Es war einmal ein armer Fischer, der lebte mit seiner Frau an einem großen See, der von zwei Flüssen gespeist wurde. Der größere der beiden, ein schiffbarer Strom, hieß Mähre und der Name des kleinen war Marle. Nun war der See von einer so gewaltigen Größe, dass jedermann dachte, er wäre ein Meer. Und, weil das Land drum herum mit all seinen Wäldern und Bergen und natürlich auch dem See und die Flüsse dem König gehörten und er, der König vom Groß-Mährener Land war, erließ er die Order: “Dieser See heißt ab sofort, Groß-Mährener Meer.“

Er war der König, er durfte das.

Sein Königreich regierte er zusammen mit seiner Frau, der Königin in Gerechtigkeit, Güte und Ordnung. Wollte nun jemand in diesem Meer fischen, brauchte man eine besondere Erlaubnis vom König, der noch zusätzlich über jedes Meeresgetier, das aus diesem königlichen Gewässer geholt wurde, Rechenschaft verlangte. Tat wer das nicht, wurde er bestraft, denn der König wollte über alles, was in seinem Land geschah, informiert sein. Das war zwar aufwendig, klappte aber sehr gut.

An einem Tag im Frühling ereignete sich folgendes:

Der arme Fischer saß bei strahlend blauem Himmel vor seinem Haus und flickte sein Netz, als eine Krabbe, nicht viel größer als seine Hand, den Strand hochgekrabbelt kam. Verwirrt starrte der Fischer auf das krabbelnde Ding und überlegte, ob er dieses seltsame Vorkommen dem König melden müsse. Er endschied sich aber dagegen, denn er wollte die Krabbe schließlich nicht fangen. Außerdem war das Schalentier von allein aus dem Meer gekrochen. Mühsam schleppte sich der feuchtglänzende Krabbler zu einem Stein vor dem Haus und versuchte diesen zu erklimmen. Der Fischer wusste nicht warum, aber irgendetwas an diesem Tierchen berührte ihn, ja es zog ihn regelrecht in den Bann. Jetzt erst bemerkte der Mann, dass die Krabbe ein Gebrechen hatte. Er legte sein Netz auf die Seite, stand auf, ging zu dem kleinen Krebs und hob ihn in die Höhe.

»Nanu, meine kleine, du bist ja verletzt«, sagte er und ging mit ihr eilends ins Haus. Drinnen sah sich seine Frau das arme Tier an und stellte eine Verletzung an der untere Schale dicht neben dem hinteren linken Bein fest.

»Kein Wunder, dass dir das Laufen schwer fällt«, sagte sie, nachdem ihr Mann geschildert hatte, was sich vor dem Haus zugetragen hatte.

Die Frau des Fischers verschwand im Schlafzimmer und kam wenige Augenblicke später mit einer Tube Salbe wieder heraus. Sie verteilte ein wenig von diesem glänzend, glibbrigen Balsam über die Wunde, wickelte ein sauberes Tuch um den kleinen Körper und setzte das Tier wieder raus … eben auf den Stein, dessen Besteigung für die Krabbe vorhin unmöglich war.

»Das hast Du sehr schön gemacht, Frau«, lobte sie der Ehemann.

»In ein bis zwei Tagen hat das Tierchen alles vergessen und kann zurück ins Wasser«, ließ die Fischersfrau verlauten und wandte sich wieder der Hausarbeit zu. Am frühen Abend begaben sich die Eheleute zu Bett, da der Fischer schon vor dem Morgengrauen hinaus auf Meer musste. Doch trotz seines unermüdlichen Fleißes und seiner großen Bemühungen, die monatlichen Erträge waren und blieben gering – ihm fehlte einfach das kleine Quäntchen Glück. Den Beiden blieb gerade genug zum Leben, denn das Haus, in dem sie wohnten, gehörte auch dem König. Und jeden Monat pünktlich mussten sie den Mietzins herbei schaffen, da sie sonst auch noch das Dach über dem Kopf verlieren würden.

»Ach lieber Gott«, seufzte die Fischersfrau am Abend, als die beiden im Bett lagen, »ich hätte so gern ein Kind. Sei‘s ein Töchterchen, sei’s ein Knabe das wär mir egal«, flehte sie leise.

»Versündige dich nicht, Weib«, mahnte der Fischer, »Du weiß genau, wir können mit unserem geringen Einkommen nicht auch noch zusätzlich ein Kind ernähren, geschweige es einkleiden und später das Schulgeld aufbringen.«

»Ich weiß es nur zu gut, Mann«, jammerte die Fischerin erneut, dann hatten beide eine unruhige Nacht.

Am kommenden Morgen, der Mond stand noch am Himmel, machte sich der Fischer auf, um wie gewohnt sein Tagwerk zu vollbringen. Er trat hinaus ins Freie und sein prüfender Blick suchte die kleine Krabbe, die seine Frau tags zuvor auf den Stein vor dem Haus gesetzt hatte, doch zu seinem Erstaunen war der Platz leer. Nur das Tuch in das sie die Fischerin gewickelt hatte, lag neben dem Stein.

Nun gut, wir haben getan, was wir konnten – mehr war nicht drin, dachte er, packte seine Utensilien zusammen und fuhr aufs Meer hinaus.

