Die fahrenden Händler

Am Nachmittag war der Termosee mit teils riesigen Schiffen gefüllt, welche alle die Flaggen der Länder, aus denen sie Waren verkaufen, trugen. Die Schiffe legten an den Ufern des Sees an und die Händler auf den Schiffen luden ihre Waren auf Karren, mit denen sie zum Marktplatz der Stadt fuhren. Nur wenige Minuten nachdem die Händler ihre Stände aufgebaut hatten, war der Marktplatz gefüllt mit Magiern.
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Zorono zählte sein Geld zusammen. Er hatte insgesamt 50 Tolar, das muss reichen.
In Draycor gibt es seit 125 Jahren eine Währung für den ganzen Kontinent. Sie besteht aus vier Einheiten: Der Krone, dem Tolar, dem Drachmen und dem Aurar. Die größte Einheit ist die Krone, sie ist so viel Wert wie 100 Kronen. Ein Tolar ist so viel Wert wie 10 Drachmen und ein Drachmen entspricht 5 Aurar.
Zorono verließ sein Zimmer und ging in die untere Etage der Finnhütte, wo sein Onkel schon auf ihn wartete.
„Hast du alles?“, fragte er, während er gerade sein Geld zählte.
„Ja, wir können los gehen“, antwortete Zorono, der sein Geld in seine Gürteltasche legte.
Sein Onkel schnürte seinen Geldbeutel zu und packte ihn in die Innentasche seiner Jacke.
Als die das Haus verließen, sahen sie schon die große Menschenmenge, welche sich auf dem Marktplatz befand. Zorono prüfte noch mal ob er sein Schwert dabei hatte – es hing noch an seinem Gürtel – und dann schloss er sein Haus ab.
Auf dem Markt herrschte reges Treiben, es gab zu jedem Reich auf Draycor mindestens einen Stand, welcher die exotischen Waren seines Landes verkauft. Die meisten Stände verkauften Waren aus dem Königreich Envien, dem Reich der Menschen und dem größtem Reich auf Draycor. Zorono hatte jedoch nicht so großes Interesse in die Waren aus Envien. Er wollte als erstes zu dem Stand von Agranog. Das Emirat Agranog ist das Land der Orks und liegt tief im Süden von Draycor, weshalb es aus einer großen Wüste besteht. Agranog ist nicht gerade für seine Freiheit bekannt, es gibt dort nur eine Regierungsgewalt und das ist der Emir, welcher somit der absolute Herrscher über das Land ist.
Der Stand war recht klein und das Holz aus dem er gebaut war, wirkte sehr morsch. Zorono war sichtlich überrascht, da der Stand tatsächlich auch von einem Ork geführt wurde.
Der Verkäufer war sehr groß und breit, sein Gesicht hatte grobe Züge und sein ganzer Körper war von grünem Fell bewachsen. Aus seinem Unterkiefer schauten zwei Eckzähne heraus.
An dem Stand wurden hauptsächlich verschiedene Sorten von Tee verkauft, jedoch gab es auch Teppiche und Waffen, welche nur aus grob geschnitzten Keulen bestanden. Zoronos Onkel kaufte sich ein paar Teebeutel.
Als sie weiter gingen schnappten sie noch Cicero am Stand von Nipponia auf, welcher sich eine Art Robe gekauft hat, welche mit fremden Schriftzeichen verziert war
„Schau dir das an, Zorono!“, sagte Cicero und zeigte Zorono die Robe. „ Der Händler hat mir gesagt, die Tamia nennen es ‚Kimono‘, bei denen in Nipponia ist es eine Art traditionelle Kleidung“.
Zorono fragte Cicero, ob er zum Stand von Drakonia mitkommt, was er bejahte.
Der Stand des Fürstentums war größer als der von Agranog und bestand aus einem massiven Holz, welches sehr hell war.
Hier gab es die verschiedensten Dinge zu kaufen. Von Süßwaren über Möbel bis hin zu Waffen.
Zorono sah sich um, er entdeckte mehrere merkwürdige Sachen, zum Beispiel, gab es eine Süßigkeit, welche auf dem Aushängeschild als Schokolade bezeichnet wurde, jedoch war diese Schokolade weiß und nicht braun.
Er schaute sich weiter um und erblickte mehrere Schwerter. Sie waren allesamt nicht aus normalem Stahl sondern aus Gold oder Bronze. In ihren Klingen waren Edelsteine eingearbeitet, welche sich je nach Schwert in ihrer Größe und in ihrem Schliff unterschieden.
Neben den Schwertern standen Kleidungsständer, auf welchen goldene Rüstungen aufgestellt wurden, welche mit rotem Samt gefüttert wurden. Auch diese Rüstung war mit einigen Edelsteinen verziert.
Desweiteren erblickte Zorono mehrere, auf einem Regal stehende Weinflaschen, in denen sich eine gelbe Flüssigkeit befand, welche Zorono nicht kannte.
Nach einiger Zeit trat ein kleiner, gebückt-laufender Mann an den Tresen des Standes, welcher sich als Verkäufer herausstellte.
„Willkommen, was darf ich Euch, aus dem Lande der Elfen, anbieten?“, fragte er in einem fast schon aufdringlichen Ton.
