Die erste Welle

"Passt auf", eine Barriere aus Licht bewahrte die drei gerade noch davor von einem brennenden Stein getroffen zu werden.
Dieser war unter dem dichten Rauch beinahe unter gegangen. "Danke", zischte Yalhan Allister zu, dann schlug er mit seinem Schwert einer kleinen Gestalt hinter ihm den Kopf ab.
"Was ist das?", schrie Shanora und betrachtete angeekelt das zirka einen Meter hohe Getier, welches nun blutend vor ihnen am Boden lag. Die Haut schien bräunlich rot und voller seltsamer Zeichen. Der Körper erinnerte an den eines Kindes, nur der Torso war dicker und voller eigenartiger Geschwüre. Der Kopf erinnerte an einen Menschen, aber nur ganz entfernt. Die Ohren waren spitz und die Augen schwarz und klein. Die Nase erinnerte an die eines Schweins und der geöffnete Mund lies den sie einen Blick auf die vielen kleinen Spitzen Zähne werfen.
"Das muss ein Gruß aus den verdammten Unterlanden sein!", die vertraute Stimme von Church unterbrach sie. Seine Fäden durchbohrten weitere dieser abscheulichen Kreaturen.
"Gut dich zu sehen", Allister nickte ihm zu, "was ist hier passiert? Du warst näher dran!"
Chruch bildete mit Allister und Yalhan einen Kreis um Shanora. Chruch biss sich auf die Lippe, er schien wütend darüber zu sein, dass er es nicht kommen gesehen hatte.
"Sie kamen aus dem Wald, Katapulte beschossen uns plötzlich, aus dem Rauch kamen diese fliegenden Teufel... Dann kamen Monster!", in dem Moment spießte er mit seinen Fäden zwei weitere der kleinen Kreaturen auf.
Yalhan zuckte zusammen als er Church genauer betrachtete.
Die Schreie aus dem Verlies in der Dunklen Kathedrale war auf einmal wieder in seinem Kopf, die edlen Gesichtszüge der Elfe, die sich geopfert hatte damit Finn und er fliehen konnten.
Die Fäden waren die selben wie die des grässlichen Untoten, gegen den Finn ihn verteidigt hatte. Ein Schemen der blonden Elfe erschien vor ihm, durchsichtig und verzogen, aber er erkannte sofort, dass Blut aus ihrer Kehle spritzte. 
"Das ist deine Schuld", ihr vorwurfsvoller Blick lag auf ihm und ihre Stimme versetzte seinem Herzen einen Stich. 
Plötzlich schnellte Shanora an ihm vorbei und durchschlug das Abbild der sterbende Elfe mit ihrem Schwert aus Licht. Dieser schien einfach zu verpuffen, als wäre er nie da gewesen. "Das ist nur eine Illusion", rief sie ihren Gefährten zu, "sie wollen eure Seelen schwächen! Und uns ablenken!"
Yalhan atmete auf, es war also ein fauler Zauber, er hatte um seinen Verstand gebangt. 
Der Boden schien unter ihnen zu beben und zu bersten, Risse entstanden in der Grasnarbe unter ihnen.
"Was war das?", Yalhan schubste Shanora zurück in die Mitte des Kreises.
Church kniff die Augen zusammen: "Allister, du musst für etwas bessere Sicht sorgen!"
Allister nickte und biss die Zähne zusammen. Aus seinem Körper schien eine Welle aus Licht zu schießen, die die umliegende Luft reinigte. Die Asche wurde wie auch der dichte Rauch verdrängt. Ein helles Licht erschien über seiner Handfläche und fungierte als Laterne in der Dunkelheit. 
Ein Grölen erschallte von der riesigen Kreatur, die sich auf sie zu bewegte. Um sie scharrten sich weitere dieser kleinen Monster, sie schienen dem Ungetüm zu folgen. Es war bestimmt drei Meter groß und der Körperbau erinnerte Shanora an einen Gorilla, da er sich auch so bewegte. Aber die Haut schien eher die einer Echse zu sein, dick und ledrig. Der Kopf war gehörnt und breit, das Maul schien keinen bestimmten Effekt zu erfüllen, genau so wenig wie die kleinen Schlangenaugen.