Bereits als die aufgehende Morgensonne sich gerade vom Horizont löste, kam der Fischer wieder zurück. Das Boot lag schwer und tief im Wasser. Sofort sprang der Mann auf den Stieg, lief ins Haus und rief lautstark nach seiner Frau.

Lieber Gott im Himmel, lass bitte nichts Schreckliches passiert sein, dachte sie bestürzt.

Doch er umarmte seine Frau, hob sie lachend hoch und drehte sich zusammen mit ihr einmal im Kreis herum. Er zerrte sie regelrecht hinaus bis zum Boot, blieb davor stehen und zeigte voller Inbrunst und stolz auf einen riesigen Berg mit Fischen.

»Wo kommen die vielen Fische her?« fragte sie ungläubig.

»Du wirst es nicht glauben aber ich habe eine Stelle entdeckt an der hunderte, ach was tausende, vielleicht sogar millionen Fische sich tummeln«, erzählte er und schnappte, außer sich vor Glück, nach Luft.

»Jetzt beruhige dich erst mal. Komm lass uns das Boot ausladen und die Fische versorgen«, drängte sie.

Gegen Mittag saßen sie bei Tisch und er wurde nachdenklich, denn insgeheim dachte er auch an die Überfischung der Meere, an der er doch nun, wenn es so bliebe, einen gewissen Anteil trägt. Irgendwie kam es ihm einem Konflikt gleich, dem er sich nun ausgesetzt fühlte. Musste er aber nicht auch an sich und seine Familie denken? Seine Frau jedoch plapperte fröhlichen Mutes vor sich hin, riss ihn somit heraus aus seinen trüben Gedanken und sie freuten sich über ihr unsägliches Glück. Der Monat war erst zur Hälfte vorbei und ihr gesamtes monatliches Salär, einschließlich des Mietzinses. hatte der Fischer mit dieser gewaltigen Ladung frischen Fisches eingefahren.

 »Frau, wenn ich noch einmal so einen Fang nach Hause bringe, ich glaub es fast gar nicht, dann können wir sogar etwas zur Seite legen. Und weißt Du was wir jetzt machen? Wir haben noch eine Flasche Wein, du weißt schon, die die wir für einen besonderen Anlass zurückgelegt haben. Die machen wir heute Abend auf«, verkündete er freudestrahlend. Und sobald die Sonne untergegangen war, öffnete der Fischer die Flasche Wein und sie tranken und feierten in Maßen und waren in Gedanken fern aller Sorgen und Nöte.

Am darauffolgenden Tag, der Fischer machte sich auf seiner Arbeit nachzugehen, entdeckte er abermals die kleine Krabbe. Ganz selbstverständlich, als wäre sie nie fort gewesen, saß sie auf besagtem Stein vor seinem Haus. Die hob und senkte eine ihrer Scheren, scheinbar als würde sie ihm zuwinken. Kopfschüttelnd, über diese doch recht ungewöhnliche Begegnung begab er sich zu seinem Boot. Das änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass der Fischer kurz nach Sonnenaufgang erneut mit einem Boot voller Fische Heim heimkehrte. Und auch am nächsten und übernächsten Tag spielte sich die gleiche Szene ab. Der Fischer und seine Frau hatten nicht einmal mehr die Zeit sich zu wundern, alldieweil, ihre Glückssträhne riss einfach nicht ab.

Um auch weiterhin der Fische Herr zu werden, stellte das Ehepaar zwei Hilfskräfte ein, denn zwei Leute konnten die anfallende Arbeit nicht mehr bewältigenden.

Schon fast unheimlich, waren die vielen Menschen, die plötzlich um sie herum scharwenzelten. Die einen stellten seltsame Fragen, andere warfen ihnen fremdartige Blicke zu, aber am undurchsichtigsten waren die freundlichen, die, welche so taten als wären sie schon immer mit ihnen befreundet.

Und noch etwas gab es, worüber der Fischer ins grübeln kam. Jeden Morgen, wenn er mit seinem Boot die Stelle erreichte an der er den großen Fischreichtum entdeckt hatte, tummelten sich dutzende fremder Boote in der näheren Umgebung. Das war jedoch nicht der Punkt über den er sich wunderte. Befremdlich fand er die Tatsache, dass sein Fang nicht weniger wurde, die anderen aber nur einen Bruchteil davon einfahren konnten.

Die anfänglich harmlos wirkenden Rivalen, gingen dazu über ihn zu terrorisieren. Zuerst begann man ihn zu ignorieren, dann wurde er gegängelt und schließlich sogar attackiert. Zu guter Letzt tauchten noch ein paar vermummte auf, die ihn nicht nur bedrohten – viel schlimmer – sie griffen ihn tätlich an so, dass es ihm angst und bange wurde. Sie bemalten sein Boot mit Farbe und dann wurde ihm auch noch eine ganze Ladung Fische gestohlen. Doch er blieb standhaft, selbst den flehentlichen Bitten seiner Frau gegenüber, die Angst um sein Leben hatte, endlich nachzugeben, beugte sich der Fischer nicht.

Mit der Zeit verloren die Angriffe ihren Sinn und da die eigenen Ergebnisse in ihren Netzten sich nicht besserten, man aber Geld verdienen musste, ging man langsam zur Tagesordnung über und überließ dem Fischer sein Revier.             

