Die Jäger des Waldes (Kapitel 27)

Kapitel 27                                                                                                                               

„Laub, darf ich dir Tupfen vorstellen, sie ist eine Einzelgängerin und reist durch viele Gebiete.“ Mit offener Stimme stelle Blitz Laubs zukünftige Gefährtin vor. Heute war der Tag gekommen, an dem Laub seinen Weg in ein neues Leben aufbrechen musste. Bei den Flüssen der Ewigkeit trafen sie per Zufall auf einen blitzbekannte Einzelgängerin. Tupfen, wie sie hiess, war so grosszügig und bot Laub an mit ihr weiter durch viele Wälder ziehen. Laub war begeistert und nahm das Angebot ohne Zögern in Kauf. Die Kätzin mit dem langen weissen Fell und sonnengelben Flecken, nickte Laub liebevoll zu. „Ich freu mich, dir zu helfen und ich werde dir vieles  Lernen.“ Blitz berührte ihre rosa Nasenspitze. „Wir werden uns hoffentlich bald wieder begegnen.“ „Woher kennt Blitz sie?“, fragte Blatt ihren Freund Kralle. Er zuckte mit den muskulösen Schultern. „Wahrscheinlich von früheren Zeiten.“ Tupfen nickte den Jägern des Waldes freundlich zu und sprach zu ihrem Schützling: „Lasst uns dorthin ziehen, wo die Sonne uns hinleiten wird.“ „Moment!“, Donner drückte sich zwischen Streif und Nacht hindurch.  Sie knurrten verächtlich aber der böse Blick von Stern liess sie verstummen. Donner berührte die kalte Nasenspitze von Laub. „Ohne dich wäre ich nie auf Tupfen getroffen“, flüsterte Laub überglücklich. „Du hast ein besseres Leben verdient“, miaute Donner und drückten sich enger an seine Brust. „Du wirst mir fehlen“, murmelte er und seine grünen Augen trübten sich nach. „Irgendwann werden wir uns wieder sehen, versprochen“, Donner versuchte ihn zu trösten. „Donner, Tupfen möchte gehen oder willst du mit ihr gehen“, ermahnte Bach sie. Donner schüttelte traurig den Kopf und kehrte zurück. Sie wäre gerne mit Laub mitgegangen aber ihre Freundinnen waren ihr um einiges wichtiger. Tupfen und Laub schlenderten bis zur Senke und verliessen den Wald. Donner winkte Laub zum Abschied und schaute ihnen lange, bis er von dem nächsten Hügel verschluckt wurde, hinterher.  „Wo ist eigentlich Brombeere?“, Mond schaute in alle Richtungen. „Sonst ist sie doch immer bei euch.“ „Sie ist Jagen gegangen“, antwortete Stern gelassen.     

 Die dünne Spitzmaus hatte keine Ahnung, dass ihr Leben in Gefahr schwebte. Fröhlich fummelte sie am steinigen Bachufer herum und knackte geschickt mit den Zähen die Samen der Nüsse auf. Brombeere lag konzentriert hinter hohen Grashalmen auf der Lauer. Jedes Geräusch und jede Bewegung der Maus beobachtete sie ganz genau. Brombeere setzte vorsichtig eine Pfote weiter, gefolgt von der Nächsten. Geräuschlos verschmolz die Pfote in der kühlen Erde. Ihr Schweifende zuckte vor Jagtdrang, die Hinterbeine wackelten und wie ein Blitz schoss sie aus dem Versteck hinaus. Sie packte die quiekende Maus mit den Kralle, um der Qual ein Ende zu setzten biss Brombeere entschloss in ihre braune Kehle. „Tut mir leid aber ich habe Hunger“, flüsterte sie der toten Maus ins Ohr. Brombeere hatte sich eigentlich geschworen, kein Tier seit ihren elften Lebensjahren bewusst zu töten. Sogar keiner Fliege würde sie ein Haar krümmen aber im Katzenleben musste sie fürs Überleben eine Ausnahme machen. Sie nahm die weiche Maus zwischen die Zähne und marschierte zurück.                                                                                                                                                   

