Die Maske fällt

Delina spielte mit ihrer Halskette.
"Ich habe etwas für dich, ein Familienerbstück deiner Mutter..."
Das waren die Worte der eigenartigen Frau gewesen, die Delina vor einem Jahr im Wald vor Ilks diese Kette gegeben hatte.
Alles hatte sich seit dem verändert.
Sie war unsterblich in einen unerreichbaren Church verliebt.
Obwohl sie ihn kaum kannte, aber jede Art von Kontakt mit ihm bestätigte ihre Gefühle nur.
"Delina?", fast wäre ihr Herz stehen geblieben. Da war er wieder, besorgt musterten seine schwarzen Augen sie.
"Geht es dir nicht gut? Du siehst verwirrt aus!", stellte er dann trocken fest.
Delina seufzte: "Meine Gedanken verwirren mich, egal, was gibt es?" Sie standen beide in der Morgensonne vor dem Tempel Illutia, es schien ein herrlicher Tag zu werden.
"Celles ist seit gestern abhandengekommen, Saphira sorgt sich ein wenig!", erklärte Church sein Auftauchen dann.
"Oh, ich habe sie seit gestern nicht mehr gesehen!", Delina fiel nun auch auf das Celles einfach verschwunden war.
Chruch seufzte, er schien sich wirklich Sorgen zu machen, obwohl Celles eher nicht zu seinen Freunden zählte.
"Celles schläft bei sich zu Hause!", Delina ließ einen spitzen Schrei los als Silas plötzlich zwischen Church und ihr erschien.
"Woher weißt du das?", fragte Church ihn misstrauisch.
Delina fragte sich ob sie sich je an das plötzliche Auftauchen ihres seltsamen Freundes gewöhnen würde.
"Kommt jetzt!", Silas berührte beide an der Schulter.
Der reißende Strudel der Teleportation durch eine Welt ließ Delinas Kreislauf wieder einknicken.
Als sie festen Boden unter die Füße bekam, atmete sie tief ein und war erleichtert.
"Wo sind wir?", Delina sah sich um, sie und Church waren von Silas mitten in einem Wald ausgesetzt worden.
"Ich schätze irgendwo zwischen Madum und den staubigen Überresten von Yorricksstadt!", Church kannte die Umgebung einigermaßen.
"Und was sollen wir hier?", wollte Delina wissen und spielte nervös mit ihrer Halskette. Church betrachtete das Amulett, ein schwarzer Stein mit einem Loch in der Mitte, und erkannte es aus der Sammlung an Büchern über Gegenstände, die Finn gesucht hatte.
"Das allsehende Auge von Solon!", er deutete ihr ihm die Kette zu geben, "Finn und ich haben ewig danach gesucht, es sollte sich im Besitz des weißen Throns befinden."
Delina nahm die Kette ab und reichte sie Church: "Ich bekam es von einem Wesen, sie sagte es wäre ein Erbstück meiner Familie."
Church zog eine Braue hoch: "Ein Wesen? Ein eigenartiges weibliches Wesen? Kannst du mir mehr darüber erzählen?"
Delina schüttelte den Kopf: "Ich weiß nicht was sie war, aber sie krümmte die Zeit um ihren Körper und verlangsamte alles um sich herum."
Church seufzte, er hatte keine Ahnung wie das Wesen an dieses Artefakt gekommen war, aber zumindest konnten sie es nutzen.
Eigenartig schien etwas zu sein, was Delina verfolgte. Silas zum Beispiel.
Aber Silas war ihm sowieso ein Rätsel, Church konnte nur spekulieren um, was es sich bei ihm handeln konnte.
"Wie benutzt man es?", Delina holte ihn aus seinen Gedanken.
"Man sieht hindurch und es zeigt einem, was man sehen will, vergangenes, nicht die Zukunft. Ein Blick in die Zukunft kann tödlich sein!", erklärte Church ihr mit einem Grinsen.
"Also muss ich nur hindurchsehen?", Church wollte sie noch aufhalten, aber Delina hatte den Stein schon vor ihrem linken Auge.
Im selben Moment rollten ihre Augen nach hinten und Church konnte sie im letzten Moment noch auffangen.

"Wieso hilfst du uns?", Sassy riss sich aus Deseis Griff los, er hatte sie aus Madum befreit und ihr und Atep zur Flucht verholfen.