Aus Wochen wurden Monate und die vergingen auf Grund der vielen Arbeit fast wie im Flug. Das Fischer Ehepaar aber schwelgte im Glück, obwohl sie es nur mäßig genossen, denn ganz geheuer war ihnen immer noch nicht.

Eines kommenden Morgens, der Fischer hatte den ersten Teil seines Tagwerkes beendet und war ins Haus zurückgekehrte, wehklagte die Fischerin.                             

Sie wirkte blass und wurde grundlos Ohnmächtig, klagte über Unlust, Kopfschmerzen und über Bauchweh und erbrechen. Der Fischer versorgte sein Weib so gut er nur konnte, doch immer aufs Neue, gab es Grund zu gesundheitlichen Unpässlichkeiten. Zu allem Übel, wurde er in der Hektik dieser Tage, auch noch zum König beordert.

Oh je, das auch noch, nicht nur das die Frau krank ist, dachte er. Jetzt muss ich bestimmt mehr Steuern zahlen, möglicherweise setzt er auch noch den Mietzins herauf oder er entzieht mir die Erlaubnis zum Fischen. Mein Gott, was mach ich bloß? Die schrecklichsten Gedanken umkreisten ihn, während er sich ankleidete um zum Schloss zu gelangen. Kaum hatte der Fischer einen Fuß vor das Haus gesetzt, traute er seinen Augen nicht. Saß doch, auf dem gleichen Stein wie schon vor Monaten, die kleine Krabbe und winkte ihm, wie schon damals mit ihrer rechten Schere zu. Warum taucht sie gerade heute wieder auf, überlegte er krampfhaft, doch die Antwort blieb er sich schuldig. Die Zeit drängt, dachte der Fischer, einen König lässt man nicht warten.

Einmal im Monat und zwar am ersten Freitag, fand im Groß-Mährener Schloss eine so genannte Bürgersprechstunde statt. Dass war der Tag an dem der König für jedermann zu sprechen war. Die Bürger durften ihre kleinen, manchmal aber auch etwas größeren Sorgen ihrer Majestät anvertrauen, Vorschläge zur Landespolitik machen oder zur Sprache bringen was ihnen derzeitig nicht gefiel. Der König hörte sich alles geduldig an, gab Ratschläge, erklärte, begründete und ermunterte seine Untertanen. Manchmal versuchte er auch aufgekommene Streitigkeiten zu schlichten, schließlich bezeichnete er sich selbst als den Landesvater. Mitunter kam es auch vor, dass der Monarch einen Bürger zu sich vorlud, sei es ihn zu loben oder zu tadeln, manchmal sogar um ihn auszuzeichnen oder gar zu bestrafen.

Mit zitternden Knien stand der Fischer im Vorraum des Audienzzimmers und wartete darauf, was nun Schreckliches auf ihn zukommen würde. Er schwitzte, seine Hände zitterten und die Ungeduld schnürte ihm fast die Kehle zu, so nervös war er.

Nach einer schier endlosen Zeit des Wartens öffnete sich endlich die Tür. »Komm herein, Fischer, seine Majestät erwartet dich«, rief ein Lakai ihm zu.

Zögerlich betrat er den Raum, der einer riesigen Bibliothek glich. Zaghaft schritt der Fischer über den Marmor glänzenden Boden auf einen schwarzgoldenen Schreibtisch zu, hinter dem der König mit einem würdevollen Lächeln saß.

»Komm näher, mein Lieber Fischer. Ich höre ja wundersame Geschichten über Dich, deine Frau und deine Arbeit«, begrüßte ihn der König.

Da haben wir es, jetzt ist es raus. Der König weiß Bescheid, das Unglück nimmt nun seinen Lauf! dachte der arme Kerl bei sich und ein eiskalter Schauer lief ihm über den Rücken, am liebsten aber wäre er jetzt im Boden versunken.

»Ich habe mir sagen lassen, dass Du nicht nur fleißig, sondern auch umsichtig, geschäftstüchtig, hilfsbereit und von einer gewissen Portion Glück beseelt bist. Das gefällt mir, ja wirklich. Deshalb habe ich beschlossen, dich zum königlichen Hoflieferant für Meerestiere zu ernennen. Natürlich nur, wenn du es willst. Besprich es aber vorher in Ruhe mit deiner Frau die, wie ich gehört habe, nicht nur besonders schön, sondern auch gütig und klug sein soll. Im Augenblick, so wurde mir berichtet, kränkelt sie wohl ein wenig! Sag ihr auch noch, dass ihr ein neues Boot und ein neues Haus bekommt, wie es einem königlichen Hoflieferanten gebührlich ist. Allerdings knüpfe ich eine Bedingung daran; Ihr müsst in Zukunft den gesamten Fang an mich abliefern, das heißt, es ist dir dann untersagt freien Handel mit deinen Fischen zu treiben. Überleg es dir gut und gib mir am nächsten Freitag Bescheid, wie ihr euch entschieden habt. Nun geh, und kümmere dich um das Wohl deine Frau, Fischer.«

Der König machte eine Handbewegung und der Lakai führte den immer noch verwirrten Fischer hinaus.