 „Na endlich“, Donner wirkte verstimmt, als sie Brombeere begrüsste. In ihrem Augenwinkel sammelte sich überflüssiges Wasser. Weint sie etwa?                                                                                                                                         

Doch Donner schüttelte energisch den Kopf und die Träne war verschwunden. „Wir wollten eigentlich längst gehen“, miaute Flamme und klopfte mit der Pfote ungeduldig auf den Boden. „Verzeihung“, nuschelte Brombeere hinter dem Fell von der Maus und vergass Donner.                                                                                                                                             

Schnell würgte Brombeere die Maus hinunter und mit schmerzendem Magen musste Brombeere weiterziehen. Eines schrieb sie sich hinter die Ohren. Sie würde nie mehr etwas essen wenn sie gar keine Zeit dafür hatte.                                                                                                     

Doch bald verging der stechende Schmerz und die gute Bestimmung der Jäger des Waldes heiterte sie auf. Fleck, war heute besonders gut gelaunt, seit Laub in eine andere Richtung gegangen war. Trotzdem seiner guten Stimmung meckerte er immer wieder ein bisschen. Diesmal war Sturm sein Opfer. „Muss der sich immer über alles Beschweren“, grunzte Donner beim Gehen. „Das bleibt eines seiner ungelösten Fleck-sein Geheimnisse“, scherzte Brombeere. „Schon den ganzen Tag habe ich jetzt Rückenleiden“, beschwerte sich Fleck lauthals bei Sturm. Der hellbraune Kater nickte ihm nur mässig interessiert zu. „Komischer Kauz, dieser Fleck“, murmelte Stern kopfschüttelnd. „Das habe ich gehört“, Nebel räusperte sich aus dem Hinterhalt. Auf Nebels schwarz gepunktetes Fell turnte Schnee vergnügt herum. „Aber es stimmt doch“, miaute Stern verlegen. „Er ist eben nicht mehr der aller Jüngste und älteren Katzen sie oftmals etwas launisch“, erklärte Nebel ihnen. Sehr wahrscheinlich war sein Verhalten nicht nur wegen seinem Alter der Grund, dachte Brombeere genervt.                                                                                                                            

Der heissen Sonne entgegen wandernd liessen sie das Tal der fliessenden Ewigkeit hinter den Pfoten. Nun wuchsen neben grösseren Felsen, Fichten und Eschen. Einige Felsen waren fast so gross wie ein halbes Haus und verschafften einen bedrohlichen Eindruck. Blitz wählte den Weg durch einen schmalen Durchgang, zweier aneinander treffenden Felsen. „Hier hausen bestimmt überall hungrige Füchse“, immer wieder schaute Blatt besorgt zu Maus und Schnee. „Ach was, hier ist es so friedlich wie in der verborgenen Schlucht“, beruhigte Teiger sie. „Der scheint sich aber hier auszukennen“, flüsterte Brombeere Donner zu. „Oder er will der Besserwisser spielen“, fügt Donner hinzu. Stern bückte den Kopf, ein Felsenspitz hing tief zwischen dem Durchgang hinunter. „Ja, ja der Besserwisser“, wütend stampfte Teiger an den Beiden vorbei. „Das wird euch noch leidtun!“ „Oh je, ich mach mir in die Hos...ähm ins Fell“, rief Brombeere dem Kater nach. „Aua, verfluchter Stein“, jaulte Kralle auf. Der schwarze Kater stütze sich stöhnend gegen eine Felsenwand, zog einen Stein aus der Pfotenballe und hüpfte ein paar Runden mit schmerzverzehrtem Gesicht herum. „Geht es?“, wollte Nacht wissen. „Ja, ich habe mir nur die Pfote gestossen…“, fing Kralle an.                                                                                                                 

                                                                  Kracks!                                                                                                                                                   

