Die Jäger des Waldes (Kapitel 19)

Kapitel 19

„Alle her hören!“, heulte Blitz um die ganze Eiche herum. Die Katzen richteten ihre Köpfe in Richtung Blitz, sie wirkten beunruhigt, weil sie seine Angst riechen konnten. „Donner, Brombeere und Stern haben etwas beim Jagen entdeckt“, begann er zitternd. Teiger und Dunkel wechselten höhnische Blicke, ihre Gesichtsausdrücke bedeutete so viel wie: Was haben sie den so spezielles Entdeckt? Vielleicht einen Baum. Nacht kicherte spöttisch und fuhr sich mit der Zunge über den Pelz. „Ruhe!“, befahl Blitz energisch, so aufgewühlt hatte Brombeere ihn noch nie gesehen. Flamme verpasste Nacht anschliessend eine Ohrfeige. „Das ist nicht witzig“, knurrte er leise. „Sie haben eine tote Katze im nahen Fluss gefunden“, miaute Blitz und peitschte nervös mit dem Schweif. „Von wem wurde sie getötet?“, rief Sturm aus der Menge heraus. „Von Katzen“, fing er leise an. „Von den Jäger des Schattens“, knurrte er laut weiter. Bei dem Begriff Jäger des Schattens zuckten alle Katzen zusammen, tuschelten aufgescheucht und legten ihre Stirn in tiefe Furchen. Nebel suchte sofort ihre Kleinen zusammen, die mit einem Vogelknochen spielten und drückte sie fest an ihre breite Brust. „Du willst damit an deuten, dass wir möglichst schnell verduften sollten?“, bohrte Bach nach. Die sonst mutige graublaue Kätzin roch zum ersten Mal nach Angstschweiss. Blitz nickte stürmisch. „So schnell wie es geht!“ Nach dem letzten Wort sprangen die Jäger des Waldes, wie von der Tarantel gestochen auf. Schnee landete auf dem Rücken von Nebel und Maus auf dem Rücken des Vaters. „In welche Richtung fliehen wir?“, erkundigte Dunkel sich bei Blitz. „Nach Osten“, erwiderte Blitz hastig. Mond widersprach ihrem Anführer. „Wir könnten zur verbotenen Schlucht fliehen, die im Westen liegt?“ „Was ist das?“, Neugier packte Stern und sie vergass für einen kurzen Moment die Panik. „Eine Schlucht in der das Böse nicht hinein kommen kann“, erklärte Mond und wartete auf die Antwort von Blitz. „Folgt Mond!“, befahl Blitz schliesslich, nachdem er kurz nach gegrübelt hatte. „Mond weiss nämlich ganz genau wo die Schlucht liegt.“                                                                                                                                            

Keuchend preschten sie durch den Wald, nun zählte jede Sekunde von ihrem wertvollen Katzenleben. „Ich kann nicht mehr“, keuchend stoppte Nacht neben einer schiefen Tanne. „Weiter!“, knurrte Kralle, der vor Stern, Donner und Brombeere lief. „Uns folgt niemand“, miaute Nacht müde. Ein gespenstisches Heulen erklang in der Ferne und Nacht zuckte zusammen. „Ich nehme es zurück“, kreischte er und eilte zu Streif. „Sie haben bestimmt unsere Fährte gewittert“, hauchte Blatt ängstlich und hielt inne. „Nicht schlapp machen!“, rief Mond und stürmte einen Hang hinunter. Die Kiefern öffneten sich zu einer gewaltigen Lichtung, wo kurzes gelbes Gras gedieh und grosse Felsen zierten die ausgeprägte Landschaft. Die Katzen stoppten unsicher vor der Lichtung. „ Und was jetzt“, rief Nebel verzweifelt.  „Überqueren!“, befahl Mond den vielen ratlosen Katzen und spurtete los.