Im Lichte der Sonne trat der Fischer den Heimweg an und ihm wollte das Wohlwollen des Königs nicht aus dem Kopf gehen. Vor nicht einmal einem halben Jahr, wussten wir nicht einmal ob wir am darauffolgenden Tag etwas zum Essen hatten, geschweige denn, wie der laufenden Mietzins zu erwirtschaften war und jetzt sollte er königlicher Hoflieferant für Meerestiere werden, waren seine Gedanken. Zu Hause angekommen, kam ihm der Dorf Arzt entgegen und er erschrak.

»Mein Gott, Herr Doktor, steht es derart schlimm um meine Frau?« fragte er ängstlich.

»Sei beruhigt, Fischer, es ist alles bestens. Geh hinein und lass es dir selbst erzählen«, entgegnete Mediziner mit einem seltsamen lächeln.

Sogleich stürzte der Fischer in die Stube und sah gerade noch, wie sich sein Weib vom Bett erhob.

»Was um Himmels Willen ist geschehen, dass der Doktor kommen musste? Wie geht es dir? Fehlt dir etwas? Hast du Schmerzen?« völlig verstört stand er da und wartete auf ein Erklärung.

»Beruhig dich, Mann«, sagte sie, legte ihre Hand auf seinen Arm und drückte ihn sanft auf den Stuhl hernieder. »Weil ich Krämpfe im Leib hatte, habe ich den Fischergehilfen zum Doktor geschickt. Der ist auch gleich gekommen und hat mich untersucht«, sie stockte und machte eine winzige Pause.

»Ja, erzähl schon, was hat er gesagt?« fragte der Fischer ungeduldig.

»Also es ist keine Krankheit, im Gegenteil, es ist etwas ganz natürliches«, redete die Fischerin ein wenig um den heißen Brei und schmunzelte dabei.

»Was soll das! Keine Krankheit! Ganz natürlich! Du hast trotzdem Schmerzen. Das gibt es doch gar nicht, mach mich nicht zum Narren, Weib und spann mich nicht weiter auf die Folter«, sagte er wirsch.

»Also gut, aber erschrick nicht, Mann. WIR BEKOMMEN EIN KIND!«, rief sie glücklich lächelnd.

Einen Moment lang war es so Still im Raum, man hätte es hören können, wenn eine Stecknadel zu Boden gefallen wäre.

Dafür erhob sich hernach, der Jubel des Fischers Ehepaares umso mehr. Sie küssten und umarmten sich, sie drehten sich tanzend im Kreis, hüpften durch die Stube und waren ausgelassen wie die Kinder.

Plötzlich hielt der Fischer inne und sagte: »Halt Stopp, Du musst dich schonen, Frau.«

»Du hast Recht. Ich sollte es nicht übertreiben. Immerhin bin ich schon im 5. Monat«, stimmte sie ihm zu.

»Moment mal! Im 5. Monat«, sagte er und versank kurzfristig in Schweigen.

»Kannst Du dich noch an die kleine Krabbe erinnern? Die, die du so liebevoll versorgt hast und die am nächsten Tag verschwunden war! Und an den Tag nach meinem ersten großen Fang, als wir am Abend die sorgsam gehütete Flasche Wein getrunken haben? Und auch an die sich anschließende wundervolle Nacht? Und letztendlich an den Morgen, als die kleine Krabbe abermals auf den Stein hockte und ich das Gefühl hatte sie würde mir zuwinken, worüber wir noch so herzhaft gelacht haben … es noch als Unsinn abgetan haben! Wenn ich recht überlege, war das vor fünf Monaten«, waren des Fischers nachdenkliche Worte.

Die Fischerin setzte an um etwas zu entgegnen, doch er hob die Hand, seines Zeichens, dass er noch nicht fertig war.

»Warte noch einen kleinen Moment, bevor Du mir darauf eine Antwort gibst«, sagte er lächelnd.

»Von einer Sache weißt du noch nichts, nämlich vom heutigen Tag. Ich hatte gerade das Haus verlassen um zum König zu gehen und – glaub es oder glaub es nicht – vor unserem Haus saß doch wahrhaftig, nach Monaten der Abwesenheit, die kleine Krabbe und winkte mir wieder einmal zu. Zufall? Absicht? Es tut mir leid, ich habe keine vernünftige Erklärung dafür. Und, wenn ich dir nun sage was ich vom König erfahren habe, dann wirst auch Du darauf keine Antwort mehr finden. Hör gut zu: Ich bin ab sofort königlicher Hoflieferant für Meerestiere! Wir bekommen ein neues Boot und ein neues Haus«, endete der Fischer.

Wiederum herrschte für wenige Atemzüge fast Grabesstille im Raum.  

»Willst Du allen Ernstes Behaupten, dass uns eine Krabbe unsere sehnlichsten Wünsche erfüllt? Ist das nicht ein bisschen weit hergeholt? « erwiderte die Fischerin schließlich skeptisch.

Ihr Mann zuckte mit den Schultern, fand aber nicht die richtigen Worte ihr zu antworten. Sie überlegten hin und her, diskutierten, spekulierten, nahmen an und vermuteten, doch zu einem Ergebnis kamen sie nicht. Die Krabbe blieb ihnen ein Rätsel! Schließlich, als beide des Denkens müde waren, akzeptierten sie das Geschenk des Schicksals und waren berauscht vom Glück und trunken des Sieges, über Armut und Leid.

Der Fischer übermittelte dem König sein Einverständnis und es folgten für ihn und seine Frau ein paar harte Jahre der Arbeit aber auch des Erfolges. Das Kind das die Fischerin gebar wurde ein Knabe, der ihnen noch mehr Freude und erquickliches in ihr neugestaltetes Leben brachte.

