Die Drohung der Bellatrix Lestrange

Ungeduldig saß Lucius Malfoy an dem kleinen, runden Tisch im Frühstückszimmer und wartete darauf, dass die Gastgeberin sich blicken ließ. Es war ein Wunder gewesen, dass er in den frühen Morgenstunden doch noch eingeschlafen war, aber nun war er seit über einer Stunde wach und brannte darauf, in sein Haus zurückzukehren. Alleine die Sorge, dass Bellatrix ihm irgendwelche abstrusen Dinge unterstellen könnte, wenn er nicht wie verabredet mit ihr frühstückte, hielt ihn an Ort und Stelle.

Er wunderte sich selbst über seine Unruhe. Warum ging ihm das Wohl seiner Sklavin so nah? Seit er die 12jährige Hermine Granger im Buchladen in der Winkelgasse kennen gelernt hatte, waren sie sich immer wieder über den Weg gelaufen - und stets als Feinde. Er hatte immer gewusst, dass sie ungewöhnlich klug war, immerhin hatte sie in allen Fächern stets bessere Noten abgeliefert als sein Sohn - und gerade diese Tatsache hatte seine Abneigung nur verstärkt. Warum vergeudete die Natur so viel Talent an ein Schlammblut, war eine Frage, die er sich immer wieder gestellt hatte. Was an ihr war anders geworden, dass er sie plötzlich nicht mehr verachten konnte?

Oder hatte er sich verändert? Nach dem Sieg des Dunklen Lords war so etwas wie Alltag eingekehrt in die Zaubererwelt, doch er selbst spürte eine dauerhafte Anspannung. Obwohl die Fronten geklärt waren, wurde er das Gefühl nicht los, dass noch immer jeder jeden bespitzelte und alle um ihn herum versuchten, Makel im Verhalten der anderen zu finden, um diese dem Lord zu melden und sich so selbst besser zu stellen. Die Atmosphäre des Misstrauens nagte an ihm. Einmal mehr wünschte er sich, der Zwischenfall in der Mysteriumsabteilung wäre nie geschehen, so dass er nie in Ungnade gefallen wäre. Sein einstmals sicherer Stand hatte lange Monate extrem gewackelt und noch heute spürte er, wie dünn das Eis war, auf dem er sich bewegte.

Und dann war da noch diese andere Sache...

"Guten Morgen, Lucius", ertönte die kindliche Stimme seiner Schwägerin und riss ihn damit aus den trübseligen Gedanken. Beinah erleichtert blickte er auf und beobachtete, wie Bellatrix sich elegant in einen der mittelalterlichen Sessel vor dem Tischchen sinken ließ.

"Vielen Dank, dass du auf mich gewartet hast, mein Guter! Es ist wirklich sehr liebenswürdig von dir, dass du das Essen mit mir einnimmst, obwohl du doch so gerne nach Hause willst." säuselte sie. Ein Schnauben war die einzige Antwort, die sie erhielt. Als ob ich eine andere Wahl gehabt hätte, verlogenes Biest, dachte Lucius bei sich, doch er wagte es nicht, den Gedanken laut auszusprechen.

"Erzähle mir, wie geht es meiner kleinen Schwester?"

Seufzend ergab sich Lucius seinem Schicksal - so schnell würde er hier nicht rauskommen.

"Narzissa geht es blendend."

"Oh, wirklich? Ich hatte den Eindruck, ihr hättet euch gestritten ...?", fragte Bellatrix lauernd, doch er fiel nicht darauf herein: "Nur, weil sie sich mit mir streitet, muss es ihr ja nicht schlecht gehen."

"Ihr wart immer sooo verliebt ineinander - worüber können zwei Turteltäubchen wie ihr denn streiten?"

Die gespielt kindliche Stimme seiner Schwägerin begann schon wieder, ihm auf die Nerven zu gehen. Ihm wurde mehr und mehr bewusst, dass Bellatrix ganz genau wusste, was in seinem Haus passierte - entsprechend gefährlich war ihre aufgesetzte Unwissenheit.

"Streitest du dich nie mit Rodolphus?", versuchte er der Frage auszuweichen.

"Mein Mann ist ein Schwachkopf, das weißt du so gut wie ich", kam nur die lachende Antwort, "uns hat nie so ein inniges Band vereint wie euch. Zier dich nicht so, Lucius, was ist los bei euch? Mir kannst du es doch anvertrauen, wir sind doch Familie!"

Schweiß trat auf die Stirn des sonst so kühlen Mannes. Mit erstarrter Miene schaute er in das Gesicht von Bellatrix, die ihrerseits mit halbgeschlossenen Lidern, die Kaffeetasse in der Hand und ein unschuldiges Lächeln auf den Lippen zurück blickte. Ein Lächeln, das ihre Augen nicht erreichte. Mit Macht wurde ihm bewusst, dass seine Ehefrau kein dummes Blondchen war, sondern eine gefährliche Spielerin, die er sich besser nicht zur Feindin gemacht hätte.