Der Erdboden unter Kralles Pfoten gab nach und er stürzte ein. „Kralle!“, kreischte Blatt und sprang entsetzt zum Erdloch, wo Kralle verschluckt worden war. „Kralle wo bist du?“, Blatt streckte den Kopf in das Loch hinein. „Mir ist nichts passiert“, versicherte Kralles Stimme aus der Tiefe. „Ich habe ein Erdhöllensystem entdeckt“, rief er begeistert aus dem Loch.  Blitz überlegte nicht lange und kletterte in das Loch hinab und gleich drauf folgte der neugierige Rest.                                                                                                                                                            

 „Eine geschützter Schlafplatz aber etwas wenig Platz“, Blitz Stimme hallte in der Hölle Echo. Streif schnüffelte neugierig an den finsteren Kalksteinen herum. Durch Löcher an der Decke konnte selbst hier unten Farm wachsen. Mit der Nasespitze schob er Farnbüschel auf die Seite. „Hier geht eine kleine Hölle weiter“ „Gut, wir rasten in den beiden Höllen“, entschied Blitz und steckte den Kopf in die Höhle, um die Sicherheit der Nachbarhöhle zu vergewissern. Dunkel hüpfte zu Streif. „Die kleine Hölle nehmen wir!“ Blitz streckte den grauen Kopf wieder aus dem Hölleneingang hinaus. „Aber es hat mehr Platz als nur für vier Katzen“, verkündete er vor den Jungs. Teiger grummelte und scharrte am staubigen Boden herum. Blitz schwenkte den Kopf umher. „Ihr drei.“ Brombeere, Donner und Stern drehte die Köpft um. „Zu siebt könnt ihr die Hölle teilen“, entschied Blitz. „Aber...“, widersprach Stern. Brombeere trat ihr auf die Pfote. Sie mussten ihm gehorchen. Teiger verdrehte seine grünen Augen und Nacht knurrte leise. „Ich komme mit euch“, Bach trabte an und schlüpfte in den Spalt und die restlichen folgten.                                                                                                                

Die Hölle war etwas halb so gross wie die andere. Stalaktiten und Stalagmiten hingen vor der Tropfsteindecke. Das leise Tröpfeln der Wassertropfen beruhigte Donner ein bisschen und verschaffte eine schläfrige Atmosphäre. Bach kletterte auf einen trockenen Sandsteinfelsen. „Heute Nacht werde ich bei euch schlafen, einigt euch wo ihr schlafen werdet“, entschied sie. Wortlos standen die Neckenden-Konkurrenzierungen  Feindesgruppen gegenüber. „Wir schlafen hinter dem grossen Felsen“, knirschte Teiger knurrend. „Alles in Ordnung?“, Bach lag entspannt auf dem Felsen. „Alles Bestens“, antwortete Dunkel und liess die Süsse seiner Stimme hinaus fahren. Nach seiner Lüge, zuckte zusammen Stern. Brombeere erschrak wegen ihren Zuckungen, während die Kater wortlos hinter den Kanten des Felsens verschwanden. „Es war als hatte mich etwas stark gepikst“, klärte Stern die fragenden Gesichtsausdrücke auf. Donner zuckte wortlos mit den Schultern. Es bedeutete so viel wie: Zuckungen können schon mal vorkommen.                                                                                        

Sie legen sich in eine Ecke der Hölle, von dessen Decken  Höllenspinnennetzte herunter hingen mit ihren hässlichen Bewohner und dessen Gefangenen. „Bequem ist ein anderes Wort“, jammerte Brombeere auf dem nackten Fels, er fühlte sich nackt und kalt unter dem Pelz an. Bisher hatten sie auf Moos, Flechten, Gras oder Schilf gelegen aber nicht auf knochenhartem Stein. Nach einem kleinen Imbiss schliefen sie vor Müdigkeit tief und fest ein und träumten von dem nächsten abenteuerlichen Tag.

 

 

 

 

 

 

 

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