Die nächsten Jahre flogen dahin, so schnell wie die Möwen über das Wasser glitten, dabei wuchs der Knabe heran und er war schon als Kind kräftig, angstfrei und schlau. Seine Augen strahlten tiefgründig, wie das azurblaue Meer und sein Haar war lockig und goldgelb, wie der Mais auf der Bauern Felder, obendrein war er aufgeweckt, geschickt und allseits beliebt.

Noch bevor sich der Ernst des Lebens für den Knaben eröffnete und er in die Schule kam, ließ der König die freudige Nachricht verbreiten. “Die Königin erwartet ein Kind.“

Jubel brach aus im Königreich Groß-Mähren, doch der Alltag und die darin aufkeimenden kleinen und größeren Sorgen der Leute, brachten sie wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Im Zeichen der Jungfrau geschah es dann. Der Knabe kam in die Schule und des Königs Kuriere verkündeten mit Stolz: “Eine Prinzessin wurde geboren!“

Und dieser Säugling strahlte einen besonderen Liebreiz aus, dass bald Jedermann im Lande verzaubert von dem neuen königlichen Familienmitglied sein sollte.

Der König rief zum Feste! Drei Tage lang wurde gefeiert, im Schloss, im Schlosshof und ums Schloss herum und jeder der wollte war herzlich eingeladen, zum Fröhlich sein, zum Essen, zum Trinken und natürlich zum Wohl der Prinzessin.

In den folgenden Jahren wendete sich das Blatt, dass der Fischer dachte zu seinen Gunsten gemischt zu haben. Hatte er damit gerechnet sein Sohn würde eines Tages seinen Platz einnehmen, sah der den Knaben immer häufiger bei seinem Weib in der Küche hantieren. Jede freie Minute die dem heranwachsenden Jüngling verblieb, verbrachte er am Herd, zog Soßen und beschäftigte sich mit Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Lauch, Sellerie und Karotten.  

Schon im Alter von neun Jahren legte der kochinteressierte Junge hinter dem Haus ein kleines Kräutergärtchen und verschiedene Gemüsebeete an. Mit zwölf Jahren fing er an eigene Gerichte zu erfinden, raffinierte Würzmischungen zusammen zu stellen und Fisch interessierte ihn nur noch, wie er ihn am besten kochen, garen oder Dünsten konnte. Immer wieder versuchte der Fischer seinen Sohn für das Handwerk des Fischers zu interessieren, aber genauso häufig stieß er auf Ablehnung. Und, kam es wirklich einmal vor, dass er mit hinaus fuhr aufs Meer, verzog er sich anschließend wieder in die Küche und frönte seiner Leidenschaft, den unterschiedlichen Garmethoden von Fleisch.

 Eines Tages, der Knabe war zu einem stattlichen Jüngling herangewachsen, gab es eine königliche Ausschreibung für Nachwuchsköche im Schloss. Gefertigt werden sollte, ein kaltes oder warmes Büfett, für eine ausländischen Vertretung. Dem Gewinner winkte eine Kochausbildung in der Küche des Monarchen, unter der Leitung des königlichen Maître de Cuisine. Auch der junge Fischers Sohn bewarb sich und stellte ein wahrhaft köstliches warmes Büfett zusammen. Noch während er gemeinsam mit vielen fleißigen Helfern, die ihm beim Aufbau assistierten zu Gange war, erschien ein junges Fräulein im Raum. Sie sah ihn an, mit Gold glänzendem Haar und rehbraunen Augen. Kaum dass er sie erblickte und fragen konnte wer sie sei, entschwand sie, wie von einem Geist getragen.

Seltsamerweise, berührte den jungen Mann diese Begegnung derart, dass es ihm unmöglich war das zarte Elfengleiche Wesen zu vergessen. Selbst von dem Gewinn des Wettbewerbs, den er laut Juryurteil, mit fünfunddreißig Punkten Vorsprung gewann nahm er kaum Notiz.

Schweren Herzens und weil der Fischer einsah mit welcher Inbrunst sein Sohn an dieser Ausbildung hing, gab er ihm seinen Segen

Für den Junior aber begann eine harte Zeit, denn wer am Hofe des Königs arbeiten wollte, gehörte zu den Besten oder er wollte es werden.

Sein Aufgabenbereich war groß und er änderte sich von Monat zu Monat, er lernte portionieren, tranchieren, , beizen, flambieren, gratinieren, parieren, blanchieren, dünsten, filetieren und, und, und… Des Fischers Junior war mit Feuereifer bei der Sache. Und weil er so fleißig, klug und geschickt war, schaffte er den Lehrplan in zwei, statt in drei Jahren.

In seiner freien Zeit jedoch, hielt er immer wieder Ausschau nach der Prinzessin, denn er wusste inzwischen das sie es war der er damals begegnete. Mit sehnsüchtigem Blick und klopfendem Herzen, verfolgte er ihr tun, egal ob sie im Park spazieren ging, mit anderen Mädchen Ball auf der Wiese spielte oder verträumt auf einer Bank am Schlossteich saß und stickte. Manchmal, wie zufällig, begegneten sich ihre Blicke, dann durchfuhr es ihn wie der heiße Stahl eines Schwertes.

