Die Jäger des Waldes (Kapitel 4)

Kapitel 4


„Was ist los?“, flüsterte Ellen noch einmal. Marie antwortete nicht sondern linste über die silbrige Kühlerhaube des geparkten Autos. Ruckartig zog sie ihren Kopf zurück. Ellen blickte ebenfalls vorsichtig über die Kühlerhaube und verstand wieso Marie sie einfach hinter dieses Auto gezerrt hatte. Nicht weit von dem silbrigen Auto entfernt standen Sascha, Noé, Levin und Nino im Kreis und schwatzen. „Der schnellste Weg an ihnen vorbei zu gehen wäre, an ihnen vorbei zu laufen aber das ist glatter Selbstmord wenn du mich fragst“, flüsterte Marie frustriert. „Wir sind nur zu zweit.“ Ellen suchte die Umgebung nach einem geeigneten Fluchtweg ab. „Am besten wir kriechen hinter der Autoreihe entlang“, antwortete Ellen. Marie checkte mit ihren Augen den Fluchtweg. „Wir haben sonst keinen anderen Ausweg.“ Auf allen vier krochen sie am harten Asphalt entlang, möglichst leise von Auto zu Auto. Blätter und Dreck klebten nun gut an den nassen Hosen und Ellen hoffte, sie würden nicht reissen. „ Diese Mal haben wir uns perfekt gerächt“, Noé Stimme drang in die Ohren von Marie und Ellen. „Noé, du bist der beste Streich-ausdenk-Genie, den ich je kennengelernt habe“, Sascha klopfte ihm lobend auf die Schulter. „ Aber sie können sich wehren, vor allem Marie“, murmelte Nino. Marie und Ellen starrten sich gegenseitig hinter den Autos an. Anstatt weiter zu kriechen würde es ihnen nicht Schaden ein wenig zu Lauschen. „ Wir sind stärker“, gab Levin selbstsicher zurück. „ Jedenfalls vergesst nicht heute Abend unsere geplante Übernachtung im Bandenversteck“, Sascha änderte das Thema. „ Das ist es“, flüsterte Ellen leise. „ Wir übernachten auch im Wald und werden ihnen um Mitternacht einen gewaltigen Schrecken einjagen!“ „ Aber, im Wald, mitten in der Nacht, ich weiss nicht so recht“, flüsterte Mare zurück. „Komm schon, morgen haben Schulfrei und was sollte uns schon passieren.“ Ellen war mutig und optimistisch bei solchen Angelegenheiten. Angst hatte sie keine vor dem Wald aber wenn es darum geht, über einen Baumstamm zu balancieren, dabei bekam sie weiche Knie. Im Gegensatz zu Marie und Amy, die einfach darüber spazierten wären aber bei anderen Dingen wieder den Angsthasen spielten. „ Ich hoffe meine Eltern und Amys Eltern werden es erlauben“, antwortete sie möglichst leise. Maries Eltern brauchten oft grosse Überzeugung und Amys Mutter war schnell leicht besorgt um das Wohle ihrer elfjährigen Tochter. „ Gut, besprechen wir dies heute noch aber lasst uns verschwinden“, murmelte Ellen.  Hinter dem schwarzen Autoreifen kam einen graue Hauskatze hervorspaziert. Mit Freude und Schnurrend strich sie Ellen und Marie um die Beine. „Hahhtsichi!“, Ellen musste Niesen nicht wegen den Katzenhaaren sondern wegen den Sonnenstrahlen, die ihre Nase kitzelte. Marie starrte Ellen verängstigt an, denn Levin fragte: „Habt ihr auch so ein komisches Geräusch gehört?“ Schnell packte Marie die graue Katze am Bauch und schob sie vor den Autoreifen. Marie und Ellen drückten sich fest ans Auto und hielten für ein paar Sekunden den Atem an. „Ach, es ist bloss eine Katze, Levin“ sagte Nino belustigt. Das leise Aufatmen zweier Mädchen konnten sie jedoch nicht hören und so schlichen sich die Beiden hinter dem Auto davon. Bevor die Jungs sie bemerken konnten waren sie schon längst aus ihrer Sichtweite verschwunden.