Eine Nase konnte Shanora nicht erkennen, dafür aber die von Stacheln überzogenen Vorderläufe, die einige der schwarz gemantelten Jäger aufgespießt hatten. Es bewegte sich langsam, schien aber durch das enorme Gewicht mit jedem Schritt die Erde zum beben zu bringen. 
"Ein Bergtroll", stellte Chruch fest, "diese Wesen stammen aus den Unterlanden, sie schlafen am Rand von Gebirgen, wenn man sie weckt werden sie wütend und toben durch die Landschaft. Dieser aber wurde durch dunkle Magie verändert!" 
Allister betrachtete die kleinen Angreifer, die sich mit dem Troll näherten, es mussten um die dreißig sein.
"Den großen übernehmen wir", verkündete er dann und deutete auf Church, "Yalhan, die Kleinen sind zwar viele, aber du musst sie nur in Schach halten bis Hilfe kommt!"
Yalhan nickte und schluckte schwer. Auch wenn die Gegner klein wie Kinder waren, so durfte er sie nicht unterschätzen. Er hatte noch nie gegen so viele gekämpft. Generell war er mit dem was hier passierte gänzlich überfordert.
Eine warme Hand auf seiner Schulter riss ihn aus seinen Gedanken. "Es war nicht deine Schuld", Allisters Stimme hallte durch seinen Kopf, "meine Schwester wollte euch retten! Sei stark, wir werden das überleben, das verspreche ich dir!"
Yalhan starrte den Elf beeindruckt an. Er hatte ihm tatsächlich Mut gemacht. Ein Bleichgesicht, das Feindbild, das ihm schon in die Wiege gelegt war. Dieser Mann war beeindruckend, das war keine Frage der Hautfarbe.
"Dann wollen wir mal", Church stürmte los und Allister folgte ihm. Yalhan ging leicht in die Knie um den Aufprall der kleinen Monster besser abfangen zu können.
"Bleib hinter mir", bat er Shanora, "wir wissen nicht was die Biester anstellen können!"
Shanora nickte, bei so einem Kampf würde sie tatsächlich nur im Weg stehen. 
Yalhan sah noch wie sich tausende schwarze Fäden in den Körper des Trolls bohrten und er immer wieder auf seine Angreifer einschlug, dass wurde von Allisters Lichtschild abgewehrt.
Dann prallten die kleinen Ungetümer auf ihn ein, er schlug sie mit dem Schwert in Stücke, aber es war wie eine nicht enden wollende Flut. Eines der Monster sprang ihn an und drohte ihn zu Boden zu reißen, dann würde er von ihnen in Fetzen gerissen werden.
Er wankte nach vorne und es verbiss sich in seinem Oberarm.
Die Spitzen Zähne durchbohrten seine Lederwams mühelos und drangen schmerzhaft in sein Fleisch ein. 
Yalhan schrie auf, ein weiterer Angreifer hatte sich in seinem Oberschenkel verbissen.
Der Schmerz trieb ihn an den Rand seiner Selbstkontrolle, er stand kurz davor in Ohnmacht zu fallen.
Er sah wie Allister und Chruch den Troll nieder ringen konnten und weitere der kleinen Gegner auf ihn zu stürmten.
Er musste sich zusammen reißen, er musste Finns Schwester schützen. Also riss er die Schwerter hoch und tötete die beiden Monster, die sich in ihm verbissen hatten.
Dann nahm er es mit den übrigen auf. Es waren, wenn er im Stress richtig gezählt hatte, noch 11 übrig.
