Ich musste es tun, es gab keine andere Wahl!
Das versuche ich mir schon seit einer Stunde einzureden und doch weiß ich tief in mir drinnen, dass ich sehr wohl eine andere Wahl gehabt hätte. Ich hätte nie so weit gehen dürfen. Mit Tränen in den Augen blicke ich durch einen zersplitterten Spiegel auf die Trümmer meiner selbst.
Wie eine Witzfigur stehe ich da in meinen zerrissenen Jeans. Eine Witzfigur, die etwas schreckliches getan hat. Ich zucke zusammen, als ich die Schreie der jungen Frau im Raum neben mir höre. Verzweifelt presse ich mir die Hände auf die Ohren, um nicht weiter mit anhören zu müssen, wie sie um ihr Leben schreit.
Ich bin sogar zu feige, um es mir anzuhören, dabei bin ich doch dafür verantwortlich! Wahrhaftig eine Witzfigur. Ich sollte dazu stehen, was ich getan habe!
Doch das kann ich nicht. Ich will nicht. Nie werde ich mich jemals wieder ertragen können. Mein Leben wird eine einzige Qual sein.
Wegen einem Fehler. Dabei wollte ich gar nicht so weit gehen. Ich wollte sie wieder freilassen, nachdem ich das Geld bekommen hatte, doch ich war zu unvorsichtig. Wäre das nicht passiert, hätten es alle vergessen können...doch jetzt. Ich wollte ihr gerade das letzte Essen geben, das letzte, bevor ich sie freiließ, aber dann... nur ein Fehler.
Ich hätte es verhindern können, wäre ich doch vorsichtiger gewesen. Das Tuch fiel und entblößte mein Gesicht. Mit großen Augen hatte sie mich angestarrt und meinen Namen geflüstert. Voller Enttäuschung. Warum? Hatte sie gesagt, doch wusste sie die Antwort schon. Geld.
Ich brauche es und doch hat es mein Leben zerstört.
Sie hatte mein Gesicht gesehen und gewusst: Es war zu spät.

Kommentare

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    Ich finde es toll, wie du einerseits genug erzählst um den Leser für die Geschichte zu begeistern, aber auf der anderen Seite immer noch genug Raum für eigene Interpretationen übrig bleibt. Toll geschrieben :)

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Feenstaub

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