"Ich habe nur auf eine Gelegenheit gewartet, den Kerker wünsche ich niemandem!", der Rabe schien nicht zu verstehen, was ihr Problem war.
"Ich kann nicht mehr!", Atep fiel erschöpft auf die Knie.
"Ich trage dich!", Sassy deutete ihm auf ihren Rücken zu hüpfen, damit sie ihn Huckepack tragen konnte. Deseis begutachtete das schmunzelnd. Der Junge grinste sogar richtig, als er auf Sassys Rücken sprang.
Sie kamen nur einige Meter weiter durch den lichten Laubwald bevor sie vor Kratern und Rissen in der Erde standen. Das Erdreich war zur Mitte des Kraters hin eingesunken und darum herum waren die Spuren der zerstörten Hauptstadt von Amergyn zu sehen.
"Das hat Church getan und es wurde nur ein Siegel wirklich gebrochen.", Sassy sah nachdenklich über das Schlachtfeld, welches ihr Partner hinterlassen hatte.
"Ich habe Finn immer gesagt, dass Church kein Dämon ist, aber er wollte nichts davon hören.", Deseis strich sich eine Strähne seines langen schwarzen Haares aus dem Gesicht.
"Finn wusste es immer und er wusste wer du bist. Es war falsch von ihm es Church nicht zu sagen!", empörte Sassy sich, "Generell, dich als Spion in Diliculum einzuschleusen und Caja machte wahrscheinlich zeitgleich Jagt auf dich."
Deseis winkte ab: "Ich wollte das, es war der effektivste Weg Church zu beschützen. Immerhin trägt er das Erbe Baals in sich!"
Sassy fragte sich, was Church ominöses sein sollte. Er kam aus einer Dämonenfamilie, Ladira hatte ihn immer einen eher niederen Dämon genannt.
"Es gibt ältere, mächtigere Wesen als Dämonen!", eine engelsklare Stimme zog ihre Aufmerksamkeit auf sich.
"Eva!", Sassy kniff die Augen zusammen, "Was willst du von uns?"
Eva lachte, aber ihr lachen klang verändert.
Erst da bemerkte Sassy die zerfledderten Flügel und die zerrissene weiße Kleidung.
"Was ist passiert?", wollte sie dann von Eva wissen, "Wurdest du angegriffen? Brauchst du Hilfe?"
Eva lachte nur weiter, Deseis hielt Sassy davon ab sich dem Engel zu nähern.
"Engel sterben nicht, das kann der Spion Finn dann ausrichten!", schrie Eva und zeigte auf Sassy, "Du, Miststück, und der Bastard, ihr werdet hier sterben!"
"Sie ist gefallen!", stellte der Rabe fest und sah sich hektisch um, "Tötet man einen Engel, kommt er laut der Legende zu seinem Schöpfer zurück. Dieser verbannt ihn dann zumeist, was unter diesen himmlischen Wesen schlecht verkraftet wird. Früher gab es angeblich mehr von ihrer Sorte."
Sassy löste Ateps Klammergriff um ihre Schultern und deutete Deseis ihn zu nehmen.
"Du wirst ihn zur Wacht bringen, koste es, was es wolle!", verlangte sie.
"Sie wird dich in Fetzen reisen!", entfuhr es Deseis härter als geplant.
"Ich bin bereit zu sterben!", fuhr Sassy ihn an, "Und jetzt geh!"

Evas widerliches Lachen ließ Delina endgültig aus ihrer Vision zurückkehren.
Sie japste nach Luft und stellte dann hochrot fest, dass sie in Churchs Armen lag.
"Na Dornröschen?", spottete dieser, "Hast du etwas Schönes gesehen?"
Delina rappelte sich auf und auch Church brachte ein wenig Abstand zwischen sie beide.
"Was ist passiert?", fragte sie ihn verwirrt, versuchte sich an alle Details zu erinnern.
"Du bist umgekippt, dann warst du eine Stunde bewusstlos.", Church kratzte sich am Hinterkopf, "Erst als der Tumult angefangen hatte wurdest du langsam munter!"
Delina hörte es nun auch, es rumpelte und krachte, die Erde unter ihren Füßen vibrierte förmlich.
"Sassy!", sie wollte losrennen, wurde aber von Church mit strengem Blick festgehalten.