Yalhan schaffte es fünf weitere abzuwehren, dann fiel er auf die Knie. Die Wunde an seinem Oberschenkel schien zu pulsieren und hatte seine Hose mit Blut durchnässt. Eine schmale Gestalt erschien vor ihm und schlug mit einem weißen Stab die restlichen Gegner zurück. Zu ihr gesellte sich ein großer Mann der ihnen den Rest gab. 
Shanora erkannte die beiden: "Sassy! Ich glaube er ist schwer verletzt!" 
Sassy schnellte zu ihnen und lies sich vor Yalhan nieder: "Seine Arterie scheint offen zu liegen! Shanora du musst auf die Wunde drücken!" Shanora nickte und fing Yalhan ab, der nach hinten gekippt war. Dann drückte sie mit beiden Händen auf die Wunde am Oberschenkel.
"Da kommt so viel Blut raus! Wo bleibt Allister?", Shanora bemerkte wie schlimm die Wunde tatsächlich war. 
Dieser kam einen Moment später zu ihnen, seine Kleidung hing in Fetzen, wie auf die von Chruch, und einige Schrammen zierten sein Gesicht, aber die beiden schienen den Kampf relativ gut überstanden zu haben. 
"Ihr kommt spät!", begrüßte Church Sassy und Alpha, "Wohl schwer beschäftigt gewesen!"
Sassy schien rot anzulaufen und Alpha wollte etwas erwidern, aber ein Schrei von Yalhan lies sie verstummen.
"Was ist passiert?", Allister ließ sich sofort neben Shanora nieder und legte Yalhan die Hand auf die Stirn.
"Er wurde gebissen, hier am Bein und am Arm!", Shanora betrachtete schockiert wie das Blut zwischen ihren Fingern hervor quoll. Allister nickte und schob sie beiseite: "Du hast das wunderbar gemacht!"
Dann legte er selbst Hand an, schaute kurz darauf wieder zu Shanora auf: "Ich brauche etwas mit dem ich die Hose zerschneiden kann!" Shanora nickte und holte ein Taschenmesser aus ihrem Gepäck: "Das sollte gehen!"
Allister nickte und erklärte: "Du musst um meine Hände herum schneiden, vorsichtig aber sehr schnell!" Shanora nickte wieder und machte sich sofort an die Arbeit. Sassy beobachtete die beiden und war beeindruckt wie gut Shanora mit der Stresssituation umging, und wie professionell sie Allister assistierte. 
"Geschafft", verkündete Shanora zufrieden und steckte das Messer wieder weg.
Allister lächelte ihr anerkennend zu: "Gut, ich werde jetzt kurz meine Hände heben, dann ziehst du den Stofffetzen weg, bereit?" Auch diese Aufgabe erfüllte das Mädchen perfekt, dann erst wurde die gesamte hässliche Wunde sichtbar.
Allisters Hände schienen Licht auszustrahlen und Shanora betrachtete fasziniert wie sich die Wunde von innen nach außen verschloss.
Es ging langsam und schien einige Anstrengung für Allister zu bedeuten, aber es klappte. 
Shanora atmete beruhigt auf, sie zweifelte nicht daran, dass Allister es schaffen würde Yalhan zu helfen.
Sie starrte auf den Nachthimmel voller Sterne, den der Rauch nun wieder frei gab. 
Sie blickte auf den beinah erloschenen Brand vor dem großen Tempel und das Blutbad, das angerichtet worden war.
Erst jetzt war die volle Zerstörung zu sehen. Die brennenden Felsen hatten Löcher in die Mauern geschlagen. Vor ihnen Lagen von Pfeilen durchbohrte Kreischer, tote Jäger und tote Monster. Es mussten hunderte Eindringlinge gewesen sein. 

Plötzlich schien sie ihr Blick in die Ferne zu ziehen, weit weg von diesen Schlachtfeld, durch den verbrannten Wald, vorbei an einer zerstörten Stadt von der nur noch die Skelette der Gemäuer standen. Bishin zu einem Vorsprung vor der Stadt, da stand er. Sie hatte ihn schon einmal in Elensar gesehen. Treplew. 
