgeschrägt waren. In dem Zimmer befand sich ein Schreibtisch, welcher gegenüber der Zimmertür stand. Neben den Schreibtisch stand ein Bücherregal, in dem noch recht wenige Bücher standen und ein Schrank, in welchem Zorono seine Kleider aufbewahrte. An der linken Wand des Zimmers stand Zoronos Bett, auf dem das Schwert in seiner Scheide lag.

Zorono ging hin und zog es aus der Scheide. Es war wieder komplett repariert, ohne jegliche Spur, dass es zerbrochen war. Zorono steckte es zurück und befestigte die Scheide an seinem Gürtel.

Als Zorono wieder nach unten ging wurde er gleich von seinem Onkel angesprochen: „Warst du heute eigentlich schon im Tempel?“

„Nein, noch nicht“, antwortete Zorono.

„Ja, dann solltest du jetzt gehen“, sagte sein Onkel. „Nachher kommen die fahrenden Händler und dann hast du keine Zeit mehr“.

Zorono nickte und machte sich auf den Weg. Der Tempel war nicht weit weg, somit dauerte es nicht lange bis Zorono dort war.
Der Tempel bestand aus einem kleinen, aus Holz bestehenden Gebäude an dem ein kleiner Turm stand. An der Seite des Gebäudes gab es einen kleinen, mit einer Hecke umgebenen Hof, auf dem zehn Altäre standen.

In Arcta herrscht der sogenannte Drakonismus, das ist der Glaube an die 10 Wesensgottheiten. Der Drakonismus besteht aus drei Auslegungen, der menschlichen, zwergischen und elfischen Auslegung. Die Magier in Arcta teilen sich zusammen mit den Menschen eine Auslegung. Die Priester im Drakonismus heißen Druiden, welche direkt in den Tempeln arbeiten. Die Kleidungen der Druiden unterscheiden sich und sind an die Aspekte der jeweiligen Gottheit, der der Druide dient, angepasst.

Auf den Hof waren neun Altäre in einem Halbkreis aufgereiht, in der Mitte dieses Halbkreises stand der Zehnte. Der Altar in der Mitte war Celkia, Gott des Himmels und Fürst der Götter, geweiht. An der Spitze des Halbkreises stand der Altar von Spaco, dem Gott des Raumes und der Jagd. Rechts von diesem Altar waren die Altäre von Tempo, Gott der Zeit und des Schicksals, Spirito, Gott des Todes und des Schlafes, Tondro, Gott des Wetters und der Vegetation und von Flamo, Gott des Handwerkes und des Feuers. Links von der Mitte standen Kona, Göttin der Liebe und der Musik, Pensa, Göttin des Wissens und der Kunst, Emoca, Göttin der Ehre und des Kampfes und Dyos, Gott der schlechten Künste.

Bei den Menschen, Magiern und Zwergen gibt es meist einen Tempel für alle Gottheiten. Bei den Elfen sind die Götter jedoch getrennt und jeder bekommt seinen eigenen Tempel.

Da dieser Tempel recht klein war, gab es hier für jede Gottheit nur einen Druiden.

Nachdem Zorono einmal zu jeder Gottheit gebetet hatte, verließ er den Tempel wieder. Als draußen ankam, schaute er zum Termosee. Der Tempel stand auf einen kleinen Hügel, somit hatte man einen guten Blick über Machtum.

Zorono folgte mit seinem Blick, vom Termosee aus, den Lauf des Sonnenstroms. Plötzlich fing Zorono an mit schnellen Schritten nach Hause zu laufen, da am Horizont mehrere Schiffe auftauchten.

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