"Sie kämpft!", erklärte Delina sich, "Gegen den Engel den Finn mutmaßlich getötet hat. Sie kehrte zu ihrem Schöpfer zurück und wurde verbannt, jetzt will sie sich an Finn und dir rächen!"
Church riss die Augen auf: "Und nimmt uns was wir lieben, da wir ihr dasselbe nahmen!"
Delina nickte: "Sie will Sassy und Atep töten! Aber Deseis konnte mit dem Jungen fliehen! Sassy, sie will sich opfern!"
Church atmete tief durch, dann begann er Delina seinen Plan zu erklären. Gefallene Engel waren nicht mehr so mächtig, aber extrem rachsüchtig.
Delina sollte also die Ebene, auf der früher Yoricksstadt gestanden hatte, in dichten Nebel hüllen. Ihre Wölfe würden Eva angreifen und Church Gelegenheit geben Sassy aus der Schusslinie zu holen.
Dann würde Delina eine Fähigkeit ihrer Familie, das Nebeltor, verwenden. Durch dieses Portal würden sie dann zurück nach Illutia gelangen. Delina machte sich sofort an die Arbeit und Church auf den Weg um Sassy zu retten.

Celles stürmte durch Illutia, sie war aufgeregt und glaubte etwas gefunden zu haben, mit dem sie Silas aus seinem Versteck locken konnte.
Er war einfach verschwunden, als sie kurz eingenickt war. Shanora hatte nach ihm gerufen, unzählige Male, aber er war nicht erschienen.
Sie hatte keine Lust mehr auf das Versteckspiel und ihr war eingefallen, dass sie in der Kammer eine Kiste stand, die verdächtig nach der aus Harmun aussah.
Etwas so offensichtlich zu verstecken, weil es dann niemand finden würde, das passte zu Silas. Sie rannte durch die steinernen Gänge bis zu der hölzernen Türe mit dem gebrochenen Schloss.
Schnell riss sie sie aus und wäre fast in Silas gerannt, der mit dem Rücken zu ihr stand.
"Du bist also dahinter gekommen!", stellte er mit verbitterter Stimme fest, "Wie schlau du doch bist, Celles Dunkler!"
Celles schnaubte wütend: "Shanora hat sich solche Sorgen gemacht, als du einfach nicht aufgetaucht bist! Mach so was ja nie wieder, sie hat zu viele ihr nahe stehende Personen verloren! Und warum auch immer, aber sie zählt dich zum Kreis ihrer Freunde! Das Mädchen war schon immer viel zu gut!"
Silas griff sich an die Brust, als würde er einen Herzinfakt erleiden: "Sie sorgt sich im mich? Sie mag mich? Sie... Ich bin ihr wichtig?"
Celles verdrehte die Augen: "Gott ich kotze gleich, gestehe ihr doch deine Liebe aber sülz mich nicht voll."
Silas schien ihre zickige Art fast schon niedlich zu finden: "Und du, hast du dich um mich gesorgt? Du hast dich gesorgt, schließlich hast du mich gesucht."
Celles verschränkte die Arme und beschloss darauf nicht zu antworten.
Silas lachte: "Hättest du hineingesehen?"
Celles warf einen Blick auf die Kiste. Sie hätte, auf jeden Fall, hineingesehen.
"Nein!", log sie, "Du und dein Versteckspiel interessiert mich nämlich nicht."
Silas drehte sich um stand nun mit dem Rücken zu ihr. "Du bist naiv zu denken, ich würde deine Lügen nicht durchschauen. Deine einfältigen schlechten Lügen.", Silas Stimme klang noch bitterer als zuvor.
"Geht es dir gut?", fragte Celles ein wenig sanfter, "Ich hätte zuerst fragen, nicht gleich herumschreien sollen. Es tut mir leid, der Jähzorn ist meine größte Schwäche."
Silas Stimme klang beinahe gebrochen: "Ich bin Niemand, also kann ich dir auch keine Antwort auf diese Frage geben. Das siehst du ein, oder?"
Celles dachte kurz nach: "Jeder ist jemand! Wir sind vielleicht nicht mehr dieselben wie in früher, aber sobald man sich anderen öffnet ist man jemand, das hat mir..."
Silas unterbrach sie: "... der ach so kluge Finn gelernt! Aber Finn ist auch nicht Finn, er ist Niemand, genau wie ich!"