"Du denkst ihr habt gewonnen Prinzessin? Ihr habt nur die erste Welle überlebt!", er lachte schallend und hinter ihm kam noch jemand aus den schwarzen Nebel hervor.
Er sah aus wie ihr Bruder Finn, allerdings war sein Haar viel länger und seine Augen gelb wie die von Treplew.
Shanora konnte seine dunkle Seele spüren.
"Wir haben den Limbus übernommen. Damit haben wir euch den Weg zur Quelle unserer Macht abgeschnitten, ihr werdet unter der Flut meiner Dämonen ertrinken! Auf eine Welle folgt eine weitere, so lange bis auch Elensar brennt. Und danach wird die ganze Welt brennen!"
Shanora wurde weiter gezogen, auf einmal schien sie vor der schwarzen Kathedrale zu stehen, um diese waren Pfähle mit aufgespießten Köpfen aufgestellt.
Die verzerrten Gesichter der Toten lösten sich und tanzten um sie herum, ein makaberes und gruseliges Ereignis.
Dann ein Krater hinter der Kathedrale, aus ihm Strömten riesige Monster, bereit eine Schneise der Verwüstung bis nach Elensar zu schlagen. 
Shanora fiel auf die Knie und hielt sich die Augen zu, sie wusste, dass nichts davon echt war.
"Du kannst also Illusionen erkennen", die Stimme des Finn Doppelgängers ließ sie zusammen fahren, "Das was ich dir hier zeige ist die Zukunft, und die ist unausweichlich!"
Shanora hielt sich nun die Ohren zu, sie würde dieser Vision keine Macht zukommen lassen. 
Eine vertraute Stimme holte sie zurück.

Sie erblickte wieder das Blutbad, welches die Schergen ihrer Peiniger vor dem Tempel angerichtet hatten.
"Sein Name ist Suma!", Shanora blickte in die verwunderten Gesichter von Sassy, Chruch, Alpha und Allister.
Yalhan schien es auch schon besser zu gehen, er hatte sich bereits wieder aufgesetzt.
"Er sieht aus wie Finn, aber er ist es nicht! Er weiß viel über uns, aber nicht alles! Seine Armee kommt aus den Unterlanden über den Limbus und wird bald stark genug sein um Elensar anzugreifen!", erzählte sie weiter.
Sie lächelte, damit hatte ihr Gegner nicht gerechnet. Er hatte sie in eine Vision gezerrt, dabei aber seine Deckung nicht aufrecht erhalten. Es war ihr gelungen auch in seinen Geist einzudringen und wertvolle Informationen zu erhalten.
Manchmal war es von großem Vorteil ständig unterschätzt zu werden.
"Suma", Sassy war schockiert, sie kannte diesen Namen, als sie das erste mal hier gewesen war hatte Newra diesen Namen erwähnt. Und Finn auch, er war der Meinung gewesen, dass er Suma war.
Aber allem Anschein nach waren in der Firma noch einige Geheimnisse des Dunklen verborgen gewesen.
"Wir haben jetzt keine Zeit um darüber nachzudenken!", Allister half dem verdutzten Yalhan auf, "Kommt, sucht nach Überlebenden!" 
Shanora wollte schon los laufen aber Church hielt sie zurück: "Du nicht!" Allister drehte sich erbost um und deutete ihm sie los zu lassen. "Denkst du etwa wir können verhindern, dass sie Leichen sehen wird? Sie muss lernen damit klar zu kommen!", erläuterte er ihm noch.
Seufzend ließ Church Shanora ziehen, diese machte sich sogleich ans Werk. "Wir müssen sie einteilen, Leichen links vor den Tempel, schwer verwundete rechts und in dir Mitte solche die ihr auch verarzten könnt", wies Allister die übrigen an.

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    :) ich kann mich irren, ich glaube das ist das erste Kapitel, wo ich nicht einmal Chruch gelesen habe XD. Irgend eine autovervollständigungsverdrehung zerhackstückelt immer wieder den armen Church :)

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