„Katzen bringen tatsächlich Glück“, dachte Marie nachdem sie von Ellen getrennte Wege ging. Langsam trockneten schon die durchnässten Haare und Kleider und Marie musste keine Ausrede mehr ausdenken für den nassen Überfall. Wie gewohnt stieg Marie eine ansteigende Strasse hinauf. Sie wohnte an der Flanke eines Hügels. Er war in zwei grosse Wohnquartiere aufgeteilt. Marie bog in das linke Quartier, wesentlich kleinere, ab und lief den Schornstein entlang. Sie seufzt, leider wohnte sie mit Nino, Jenny und seit ein paar Monaten auch mit Lilien in derselben Strasse. In einem grossen Haus mit einem tollen Ausblick auf die Berge und auf den wesentlich kleineren Treffpunkthügel wohnte Marie mit ihrer vierköpfigen Familie. Marie-Kristin Neumann hiess sie mit ganzem vollständigem Name. Ihr schoss gleich der Duft von gebratenem Rindfleisch in die Nase als sie die weiße Küche betrat. Ihr Vater, Pierre Neumann, stand mit einer Blumenkochstürzte in der Küche und goss gerade gelbes Olivenöl zum Fleischbraten hinzu.                                                                                  Bei Marie zuhause war einiges anders als bei den meisten gewöhnlichen Familien. Der Vater machte den Haushalt während ihre Mutter, als Ärztin arbeitete. Ursprünglich hatte Maries Mutter in Deutschland gelebt. War jedoch in die Schweiz gezogen, wegen dem Ärztemangel. Oft arbeitete Maries Mutter bis spät in die Nacht, was sie manchmal ziemlich traurig machte.

 „Unternimmst du heute Nachmittag etwas?“ Maries Vater wandte sich zu ihr  als sie am reichlich gedeckten Tisch sassen. Ihr kleiner Bruder, Timo mit der grossen Nickelbrille, schmatze laut, sein Rindkotelett in sich hinein. „Ich möchte heute etwas mit Amy und Ellen unternehmen“, antwortete sie mit vollem Mund. Ihr Vater konnte ausgezeichnet kochen. Die Gewürze explodierten in ihrem Maul. „Gute Idee, heute ist Freitag und ich wollte noch den Boden feucht aufnehmen“, gab er zurück. „Na, ja“, sie stocherte im Salat herum. „ Wie haben etwas für heute Nacht geplant.“ Ihr Vater zog die buschigen Augenbraunen hoch. „ Und was bitte, wen ich fragen darf?“ „ Wir hätten an eine Übernachtung am im Wald gedacht“, fing Marie kleinlaut an. „ Wie bitte, das ist gefährlich, alleine im Wald Zelten gehen!“, seine Stimme wurde laut. „ Nein, wir schlafen in einem Häuschen, die Tür kann man verriegeln ausserdem werde ich dich auch anrufen, falls es ein Problem gibt“, log Marie. Sie musste Flunkern mit dem Bandenversteck der Jungs, anders würde ihr Vater sie nie gehen lassen.      „ Und die Eltern deiner Freudinnen, erlauben die das auch?“, Pierre schob sich ein grosses Stück Fleisch in den Mund. „ Ja, klar“, log Marie ein zweites Mal. Ihr Vater schwieg einen langen Augenblick. „ Na schön aber du wirst dafür den ganzen Sonntag lernen.“ Maries Augen hellten sich auf, sie hätte es fast für unmöglich gehalten. „ Danke!“, ihr viel ein dicker Brocken vom Herzen. Sie und Elle mussten nur noch Amy von dem Plan erzählen und hoffen auch ihre Eltern würden zu stimmen.

Nach dem reichlichen Mittagessen verzog sich Marie in ihr kleines Zimmer. An der weißen Wand hingen Poster vom Vesuv, einem italienischen Vulkan und eines von einer schwarz-weiss gefleckten Katze mit blauen Augen. Marie wusste nicht was es für eine Rasse war aber es gefiel ihr sehr gut. Ellen und Amy hatten es ihr zum Geburtstag geschenkt, ohne zu wissen um welche Rasse es sich dabei handelte. Auf ihrem unordentlichen Pult lag eine Skizze von einem selbstentworfenem violetten Kleid. Maries grösster Berufswunsch war Modedesignerin. Wenn es aber nach ihren Eltern gehen würde, dann wäre es Ärztin, Anwältin oder Professorin. Neben der farbigen Stoffkiste auf dem Pult lag noch einen Experimentiere Kasten. Experimentieren war ebenfalls eines ihrer zahlreichen Hobbys aber Nähen und Designen gefiel ihr immer noch am besten.