„Vorher kennst du diese Schlucht?“, keuchte Donner Mond zu, als sie über das gelbe Gras stürmten. „Ich war noch nie dort aber vor ein paar Tagen hatte ich eine Vision und daher kenne ich den Weg“, gab Mond zurück. „Sie kommen!“, kreischte Blitz, der immer wieder ein Blick über die Schulter warf. Donner schrak zusammen, etwa 20 Katzen schossen aus den Kiefern hinaus und nahmen die Verfolgung auf. Alle waren gross, kräftig gebaut und hatten ein unheimliches Erscheinungsbild, das definitive Markenzeichen für die Jäger des Schattens. „Zu diesen Felsen“, rief Mond, tiefe Verzweiflung loderte in ihren grünen Augen. Mond meinte die grossen Sandsteinfelsen in der Mitte der Lichtung, der an einen Elefant erinnerte. Einige Jäger des Waldes rannten um ihr Leben und einige blieben starr vor Schreck stehen. „Tut alle was sie sagt!“, befahl Blitz und zwang Blatt zum Weitergehen. Wohin führt uns Mond? Verzweiflung stieg bei Stern auf. Dachte sie hinter dem Felsen könnten sie sich verstecken? Donner rannte an der Spitze und erreichte den sandbraunen Felsen als Erste. Stern beeilte sich vertrat beinahe noch ihre Pfote, in einem Mauseloch, während Brombeere immer wieder einen Blick über die breite Schulter warf. Entsetzt musste sie feststellen, dass die blutdurstigen Katzen näher rückten. Die Jäger des Waldes drängten sich ängstlich zusammen, die Jüngsten kamen selbstverständlich in Mitte. „Was jetzt“, piepste Brombeere kleinlaut. „Kämpfen“, murmelte Kralle, er klang aber ziemlich besorgt. „Bleibt in Stellung“, knurrte Blitz und richtete seine Augen auf die Schattenjäger. Brombeere fuhr zitternd die Krallen aus. Stern schluckte neben ihr einen dicken Kloss hinunter und Mond begann neben Donner eigenartig mit der Pfote zu zucken. Sie verdrehte die Augen gespenstisch. „Was ist mit ihr los?“, rief Donner verzweifelt. „Sie hat eine ihrer Visionen aber nicht gerade der passende Moment“, antwortete Fleck wütend. Monds Kopf vibrierte einige Male, balancierte auf ihren Pfoten herum, bis ihre Augen wieder normal wurden. Im nächsten Moment jaulte sie: „Ihr gibt es einen geheimen Eingang!“ Mond rannte zum Felsen. Wo Spinnweben, Pilze und Moos bei dem Felsen wucherten befand sich ein kleiner schmaler Hölleneingang. Mond ging als Erste, danach folgten Nebel, Sturm, Bach, Blatt, Kralle, Streif, Fleck, Dunkel, Nacht und Teiger. Flamme und Blitz entschieden sich dazu, als letzte Katzen zu gehen. Der erste Schattenjäger sprang mit ausgefahren Krallen auf Blitz, der wiederrum packte den Kater am Nacken und schleuderte ihn zum Felsen. Der Kater prahlte gegen den Felsen und blieb dort betäubt liegen. Flamme gab Stern einen Stoss und die weisse Kätzin riss Brombeere und Donner ebenfalls mit. Flamme folgte und Sekunden später hüpfte Blitz in den Eingang hinein.                                                            Stern purzelte einen steilen Hang hinunter und landete auf weichem Sand. Ein moderiger Geruch schoss Stern gleich in die Nase, während Brombeere stöhnend den Körper dehnte. Vermutlich hatte sie beim Purzeln weniger Glück gehabt wie sie. Donner begutachtete die dunkle Hölle mit staunenden Augen. Sie war niedrig und in den Ecken hingen Spinnweben mit ihren achtbeinigen Bewohnern. „Ein geheimer Eingang in die verbotene Schlucht“, miaute Mond und sah sich in der Hölle um. Enttäuschtes Fauchen hörte die Katzen vor dem Hölleneingang heulen. „Hier kommen halt nur gute Katzen hinein“, rief Kralle triumphierend. „Hier ist ein Pfad“, rief Blatt aus der hintersten Ecke der Hölle und überhörte die fluchenden Rufen der Schattenjäger. „Folgen wir ihm?“, Bach hörte sich misstrauisch an. „Das ist das Klügste“, antwortete Blitz und schritt dem Pfand entgegen.                                                                                                                          