Lucius holte tief Luft, dann erwiderte er: "Narzissa mag unsere Sklavin nicht. Ich fürchte, sie ist eifersüchtig, dass jetzt eine junge Frau bei uns im Haus lebt."

Es blitzte kurz in den Augen seines Gegenübers - offensichtlich hatte er ins Schwarze getroffen und exakt das gesagt, was seine Frau ihrer Schwester erzählt hatte. Gut, dachte er bei sich, vielleicht gibt es doch einen Weg hieraus.

"Aber warum ist sie denn eifersüchtig?", erkundigte Bellatrix sich neugierig, "Schau, das hier" - sie deutete auf den jungen Mann, der auf allen Vieren in den Raum gekrochen kam - "das ist mein Sklave. Ein junger Bursche in der Blüte seiner Jahre, voller Manneskraft. Aber mein Ehemann würde niemals eifersüchtig auf ihn werden. Ich nutze den Jungen zu meinem persönlichen Vergnügen, lasse ihn erfahren, wie nah Lust und Schmerz beieinander liegen. Das ist etwas, was ich mit Rodolphus niemals tun würde. Er lässt mich meine Fantasien an dem Sklaven ausleben, ohne das auch nur im Mindesten schlecht zu finden. Wenn du das gleiche mit deiner Sklavin tust, wieso ist Narzissa dann so wütend?"

Angewidert starrte Lucius auf den Mann vor sich. Wie am Vortag hielt ihn eine schwere Eisenkette mit Nietenhalsband im Zaum, doch heute fehlte der Penisring. Die Augen, die am Vortag nur ins Leere gestarrt hatten, waren heute etwas lebendiger - offensichtlich stand er nicht unter dem Einfluss von Drogen und war sich seiner Umgebung bewusst.

"Kann es sein", fuhr Bellatrix fort, "dass du zu zärtlich gegenüber deiner Sklavin bist?"

Lucius Mund war urplötzlich trocken und er musste einige Male hart schlucken, ehe er zu einer Antwort ansetzen konnte: "Zärtlich ... ist vermutlich nicht das richtige Wort, Bella, ich ..."

Mit einer fließenden Bewegung stand Bellatrix auf und ließ sich, ehe er reagieren konnte, auf dem Schoß von Lucius Malfoy sinken. Sie brachte ihr Gesicht ganz nah an sein Ohr, legte eine Hand an seine Brust, die andere in sein Haar, und flüsterte gefährlich leise: "Lüg mich nicht an, Lucius. Mir ist es völlig egal, ob Narzissa eifersüchtig ist oder nur mit einem Geschirrtuch bekleidet durch dein Schlafzimmer tanzt. Aber wenn mir nochmal zu Ohren kommt, dass du ein Schlammblut besser behandelst als deine reinblütige Frau, komme ich nicht umhin, eine Eule an den Lord zu schicken."

Mit diesen Worten erhob sie sich wieder, um auf dem Rücken ihres Sklaven Platz zu nehmen. Lucius stand seinerseits auf, verbeugte sich leicht, und verließ dann das Frühstückszimmer. Ein letzter Blick in den Raum zeigte ihm wie seine Schwägerin hingebungsvoll mit ihren langen Fingernägeln über den Rücken ihres Sklaven kratzte und ihm tatsächlich gedämpfte Schmerzensschreie entlocken konnte.

Während er heim apparierte, ging Lucius Malfoy auf, wer dieser Sklave war: Ronald Weasley, der Geliebte seiner eigenen Sklavin.

oOoOoOo

Sorge stieg in ihm hoch. Kurz nach seiner Ankunft in seinem Arbeitszimmer hatte Lucius Malfoy sich aufgemacht, nach seiner Sklavin zu suchen, doch weder in der Küche noch in der Bibliothek oder in einem anderen Raum des Hauses war sie zu finden. Auch seine Frau und sein Sohn waren spurlos verschwunden. Kopfschmerzen machten sich breit. Ratlos ließ der blonde Mann sich auf eine Bank in der Küche sinken und schaute den Hauselfen dabei zu, wie sie das Mittagessen bereiteten. Er konnte noch immer nicht verstehen, wie andere Zauberer sich so gerne dieser Wesen bedienten - lange Nasen und Ohren, riesige Augen, abstoßend dürre Körper. Hauselfen waren in seinen Augen einfach nur hässlich.

"Herr", sprach ihn unvermittelt ein weiblicher Hauself von der Seite an. Mit aufgerissenen Augen starrte er das kleine Wesen an, das es wagte, ihn ohne Aufforderung anzureden. Sie schrumpfte merklich und ein Zittern in ihrem Körper deutete darauf hin, dass es sie alle Kraft kostete, sich nicht sofort selbst zu bestrafen.

"Herr, Eure menschliche Sklavin liegt draußen unter dem Waschkübel. Wir brauchen den jetzt aber ... dürfen wir ihn holen?"