Auf dem cremefarbigen Pult lag einen zerknitterter Zettel ihrer Mutter. Darauf stand in schöner Schrift:

Ich bin diese Wochenende an einem Kongress für Krebskranke. Hilf bitte deinem Vater  am Sonntag im Haushalt:        


                                                 1. Sonntag das Bett machen

                                                 2. Boden wischen ( Samstag oder Sonntag) 

                                                3. Sonntag für deinen Bruder kochen (Vater geht Golfen)  

                                               4. Lernen für die Schule !!!

Gruss Mama

Marie seufzte, sie hasste diese Aufgabenzettel, vor allem am Freitag. Der einzige Trost war, dass der Samstag aufgabenfrei blieb. Genervt klebte sie den Zettel ans überfüllte schwarze Brett und schnappte sich anschliessend ihr eigenes Telefon. Danach wählte Marie Amys Nummer und wartete bis sich ihre feine Stimme meldete. Gleich nachdem Amy den Telefonhörer abgenommen hatte, schildert Marie ihr, wie sie und Ellen die Jungs belauscht hatten und dabei herausfanden, was die Jungs für heute Abend geplant hatten. Amy fand dieser Angsteinjage Plan mitten in der stockfinsteren Nacht, eine wirklich ausgezeichnete Idee, doch sie wusste nicht wie ihre Mutter drauf reagieren würde. Amy Strange in der Nacht im Wald konnte ihre Mutter nicht so gut vertragen. Der Wald war nun Mal nicht absolut vertrauenswürdig, die Angst vor Bäume und der reisende Dunkelheit gehörten aber eher ins Mittelalter. Damals hatten Mütter Angst vor üblen Raufbolden und hungrigen Wölfen. Heute jedoch, vor den verrückten Männer oder überheblichen Zahl von Verletzungen.

 Irgendwie konnte Marie Amy überredete dieselbe Lüge auf zu tischen mit dem angeblichen Übernachtungsort im Bandenversteck der Jungs.  Angestrengt musste Marie mit knirschenden Zähnen ungefähr zehn Minuten schweigend warten. Sie lauschte den fahlen Stimmen des Gespräches und als Amy ihre Stimme wieder meldete wäre sie beinah auf dem bequemen Bett eingenickt. Doch das Beste war, Amys Mutter hatte nach langem Überzeugen zu gestimmt. Die beiden Freundinnen beschlossen um acht Uhr abends sich beim Treffpunkthügel an zu sammeln. Ellen würde ein Zelt mitbringen, Amy ein leckeres Abendessen und Marie nahm Scherz und gemeine Gruselartikel mit.

„Komm aber bitte morgen pünktlich um zwölf Uhr mittags zurück“ ermannte Maries Vater sie, bevor Marie sich mit einem vollgefüllten Rucksack auf den Weg machte. „Geht in Ordnung“ rief sie zurück und verliess ihr Haus. Es tat ihr fast ein bisschen Leid wegen der Flunkerei mit dem falschen Übernachtungsort aber anders wäre es wohl nicht gegangen. Die letzten Sonnenstrahlen fielen auf Maries Kopf, als sie einem Wanderweg folgte. Bald darauf erreichte sie den Fuss des Hügels.                                            Mit zusammengekniffenen Augen, erkannte sie die Silhouette von Ellens Köper im rötlichen Sonnenlicht. Ellen war fast immer pünktlich im Gegensatz zu ihr und Amy, sie beide kamen oft ein bisschen zu spät.                                                                                                                                                      „Ich nehme an, Amy ist noch nicht da“, stellte sie fest, nachdem sie den kurzen Aufstieg bezwungen hatte. Ellen nickte: „Sie ist noch nicht da aber ich sehe sie kommen.“ Dabei deutete sich mit dem dünnen Zeigefinger auf eine kleine Gestalt mit einem Rucksack. Die kleine Gestalt überquert die grüne Wiese. An ihrem Fortbewegungsgang konnte jeder Amy ganz genau erkennen. Immer wieder blieb sie stehen, damit sie über die schwarzen Kuhmistschläuche balancieren konnte. Marie sank in das leicht feuchte Frühlinggras und freute sich über den Geruch von duftenden Blumen und würzigen Wiesenkräutern. Schweigend warteten sie zusammen bis Amy den Hügel hinauf gekraxelt kam. „Tut mir leid aber meine Mutter bestand darauf, mein Zimmer fertig aufzuräumen“, entschuldigte sich Amy für ihre Verspätung. Amys Türkisfarbene, gefütterte Jacke fiel neben die rechte Hand von Marie. Türkis war die Lieblingsfarbe von Amy, weil diese Farbe sie an die schönsten Meere erinnerte. Ellen mochte grün und blau. Immer wenn sie etwas anzog, musste ein blaues Kleidungsstück dabei sein. Zu Maries Lieblingsfarben gehörten gleich viele verschiedene Farben. Sie konnte sich nicht richtig entscheiden zwischen Rot, Braun und Violett. „ Wo ist das Zelt?“, wollte Amy wissen und zerrte ein Grashalm mitsamt den Wurzeln aus. „ Hier“, Ellen tätschelte auf ein zusammengeschnürtes dunkelblaues Paket. „ Gut, dann lasst uns in den Wald gehen und es errichten“, schlug Marie vor und rappelte den Körper mühsam auf. Mit dem schweren Rucksack und dem Zelt auf den Schultern folgten sie dem steilen Hügelabstieg.                                                     