Insgeheim, war ihm klar – weder als Fischer und auch nicht als Koch, sah er eine Möglichkeit seine Herzallerliebste zu erobern. Nur träumen  … von der Prinzessin träumen, dass konnte ihm keiner verbieten.

Noch aber ging es um seinen Job!

„Damit geb ich mich noch nicht zufrieden“, sagte sich der frischgebackene Jungkoch und lernte unermüdlich weiter, denn er wollte selbst Maître de Cuisine werden.  

Die Wochen und Monate gingen ins Land und nach zwei weiteren Jahren verbreitete sich die Nachricht, dass ein schwarzer Ritter mit seinen Schergen und einem Ungeheuer in den Nachbarländern sein Unwesen treibe.

Der König ließ die Wachen verdoppeln, doch das half ihm wenig, denn schon wenige Tage später stand der allseits verhasste Schurke mit zwanzig Spießgesellen vor dem Schloss und verlangte Einlass. Mit hoheitlicher Würde wurde er abgewiesen, was dem Fiesling ein Lächeln entlockte aber nicht abschreckte. Er holte eine Pfeife hervor und auf einen kaum wahrnehmbaren Ton erschien aus dem Waldstück hinter ihm ein hässlich anzusehender Drache. Mit einem gezielten Feuerstrahl aus dessen Rachen, stand im nu das hölzerne Schlosstor in Flammen. Allein, ohne Waffen begab sich der schwarze Ritter auf das königliche Anwesen, und trat dem Gefolge des Monarchen gegenüber.

»Ich will nur eine Audienz bei Eurem Herrn«, verkündete er und schritt, ohne die Anderen zu beachten, furchtlos an ihnen vorbei.

»Eure Majestät«, grüßte der Ritter, der zu dem König erstaunen, gänzlich ohne Rüstung vor ihm stand. »Man sagte mir, Eure Tochter sei das schönste Mädchen das unsere Sonne je erblickt hat. Ich bitte Euch um ihre Hand. «

»Vergesst es! Ich würde mein Kind niemals einem Schurken wie Euch anvertrauen und nun geht – verlasst mein Schloss und mein Land. «

»Ist das Euer letztes Wort? «

»Ja! «

»Ach ja, bevor ich es vergesse. Das hier für Euer Tor«, sagte er, griff unter seinen Wanst und warf einen Beutel Goldstücke auf den Boden, so dass dieser zerplatzte und die glänzenden Münzen sich über den Boden verteilten. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, drehte er sich um und verließ den Raum.

Zur gleichen Zeit fütterte die Prinzessin auf der Rückseite des Schlosses die Enten im Teich, der Sohn des Fischers lernte für seine Prüfung als Souschef und seine Majestät schäumte vor Wut über die Dreistigkeit des Eindringlings.

Nachdem der schwarze Ritter das Schloss verlassen hatte, trat er an den Drachen heran und flüsterte ihm einen Befehl zu. Alsdann verschwand der Bösewicht laut lachend mit seinen Reitern im Wald. Das Scheusal jedoch erhob sich fauchend in die Lüfte. Zwei, drei Mal umkreiste das Ungeheuer das Schloss, stieß plötzlich hernieder, griff die Prinzessin und verschwand mit ihr in der Ferne. Die Bediensteten, welche das Geschehen verfolgt hatte, begaben sich zum König und erstatteten Bericht. Ratlosigkeit und Verzweiflung griffen um sich und es entstand ein heilloses Durcheinander.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht vom Raub der Prinzessin im ganzen Land und viele junge Männer wollten sich aufmachen, die liebreizende Tochter des Königs zu suchen.

Die Frage lautete – Wo? Wo beginnen? Wo suchen? Es gab keinerlei Hinweise. Einfach so ins Blaue hinaus … das könnte Jahre dauern. Die Idee des königlichen Hauptmanns der Garde war, er schickte Späher hinaus ins Land um die Leute zu befragen – auch in die Nachbarländer. Nun hieß es warten.

Plötzlich kam Leben in die Suchaktion. Fast Stündlich gab es eine neue Meldung.

… Prinzessin in einer Höhle in den Bergen

… Sie befindet sich auf einem Schiff an der Küste

… eine Burgruine im Nachbarland ist der Unterschlupf des schwarzen Ritters

… eine schmale Felsenschlucht im Hinterland ist das Versteck

Und so weiter, und so weiter.

Jetzt war die Verwirrung Perfekt!

Der Sohn des Fischers war verzweifelt.

Die Hinweise der Späher sind nicht zu gebrauchen, ging es ihm durch den Kopf. Und so saß er am Abend sinnend vor dem Haus seiner Eltern, einsam und allein auf der Bank, nur der laue Frühlingswind leistete ihm Gesellschaft. Vater und Mutter waren beim Abendbrot, doch er bekam keinen Bissen herunter. Vor sich hin stierend bemerkte er kaum, wie das anrollende Wasser des Sees langsam im Sand versickerte. Nach einer geraumen Weile, er traute seinen Augen nicht, entstieg eine kleine Krabbe dem feuchten Element und steuerte einen Stein vor dem Haus an. Der Vater hatte ihm schon vor längerer Zeit ein paar zweifelhafte Geschichten über ein seltsames Schalentier erzählt aber handelte es sich hier um dasselbe Tier? Und während er die Spur des Tieres verfolgte, kam ihm ein absonderlicher Gedanke.