Entsetzt fuhr er in die Höhe - auf die Idee, dass Granger außerhalb des Hauses sein könnte, war er überhaupt nicht gekommen. Ohne auf den Elf zu achten, stürmte er durch die Küche und riss die hölzerne Pforte auf. Rechter Hand entdeckte er den umgekippten Waschkübel. Mit einer kurzen Bewegung seines Zauberstabes ließ er das Holzgefäß hochschweben und setzte es an der Wand ab. Was er darunter fand, jagte ihm einen Schauer der Angst über den Rücken.

Hermine Granger lag eingerollt am Boden, die Augen geschlossen, komplett regungslos. Ihre Hände und Füße hatten eine ungesunde Farbe angenommen. Rasch beugte er sich herab und strich die Haare aus ihrem Gesicht, doch noch immer konnte er keine Reaktion provozieren. Ihr Körper fühlte sich schrecklich kalt an, kein Heben der Brust deutete auf Atmung hin. Hilflos zog er den leblosen Körper in seine Arme. Wenn mir nochmal zu Ohren kommt, dass du ein Schlammblut besser behandelst als deine reinblütige Frau, komme ich nicht umhin, eine Eule an den Lord zu schicken. klangen die Worte von Bellatrix in seinem Geiste nach.

"Ich will nur mein Eigentum retten!", murmelte Lucius vor sich hin, "Das kann mir ja wohl niemand absprechen!"

Es war eine lahme Ausrede, das war ihm selbst bewusst, doch er brachte es nicht fertig, die junge Frau einfach ihrem Schicksal zu überlassen.

"Mr. Malfoy..."

Die Worte waren so leise, er hätte sie beinah nicht gehört. Schnell drehte er Hermine herum, um in ihr Gesicht schauen zu können. Ihre Lider flatterten, dann öffnete sie sie unter größter Kraftanstrengung.

"Sie sind warm ... so warm ..."

Und erneut verfiel Hermine in eine leblose Reglosigkeit. Kurz entschlossen hob Lucius sie hoch und trug sie durch die Küche, die Treppen hoch bis zu seinem Badezimmer. Energisch stieß er die Tür neben der Dusche auf und betrat den gekachelten Raum, der das große Familienbad enthielt. Ein geübter Schwenk seines Zauberstabes öffnete die Wasserhähne und ließ lauwarmes Wasser in die Wanne laufen. Vorsichtig platzierte er den immer noch bewegungslosen Körper in der Wanne, dann drehte er den Hahn auf eine etwas höhere Temperatur.

Während er beobachtete, wie ganz langsam wieder Farbe in die Füße und Hände seiner Sklavin kroch, ging Lucius Malfoy im Kopf seine Optionen durch. Er konnte es sich nicht leisten, Hermine hier wieder gesund zu päppeln, zu verdächtig hatte er sich bereits gemacht. Doch wo sollte er sie hinbringen? Wem konnte er genug vertrauen, dass er sich richtig um eine Schlammblut-Sklavin kümmern würde?

Plötzlich kam ihm ein Gedanke. Möglicherweise gab es doch einen Menschen, der in diesem speziellen Fall helfen konnte. Er hätte sicher Interesse daran, dass mein Eigentum nicht beschädigt wird. Und er hasst Bella. Vielleicht ... mit den richtigen Argumenten ...

oOoOoOo

"Mein Herr ist im Moment nicht da, Mr. Malfoy, ich muss Euch leider enttäuschen."

Grimmig schaute Lucius die junge Frau vor sich an. So viel zu seinem Plan. Wo trieb der Kerl sich rum? Wieso musste er ausgerechnet jetzt verschwinden, wo er sich überwunden hatte, seine Hilfe zu erbitten?

"Kann ich Euch irgendwie behilflich sein?"

Nachdenklich blickte er sie an. Konnte er es riskieren, ungefragt seine Sklavin hier zu lassen? Hatte er überhaupt eine Wahl? Ich bin weich geworden. Diese ganze Sache habe ich mir selbst eingebrockt ... früher wäre das nicht passiert, da saß ich am längsten Hebel, da habe ich den Leuten gedroht! Er rang mit sich, doch schließlich gab er nach. Wer wusste, ob der Hausherr überhaupt in den nächsten Tagen wieder auftauchen würde? Vielleicht reichten ein paar Tage, um Hermine gesund zu pflegen, und sie war weg, ehe irgendjemand etwas mitbekam.

"Ja, kannst du. Ich bringe gleich eine kranke, junge Frau hier vorbei, die Pflege braucht. Ich selbst bin dazu außerstande. Es sollte ausreichen, wenn sie drei Tage hier bleibt. Ich bin mir sicher, dein Herr hat nichts dagegen, und wenn, schick ihn einfach direkt zu mir."

"Eine junge Frau ... EURE Sklavin?", kam die entsetzte Antwort. Er nickte nur wortlos und verschwand dann durch den Kamin. Minuten später erschien er erneut mit seiner Sklavin in den Armen und legte sie sachte auf das Sofa im Wohnzimmer. Mit einem weiteren Nicken verabschiedete er sich endgültig und flohte zurück in sein Arbeitszimmer.

"Hermine!", flüsterte Ginny Weasley verzweifelt, "Was haben die Schweine nur mit dir gemacht?"

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