Ein nachtschwarzer Schatten dehnte sich bereits im Wald aus. Marie schauderte es ein wenig, bei dem Gedanken, wie es sein würde, wenn in diesem friedlich aussehenden Wald, finstere Kreaturen hausen würden. Sie schob aber die Gedanken beiseite und freute sich über die spannende Nacht.             

Gut Versteckt, in der Mitte eines Waldbodenkraters, schlugen die drei Freudinnen Ellens Zelt auf. Runder herum lag eine dicke Schicht Kiefernadeln und ein paar kleine Steine.                                       Die Erde war leicht feucht, als Ellen den Hering in den Waldboden hinein hämmerte. „ In diesem Krater wird uns niemand entdecken, Bäume und Sträucher verstecken das Zelt“, Amy kehrte von ihrer Sicherheitschecküberprüfung zurück. „ Es wird bestimmt alles gut verlaufen“, Marie spannte das letzte Seil und verankerte es sorgfältig in der Erde. Amy betrachtete das ulkig aussehende Zelt. Es erinnerte an ein Iglu, das Dach war eine stabile Kupplung und der Eingang, erinnerte an einen kurzen Stollen. „ Fertig!“, rief Ellen stolz und schwenkte den Hammer im Kreis. „ Lasst uns reingehen und alles Vorbereiten.“