„Pass aber auf, hier sind überall gefährliche Absturzstellen“, mahnte Mond ihm hinterher. „Die Alte weiss es wieder einmal alles besser“, flüsterte Teiger Streif ins Ohr und setzte seine Pfoten in Bewegung. Brombeere trottete hinter den Beiden her, sie hatte alles gehört und am liebsten hätte sie die Kater gleich in die nächste Schlucht hinunter gestossen.                                                                       

Seite an Seite folgten die Katzen einem schmalen Schacht durch das dicke Gestein. Donner lief hinter Streif und wäre ihm manchmal gerne fest auf den Schweif getreten, da die Gelegenheiten gerade günstig war. Ein schwacher Lichtschein reflektierte in ihren blauen Augen und brachte sie aus den " Rache ist süss" Gedanken. Mit jedem neuen Schritt schien ihr mehr Licht ins Gesicht, bis es einen blenden Effekt gab. Das grelle Licht verblasste, als sie sich an das Tageslicht gewöhnt hatte und eine wunderschöne Schlucht erstreckte sich vor ihren Augen. Am Boden wuchsen Bäume, Farne, Moos und Schmetterlinge tanzten durch die Luft. Sogar an den steilen Hängen der Schlucht wucherten viele Grüngewächse. Donner hatte ein offenes Maul, achtete nicht drauf, wohin sie die Pfoten setzte und trat versehentlich auf den Schweif von Streif. Streif schrie auf und zog wütend seinen Schweif unter Donners Pfoten weg. „Pass auf wo du deine dreckige Pfote hinsetzt!“, fauchte er. „Ausgezeichnet Leistung!“, raunte Brombeere ihr vergnügt ins Ohr, die sich schadenfroh über die Tat freute. „Übernachten wir hier?“, wollte Kralle von Blitz wissen. „Ja, hier sind wir sicher, miaute er entspannt.  Unter den vielen Sträuchern und Bäumen finden wir bestimmt alle ein gemütliches Schlafplätzchen.“