Celles erstarrte, war er etwa auch ein Dunkler-Experiment? Langsam hob Silas, immer noch mit dem Rücken zu ihr, seine Hand und führte sie zu der goldenen Maske, die er trug.
Dann nahm er sie ab und ließ sie klirrend auf den Boden fallen.
"Ich will das du mich ansiehst.", meinte er dann, "Ich will, das du Celles Dunkler, als erster Jemand das Gesicht eines Niemands siehst!"
Celles war verwirrt und zitterte ein wenig.
Sie musste zugeben, dass sie zu wissen begehrte, wie wohl sein Gesicht aussehen würde. Ob es einen Grund gab, warum er es versteckte.
Dann drehte er sich ohne weitere Vorwarnung um.
Celles starrte auf das Gesicht, welches vor ihr lag.
Die linke Seite war von der Stirn bis hin zum Mund von tiefen Narben gezeichnet und ließ nur noch einen Bruchteil der ebenmäßigen Gesichtszüge erkennen. Er hatte volle, schöne Lippen, ein Cut auf der linken Seite tat dem keinen Abbruch. Sein rechtes Auge war geschlossen, das Linke von vier Narben durchzogen und zugenäht. Wie die Tempelkatzen und die Narben schienen von Klauen zu kommen. Er hatte edel wirkende, hohe Wangenknochen und sein kurzes, pechschwarzes Haar passte hervorragend zu seinem eher hellen Teint.
"Stehst du schon unter Schock?", Silas Mund verzog sich zu einem Grinsen, "Church ist nicht der entstellteste hier."
Celles hob die Hand und fuhr über die Narben, was Silas kurz zurückzucken ließ. Sie ließ sich nicht beirren und fuhr über die längste, die durch sein linkes Auge verlaufend bis zu seinem Hals, hinunter über das Schlüsselbein verlief. Man hatte ihm diese Verletzungen nicht zugefügt, um ihn zu töten.
Man hatte ihn gefoltert.
Und sie glaubte zu wissen, welchem Umstand er diese Folter zum verdanken hatte.
Ihr wurde schlecht, ihr Magen schien sich zu verkrampfen.
"Ist alles in Ordnung mit dir?", fragte er sanft, da erst viel Celles auf, dass er sein, soweit sie das beurteilen konnte, unverletztes Auge nicht öffnete.
"Schau doch selbst!", knurrte sie und verschränkte die Arme.
Das hatte Treplew getan, das Monster, welches Dr. Jaseia erschaffen hatte.
Das Monster, das ihr Vater erschaffen hatte lassen.
Sie und Saphira hatten ihn zu spät vernichtet, viel zu spät.
Erst Shanora hatte sie damals wach gerüttelt, als sie sich die Haare abgeschnitten hatte, um ihren Ärger über Maris sinnlosen Tod auszudrücken.
"Ich habe eine Vorstellung von dir, ich will sie nicht zerstören.", erklärte Silas und Celles glaubte ihm kein Wort.
"Wer bist du?", ihr viel langsam die Ähnlichkeit zu jemandem, den sie kannte, auf.
"Oh mein Gott! Bei den hohen Himmeln und dem Limbus, ich habe Recht!", entfuhr es Celles daraufhin. Sie wich zurück und knallte gegen die Wand hinter sich.
Als Silas bemerkte, dass sie an den Resten seines Gesichts erkannt hatte wer er war öffnete er sein Auge.
Fassungslos starrten sie sich an, es war still geworden in der Kammer.
Dann ging Silas einen Schritt zur Seite und gab den Blick auf die Kiste frei.
Darin befand sich ein Diadem aus Weißgold, ein zerfleddertes Notizbuch und ein Foto von einem kleinen jungen mit einem Baby am Arm.
"Warum zeigst du mir das alles? Du musst mich hassen!", Celles stiegen Tränen in die Augen, "Meine Schwäche war mit ein Grund warum das passieren konnte!"
Silas berührte sie an der Schulter: "Du warst bloß ein Kind Celles, es war keinesfalls deine Schuld. Und ich kann nicht länger Niemand sein, ich möchte das du weißt wer ich bin, so wie ich weiß wer du bist!"
Celles nickte: "Aber du musst es..."
Silas unterbrach sie: "Denk weiter! Ich kann nicht offenbaren wer ich bin."

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