Rasch zündete Marie die Deckenlampe an und sank auf ihren honiggelben, frisch ausgerollten Schlafsack. Die Dunkelheit machte ihr leichtes bedenken aber sie wusste mit Ellen und Amy würde heute Nacht die Angst verblassen. „ Ich habe selbstbelegte Brote, eine Flasche frischengpressten Apfelsaft, drei Schokoriegel, Knäckebrot und eine ganze Packung Kekse eingepackt“, mit einem knisternden Ton der Plastiktüte zauberte Amy die Leckereine hervor. Marie schnappte gierig das Käsebrot und die beiden Schinkenbrote krallten sich Amy und Ellen. Genüsslich verspeisten sie, wie hungrige Wölfe die vielen Köstlichkeiten. Am Schluss blieben noch Apfelsaft, die Schokoriegel und einige Kekse verschont. Marie hatten einen wohlgenährten Bauch aber sie angelte sich noch einen Keks in die verschwitze Handfläche. „ Du kannst sensationell Backen, Amy“, nuschelte sie mit vollem Mund. „ Danke“, erwiderte Amy leicht geschmeichelt. „ Backen ist eines meiner liebsten Freizeitbeschäftigungen.“ „ Und die Glasur ist dir ebenfalls gut gelungen“, Ellen kratze mit dem Mittelfinger die süsse Glasur weg, die eine schwarze Katzenpfote darstellen sollte. „ Passt zu unserer Bande“, Amy strich die Krümel von der schwarzen Hose. „ Was verbindet uns eigentlich mit Katzen?“, eine wirklich gute Frage stellte Marie. Ellen strich sich eine Strähne aus dem Gesicht: „ Nun ja, wir haben zwar keine eigenes Bandentier aber wir sind frech, eigensinnig, schlau, mutig und abenteuerlustig, genau wie Katzen.“ „ Stimmt und ausserdem haben wir uns einmal vorgestellt, wie es sein mag eine Katze zu sein“, ergänzte Amy die Aufzählung. „ Ich glaube wir haben sogar ausgedacht welche Fellfarbe wir als Katze hätten“, erinnerte sich Marie an die Anfänge dieser Bande. „Kling vielleicht merkwürdig“, fing Amy an. „ Aber eine Katze zu sein, für ein paar Stunden, wäre Gold wert.“ Ellen griff sich einen Keks. „ Ich würde immer den Jungs heimlich hinterher schleichen oder in fremden Gärten stöbern“, Ellen begann weiter zu fantasieren. „ So etwas gibt es aber nur im Traum“, antwortete Marie leise und leicht frustriert. Ellen setzte sich aufrecht hin. „ Wir sollten vielleicht langsam etwas für heute Nacht planen.“ „ Ausgezeichnete Idee! „, Marie schnappten ihren grossen Rucksack und fischte ein dickes Bündel hervor. Vorsichtig öffnete sie den Knoten und breitete die vielzähligen Gegenstände aus. Drei Katzenphantommasken und viele Gruselartikel. Darunter ein geniales Stimmverzehrgerät. „ Jetzt jagen wir den Jungs einen schönen Nachtschrecken ein“, Amy sprang motiviert auf die Beine, nachdem sie einen hinterlistigen Plan durchdacht hatten. „ Wir sind dabei“, rief Ellen und schnappte sich eine schwarze Katzenmaske um nicht erkannt zu werden. Marie verlud den Scherzartikelsack auf den breiten Rückengrat und liess Amy den Vortritt.

Nun brauchte auch die Mädchen ein bisschen Mut und Vertrauen zum Wald, um mitten in der Nacht durch den Wald zu wandern. Ellen trat zuerst aus dem Zelt und schien sich über die völlige weniger Sorgen zu machen als Amy. Sie lief dicht hinter Ellen am Zelt vorbei und lauschte auf möglich Gefahren. „ Wartet auf mich“, Marie verliess das Zelt zuletzt und zog den Reissverschluss in die Höhe. Die Luft war erfüllt von dem Geruch nach Tannenzapfen und frischen Laubblättern. In der Nähe krächzte ein Kauz und ein Bach plätscherte in der Nähe vor sich hin. Jetzt bemerkte Ellen was sie vergessen hatte eine tragbare Taschenlampe. „ Wir sollten warten bis unsere Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben, man sieht ja nicht die Hand vor Augen“, flüsterte Amy leise und torkelte vorsichtig einige Schritte vom Zelt weg. „ Katzenaugen, wäre nun die ideale Lösung“ fluchte Ellen und hielt Ausschau nach gefährlichen Stolperseilen. „ Hier geht’s lang“, langsam nährten sich Maries mit vorsichtigen Schritten dem Trampelpfad, von dem sie gekommen waren.

Es brauchte einige Zeit bis sich die Bande im Wald orientieren konnten.

„ Da, ich sehe das rote Holzdach zwischen den Tannenspitzen“, flüsterte Amy und setzte ihren Fuss langsam ins tote Laub. „ Hoffen wir mal, sie sind wirklich in der Hütte, sonst wäre alles für die Katz“, murmelte Marie und machte sich auf eine bittere Enttäuschung gefasst. „ Quatsch“, zischte Ellen. „ Ich höre das Schnarchen bis hierher.“ Tatsächlich, wenn man angestrengt Lauschte konnte jeder ein lautes Schnarchen vernehmen. „ Die Hütte wird gleich zusammenfallen“, scherzte Amy und wagte sich noch näher an die Hütte. „ Sschtt!“, befahl Marie. Sie geleitete mit dem Zeigefinger sachte über die Lippen. „ Lasst uns nochmal alles besprechen“, Marie zerrte Ellen und Amy hinter den nächsten Iltisbusch. „ Ich nehme das Stimmverstellgerät und Labere etwas Unheimliches.“ „ Ihr werdet unterdessen an die Bretter klopfen und dabei wölfisch Heulen.“ Amy reib ich die Hände vor Freunde. „ Dies wird ein riesiger Spass.“ Sie schnappten die muffig riechenden Katzenmasken und zogen sie fest ins Gesicht. Marie nahm das Stimmgerät in die rechte Hand und wartete ungeduldig bis Ellen und Amy das Haus umstellt hatten. Amy hob ihre schweissnasse Faust und zwinkerte Marie in der Dunkelheit entgegen. Ihr Plan konnte.