Die Spur der Krabbe ähnelt einer Mitteilung, so sein Gedanke, den er aber nicht für glaubhaft hielt. Langsam zweifelte er an seinem Verstand, denn jetzt ging die Krabbe wieder zurück, danach wieder vorwärts und immer seitlich neben der schon vorgezeichneten Spur. Nachdem sie das mehrmals getan hatte, machte sie kehrt und verschwand im See. Der Junior sprang auf und konnte den Blick nicht von dem Quadrat nehmen. Es sah aus wie ein Bild.

Nachdem auch der Fischer das Krabben Kunstwerk begutachtet hatte, war er Überzeugt.

»Hier handelt es sich ohne Zweifel um die gleiche Krabbe wie damals, mein Sohn. Immerhin, eine normale Strandkrabbe kann bis zu zehn Jahre alt werden, es würde mich nicht wundern, wenn dieses besondere Exemplar noch weitaus älter wird«, war sein Kommentar, dabei betrachtete er immer wieder nachdenklich das seltsame Gemälde im Sand, und noch bevor des Fischers Sohn antworten konnte, fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.

»Das ist Pico de Fuego! Nicht zu glauben, ohne Zweifel, ich war selbst schon dort«, entfuhr es dem alten Fischer, der jetzt einen ziemlich nervösen Eindruck machte.

»Weißt Du das genau, Vater, Ich habe noch nie etwas von diesem Land gehört«, sagte der Junior.

»Das ist kein Land, mein Sohn. Es ist eine Insel, eine Vulkaninsel im Atlantik. Sieh her, dieser Wirrwarr hier soll Dschungel sein, der Berg im Hintergrund ist der Vulkan und davor das Haus mit dem Turm ist ein altes Kloster. Ich war gerade mal 14 Jahre alt, unser See war damals noch nicht so Fischreich wie heute und dein Opa und ich mussten über die Mähre hinaus aufs Meer. Damals wurden wir von einem gewaltigen Sturm überrascht und sind weiter raus aufs Meer ausgewichen. Wir dachten schon in Sicherheit zu sein, als der Wind drehte und uns der Sturm einholte. Er trieb uns regelrecht auf diese Insel zu und unser Schiff wurde bei der Landung stark beschädigt. Zum Glück gab es dort einen Mönchsorden, dessen Mitglieder uns bei den Reparaturarbeiten geholfen haben. Ich glaube, die Krabbe wollte uns sagen, dass die Prinzessin dorthin entführt wurde«, erklärte der Fischer.

Fast ehrfürchtig hatte der Junior dem Vater gelauscht, sah ihn jetzt an und nickte zustimmend: »Du hast recht, Vater«, sagte er, »Ich werde sofort ein paar Leute besorgen und morgen brechen wir auf die Prinzessin zu befreien. «

Am kommenden Morgen versammelten sich fünf der besten Krieger des Königs und fünf kräftige Fischer die den Sohn des Fischers und seinen Vater begleiten wollten, auf des Vaters Schiff. Der schnelle Aufbruch brachte auch erste Probleme. Es herrschte zwar Flut aber bis zum eigentlichen Hochwasser blieben noch vier volle Stunden und es war ein großes Wagnis die schmale Fahrrinne und das Felsenreiche Gewässer der Mähre in Richtung Meer jetzt zu befahren. Zweimal zeigte ihnen ein harsches Knirschen und gut hörbares Scharren die unmittelbare Gefahr auf, doch der Strom riss das Fischerboot immer wieder mit sich. Nachdem sie den Atlantik unbeschadet erreicht hatten, wandelte sich das Schiffsverhalten und das Meer testete die Seetauglichkeit des Wassergefährts. Mit tiefen Wellentälern wurden sie empfangen, dass zeitweilig der Horizont im Meer versank. Hoch, runter, hin und her, wieder hoch, runter, hin und her, es war ein Tanz auf dem Wasser. Die ungewohnte Situation brachte den Leuten die erste schlaflose Nacht ein. Der Sohn des Fischers hatte sich einen Plan zu Recht gelegt und den unterbreitete er nun den anderen. Geschickt warfen die Fischer ihre Angeln aus um sich Köderfische zu fangen und diese zum fangen von ganz speziellen Fischen zu benutzen. Am Ende des dritten Tages waren die Körbe voll und am Horizont wurde ein winziger Punkt eines Festen Landes sichtbar.

»Das muss sie sein. Ja natürlich, das ist la Pico de Fuego. Ich erkenne sie am geneigten Vulkankegel«, rief der alte Fischer freudig erregt.

Gegen Abend landeten sie im Schutz der Dunkelheit an einem waldreichen Inselabschnitt. Sie machten das Boot fest und schwärmten aus um auf Geheiß des Juniors bestimmte Kräuter zu sammeln und nach Wild Ausschau zu halten. Das Glück war ihnen hold, denn es gab Wild in hülle und fülle, Rotwild, Wildschweine und Kaninchen, so viel sie nur wollten. Nun tat sich für die Leute des Fischers ein kleines Problem auf, sie konnten das benötigte Wild nicht schießen, da sie sich sonst verraten würden, somit blieb ihnen nichts anderes übrig als ein selbstgefertigtes Lasso und die Netze des Fischers zu benutzen. Was äußerst beschwerlich aber nicht unmöglich war. Das dauerte seine Zeit, bis sie endlich das Wild und die Kräuter beisammen hatten. Jetzt präparierten sie die gefangenen Tiere, weideten sie aus und füllten einen Teil der leblosen Körper mit dem gefangenen Fisch und die anderen mit den Kräutern, die der Junior vorher noch fachmännisch geprüft hatte.  