„Ich würde gern wissen, was dies für Schwerter sind“, antwortete Zorono.
„Ah, dies sind Elementarschwerter, welche, zusammen mit diesen Rüstungen, von den elfischen Walküren benutzt werden“, erläuterte der Verkäufer, während er ein Schwert nahm und es Zorono gab.
Als Zorono das Elementarschwert in die Hand nahm, fing er an ein wenig damit zu wedeln und bemerkte, dass es merkwürdig in der Hand lag. Das Schwingen fühlte sich einfach falsch an, wie ein Stift den man mit der falschen Hand führte. Zorono wechselte das Schwert in die andere Hand, jedoch fühlte es sich genauso an.
„Stimmt etwas nicht?“, fragte der Verkäufer.
„Naja, das Schwert führt sich merkwürdig“ antwortete Zorono.
„Vielleicht beherrscht Ihr die Kampftechnik noch nicht“, entgegnete der Verkäufer plump.
„Nun ja, ich beherrsche den Schwertkampf eigentlich…“, sagte Zorono leicht beleidigt.
„Die Elementarschwerter führen sich auch anderes“, erklärte der Verkäufer. „Ich habe schon von Schwertmeistern gehört, welche nicht mit Elementarschwertern umgehen konnten als sie sie das erste Mal in der Hand hatten“.
Diese Worte munterten Zorono irgendwie auf, jedoch legte er das Schwert wieder zurück.
Cicero kaufte sich etwas von der weißen Schokolade und Zoronos Onkel wollte ein Glas voll Rübensirup kaufen, welches gleich neben der Schokolade stand.
„Wie viel wollt ihr für den?“, fragte Zoronos Onkel
„20 Tolar pro Stück“, antwortete der Verkäufer.
„Was, so teuer?“, entgegnete Zoronos Onkel erschrocken.
„Nun ja, es ist in letzter Zeit sehr schwer Waren aus Drakonia zu exportieren.“, sagte der Verkäufer in einem gelassenen Ton. „Seit dem Vorfall in dieser unterirdischen Urelfenstadt wurde die Anzahl an Zöllnern erhöht und die Grenzen fast komplett geschlossen“.
Cicero schaute hoch: „Was für ein Vorfall?“, fragte er.
„In dieser unterirdischen Stadt ist ein Tempel eingestürzt in dem ein Artefakt war, welches nun verschwunden ist“, sagte der Verkäufer.
Zoronos Onkel zog die Augenbrauen hoch.
„Hat man noch irgendetwas gesehen?“, fragte er.
„Es gab Zeugen, welche gesehen haben sollen, wie eine hagere Figur, die das Artefakt bei sich trug den Abstieg zur unterirdischen Ruine verließ“, entgegnete der Verkäufer. „Manche reden von einem mächtigen Hexendoktor, andere von einem fliegenden Goblin“.
Zoronos Onkel riss die Augen auf.
„Ein fliegender Goblin, aber das ist unmöglich“, stammelte er vor sich hin. „Könnt Ihr mir genaueres sagen? Wie sah der Goblin aus? Welche Fellfarbe hatte er?“.
„Ich weiß es nicht. Ich dachte es sind dumme Gerüchte und hatte mich nicht weiter damit beschäftigt“, entgegnete der Verkäufer offensichtlich überrascht von dem plötzlichen Ansturm an Fragen. „Das sind doch nur dumme Gerüchte, oder?“.
Zoronos Onkel achtete gar nicht mehr auf die letzte Frage des Verkäufers, denn noch während er sie sprach rannte er schon los in Richtung des Hauses von Zorono und ihm.
                                                                             …
Am Abend saß Zoronos Onkel an seinem Schreibtisch und schrieb einen Brief. Fast der ganze Raum war von Dunkelheit erfüllt, nur eine brennende Kerze auf dem Schreibtisch stellte die einzige, flackernde Lichtquelle im Raum dar. In diesem gedämpften Licht war es recht schwer zu schreiben, weswegen Zoronos Onkel öfters noch mal angefangen musste zu schreiben.
Es klopfte an der Tür – Es war Zorono
„An was schreibst du da?“, fragte er als er in das Zimmer trat.
„Einen sehr wichtigen Brief“, antwortete sein Onkel. „Ich schicke ihn morgen in die Hauptstadt“.
„In die Hauptstadt? Warum sendest du den Brief nach Syren?“
„Er geht an eine sehr hohe und wichtige Person“, entgegnete sein Onkel. „Von dieser Person sollten wir auch bald Besuch bekommen“.
„Von wem?“, fragte Zorono.
„Das wirst du schon sehen“, sagte sein Onkel plump.
Er unterschrieb den Brief und legte ihn in einen Umschlag, auf dem er eine Andresse schrieb.
„Ich glaube ich gehe nun ins Bett“, sagte Zoronos Onkel. „Und du solltest das jetzt auch tun“.
Beide verabschiedeten sich und gingen ins Bett.
Als Zorono ins Bett ging überlegte er noch, an wen der Brief wohl andressiert ist. Er kannte keine Adligen oder Leute mit höheren Rängen. Vielleicht war es ja ein Bekannter aus Onkels Zeit als Zauberer. Als er weiter darüber nachdachte fielen ihm die Augen zu und er schlief ein.

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