Sascha Vondermann schreckte aus dem Tiefschlaf hoch. Hatte er da nicht ein verdächtiges Geräusch gehört? Ausser das laute Schnarchen von Levin Krumbiegler auf dem gegenüberliegenden Sofa, Noé Linugre und Nino Aramano, die auf verkümmerten Matratzen schlummerten, war das einzige was der Bandenboss hören konnte. Sascha beruhigte seine hellwachen Sinne und fuhr sich durchs Haar. Seit letzten Sommern liess er sich die Spitzen wachsen, genau wie Noé und Levin. (Nino zog lieber kürze Spitzen vor) Es hiess: Wer die höchste Tolle besitzt, wird der neue Bandenchef aber von diesem Scherz wurde Sascha nicht eingeschüchtert. Hauptsache es sah gut aus und die Mädchen stehen darauf. Er und Levin wurden ständig von Verena, Jenny und Lilien angehimmelt. Im Gegensatz zu der verfeindeten Mädchenbande. Doch Nino war es völlig egal wie heftige Streich sie von der Bande zurückbekamen. Er war verknallt in die schüchterne, dennoch wilde und freche Amy. (Sie wusste es allerdings nicht) Sascha knackte mit dem Fingergelenk und rollte den Körper wieder in der Decke ein. Einmal hatte er sich kurz in Ellen verguckt, wurde aber so wütend auf sie, weil sie ihn beim Bodenkampf in der Schule besiegt hatte. Dies war ihm extrem peinlich und Ellen hatte ihn damals schlimm Gedemütigt. Sie war ein freches, witziges aber manchmal extrem sarkastisches Mädchen. Saschas Bande trug den Namen die frechen Waldtiger aber sie verehrten keine Tier, wie die Mädchen Katze verehrten. Aber Katzen passten zu den Mädchen. Sie waren süss, frech, hinterlistig und konnten ihre Krallen richtig einwenden. Ausserdem wusste Sascha von dem Katze-werde Wunsch. Für ihn klang das völlig bekloppt, doch vielleicht hatten sie zu viel den Film Catwoman geschaut. Sascha schwelgte von den Gedanken wieder in die Wirklichkeit zurück. Da knackte es wieder. Sascha fuhr blitzschnell auf. Etwas schlich tatsächlich ums Zelt! „ Levin, Noé, Nino!“, zischte er leise. „ Was ist den los“, knurrte Levin verschlafen. Nino rieb sich den Schlaf aus den Augen und streckte sich in der Tigercave( wie das Bandennest hiess und auf Englisch, Tigerhöhle bedeutete) ausgiebig aus. Noé war der einzige, der es begriff. „ Ruhe, ich höre etwas!“, murmelte er mit leichter Angst. Ein geisterhaftes Lächeln, liess sie zusammenfahren. „ Muhahah, ich bin der Geist der Tigercave“, rief eine düstere Stimme. Die Jungs drängten sich eng zusammen. „ Ich bin gekommen um vier zitternde Jungs abzuholen“, die Stimme hallte gegen die Hütte. Levin wollte vor Panik ein Zündholz anzünden aber Sascha schlug ihm das Hölzchen aus der linken Hand. „ Kein Feuer bei Panik!“ Genau an dem Ort wo Nino ängstlich verharrte. Hämmerte es  und Polterte es nun gegen die Bretter. Nino fuhr Erschrocken vom Platz und drängte sich zusammen mit Noé Rücken an Rücken. Es klopfte sogar gegen die Eingangstür und Sascha betete das Schloss würde halten. Das geisterhafte Lachen wurde noch lauter und es klang wie einen Mann. „ Das ist ein bestimmt ein Verrückter!“, quiekte Nino voller Panik. Levin konnte nicht mehr anders er polterte gegen die Bretter und flehte: „ Lassen sie uns in Frieden!“ „ Das würde euch Dumpfbacken wohl so passen, muhaha!!