In einem Erdofen, den die kleine Befreiungsarmee weitab vom Kloster um nicht bemerkt zu werden anheizte, wurde ein Teil des Wildes einige Stunden lang vorgegart. Der letzte Abschnitt des Plans, den sich der Sohn des Fischers ausgedacht hatte, war der schwierigste und auch gefährlichste. In einiger Entfernung aber noch in Sichtweite der Abtei wurde ein nicht einsehbarer Platz eingerichtet und mehrere Lagerfeuer entfacht. Hier wurde das vorbereitete Wild fertig gegrillt und die größeren mit Fisch gefüllten noch rohen Leiber, sichtbar auf die Seite gelegt.  

Nun galt es die Nerven zu behalten und ab zu warten bis der schwarze Ritter mit seinem Gefolge herbei eilt, um die leichtsinnigen Eindringlinge nieder zu machen.

Der Morgen graute schon, als sich der Bösewicht und seine Mannen durch Hufschlag ankündigte und über das Lager herfiel.

»Na schaut sich das einer an, die Vögel sind ausgeflogen. Ich tippe mal auf ein paar gestrandete Seeleute aber die kriegen wir schon. Jetzt werden wir erstmal Frühstücken, wo doch unsere unbekannten Besucher uns so liebevoll den Tisch gedeckt haben«, rief der schwarze Ritter und ein schallendes Gelächter war die Antwort. Dabei ahnte keiner der Schurken, dass sie aus sicherer Entfernung beobachtet wurden.

»Schaut her, Leute, unsere netten Besucher haben sogar an meinen kleinen Freund gedacht«, sagte der schwarze Ritter, lachte und zeigte auf das noch unfertige Wild auf der Seite, dann nahm er die Pfeife heraus und tat einen langen pfiff. Wenige Augenblicke später hörte man ein entferntes Fauchen und sah einen Drachen aus dem Vulkan aufsteigen, der gradewegs auf die kleine Gruppe zuhielt.                                                                                                                                        »Hier mein Freund, lang zu«, sagte er und der Drache machte sich eilends über das köstliche Mahl her. Auch alle anderen langten kräftig zu und eine halbe Stunde später lagen überall nur noch abgenagte Knochen herum. Für das weitere Geschehen jedoch waren die gesammelten Kräuter verantwortlich, denn Bilsenkraut, Eisenhut, Tollkirsche und Schierling, waren allesamt hochgiftig und nur ganz wenige der Schurken überlebten das Mahl. Natürlich hatte der Sohn des Fischers auch an den Drachen gedacht, dem die giftigsten Fische des Meeres, wie Steinfisch, Petermännchen, Würfelqualle und Blauringkrake, als Wildbratenfüllung verabreicht wurden. Für einen der königstreuen Soldaten war es nun ein Leichtes dem angeschlagenen Ungeheuer den Kopf ab zu schlagen. Die wenigen Wachen im Kloster ergaben sich kampflos und wurden mit den restlichen Überlebenden gefesselt im Rumpf des Schiffes zurück transportiert. Die Prinzessin und des Fischers Sohn hatten keine Mühe sich ihre Liebe zu gestehen und als ein liebend Pärchen traten sie die Rückfahrt an.                                                              

Nachdem der König veranlasst hatte, die überlebenden Halunken in den Kerker zu werfen, widmete er sich dem Sohn des Fischers in einem ernsten Gespräch.                                                                                                                

»Es tut mir leid, aber da du zur Prüfung als Souschef nicht anwesend warst, wirst Du den Titel des Maître de Cousine auch nicht bekommen«, eröffnete der König das Gespräch.                                                                                                             »Aber ich, ich … «                                                                                                          »Stopp! Du brauchst hier gar nicht herumstottern, ein Küchenchef wirst Du nie. Es geziemt sich nicht für einen Prinzgemahl und zukünftigen König in der Küche herum zu hantieren, Schwiegersohn«, sagte der König lächelnd.                                    

Die Prinzessin, die auf der anderen Seite in der Tür stand, lief quer durch den Raum und küsste erst ihren Vater und anschließend den Sohn des Fischers.

»Danke«, sagten beide, fast wie aus einem Mund zum König, der immer noch lächelnd auf seinem Thron saß.

Und wieder war es Frühling, als das glückliche Brautpaar bei strahlend blauem Himmel nach der kirchlichen Trauung das Gotteshaus verließ. Es war jedoch das Letzte Mal, dass irgendjemand die kleine Krabbe, die diesmal auf einem Stein neben der Kirche saß, gesehen hatte.

Und wenn sie nicht gestorben sind, leben die Beiden noch heute glücklich wie am ersten Tag, in ihrem Schloss im Groß-Mährener Land.

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentare

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    Danke, liebe ShariMaya, ich freue mich, wenn dir mein kleines Märchen gefallen hat. LG Siebenstein

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    Dein Märchen ist dir gut gelungen - ich mag es sehr!

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Feenstaub

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