In der Abenddämmerung sassen die Katzen in einen Kreis und erzählten sich gegenseitig Geschichten aus alter Zeit. Fleck erzählte eine Geschichte, in der die ersten Wildkatzen in den vielen Gebieten verstreut lebten und schliesslich verschiedene Jägergruppen gründeten. „Wenn ihr es übrigens wissen wollt“, fing Blitz an nachdem Fleck die ausgeschmückte Geschichte erzählt hatte. „Blut war der Führer von unserer Verfolgungsgruppe.“ Der Stimmungskegel fuhr eine Etage tiefer. „Ich frage mich, wie er uns aufgespürt hat“, murmelte Flamme im Scheine des aufgehenden Mondes. Bach nickte ihm zustimmend zu. „Vielleicht haben wir ein Spion unter uns“, scharf sprach sie diese Beschuldigung aus und starrten in die Runde. „Wie bitte?“, Dunkel sprang als Erster auf. „ Du wagst es an einer Treu zu zweifeln?“ „Keine Beschuldigungen!“, befahl Blitz. Nachdem Bach und Dunkel sich angefaucht hatten. „Bestimmt haben sie uns gesehen und beobachtet“, versuchte Blitz Bach zu überzeugen. Die graublaue Kätzin setzte einen grimmigen Blick auf, sagte aber kein Wort. „Sie kann manchmal ein richtiger Giftzwerg sein“, flüsterte Donner Stern ganz leise ins Ohr. Stern murmelte ihr etwas zu aber in Wirklichkeit hatte Stern nicht gar zugehört. Immer wieder warf Flamme einen Blick auf ihren Pelz, der im sanften Mondlicht  zauberhaft schimmerte. Es störte sie energisch und machte sie zu gleich auch ein wenig verlegen. „Wer genau ist Blut?“ Brombeeres Stimme zerrte Stern aus den teifen Gedanken. Teiger verdrehte seine grünen Augen. „ Wer kennt schon nicht Blut“, murrte er leise. „Blut ist mit zwei weiteren Katzen die Rechtehand von Blitz“, erklärte Blitz der Jungkätzin. „Und die anderen zwei?“, Donner stellte die nächste Frage. „Langnarbe kennst du bereits und Silber“, antwortete Flamme und wanderte mit dem Blick wieder zu Stern. „Rede nicht von Silber, Flamme“, bat Blitz gereizte und stand frustriert  auf. „Nun aber geht schlafen, ihr müsst Kräfte schöpfen.“ Die Menge löst sich zu den Schlafplätzen auf. Dieses Mal gehörten Donner, Brombeere und Stern eine Vertiefung in einer Wurzel, gefüttert mit dicken Farnwedeln. „Tut das gut die Pfoten auszustrecken“, schwärmte Stern und ihre Augen leuchteten. „Rutscht ein Pfund“, brummte Donner schläfrig. Um rückte eine Stück, zugleich schwirrte eine Mücke um Brombeeres Ohren und stach sie ins Hinterteil. Brombeere schlug in der Dunkelheit nach dem Biest aber versagte. „Mücken erwischt man nicht im Dunkeln“, Blatt trabte schmunzelnd zu ihnen herüber. Unter einem Johannisbusch hatten sie, Kralle und Bach ein Quartier aufgeschlagen. Donner mochte die hell getigerte Kätzin, sie war freundlich, lustig und diese Eigenschaften machten sie besonders.   Während Blatt vor ihnen verharrte schoss Donner eine Frage ins Gedächtnis. „Blatt kann ich dich etwas Fragen?“, fragte Donner und rappelte sich auf. Blatt blinzelte sie freundlich an. „Nur zu.“ „Wie meinte Blitz das vorher, Flamme sollte nicht über diese Silber sprechen?“ Auch Brombeere und Stern hörten auf zu plaudern und sperrten ihre Lauscherchen auf, anscheinend nahmen sie es auch Wunder. Blatt sah sich vorsichtig nach allen Seiten, danach beugte sie den Kopf und flüsterte: „Silber gilt als die schönste Katze im ganzen Wald. In jungen Jahren waren Schatten und Blitz in sie verliebt aber sie folgte dem Verräter und daher will Blitz nicht über sie sprechen.“ Wieder prüfte Blatt die Umgebung aber kein grauer gestreifter Kater war zu sehen. „Sie ist eine ausgezeichnete Kämpferin und für Schatten ist sie sein dunkles Juwel der Nacht“, fuhr sie fort. Eine richtige Drachenlady also, fügte Stern still hinzu. „Es gibt also drei Vorgesetzte bei den Schattenjägern, wie heissen sie noch gleich?“, Brombeere hatte vorher nicht richtig aufgepasst. „Langnarbe, Silber und Blut, ein kleiner dunkelroter Kater“, zählte Blatt auf. Ein Räuspern ertönte hinter ihrem Rücken, dass Blatt die Haare zu Berge standen. Glücklicherweise hiess derjenige hinter ihr nicht Blitz sondern Fleck. Der gefleckte Kater musterte Blatt böse. „Blatt, du weisst doch von der nicht-über-Silber Sprechregel“, knurrte er streng. Blatt zog entschuldigen den Schweif ein. Dummer launischer Hasenfuss! Wut brodelte in Donner auf, sie wollte eingreifen aber Stern und Brombeere versperrten ihr den Weg. „Fleck, lass sie in Frieden, sie erklärte es bloss den Neuen!“, Kralle schritt ein und stellte sich schützend vor Blatt. Seine Augen eisblaue Augen verritten, er würde Blatt in jeder Situation beschützen, sogar gegen den eigenen Gefährten. Fleck knurrte verächtlich und Brombeere befürchtete einen wilden Kampf. „Ich sag nur was die Regeln sind“, miaute er schnippisch. „Es hat Blitz das Herz gebrochen“, mit hocherhobenem Schweif stolzierte er im Dickicht davon. Kralle schüttelte den Kopf. „Er ist manchmal launisch“, entschuldigte er Flecks Benehmen bei den Jungenkatzen. Stern zwinkerte ihm zu. „Dies haben wir auch schon bemerkt.“

 

 

 

 

 

 

 

 

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