“, kam die schreckliche Antwort. „ Das werden wir sehen“, Sascha nahm allen Mut zusammen und tappte zum einzigen Fenster. Ein kalter Mondlichtstrahlt spendete etwas Licht und das weiße Fenster vibrierte vor dem Poltern. Noé folgte seinem Anführer wie ein treuer Hund, obwohl es ihm den Magen zusammenkrampfte und die Mahlzeit hoch kam. Vorsichtig linste Sascha aus dem winzigen Fenster in den finsteren Wald. Er schrie wie am Spiess auf, stolperte Rückwärts und krachte beinahe mit Noé zusammen. „ Eine riesen Spinne“, stotterte er wie gelähmt. Spinnen und Krieg war das einzige was ihm grosse Angst bereitete. „ Das ist eine Plastikspinne“, bemerkte Noé als er das schwarze Wesen, welches am Fensterbrett klebte beobachtete. Er wiederrum hatte Angst vor Einbrecher und dem Tod. „ Genug mit dem Scherz, du Verrückter!“, brüllte Levin und hämmerte mit geballten Fäusten an die wackligen Bretter. „ Hahaha!!“, lachte es weiter vor der Tür. „ Da erlaubt sich jemand einen Streich“, Nino lief an dem zitternden Sascha vorbei. Mutig schob er Noé vom Fenster weg und linste selbst nach draussen. Die vertrauten Tannen standen still in einer Reihe vor dem Fenster. Ausser die harmlose Plastikspinne konnte Nino niemanden sehen. Das Poltern auf der einen Seite des Bandennestes verstummte und Nino vermute der angsteinjagende Mann hatte den Spass verloren. Nun war alles wieder still, fast zu still. „ Ist er weg?“, flüsterte Noé kleinlaut. „ Ich sehe nichts ausser Tannen und Buchen“, antwortete Nino beruhigt. „ Da hat sich jemand einen fieses Streich erlaubt“, Levin glühte vor Wut. „ Vielleicht ein gelangweilter Bauer“, vermutete Nino. Er strich mit dem kleinen Finger über das Fensterbrett. Der Lack blätterte bereits ab und eine dicke Staubschicht türmte sich in die Höhe. Nino starrte müde in den pechschwarzen Wald. Wieder knackte trockenes Geäst unter schleichenden Fusssohlen. „ Jungs!“, Angst überkam Ninos Stimme. Levin, Sascha und Noé drehten ihre Köpfe zum Fenster. Da geschah es. Eine Hand erschien am Fenster. Nino stolperte erschrocken zurück. Der unheimliche Schatten der Hand wanderte im Bandenversteck herum. Eine weitere Hand erschien, nur war sie breiter und grössere. Der Schatten der Hand wanderte über Saschas Gesicht und er wusste nicht wie sehr er Schreinen wird, wenn ein Gesicht am Fenster erschien. Noch eine Hand erschien am Fenster. Sie hatte eine dünne Statur und die langen Fingernägel kamen Noé bekannt vor. Drei Köpfe erschienen beim Fenster und die Jungs schrien so laut es nur gehen konnte. Die Köpfe hatten kein menschliches Gesicht, sondern die Form von Katzen. Kurz wanderten die Schatten der Katzenköpfe über den Holzboden und nach einer Sekunde waren sie von der Blickfläche verschwunden. „ Was zum Teufel der grossen Gespenstern war das eben?“, Levin schlug das Herz bis in den Hals. „ Ein ganz mieser Streich!“, Noé stand auf und zündete das Streichholz an. Die kleine Flamme schien Nino zu beruhigen. „ Ich denke, ich weiss wer dies gewesen war“, Noé zuckte mit den schwarzen Wimpern. „ Du meinst doch nicht etwa die Katzenbräute?“, Wut kam Sascha hoch. „ Genau, die, weiss der Kuckuck warum die auch hier herum streifen.“ Levin nahm das gepunktete Kissen und schmeiss es gegen ein Fussballposter. „ Es wird ein Nachspiel geben!“, versprach er mit hasserfüllten Gedanken.

Kommentare

  • Author Portrait

    toll geschrieben!

beta
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